Frage von Frage11Antwort1, 41

Kann jemand bei meiner Gedichtsinterpretation Korrektur lesen?

Hallo zusammen! Ich durfte eine Gedichtsinterpretation zu "Es schlug mein Herz" (also der älteren Fassung von "Willkommen und Abschied" ) von Goethe schreiben. Es wäre sehr nett, wenn jemand die Zeit finden würde, einmal drüber zu lesen und mir Feedback zu geben. Also allgemein wie es so ist und vor allem welche Rechtschreib-oder Zeichensetzungsfehler (meine Lieblingsfehler) ich drin habe :) Ich kopiere meine Gedichtsinterpretation in die Antworten, da der Text ansonsten zu lang ist.

Dankeschön!

Expertenantwort
von LolleFee, Community-Experte für Schule & deutsch, 5

Das Gedicht „Es schlug mein Herz“ aus dem Jahr 1771 gehört zu den von Johann Wolfgang von Goethe verfassten Texte der Sessenheimer Lieder. Genauer kann man es in die Erlebnislyrik im Sturm und Drang einordnen. Inhaltlich geht es darin um das nächtliche Treffen zwischen zwei Liebenden - eigentlich geht es doch mehr um das Vorher und das Nachher. Vom Treffen selbst erfährt der leser doch kaum etwas. Außerdem wird es doch eine ungebührliche Liebesbeziehung sein, denn sie können sich nur nachts sehen. "Es geht um das nächtliche Treffen zweier Liebenden" ist zu oberflächlich. Das Gedicht zeigt den Zwiespalt des lyrischen Ichs in seinen Gefühlen und der Beziehung auf.
Äußerlich ist das Gedicht in vier Strophen mit je acht Versen unterteilt. Inhaltlich kann man drei Sinnabschnitte unterscheiden. Die ersten zwei Strophen beschreiben den Ritt der lyrischen Ich durch den Wald zum Ort des Treffens. Die dritte Strophe handelt vom Wiedersehen der Liebenden und die vierte vom Abschied.
Das Gedicht besitzt einen unregelmäßigen Jambus - NEIN, der ist ganz und gar regelmäßig. Vielleicht empfindest Du die abwechselnd weiblichen und männlichen Kadenzen als unregelmäßig? Aber auch das ist regelmäßig - als Metrum und einen durchgängigen Kreuzreim, der nur zu Beginn der dritten und vierten Strophe unterbrochen wird - NEIN, auch der Kreuzreim ist durchgängig. Aber manche Reime sind nicht rein. - An diesen Stellen ist stattdessen ein umarmender Reim zu finden. - Wie wirkt das Metrum? Was könnte der Kreuzreim symbolisieren?

Das Gedicht beginnt mit den Worten „Es schlug mein Herz“ (Zeile 1), welche
gleichzeitig seinen Titel darstellen. Somit müssen sie in dem Gedicht eine
gewichtete Stellung einnehmen. „Es schlug mein Herz“ vermittelt eine
unmittelbare Dringlichkeit, die das lyrische Ich empfindet. Diese ist
wahrscheinlich auf die nachfolgenden Worte „geschwind zu Pferde!“ (Zeile 1)
bezogen, könnten aber auch auf den gesamten Text übertragen werden. - Ja, aber wann schlägt das Herz denn noch? Bei Anstrengung. Und im übertragenen Sinne? -
In jedem Fall muss das lyrische Ich seine Geliebte treffen, er wird durch sein Herz dazu gezwungen, dabei wirkt die Liebe wie eine Art höhere Macht.
Durch das Wort „schlug“ wird ein negativ belastetes Verb genutzt, welches eigentlich mit Brutalität und nicht mit Liebe assoziiert wird. Das könnte auf die
verletzende Seite der Liebe anspielen, welche das lyrische Ich zum Ende des
Gedichtes trifft. - Mir ist das zu negativ betrachtet. Stell Dir vor - da ist jemand verliebt und möchte seine Liebe treffen! Liebe ist aber nun nicht immer eitel Sonnenschein. Trotzdem ist Liebe schön! Stell die Ambivalenz deutlicher heraus; dazu gehört auch das Positive. -  

