Frage von Retrohure, 130

Ich will ausziehen - wie mit meinen Eltern darüber reden?

Hallo.

Wir sind drei Geschwister, ich bin der jüngste. Wir studieren alle und wohnen noch zu Hause. Mein Vater liegt uns allen ständig in den Ohren, wir sollten ausziehen. In unserem Alter sei er schon längst ausgezogen - er bekam damals aber auch Bafög, wir nicht. Die häusliche Situation gestaltet sich für mich sehr unangenehm und belastend. Mein Vater macht mir Vorschriften wie einem Teenager (meine Freundin darf z.B. nicht bei uns übernachten). Will man darüber reden, kommt mein Vater immer sofort mit dem Totschlagargument "Dann zieh doch aus" - sachliche Argumente wie finanzielle Probleme werden nicht gelten gelassen. Letztens hat mein Vater, als ich gerade gegessen hab, die Füße auf den Tisch gelegt. Ich meinte dann, ob er die wohl runternehmen könne - Er: "Wenn's dich stört, zieh halt aus." Ich könnte noch unzählige weitere Beispiele nennen.. Was soll man dazu sagen?

Nun bekomme ich aber bald ein Stipendium (300€/Monat), sodass der Auszug greifbarer wird. Das Ding ist jetzt, ich kann ggf. Wohngeld bekommen - manche Stipendiaten kriegen Wohngeld, andere nicht (desselben Stipendiums! Ist scheinbar von der Wohngeldstelle abhängig). Mit Wohngeld wäre ein finanziell nahezu schmerzfreier Auszug möglich, ohne wird es schwieriger (Nebenjob ist bei meinem Studium zeitlich kaum möglich). Wie soll ich das jetzt aber mit meinen Eltern besprechen? Ich habe Angst, dass wenn es doch nicht klappt oder ich erst ausziehe und dann zurückkommen muss (z.B. weil doch kein Wohngeld) der Psychoterror von Seiten meines Vaters noch schlimmer wird ("Zieh doch endlich aus, du hast doch Geld") - ich weiß, das klingt vielleicht irgendwie kindisch aber es ist wahrscheinlich schwer vorzustellen, wie mies mein Vater mich damit niedermacht, ich komm mir vor wie in einer Diktatur, all mein Tun und Reden läuft ins Leere, immer dieses Totschlagargument, man kann einfach nicht mit ihm sprechen, ich kann nichts tun!

Aber irgendwie muss ich doch mit meinen Eltern darüber reden? Von diesen ganzen Mietsachen habe ich keine Ahnung und hinter dem Rücken meiner Eltern auszuziehen wäre wohl nicht gerade einfach - hab mir schon eine Wohnung angeguckt, aber der Mieter wollte prompt meine Eltern als "Bürgen". Wie soll ich mich verhalten? Was soll ich tun? Was würdet ihr machen? Wie kann ich mit meinen Eltern darüber reden?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Hardware02, 30

Du musst mit deinem Vater überhaupt nicht über den Auszug reden. Und auch über nichts anderes mehr. Geht ja gar nicht, was der für einen Psychoterror abzieht!!!

Such dir einfach eine günstige Wohnung oder ein WG-Zimmer und weg bist du.

Falls es finanziell doch zu knapp werden sollte: Hast du mal über einen Studienkredit nachgedacht?

Antwort
von Fortuna1234, 40

Hi,

also deine Eltern/Vater sagt ja deutlich, was er will. Er möchte scheinbar, dass seine Kinder auch mal ausziehen. Meine Eltern haben das bei meiner älteren Schwester auch erst nett, dann immer energischer gesagt. Sonst würde sie wohl jetzt noch daheim wohnen... Die musste man fast rauswerfen. Der Rest hatte selbst den Wunsch mal auszuziehen , sie hingegen hat es sehr gerne gehabt im Hotel Mama.

Deinem Vater ist doch klar, dass er euch unterstützen müsste, oder? Geht es ums Geld oder einfach, dass er sein Haus mal wieder für sich haben will?

Du kannst neben dem Studium mal mind. ein 450€ Job machen, dazu noch Kindergeld (190€). Das würde schon reichen und wäre sogar mehr als der Baföghöchstsatz. Wenn dir das alleine zu unsicher ist (falls man mal krank wird, Job verliert, außerordentliche Ausgaben), solltest du mit deinem Vater besprechen wie er sich das denn vorstellt. Würde er 100-200€ dazugeben? Würde er dich finanziell unterstützen, wenn der Laptop kurz vor der Abschlussarbeit kaputt geht und schnell ein neuer her muss? Wenn ja, dann solltest du auch ausziehen (und deine Geschwister auch). Wenn nein, soll er bitte sagen wie er sich das vorstellt.

Und bitte versuch erstmal einen Job zu machen und sag nicht gleich " geht nicht". Es ist sooo vieles mögliches, wenn man es erstmal probiert. Ein paar Stunden in der Woche wirst du Zeit haben und dir nehmen. Das Studium leidet nicht. wenn überhaupt deine Freizeit. Aber that´s life.

