Frage von AvatarMetal, 65

Sport-Attest für die Kursstufe in Baden-Württemberg?

Hallo Community, das ist eine komplett ernst gemeinte und mittlerweile dringliche Frage.

Ich bin 17 Jahre alt, weiblich und bräuchte dringend ein Sport-Attest für die gesamte Laufzeit der Kursstufe. Warum? Nunja:

Es ist seit mehreren Jahren so, dass ich mich vor dem Schulschwimmen "gedrückt" habe, jedoch nicht aus Faulheitsgründen, sondern weil ich mich mehr als nur unwohl in meinem Körper fühle. Halbnackt und "eng" bekleidet vor den anderen Mitgliedern meiner Stufe herumzuturnen ist für mich ein Alptraum gewesen, was sich darin geäußert hat, dass ich am Abend vor dem Schwimmunterricht entweder hysterische Panikattacken oder Heulkrämpfe bekam, bzw es schlussendlich nicht über's Herz bringen konnte, mich an dem Tag selbst vor den anderen umzuziehen und dann unentschuldigt gefehlt habe, was von sonstigen psychosomatischen Beschwerden wie Übelkeit und Kopfschmerzen begleitet wurde.

Irgendwann habe ich den Beschluss gefasst, meinen Hausarzt, der mich seit mehr als 6 Jahren betreut, von der Problematik zu erzählen und dieser hat mir dann ein Attest für das Jahr ausgestellt. Vom Hallensport war ich nicht befreit, was die nächsten Jahre auch so blieb.

Je älter ich aber wurde, desto mehr hat es sich verschlimmert: Nicht nur vor dem Schwimm-, sondern auch vor dem normalen Sportunterricht kriege ich mittlerweile Panikattacken und es kam sogar schon einmal soweit, dass ich am Abend vor dem Unterricht abhauen wollte (was im Nachhinein absurd klingt, ich weiß, aber ich glaube, dass dieser Aspekt zeigt, wie schlimm die Situation eigentlich ist). Die wenigen Male, an denen ich versucht habe, meine "Angst" zu überwinden und anwesend zu sein, haben darin geendet, dass ich mehrere Tage vor dem Termin aufgehört habe, zu essen, da ich so gestresst war.

Allein, dass ich psychisch nicht mehr imstande bin, beim Hallensport mitzumachen, ist für mich schlimm genug, aber hinzu kommt, dass weder mein Hausarzt, noch mein Psychologe bereit sind, mit ein Attest auszustellen, sondern meinen, mich einmal wieder meiner Angst stellen zu müssen.

Da ich es jedoch selbst schon einmal versucht habe und es jedes Mal ein Desaster geworden ist, beschäftigt es mich jedoch sehr. Unentschuldigt fehlen kann ich nicht, da ich nun in der Kursstufe bin und das sich drastisch auf meine sonst wirklich guten Noten ausüben würde.

Nun bete ich, dass jemand von euch vielleicht noch eine Antwort oder einen Ratschlag für mich hat.

Antwort
von wilees, 40

Hier kann es nur den einen Rat geben - stelle Dich Deiner Angst. Tust Du dies nicht, läufst Du Gefahr in weiteren Lebenbereichen - beim Zusammentreffen mit anderen Menschen, weitere "Paniken " zu entwickeln.

Kommentar von AvatarMetal ,

Wenn du die Farge aufmerksam gelesen hättest, wüsstest du, dass es diese Versuche bereits gab und dass diese für mich kläglich gescheitert sind. 
Da ich fast unmittelbar vor meinem Abitur stehe, kann ich es mir nicht vorstellen, noch mehr Stress durch etwas eigentlich nicht heikles zuzufügen. 
Nach der Schule will ich mich einer Therapie widmen, für die ich dann auch schlussendlich zeit hätte, was diese "Folgen" verhindern oder wenigstens mildern würde.
Dazu muss ich erwähnen, dass ich sonst ein sehr kommunikativer Mensch bin und einen weiten Freundeskreis habe, also werde ich auch weiterhin keine Probleme damit haben, mich mit Menschen "abgeben" und beschäftigen zu müssen.

Kommentar von wilees ,

Es geht bei meiner Aussage nicht um Begegnungen im privaten Bereich, die Dir wohl leicht fallen, sondern speziell um Begegnungen in denen Du unter "Beobachtung" stehst ( Beurteilt bzw. in Deinen Augen verurteilt wirst ) .