Der Titel des Gedichtes wurde von dem Autor im Jahr 1789 zu „Willkomm‘n und Abschied“ geändert. Dadurch wird der Schwerpunkt auf die dritte und vierte Strophe gelegt. Allerdings zeigt
sich auch in diesem zweiten Titel eine Zerrissenheit und die negativen Seiten
der Liebe („Abschied“). - Zerrissenheit ist mir zu stark und zu wertend. Und an die "negative Seite der Liebe" denke ich auch nicht. Hier zeigt sich erst einmal eine Ambivalenz. -
In der ersten Strophe bricht das lyrische Ich auf, um seine Geliebte wiederzusehen. Dabei wird durch den Ausruf „Geschwind, zu Pferde! - richtig zitieren! In der veränderten Fassung steht tatsächlich deutlich, dass es sich um einen Ausritt handelt.
Dabei wirkt das Metrum beziehungsweise der Jambus unterstützend, da er den Rhythmus des energiereichen, ungeduldigen Hufschlages wiederspiegelt. - Und vielleicht das Schlagen des Herzens? =) -
Dieser akustische Reiz hilft dem Zuhörer[,] zusätzlich[,] das Beschriebene zu visualisieren. - Den akustischen Reiz gibt es nur beim Vorlesen. Aber man "spürt" die Geschwindigkeit und das Schlagen auch beim Lesen, auch gerade weil sich die weibliche und männliche Kadenzen abwechseln. Visualisieren bezieht sich auf die visuelle Wahrnehmung, das Sehen. Natürlich kann man sich die Szene bildlich vorstellen, aber ein akustischer Reiz "dient" der auditiven Wahrnehmung. "Vorstellen" wäre hier meines Erachtens die bessere Wortwahl (statt "visualisieren"). Formalsprachlich: In diesem Satz MUSS ein Komma stehen, und zwar entweder vor oder nach "zusätzlich". Dieses Komma ist sinngebend! 
Mit dem Pferd reitet das lyrische Ich offensichtlich durch den Wald. - Dieses Pferd hast Du jetzt lange genug geritten... - Die Atmosphäre
ist sehr gespannt, da dieser dem lyrischen Ich furchteinflößend und bedrohlich erscheint
„Wie ein getürmter Riese“ (Zeile 6), allerdingst lässt es sich nicht
abschrecken und reitet weiter.   Diese Tatsache findet das lyrische Ich sehr heldenhaft „wie ein Held zur Schlacht“ (Zeile 2). Allgemein beschreibt sich das
lyrische Ich in den ersten beiden Strophen stets sehr heroisch und wirkt
dadurch eitel „Doch tausendfacher war mein Mut“ (Zeile 14; Strophe 2). - Das ist mir inhaltlich überinterpretiert. Für mich ist da hauptsächlich der Gedanke an die Liebe, die wartet und die mutig macht. -
In der ersten Strophe sind, zusätzlich zu dem bereits genannten Ausruf, weitere rhetorische Mittel zu finden (kein Komma) wie Metaphern „Und an den Bergen hing die Nacht“ (Zeile 4), Personifikationen „im Nebelkleid die Eiche“ (Zeile 5) - das Nebelkleid ist für mich eine Metapher. Wenn eine Eiche steht, dann ist daran nichts personifiziert. Wenn an den Bergen die Nacht hängt und tausend Ungeheuer schafft, die Finsternis aus hundert schwarzen Augen schaut, die Winde Flügel schlagen, sind das Personifikationen - und Vergleiche „ Wie ein getürmter Riese“ (Zeile 6). All diese Stilmittel dienen dazu, (Komma) dem Leser das Geschehende zu verdeutlichen und ihn dazu zu bringen, sich in die Situation einzufühlen. - Das ist zu platt. Das kann man ja bei jedem Gedicht schreiben. Überleg doch mal, wie es sich anfühlt, wenn einen hundert schwarze Augen angucken. Wenn ein Riese in einem wallenden Nebelkleid vor Dir steht. Wenn Winde Schauerliches in Dein Ohr säuseln. Natürlich kann man sich dadurch alles besser vorstellen, das ist der Sinn von allen sprachlichen Mitteln. Aber welche Situation wird denn hier heraufbeschworen?
Die zweite Strophe ist der ersten thematisch sehr ähnlich. Auch hier beschreibt das lyrische Ich seinen Ritt mit besonderem Augenmerk auf seine feindselige Beziehung - feindselig? Ich denke, dass das lyrische Ich einfach Angst im Wald in der Nacht hat. - zur Natur „Die Winde (…), Umsausten schauerlich mein Ohr“
(Zeile 11/12), trotzdem treibt die Sehnsucht das lyrische Ich voran. Gut! Als stilistisches
Mittel findet man unter anderem Übertreibungen, wie in Zeile 13 „tausend
Ungeheuer“ und Zeile 14 „tausendfacher war mein Mut“.  - Das würde ich den Augenmerk nicht auf etwaige Übertreibungen legen. Wenn Du so eine halbe Stunde nachts durch den Wald reitest und hier etwas knackt und dort sich etwas bewegt, siehst Du auch tausend Ungeheuer... Viel interessanter ist doch das Paar tausend und tausendfach. Dadurch betont das lyrische Ich noch einmal sein heroisches Handeln.  - s.o. -