Du könntest einen Vorausleistungsantrag stellen. Da wirst du mit dem Baföghöchstsatz gefördert und das Amt holt sich das Geld, ggf. im Klageweg, bei deinen Eltern wieder. Du lässt ihn dann also auf das Geld verklagen, das dir zusteht. Frag ihn mal direkt, ob er das möchte?

Und dann findet einen Kompromiss.

Wieso solltest du hinter dem Rücken ausziehen? Dein Vater sagt doch immer er will, dass ihr auszieht? Würde er sich nicht mit euch hinsetzen und euch "vorbereiten"? Würde er nicht als Bürge einspringen?

Ich versteh nicht ganz was das Problem ist. Ich finde Eltern haben einem gewissen Alter der Kinder das Recht diese "vorbereitet" hinaus zu "werfen". Unvorbereitet und ohne Unterstützung wäre nicht gerade fürsorgend. Aber auf der anderen Seite kann man auch nicht verlangen, dass die Eltern auch im Erwachsenenalter immernoch auf alles verzichten müssen, Einschränkungen hinnehmen wenn da 3 Erwachsene sind, die man "durchfüttern" muss. Vielleicht will er auch einfach mal zeit mit deiner Mutter haben. Und will nicht warten bis ihr 40 seid...

Kommentar von Retrohure ,

Danke schon mal für die Antwort. Wenn ich ausgezogen bin (auch das hat mein Vater mehrfach betont), gibt es keinerlei finanzielle Unterstützung. Mein Kindergeld krieg ich (muss ja), aber darüber hinaus gar nichts; wie ich das verstanden habe, ist das zwar irgendwie mal wieder mies, aber auch rechtens.

Da ich ein Stipendium bekomme, bin ich vom Bafög ausgeschlossen (ich würd ja eh kein Bafög kriegen, weil man Vater zu viel verdient) - ein solcher Vorausleistungsantrag wäre dann denke ich nicht möglich, wobei ich das mit den Stipendiumsleuten mal besprechen muss; bei meinem Stipendium gibt es 300€ + baföganalogem Satz (letzteres entfällt also bei mir). Nebenjob werd ich dann wohl versuchen (müssen), wobei das eventuelles Wohngeld natürlich wieder schmälert.

Mein Hauptproblem ist halt echt, dass ich nicht weiß, wie ich das Thema ansprechen soll. Ich bin mir halt von finanzieller Seite unsicher, ob das mit dem Auszug geht. Wenn ich meine Ideen jetzt aber meinem Vater, der ständig damit ankommt, gegenüber offenlege und der Auszug kommt dann doch nicht zustande - wie geht der Psychoterror denn dann erst richtig los?! Darf ich dann noch weniger? Gibt's dann immer weitere Nickeligkeiten? Was dieses vermaledeite Totschlagargument angeht, würde ich ihm ja sogesehen dann in die Karten spielen "Wenn's dich stört, zieh doch endlich aus - du hast doch jetzt das Geld." 

Mit Kompromisse finden und sachlich reden, ist bei meinem Vater leider nicht so. Ich versteh ja auch, dass man auch mal seine Ruhe haben will - ich will ja auch ausziehen. Aber warum man daraus so einen Spießrutenlauf für seine Kinder machen muss, versteh ich nicht. Und meine Geschwister, die weder bafög noch ein Stipendium kriegen - sollen die dann ernsthaft von 190€ Kindergeld (mein einer Bruder kriegt sogar kein Kindergeld mehr) und 450€ Nebenjob im Monat leben? Wir wollen alle ausziehen, bis wir 40 sind wird da sicher keiner warten müssen. Und wir sitzen sicher nicht faul zuhause rum und lassen uns durchfüttern.

Kommentar von Fortuna1234 ,

Du bist falsch informiert. Deine Eltern müssen dich unterstützen. Gerade weil du kein bafög bekommst, heißt das, dass deine Eltern genug Einkommen haben um dich alleine (ohne staatliche Unterstützung) zu unterstützen. Das nennt sich Unterhalt und kannst du auch einklagen. Oder dir durch den Vorausleistungsantrag eben einklagen lassen. Google mal bitte dazu "Bafög Vorausleistungsantrag". Und genau das solltest du mit in das Gespräch nehmen. Du hast nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte. Aber eben auch Pflichten diese Rechte einzufordern.

Das Stipendium hat nichts mit deinem möglichen Baföganspruch zu tun (oder in deinem Fall mit Unterhalt). Es wird angerechnet auf deinen Bedarf (ca. 670€). Dein Stipendium mindert also deinen Unterhaltsanspruch, aber schließt dich nicht aus.

Ja, aber er WILL ja, dass du ausziehst. Das Totschlagargument ist ein Argument, weil es sein gutes Recht ist, das er will, dass du ausziehst. Seit du 18 bist sind deine Eltern nicht mehr verpflichtet dich daheim wohnen zu lassen und ihrer Fürsorgepflicht nachzugehen. Die finanzielle Unterstützung in der Erstausbildung ist davon aber nicht beeinträchtigt. Ab 18 bist du barunterhaltsberechtigt, aber eben nicht mehr berechtigt daheim wohnen zu bleiben und "umsorgt" zu werden.