Stelle Dir Bewerbungsgespräche oder wenn Du etwas präsentieren mußt, etwas in eine solche Richtung vor.

Kommentar von AvatarMetal ,

Ich habe das Gefühl, ein falsches Bild vermittelt zu haben.

Normalerweise bin ich bei Präsentationen usw. sehr entspannt und kassiere dafür regelmäßig 13-15 Punkte.

Durch meine privaten Projekte mit meiner Band habe ich bereits Erfahrung auf der Bühne gesammelt, die sich in Naher Zukunft auch häufen wird, da wird erst ein Album fertiggestellt haben und das bald live präsentieren dürfen. 

Solche Situationen bin ich eigentlich absolut gewohnt und nehme sie entspannt hin :)

Antwort
von Kirschkerze, 44

"Allein, dass ich psychisch nicht mehr imstande bin, beim Hallensport mitzumachen, ist für mich schlimm genug, aber hinzu kommt, dass weder mein Hausarzt, noch mein Psychologe bereit sind, mit ein Attest auszustellen, sondern meinen, mich einmal wieder meiner Angst stellen zu müssen."

Sie haben auch vollkommen Recht damit. Es bringt nichts wenn du dem Problem immer nur davon läufst, am Anfang einer psychologischen Behandlung kann das mal kurzfristig Sinn machen. Aber nicht dauerhaft. Irgendwann traust du dich gar nicht mehr unter die Menschen.

Meiner Ansicht nach brauchst du fundiertere psychologische Betreuung und nicht noch Unterstützung in deinem Verhalten. Klingt hart, aber ist so. Dadurch würdest du dich nur immer weiter rein steigern

Kommentar von AvatarMetal ,

Das geht absolut nicht. Ich wäre bereit für eine Therapie nach der Schulzeit, da mir meine Noten sehr wichtig sind. Die würde ich auch mitmachen.
Aber wenn diese "Therapie" sich auf meine Noten - die sonst sehr gut ausfallen - auswirkt, wird es für mich im nachhinein nur noch schlimmer. Abgesehen davon habe ich es immer wieder selbstständig versucht, am Sportunterricht teilzunehmen, aber es wird im Allgemeinen immer schlimmer für mich, und den Stress kann ich vor dem Abi keinesfalls gebrauchen

Kommentar von Kirschkerze ,

"Das geht absolut nicht."

Was? Eine psychologische Behandlung? Wieso?

"Aber wenn diese "Therapie" sich auf meine Noten - die sonst sehr gut ausfallen - auswirkt, wird es für mich im nachhinein nur noch schlimmer"

Was redest du denn? Wieso sollte das so sein?

"Abgesehen davon habe ich es immer wieder selbstständig versucht, am Sportunterricht teilzunehmen, aber es wird im Allgemeinen immer schlimmer für mich, und den Stress kann ich vor dem Abi keinesfalls gebrauchen"

Ändert aber nichts an der Tatsache dass du da durch musst und ich finde es gut dass deine Ärzte da konsequent sind. Nachdem du kurz vor dem Abi stehst ist es auch die letzte Gelegenheit damit überhaupt fertig zu werden. Entweder jetzt...oder nie. Und es wird später dein Leben extrem beeinflussen und beeinträchtigen.

Ohne psychologische Kenntnisse zu haben...muss ich mir doch mal den Satz erlauben: Ja, du steigerst dich da extrem rein, du scheinst nicht mal mehr richtig zu wissen wo dein Problem liegt....

Grundsätzlich musst du das Thema sowieso mit deinen Ärzten/psychologen ausdiskutieren. Und die haben dir schon eindeutig gesagt was Sache ist. Andere Optionen außer durchziehen bleiben dir nicht (bzw. Alternative: Einfach nicht zum Sport erscheinen und dann von der Schule fliegen. Wenn dir das besser gefällt: Dann drück dich weiter davor)

Kommentar von AvatarMetal ,

Also diesen Kommentar empfinde ich als sehr dreist. 

Mein Problem liegt darin, dass ich mich so extrem unwohl in meinem Körper fühle, dass mich das so einschränkt, dass der Schulsport für kein unterricht sondern mittlerweile ein Trauma geworden ist. Dass ich da auf so wenig Verständnis treffe hätte ich nicht erwartet.