Die letzten beiden Verse unterscheiden sich von den vorhergegangenen. Sie handeln
nicht mehr von der Natur, sondern beschreiben die Sehnsucht des lyrischen Ichs
zu seiner Geliebten. Dadurch entsteht eine Überleitung zur nächsten Strophe bzw. zum nächsten Sinnabschnitt. - Dadurch? Überleitung? Hier beginnt einfach der zweite Sinnabschnitt. Hier wird nichts übergeleitet und "dadurch" hat kein Wodurch. Gleichzeitig wird ein Zusammenhang geschaffen. Der erste inhaltliche Abschnitt beginnt mit den Worten „Es schlug mein Herz“, somit - passt nicht. einfach:
durch die Worte „Mein ganzes Herz zerfloss in Glut“ (Zeile 16) wird das Motiv (das Thema ist etwas anderes) aufgegriffen und gleichzeitig die Problematik der Sehnsucht abgeschlossen. - Aber sie kommt doch erst noch. In den ersten beiden Strophen ist von Sehnsucht nichts zu lesen! Man weiß noch nicht einmal, wohin es des Nachts geht! Dieser thematische Rahmen umschließt die Beschreibung des Rittes und der Natur. - nichtssagend.

Du hast "Mein Geist war ein verzehrend Feuer, / Mein ganzes Herz zerfloss in Glut." völlig außen vor gelassen...

In Strophe drei geht es um das Treffen zwischen den beiden Liebenden. Das lyrische Ich beschreibt seine Empfindungen beim Anblick seiner Geliebten „Ganz
war mein Herz an deiner Seite“ (Zeile 19). - hier auch wieder das Motiv "Herz": Das Herz schlägt, das Herz brennt, hier ist es an der Seite von jemandem - Die Stimmung in der dritten Strophe steht im starken Kontrast zu den vorherigen. Sie ist friedlich und voller Liebe. Die zuvor verspürte Angst des lyrischen Ichs ist verschwunden und weicht ausschließlich positiven Gefühlen. Mit dem Wandel der Atmosphäre (kein Komma!) ändert sich auch die Wahrnehmung der Natur. Mit ihr werden nun positive Eigenschaften assoziiert: „Ein rosafarbnes Frühlingswetter“ (Zeile 21). Hierdurch zeigt sich die Kraft der Liebe, da sogar stark negativ belastete Dinge durch sie wieder schön wirken können. - Ich würde weniger die Natur als die Ambivalenz des Erlebens hervorheben. Es ist ja auch kein rosenfarbnes Frühlingswetter, es liegt nur auf dem Gesicht.