Du sagst, dass 450€+Kindergeld nicht reicht? das stimmt nicht. Zig 1000ende von Studenten kommen genau mit diesem Geld klar. Ich habe in der Ausbildung mit 560€ klargekommen. Im Studium mit 597€ (Bafög). Später dann nur mit 550-600€, welche ich mir komplett alleine finanziert habe durch einen Werkstudentenjob. Das reicht, solange man nicht denkt man lebt im Luxus. Ich habe troptzdem als Raucher immernoch 100€ verraucht und war ab und zu in Restaurants. Klar, Urlaube waren nicht drin. Dafür bin ich stolz darauf, was ich erreicht habe. Und solche Jobs sind auch gut für dich, für den Lebenslauf, für deine Erfahrungen, für deine Persönlichkeit

Ansonsten kannst du auch noch einen Studienkredit (KfW) aufnehmen. Auch das machen zig Studenten. Bisher bekommst du kein Bafög, also hast du auch keine Schulden. Andere leben mit weniger Geld und haben danach noch 10.000€ Schulden.

Du möchtest aber nicht mal ein Minijob annehmen. Entweder du hast ganz falsche Vorstellungen, mit wie wenig Geld man leben kann oder du hast zu hohe Ansprüche.

Natürlich wird dein Vater nicht gut reagieren, wenn du sagst, dass du am liebsten 1000€ haben möchtest, nicht jobben willst/kannst und auch nicht bereit bist einen Kredit aufzunehmen. Dein Vater hat es auch nur mit Bafög geschafft, war wahrscheinlich noch jobben und erwartet das auch von seinen Kindern.

Das würde ich auch tun (wenigsten, dass sie es versuchen). Nichts ist schlimmer als Ansprüche zu haben aber nichts dafür tun zu wollen.

Ich kann dir nur sagen: Ja, du kannst ausziehen. Ja, du kannst nebenher Geld verdienen. Ja du kannst studieren ohne einen Cent der Eltern. Ja, du kannst einen Kredit aufnehmen. Ja, du kannst Job und Studium miteinander vereinbaren. Da lernst du auch mal flexibel zu sein, Zeitmanagement, Organisation, Planung.

Möchtest du das nicht, dann wirst du daheim immer unerwünschter (und man wird es dir mehr und mehr zeigen) und du musst damit klarkommen.

Es gibt da keine optimale Lösung. Du musst schauen, was es dir wert ist. Lieber ein kleines WG-Zimmer und 15 Stunden die Woche nebenher bissl was arbeiten oder dich täglich mit deinem Vater auseinander setzen. Du wirst ihn nicht mehr ändern können, du kannst aber deine Situation ändern. verabschiede dich aber davon, dass du alles bekommst ohne was tun zu müssen. So läuft das nicht. ABER: Auch andere haben das geschafft und können stolz sein. Du musst aber entscheiden, was dir was wert ist und was für dich die schlimmere Alternative ist.

Kommentar von Retrohure ,

Dass ich wohl doch einen Nebenjob annehmen werde (wenn Wohngeld nicht klappt), habe ich ja schon eingesehen. Ich suche auch schon nach WGs. Was die Unterhaltspflicht meiner Eltern angeht, bin ich aber weiterhin sehr skeptisch: http://www.studis-online.de/StudInfo/Studienfinanzierung/unterhalt.php?seite=3 

Mein Vater hat sich "entschieden", mir Kost und Logis (wie der Artikel es ausdrückt) zur Verfügung zu stellen - meine Eltern sind mir ja eben nicht BARunterhaltspflichtig. Mein Vater versucht mich also gerade rauszuekeln, damit er mich weder zuhause hat, noch mich bei meiner eigenen Wohnung unterstützen muss. Und als Stipendiat eines Begabtenförderungswerk des Bundes bin ich von Bafög ausgeschlossen - daher muss ich noch rausfinden, ob etwas wie dieser Vorleistungsantrag dennoch geht.

Antwort
von Louise77, 44

Mit manchen Menschen kann man einfach nicht reden. Schlimm für dich, aber du mußt nun beweisen, dass du erwachsen bist.

Gehe zum Amt wegen Wohngeld und kläre das zunächst. Dann weisst du wie viel Geld dir zur Verfügung steht.

Gründe vorübergehend eine WG. Das kannst du immer wieder ändern, wenns finanziell besser aussieht. Übrigens denke ich, ein kleiner Nebenjob geht immer! Habe noch nie gehört, das dafür keine Zeit ist. Am Wochenende kellnern zbsp. Du kannst nur selber was ändern. Hör auf dich auf deine Eltern zu verlassen. Geh!

Antwort
von brennspiritus, 51

Beim nächsten "dann zieh doch aus" antworte mit "gern, lass uns darüber reden".

Schau, was passiert und schildere deine Ideen und frag ihn, wie er dich unterstützen möchte. Das Gespräch wird sich dann entwickeln. Viel Erfolg!

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