Warum ich mich da so "extrem reinsteigere"? Nunja, weil mir das noch mehr Stress bereitet, als eigentlich nötig wäre. In meiner Freizeit habe ich besonders vor der Kursstufe sehr gern Sport gemacht, da ich mich dort anziehen konnte, wie ich wollte. Nur um es angemerkt zu haben, habe ich sogar bei der Deutschen Meisterschaft getanzt.

Der Schulsport ist für mich aber was anderes, was sogar mit psychosomatischen Folgen einhergeht. Und falls ich es mir gefallen lassen muss, mich Woche um Woche mehr schädigen zu lassen und diesen Rückschlag dann noch Einfluss auf meine noten haben zu lassen, sehe ich keinen Zweck darin, mich überhaupt noch um Psyche oder Noten zu kümmern, "da ich mich meiner Angst ja stellen muss" (was schon versucht wurde, und das nicht 4-5 Mal, sondern mehr als ein Jahr lang).

Kommentar von osaft21 ,

"Und falls ich es mir gefallen lassen muss, mich Woche um Woche mehr schädigen zu lassen und diesen Rückschlag dann noch Einfluss auf meine noten haben zu lassen, sehe ich keinen Zweck darin, mich überhaupt noch um Psyche oder Noten zu kümmern"

Diese Schädigung von der du da sprichst wird erst dadurch hervorgerufen, dass du dem Problem nur aus dem Weg gehst!

Und zu sagen "ich habe das schon über ein Jahr probiert" und dann einfach aufzugeben ist das genaue Gegenteil von sich dem Problem stellen! Wenn man mit dieser Einstellung an die Sache herangeht, dann wird dadurch nur die Angst verstärkt!

Konzentriere dich nicht auf das was du schon alles versucht hast, sondern befolge den Rat deines Psychologen und gehe das Problem aktiv an!

Kommentar von osaft21 ,

Hallo AvatarMetal,

Eine Therapie besteht nicht darin, die Angst erst durch ein Attest zu umgehen und dann erst zu behandeln, sondern in dem Moment in dem es noch behandelbar und wenig ausgereift ist zu behandeln.

Je länger du es aufschiebst desto länger musst du mit der Angst leben und desto schlimmer wird auch das Problem!

Es ist auch wichtig zu wissen, dass eine solche Angst dadurch verstärkt wird, dass man es aufschiebt und man sich somit nur mehr Stress macht!

Deine Mitschüler werden dich nicht wegen deinem Körper auslachen und es ist auch ganz normal, dass man sich für seinen Körper schämt, aber dass wird meistens von der Außenwelt nicht wahrgenommen, es wird erst dann auffällig wenn man, wie in deinem Fall deswegen fehlt oder immer Ausreden vorschiebt!

Du kannst es ja auch mit lockerer Kleidung probieren, wie etwa ein Hoodie und eine Jogginghose, darin ist man nicht so "entblößt", man ist in der Regel so ähnlich gekleidet wie auch sonst im Alltag und es ist auch für Sport geeignet, solange es nicht gerade Sommer ist!

Aber an deiner Angst zu arbeiten ist jetzt sehr wichtig, da du dich noch in der Entwicklung befindest und dann solch eine Angst leichter behandelt werden kann!

Ohne Behandlung kann es zu weitaus schlimmeren psychischen Krankheiten kommen, die im späteren Leben sehr schwer zu behandeln sind!

Die erste Überwindung ist immer schwer aber wenn man einmal damit begonnen hat ist es um einiges einfacher!

LG osaft21

Kommentar von AvatarMetal ,

Das kommt nicht infrage, da ich das gesamte zehnte Schuljahr über versucht habe, mich zu trauen, was alles im Nachhinein noch schlimmer gemacht hat. Daraufhin wurde ich eben an einen Psychologen überwiesen, der jedoch genauso argumentiert ("du bist doch nicht dick" und "mach doch, es ist egal, was die anderen denken"), was mir jedoch wenig hilft. Mein Hausarzt befürwortet das Attest sogar, kann es jedoch nicht ausstellen, da er nur Allgemeinmediziner ist.

Hinzu kommt noch, dass lockere Kleidung grade bei Sportarten wie Fußball oder Turnen ungern gesehen ist, da das "die Verletzungsgefahrt steigert und eine objektive Bewertung erschwert", weswegen die Option mit dem Hoodie leider nicht realisierbar ist.
Ich hätte ja grade das probieren wollen, aber das war leider nicht möglich

Antwort
von feirefiz, 33

In der Kursstufe solltest du wählen können, welchen Sport du machen willst. Schwimmen könntest du also normalerweise streichen.

