Frage von annkathriin, 834

Interpretation - Kriegslied - Erich Mühsam?

Hallo ihr Lieben! Weiß jemand wie dieses Gedicht zu interpretieren ist? Kriegslied Sengen, brennen, schießen, stechen, Schädel spalten, Rippen brechen, spionieren, requirieren, patrouillieren, exerzieren, fluchen, bluten, hungern, frieren ... So lebt der edle Kriegerstand, die Flinte in der linken Hand, das Messer in der rechten Hand – mit Gott, mit Gott, mit Gott, mit Gott für König und Vaterland.

Aus dem Bett von Lehm und Jauche zur Attacke auf dem Bauche! Trommelfeuer – Handgranaten – Wunden – Leichen – Heldentaten – bravo, tapfere Soldaten! So lebt der edle Kriegerstand, das Eisenkreuz am Preußenband, die Tapferkeit am Bayernband, mit Gott, mit Gott, mit Gott, mit Gott für König und Vaterland.

Stillgestanden! Hoch die Beine! Augen gradeaus, ihr Schweine! Visitiert und schlecht befunden. Keinen Urlaub. Angebunden. Strafdienst extra sieben Stunden. So lebt der edle Kriegerstand. Jawohl, Herr Oberleutenant! Und zu Befehl, Herr Leutenant! Mit Gott, mit Gott, mit Gott, mit Gott für König und Vaterland.

Vorwärts mit Tabak und Kümmel! Bajonette. Schlachtgetümmel. Vorwärts! Sterben oder Siegen! Deutscher kennt kein Unterliegen. Knochen splittern, Fetzen fliegen. So lebt der edle Kriegerstand. Der Schweiß tropft in den Grabenrand, das Blut tropft in den Straßenrand, mit Gott, mit Gott, mit Gott, mit Gott für König und Vaterland.

Angeschossen – hochgeschmissen – Bauch und Därme aufgerissen. Rote Häuser – blauer Äther – Teufel! Alle heiligen Väter! ... Mutter! Mutter!! Sanitäter!!! So stirbt der edle Kriegerstand, in Stiefel, Maul und Ohren Sand und auf das Grab drei Schippen Sand – mit Gott, mit Gott, mit Gott, mit Gott für König und Vaterland!

Antwort
von Cherrypietime, 582

Ich habe das ganze so interpretiert, dass Mühsam hier Kritik an der kriegsverherrlichenden und heroisierenden Gesellschaft übt.

Es werden dabei die Grausamkeit auf dem Schlachtfeld (zB Strophe 1), die "Maschinisierung" der Soldaten (zB Strophe 1, der Soldat handelt nur, ohne nach zu denken -> Ellipsen) und der Drill und die respektlose Behandlung der Soldaten (Strophe 3) ebenfalls kritisiert, aber als Hauptkritikpunkt habe ich eben die öffentliche Wahrnehmung des Krieges betrachtet, da die Gesellschaft all dies nicht sieht/ignoriert/nicht wahrhaben will, und selbst die vielen Verletzungen und letztendlich auch den Tod der Soldaten euphemisiert und heroisiert. 

Somit habe ich Mühsams Bewertung des Krieges intensiv mit der von Remarque verglichen, und herausgestellt, dass es zwar ähnliche Kritikpunkte gibt, diese aber unterschiedlich gewichtet sind (phsychische Zerstörung, Verrohung, Theriomorphisierung, Haltlosigkeit als Hauptaspekt bei Remarque -> bei Mühsam kann dies lediglich durch intensive Betrachtung des Gedichts wahrgenommen werden; Kritik an der verblendeten Gesellschaft als Hauptaspekt bei Mühsam -> lediglich episodenhafte Darstellung dessen bei Remarque (Heimaturlaub)). Im Vergleich mit Jünge bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Jünger all das verkörpert, was Mühsam kritisiert, und andersherum Jünger Verachtung gegenüber Menschen mit der Einstellung von Mühsam hegt.

Das war jetzt so ganz ganz knapp, was ich dahin geschrieben habe :D Keine Ahnung, ob das richtig ist.

Antwort
von Karaseck, 604

Was denkst du denn?

Es ist ja nicht gerade kriegsverherrlichend.

Du musst ja eine Meinung dazu haben.

Kommentar von annkathriin ,

Ja natürlich habe ich das .. Ich habe grad meine Abiturklausur darüber geschrieben und jetzt höre ich von überall dass das Ironisch gemeint ist. Ich hingegen habe es so gedeutet dass der Krieg und der Tod in dem Gedicht eher als gleichgültig dargestellt wird, als etwas, dass im Krieg oftmals dazugehört .. 

Kommentar von Karaseck ,

oje, na dann mein aufrichtiges Mitgefühl 😢

Antwort
von zetra, 531

Dieses Lied ist eine einzige Anklage gegen den Krieg.

Hier von Ironie zu sprechen ist makaber.

Die Aufklärung der Bevölkerung fand nicht statt, Kriegsgegner waren verpönt.

Noch heute hört viel dazu die Massen gegen einen neuen "Feldzug" aufzuklären, denn die Verteufelung vermeintlicher Diktatoren läuft auf Hochtouren.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community