Zu Beginn der dritten Strophe in Zeile 17 bis 20 gibt es an Stelle eines Kreuzreimes einen
umarmenden Reim, ähnlich wie zu Beginn der vierten Strophe in Zeile 25 bis 28. - ?? Ich sah dich und die milde Freude / Floß aus dem süßen Blick auf mich. / Ganz war mein Herz an deiner Seite, / Und jeder Atemzug für dich. bzw. Der Abschied, wie bedrängt, wie trübe! / Aus deinen Blicken sprach dein Herz. / In deinen Küssen welche Liebe, / O welche Wonne, welcher Schmerz! - alles gekreuzt! Diese Wechsel des ansonsten durchgängigen Kreuzreimschemas zeigen jeweils den Beginn eines neuen Sinnabschnittes. - so es Wechsel gibt...

Die letzten beiden Zeilen unterscheiden sich erneut inhaltlich von den anderen Versen der Strophe. - tun sie das? Wenn man den Satz "richtig sortiert", kommt heraus: Ein rosenfarbnes Frühlingswetter und Zärtlichkeit für mich lagen auf dem Gesicht. Ich sehe hier keine veränderte Stimmung. In der 3. Strophe werden ihre und seine Empfindungen für den jeweils anderen beschrieben: Das Du freut sich über das Ich, es schenkt süße Blicke und Zärtlichkeit. Das Ich schenkt dem Du sein Herz und atmet nur für das Du. Das lyrische Ich glaubt, (Komma) die ihm entgegengebrachte Liebe nicht zu verdienen „Ich hofft´es, ich verdient´es nicht.“ (Zeile 24). - Genau diese Bescheidenheit steht auch der vermeintlichen Arroganz entgegen, die Du dem Ich attestiert. - Somit dient die veränderte Stimmung in den letzten beiden Versen auch in dieser Strophe der Überleitung in die nächste. - nein. Abgesehen davon, dass ich keine Veränderung der Stimmung innerhalb der dritten Strophe erkennen kann, empfinde ich auch den Wechsel von der dritten zur vierten Strophe als abrupt. Was allerdings hinzukommt, sind die Götter - die Liebe als etwas Göttliches.

Als stilistische Mittel treten in der dritten Strophe Personifikationen  wie „die milde Freude" auf. - wieder: wie wirken die Personifikationen?

Die letzte Strophe handelt vom Abschied der beiden. Man merkt deutlich die Zerrissenheit des lyrischen Ichs. - wieder spräche ich nicht von Zerrissenheit, sondern von Ambivalenz. - Positive und negative Gefühle wechseln sich immer wieder ab, was besonders klar durch den Ausruf „O welche Wonne, welcher Schmerz!“ (Zeile 28) wird. In Vers 29 und 30 scheint das lyrische Ich von seinen negativen Gefühlen übermannt zu werden „ich stund und
sah zur Erden“ (Zeile 29) - "negative Gefühle" gefällt mir nicht, warum sprichst Du nicht einfach von Trauer oder Sehnsucht? -, doch in den letzten beiden Versen resümiert es, dass
lieben und geliebt zu werden (kein Komma) Glück bedeutet, unabhängig von den damit verbundenen Schmerzen.

Wie auch in der dritten Strophe wird diese mit einem umarmenden Reim eingeleitet. - ?? -
Es wurden mehrere Male Ausrufe genutzt „ (…), wie trübe!“ (Zeile 25). Diese unterstützen die intensive und dramatische Wirkung und machen die Zerrissenheit - s.o. - noch deutlicher.  Welches Stilmittel ist denn "[wie] bedrängt, [wie] trübe" bzw. "[welche] Liebe, o [welche] Wonne, [welcher] Schmerz", welches Stilmittel "sah zur Erden und sah Dir nach", welches Stilmittel ist "der nasse Blick"? Und wie sind die letzten beiden Verse aufgebaut? Und sieh Dir mal den Beginn der letzten drei Verse an. Auch in Strophe 4 gibt es das Motiv des Herzens. Und: Das Ich kommt, das Du geht.