Bei den anderen Sportarten kannst du dir die heraussuchen, bei denen es noch am ehesten klappt - das kommt darauf an, was dein eigentliches Problem ist (das schreibst du nämlich gar nicht).

Beim Thema Tanz gibt es sicher die Möglichkeit, allein etwas vorzutanzen, ohne den Kurs. In der Oberstufe sollte es auch die Möglichkeit geben, eher in Theorie etwas zu leisten.

Grundsätzlich rate ich dir, mit dem Beratungslehrer an der Schule zu sprechen.

Kommentar von AvatarMetal ,

Die Lehrer- und Tutorengespräche fanden statt, und das ohne Erfolg. Und nein, wählen können wir an unserem Gymnasium nicht, weswegen das leider auch scheitert.

Ich bin normalerweise absolut nicht Menschenscheu und durch gelegentliche Auftritte in Bars etc. Menschen und deren Aufmerksamkeit eigentlich gewohnt.

Kommentar von feirefiz ,

Ich weiß noch immer nict, vor was genau du Angst hast.

Kommentar von AvatarMetal ,

Okay, da niemand begreift, was ich versucht habe, sachlich zu schildern, sage ich einfach mal mehr oder weniger emotional, vielleicht ist es dann verständlicher:

Ich fühle mich fett und hässlich, besonders, wenn ich betonter gekleidet bin.
Dabei bin ich objektiv gesehen nicht übergewichtig, da ich bei einer Größe von 1,58m und einem Gewicht von ca. 55kg noch normalgewichtig bin. Den anderen Aspekt kann und will ich nicht genau beschreiben, kann aber sagen, dass ich nur selten "hässlich" genannt wurde.

Normalerweise wirkt sich das nur wenig auf mein verhalten aus, es ist lediglich so, dass ich auch im Sommer weder Bikinis noch sonstige knappe Kleidung trage. Sonst fühle ich mich recht selten so unwohl, dass ich es meide, unter Leute zu treten; aber ich schätze mal, dass das 2-3 Mal vorgekommen ist.

Aber grade im Sportunterricht spiegelt sich das sehr auf mein Empfinden, weil ich eben dort das Gefühl habe, recht weit im Mittelpunkt zu stehen, allein wegen der üppigen Vorgeschichte mit den Attesten, aber auch mit meiner Erfahrung im Bereich Tanzmeisterschaften (was eigentlich dafür spricht, dass ich mich manchmal von dieser Problematik lösen kann). 
Ich habe ja etwa ein jahr lang versucht, mich dieser "unbegründeten Angst" zu stellen, aber das ist in ziemlicher Verzweiflung geendet

Antwort
von gefew, 20

Deine umfassende Schilderung ist sehr ergreifend. In Grundzügen kann ich deine Bedenken oder besser Angst nachvollziehen, da mir selber der Sportunterricht an meiner Schule aufgrund mangelnden Erfolges gänzlich missfiel. 

Gut möglich, dass dir ein persönliches Gespräch mit deiner Lehrkraft weiterhilft. Habe keine Scheu und suche den Kontakt zu dieser in einem ruhigen Moment auf. Leg deine Sorgen und Probleme offen, genauso wie in deiner Fragestellung. Gemeinsam werdet ihr sicherlich eine Lösung finden, die für beide Seiten gleichermaßen erträglich ist. 

Kommentar von AvatarMetal ,

Das ist leider sogar schon vorgekommen, mit Lehrkraft und Direktor, was aber erfolglos verlief und mich weiterhin nur auf Ärzte verwiesen hat.

Das ist mitunter einer der Gründe, weswegen ich die Situation mittlerweile fast als aussichtslos empfinde.

Dabei sind es ja nicht einmal die mangelnden Erfolge, sondern das Gefühl, in der Kleidung die ich tragen muss (!) dauerhaft beäugelt zu werden und dabei "fett und hässlich" auszusehen (dabei bin ich objektiv gesehen nicht übergewichtig, ich wiege bei einer Größe von 1,58m etwa 55kg).

Mein Hausarzt war sehr einfühlsam und hat mich an einen Psychologen verwiesen, der jedoch genauso handelt wie mein Sportlehrer (Sprüche wie "du bist nicht dick, mach doch einfach mal" und "es ist doch egal, was die anderen denken") und hat jegliche Therapie und Maßnahmen von Vornherein abgelehnt 

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