Frage von NL2014, 69

Quetschenden Maßsattel zurückgeben und TIERARZTKOSTEN zurückfordern?

Hallo zusammen,

leider bin ich wieder in eine blöde Rechtslage gerutscht...

Anfang des Jahres habe ich einen Maßsattel der Marke Amerigo (Vega) bei einer Sattlerin bestellt.(Diese Sattlerin wurde mir von der Osteopathin empfohlen da sie angeblich Sättel vertreibt mit Schweizer Kissen und diese würde mein Pferd brauchen) Für die Übergangszeit bekam ich einen Leihsattel (das selbe Modell). Dabei fiel beim reiten auf, dass der Hinterzwiesel "hochploppt" und hinten abhebt. Die mündliche Aussage der Sattlerin war, dass er ja nicht auf mein Pferd angepasst sei und sich dies mit dem neuen Sattel legen würde.

Der Sattel kam im März und ich konnte ihn drei Wochen testen. Da ich zunächst zufrieden war überwies ich die Summe von über 3.000€. Die Sattlerin wies darauf hin dass sich der neue Sattel mit der Zeit verändern würde und nochmal angepasst/ nachgepolstert werden muss da sich das Polster legt.Nach zwei Monaten fing mein Pferd plötzlich an immer lustloser zu werden, ging rückwärts und lief sehr steif mit der Hinterhand. Meine RL meinte dann der Sattel sitzt zu eng an der Schulter / Widerrist und ich longierte ihn ab diesem Zeitpunkt. Die Probleme blieben aber.

Die Osteopathin kam ca fünf Tage später und berichtete von starken Schmerzen und Blockaden. Die Sattlerin kam den Tag drauf und nahm den Sattel zur "Weitung" mit und meinte mein Pferd hätte Muskeln aufgebaut deswegen sei er so eng geworden.Mein Pferd lief beim longieren noch immer klamm, steif und mit schleifenden Hinterbeinen, konnte maximal langsam traben. Auch mehrere Tage danach- der Tierarzt kam und diagnostizierte: Entzündung.Der Sattel kam "angepasst" wieder und mein Pferd war noch immer in Behandlung, konnte deshalb zwei Monate nicht geritten werden. Als ich das OK vom TA bekam longierte ich ihn zum angewöhnen mit Sattel und es offenbarte sich ein grausiges Bild... Der Sattel hebt am Hinterzwiesel KOMPLETT ab und steht gute 10 CM in der Luft im Trab und Galopp sobald er den Rücken aufwölbt. Reiten ist so unmöglich und vermutlich ist hier die Ursache der Entzündung gefunden! Vom Boden aus mit Reitergewicht sieht man es kaum...Aussage Sattlerin: mein Pferd hätte durch den Trainingsstop so starke Muskeln verloren (hatte ich davor ein Nashorn?! -.- ) dass der Sattel zu locker ist und deshalb auch rutscht. Mein Pferd wurde zu diesem Zeitpunkt 3 Wochen zuvor wieder normal longiert!!!Rechnungskosten des Tierarztes für Spritzen, Salben, Untersuchung, Röntgen, Blutentnahme etc. über 1.000€!!!Kann ich den Sattel zurückgeben da er nicht passt oder passend gemacht werden kann (1 Nachbesserung ist bereits erfolgt) und gilt das unter Schadensersatz, dass die Sattlerin die Tierarztkosten deshalb tragen muss? Vermutlich kann man den Sattel nicht mehr passend machen.Momentan hat sie kaum Zeit für einen Termin.Sie meinte ich hätte früher kommen müssen wenn ich merke dass irgendwas nicht stimmt...Wie sieht die Rechtslage aus? Und kann vom Kaufpreis eine Summe abgezogen werden wegen Abnutzung?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Brennb1rne, 25

Eine Neulieferung könntest du nicht verlangen (Individualanfertigung / Stückschuld). Eine Nachbesserung (§§437 Nr.1, 439 I) schon.

Nach zweimalig fehlgeschlagenem Nachbesserungsversuch (§440 BGB) könntest du vom Vertrag zurücktreten (§§437 Nr. 2, 323, 440) und den Kaufpreis zurückverlangen. Alle erhaltenen Leistungen und gezogene Nutzungen sind rückzugewähren. Eine Nutzungsgebühr müsstest du eventuell (ziemlich sicher) entrichten.

Falls die Erkrankung des Pferdes wirklich vom Sattel kommt und du das Nachweisen kannst (Gutachten / Arzt) könntest du Schadenersatz neben der Leistung verlangen (Mangelfolgeschäden, vgl §§280 ff. BGB). Dazu gehört auch der Arztbesuch.


Antwort
von medmonk, 36

Kann ich den Sattel zurückgeben da er nicht passt oder passend gemacht werden kann (1 Nachbesserung ist bereits erfolgt) und gilt das unter Schadensersatz, dass die Sattlerin die Tierarztkosten deshalb tragen muss?

Wenn dir (d)ein Tierarzt bescheinigt, das die falsche Sattelung zur Erkrankung deines Pferdes geführt hat, bestehen zumindest gute Chancen auf Schadensersatz. Wobei du grundsätzlich bei solchen Fragen bei einem Anwalt besser aufgehoben bist. 

Da der »Streitwert« (Sattel + Arztkosten) nicht gering ist, auch dazu raten würde. Die Sattlerin wird sicher versuchen, alles aufs Pferd zu schieben (Muskelauf- und abbau). Wenn das jedoch Kokolores ist, alles (am besten schriftlich) festhalten, auf Nachbesserung drängen. 

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