Das Gedicht „Es schlug mein Herz“ ist sehr gefühlsbetont. Das wird durch den freien
Rhythmus deutlich - da ist kein freier Rhythmus! Das ganze Gedicht hindurch wird getragen von einem vierhebigen Jambus mit abwechselnd weiblicher und männlicher Kadenz! -, aber auch durch die zahlreichen unterschiedlichen Emotionen denen sofort Handlungen folgen. Das alles spricht für ein Werk der Erlebnislyrik. Trotzdem geben der [relativ - weg! durchgängiger Kreuzreim!] durchgängige Kreuzreim und der gleichmäßige Aufbau dem
Gedicht eine Konstante, die die häufigen Stimmungsveränderungen -???- ausgleicht.

Es wird deutlich, dass [für - muss raus] das lyrische Ich die Liebe und die mit ihr verbundene Sehnsucht nicht als Gegensätze empfindet. [Doch, natürlich empfindet es diese Gegensätze, sonst würde er sie ja nicht artikulieren. Was jedoch stimmt:] Sie gehören zu einer Gesamtheit, [die das lyrische Ich trotz allem glücklich macht. - überinterpretiert. Es ist glücklich, wenn es mit seiner Liebe zusammen ist. Davor hat es Angst, danach ist es traurig; glücklich ist es da nicht. Es nimmt diese Gefühle aber in Kauf für die Liebe.] Durch diese Empfindung entsteht keine Zerrissenheit im lyrischen Ich, sondern eine [sprunghafte - das klingt zu willkürlich. Die Gefühle sind ja dennoch konstant.] Emotionalität, die trotzdem ihre Berechtigung und ihren Sinn hat.

Für mich dürftest Du ein bisschen mehr am Text arbeiten. Lass Dich mehr auf das Gedicht ein, beschäftige Dich mehr mit Deiner Wahrnehmung. Ich habe den Eindruck, dass Du zu früh und zu sehr mit der Analyse beschäftigt bist. Für eine Interpretation ist es meines Erachtens wichtig, zunächst die Stimmung wahrzunehmen. Gerade bei diesem Gedicht kannst Du Dir die Handlung wirklich vorstellen. Was passiert und wie passiert es? Wie wirkt das Gedicht? Was fällt Dir auf? Und dann fragst Du erst, warum Du es so wahrnimmst, und dann kommst Du auch auf die Stilmittel.

Antwort
von Frage11Antwort1, 15

Gedichtsinterpretation
- „Es schlug mein Herz“

Das Gedicht „Es schlug mein Herz“ aus dem Jahr 1771
gehört zu den von Johann Wolfgang von Goethe verfassten Texte der Sessenheimer
Lieder. Genauer kann man es in die Erlebnislyrik im Sturm und Drang einordnen. Inhaltlich
geht es darin um das nächtliche Treffen zwischen zwei Liebenden. Das Gedicht
zeigt den Zwiespalt des lyrischen Ichs in seinen Gefühlen und der Beziehung auf.

Äußerlich ist das Gedicht in vier Strophen mit je acht Versen unterteilt. Inhaltlich kann man drei Sinnabschnitte unterscheiden. Die ersten zwei Strophen beschreiben den Ritt der lyrischen Ich durch den Wald zum Ort des Treffens. Die dritte Strophe handelt vom Wiedersehen der Liebenden und die vierte vom Abschied.

Das Gedicht besitzt einen unregelmäßigen Jambus als Metrum und einen durchgängigen Kreuzreim, der nur zu Beginn der dritten und vierten Strophe unterbrochen wird. An diesen Stellen ist stattdessen ein umarmender Reim zu finden.

Das Gedicht beginnt mit den Worten „Es schlug mein Herz“ (Zeile 1), welche
gleichzeitig seinen Titel darstellen. Somit müssen sie in dem Gedicht eine
gewichtete Stellung einnehmen. „Es schlug mein Herz“ vermittelt eine
unmittelbare Dringlichkeit, die das lyrische Ich empfindet. Diese ist
wahrscheinlich auf die nachfolgenden Worte „geschwind zu Pferde!“ (Zeile 1)
bezogen, könnten aber auch auf den gesamten Text übertragen werden.

