Frage von msforlyfe, 68

Klavier Tasten drücken "von vorne nach hinten wischen"?

Ich habe einige Klavir-Stücke bei YouTube gesehen, die meisten "drücken" die Tasten einfach, manchmal hinten, manchmal vorne, wahrscheinlich einfach, weil der ton hinten "sanfter" kommt, weil logischer weiße dort die Taste langsamer heruntergedrückt wird, außer man drückt stark drauf.

Ich habe es aber auch besonders bei langsamen Stücken gesehen, dass die Pianisten hinten gedrückt haben und ind dann, während die Taste noch gedrückt war, mit den Fingern körperwärts nach außen gewandert. Ist das einfach eine angewohnheit, oder sieht schöner für die Videos aus? Denn sanfter klingt es dann ja erstmal nicht, da die Taste ja von anfang an gedrückt ist, ob sie die Taste dort dann gedrückt halten oder mit den Fingern nach außen gehen macht ja keinen Unterschied. Der einzige Sinn dahinter den ich mir vorstellen kann ist, dass die Pianisten so besser die Notenlänge einschätzen, beim körperwärts-fahren mit dem Finger ist eine ganze Note z.B. mit dem Finger ganz herunter gehen, und eine Halbe, wenn man den Finger eben nach der Hälfte herunternimmt.

Ist hier vielleicht jemand mit Erfahrung, der es mit sicherheit sagen kann?

Expertenantwort
von autsch31, Community-Experte für Klavier, 16

Hallo msfortyfe

Auf Youtube sieht man viel. Vor allem musst du genauer hinsehen und unterscheiden, ob jemand auf einem elektrischen Instrument oder auf einem richtigen Klavier spielt.

Wenn man auf dem richtigen Klavier "langsam drückt" passiert nämlich ... gar nichts! Ein Klavier hat Saiten, die werden von kleinen Hämmerchen angeschlagen. Deshalb schlägt man am Klavier einen Ton an. Und dazu muss man die Tasten auch korrekt anschlagen, weil man selbst mit der Kraft des Anschlags auch die Lautstärke des Ton bestimmt. Bleibt der Finger auf der Taste liegen, dann klingt der Ton weiter. Lässt man die Taste los, dann stoppt der Ton, weil der Dämpfer zurückfällt.... oder man mit dem Pedal den Ton weiterklingen lässt.

Die Finger, die gerade nicht eingesetzt werden, bleiben locker in Wartestellung. Das kann optisch aussehen, als ob sie auf den Tasten liegen oder darüber streichen würden. So wird jedoch kein Ton erzeugt, das dient nur der Orientierung der Hand, damit man "blind" spielen kann und trotzdem die richtigen Tasten trifft. 

Beim Klavier braucht es längere Zeit, bis man so trainiert ist, dass alle Finger mit der gleichen Stärke anschlagen können. Man darf also keinen Unterschied hören, ob man mit dem kleinen Finger oder dem Zeigefinger einen Ton anschlägt. Um "von piano bis forte" alles passend und gefühlvoll spielen zu können, muss man schon ein paar Jahre lernen und üben.

Anders beim Keyboard: da kannst du Tasten "drücken", egal wo und wie - es kommt ein Ton. Die Lautstärke wird über den Regler bestimmt und mittels Elektronik kannst du diverse Klangfarben und Effekte erzeugen.  

Beispiel .... Klavier

lieben Gruss

Antwort
von soulbridge1, 13


Es hat keinen Vorteil für hörbaren Ausdruck von Emotionen, wenn man auf der Klaviatur mit den Fingern extra Wege zurück legt. Aber so, wie man zur Musik mit dem ganzen Körper wippen kann, passiert es wohl manchmal auch mit den Fingern.

Ergonomisch empfehlenswert ist das jedoch nicht. Jede überflüssige Bewegung verlangsamt die mögliche
Spielgeschwindigkeit, vermindert die Treffsicherheit auf die Tasten, das exakte Timing und die kontrolle über die Anschlagstärke.

Wer seine Hand verdreht braucht sich nicht wundern, wenn seine Finger mal daneben hauen. ;)

Es kommt beim Klavierspiel sehr auf best optimierte, anfangs gut überlegte und dann komplett automatisierte Bewegungsabläufe an, die dann nicht mehr verändert werden sollten, denn jede Veränderung durchbricht den Automatismus. Ohne Automatismen funktioniert es nicht, weil man letzten
Endes schneller spielt, als man denken kann.

Optimal sind grader, senkrechter Oberkörper, horizontale Unterarme und Handrücken in einer Linie und Hände ohne Verdrehung, sodaß ALLE Finger gleichzeitig dicht über jeweils einer demnächst benötigten Taste schweben.

Das unterste Fingerglied ist ebenfalls horizontal, von dort dann im 90 Grad Winkel abwärts zu den Fingerkuppen. (Ähnlich, als würde man einen Ball halten). Die Fingerkuppen schlagen dann wie kleine Hämmerchen auf die Tasten. Sie befinden sich alle möglichst immer über den weißen Tasten und vor den schwarzen Tasten. Es reicht dann eine kleine Fingerbewegung
nach Vorne, um auch alle schwarzen Tasten leicht erreichen zu können.

Bei jedem Fingersatzwechsel springt möglichst die gesamte Hand an eine exakte neue Position und alle Finger nehmen gleichzeitig ihrerseits ihre Position ein, wo sie im weiteren Ablauf benötigt werden, sodaß nur noch eine kurze Bewegung des Fingers nach Unten benötigt wird. Die Hand hat somit also einen "Griff" für die kommenden Töne eingenommen, der dann
sozusagen als "gebrochener Akkord" sequentiell gespielt wird.

Und nicht nur die Abwärtsbewegung eines Fingers, sondern auch die Aufwärtsbewegung geschieht zu einem klar definierten Zeitpunkt und in Koordination mit anderen Fingern in einem ebenfalls zählbaren Timing.

Eigentlich ist damit klar, daß somit jede überflüssige PillePalle-Bewegung die verschiedenen "Chunks" von jeweils optimierten und automatisierten Abläufen nur stört.

Um so weniger Bewegungen nötig sind, desto besser.

Mit musikalischem Gruß,
Souli





Antwort
von praestant, 22

Wenn du mich fragst, ist das einfach eine Angewohnheit, von Pianist zu Pianist unterschiedlich. Möglicherweise eine Form von Ausdruck, Expression, Leidenschaft..?! Ertappe mich selber auch manchmal bei komischen Fingerbewegungen, haha.

Auf jeden Fall ist das sicher keine spezielle Technik oder sowas... Jedenfalls wüsste ich nicht, was damit bezweckt werden soll.

Antwort
von Lawa9, 15

Man sollte die Klaviertasten nicht drücken sondern mit den Fingern über die Tasten ziehen 

Manche Bewegungen sind auch nur da das es schöner zum zuschauen ist 

Das Handgelenk zieht man so viel ich weiss wehrend des Spielens nach hoch 

Hoffe konnte helfen 

LG Lawa9

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