In jedem Fall muss das lyrische Ich seine Geliebte treffe, er wird durch sein Herz dazu gezwungen, dabei wirkt die Liebe wie eine Art höhere Macht.

Durch das Wort „schlug“ wird ein negativ belastetes Verb genutzt, welches eigentlich mit Brutalität und nicht mit Liebe assoziiert wird. Das könnte auf die
verletzende Seite der Liebe anspielen, welche das lyrische Ich zum Ende des
Gedichtes trifft.

Der Titel des Gedichtes wurde von dem Autor im Jahr 1789 zu „Willkomm‘n und Abschied“ geändert. Dadurch
wird der Schwerpunkt auf die dritte und vierte Strophe gelegt. Allerdings zeigt
sich auch in diesem zweiten Titel eine Zerrissenheit und die negativen Seiten
der Liebe („Abschied“).

In der ersten Strophe bricht das lyrische Ich auf, um seine Geliebte wieder zu
sehen. Dabei wird durch den Ausruf „geschwind zu Pferde“ deutlich, dass es sich um einen Ausritt handelt.

Dabei wirkt das Metrum beziehungsweise der Jambus unterstützend, da er den Rhythmus des energiereichen, ungeduldigen Hufschlages wiederspiegelt.

Dieser akustische Reiz hilft dem Zuhörer zusätzlich das Beschriebene zu visualisieren.

Mit dem Pferd reitet das lyrische Ich offensichtlich durch den Wald. Die Atmosphäre
ist sehr gespannt, da dieser dem lyrischen Ich furchteinflößend und bedrohlich erscheint
„Wie ein getürmter Riese“ (Zeile 6), allerdingst lässt es sich nicht
abschrecken und reitet weiter. Diese Tatsache findet das lyrische Ich sehr
heldenhaft „wie ein Held zur Schlacht“ (Zeile 2). Allgemein beschreibt sich das
lyrische Ich in den ersten beiden Strophen stets sehr heroisch und wirkt
dadurch eitel „Doch tausendfacher war mein Mut“ (Zeile 14; Strophe 2).

In der ersten Strophe sind, zusätzlich zu dem bereits genannten Ausruf, weitere rhetorische Mittel zu finden, wie Metaphern „Und an den Bergen hing die Nacht“ (Zeile 4), Personifikationen „im Nebelkleid die Eiche“ (Zeile 5) und Vergleiche „ Wie ein getürmter Riese“ (Zeile 6). All diese Stilmittel dienen dazu dem Leser das Geschehende zu verdeutlichen und ihn dazu zu bringen, sich in die Situation einzufühlen.

Die zweite Strophe ist der ersten thematisch sehr ähnlich. Auch hier beschreibt das lyrische Ich seinen Ritt mit besonderem Augenmerk auf seine feindselige Beziehung zur Natur „Die Winde (…), Umsausten schauerlich mein Ohr“

(Zeile 11/12), trotzdem treibt die Sehnsucht das lyrische Ich voran. Als stilistisches
Mittel findet man unteranderem Übertreibungen, wie in Zeile 13 „tausend
Ungeheuer“ und Zeile 14 „tausendfacher war mein Mut“. Dadurch betont das
lyrische Ich noch einmal sein heroisches Handeln.

Die
letzten beiden Verse unterscheiden sich von den vorhergegangenen. Sie handeln
nicht mehr von der Natur, sondern beschreiben die Sehnsucht des lyrischen Ichs
zu seiner Geliebten. Dadurch entsteht eine Überleitung zur nächsten Strophe und
Sinnabschnitt. Gleichzeitig wird ein Zusammenhang geschaffen. Der erste
inhaltliche Abschnitt beginnt mit den Worten „Es schlug mein Herz“, somit wird
durch die Worte „Mein ganzes Herz zerfloss in Glut“ (Zeile 16) das Thema wieder
aufgegriffen und gleichzeitig die Problematik der Sehnsucht abgeschlossen.
Dieser thematische Rahmen umschließt die Beschreibung des Rittes und der Natur.

In
Strophe drei geht es um das Treffen zwischen den beiden Liebenden. 

Das
lyrische Ich beschreibt seine Empfindungen beim Anblick seiner Geliebten

„Ganz
war mein Herz an deiner Seite“ (Zeile 19).

Die
Stimmung in der dritten Strophe steht im starken Kontrast

zu
den vorherigen. Sie ist friedlich und voller Liebe. Die zuvor verspürte Angst

des
lyrischen Ichs ist verschwunden und weicht ausschließlich positiven        

Gefühlen.
Mit dem Wandel der Atmosphäre, ändert sich auch die Wahrnehmung

der
Natur. Mit ihr werden nun positive Eigenschaften assoziiert „Ein
rosafarbes 

Frühlingswetter“
(Zeile 21). Hierdurch zeigt sich die Kraft der Liebe, da sogar

stark
negativ belastete Dinge durch sie wieder schön wirken können. 

Zu
Beginn der Strophe in Zeile 17 bis 20 gibt es an Stelle eines Kreuzreimes einen
umarmenden Reim, ähnlich wie zu Beginn der vierten Strophe in Zeile 25 bis 28.
Diese Einschnitte in das ansonsten durchgängige Kreuzreimschema zeigen den
Beginn einen neuen Sinnabschnittes.

Die
letzten beiden Zeilen unterscheiden sich erneut inhaltlich von den anderen
Versen der Strophe. Das lyrische Ich glaubt die ihm entgegengebrachte Liebe
nicht zu verdienen „ Ich hofft´es, ich verdient´es nicht.“ (Zeile 24). Somit
dient die veränderte Stimmung in den letzten beiden Versen auch in dieser
Strophe der Überleitung in die nächste.

Als stilistische Mittel treten in der dritten
Strophe Personifikationen „die milde Freude

Die
letzte Strophe handelt vom Abschied der Beiden. Man merkt deutlich die
Zerrissenheit des lyrischen Ichs. Positive und negative Gefühle wechseln sich
immer wieder ab, was besonders klar durch den Ausruf

„O
welche Wonne, welcher Schmerz!“ (Zeile 28) wird. In Vers 29 und 30 scheint das
lyrische Ich von seinen negativen Gefühlen übermannt zu werden „ich stund und
sah zur Erden“ (Zeile 29), doch in den letzten beiden Versen resümiert es, dass
lieben und geliebt werden, Glück bedeutet, unabhängig von den verbundenen
Schmerzen.

Wie
auch in der dritten Strophe wird diese mit einem umarmenden Reim eingeleitet.
Es wurden mehrere Male Ausrufe genutzt „ (…), wie trübe!“

(Zeile
25). Diese unterstützen die intensive und dramatische Wirkung und machen die
Zerrissenheit noch deutlicher.

Das
Gedicht „Es schlug mein Herz“ ist sehr gefühlbetont. Das wird durch den freien
Rhythmus deutlich, aber auch durch die zahlreichen unterschiedlichen Emotionen
denen sofort Handlungen folgen.

Das
alles spricht für ein Werk der Erlebnislyrik.

Trotzdem
geben der relativ durchgängige Kreuzreim und der gleichmäßige Aufbau dem
Gedicht eine Konstante, die die häufigen Stimmungsveränderungen ausgleicht.

Es wird deutlich, dass
für das lyrische Ich die Liebe und die mit ihr verbundene Sehnsucht nicht als
Gegensätze empfindet. Sie gehören zu einer Gesamtheit, die das lyrische Ich
trotz allem glücklich macht. Durch diese Empfindung entsteht keine Zerrissenheit
im lyrischen Ich, sondern eine sprunghafte Emotionalität, die trotzdem ihre
Berechtigung und ihren Sinn hat.

 

Kommentar von SG975 ,

In welcher Klasse bist du denn? Sonst lässt sich das schlecht beurteilen.

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