Frage von louisat124, 183

Hat die Krankenkasse schweigepflicht meinen Eltern gegenüber?

Guten Tag, ich habe letzte Woche herausgefunden dass ich schwanger bin. Ich möchte das Kind abtreiben. Eigentlich übernimmt die Krankenkasse ja die Abtreibung doch da ich ja in einer Familienversicherun bin (bin erst 16, meine Eltern zahlen die Versicherung) habe ich Angst, dass meine Eltern dies erfahren könnten. Darf die Krankenkasse meine Eltern in Kentnis setzen, dass ich eine Abtreibung gemacht habe und/oder gibt es am Ende des Jahres eine Abrechnung oder ähnliches wo sie dies sehen könnten? Vielen Dank schon im Vorraus!

Expertenantwort
von isebise50, Community-Experte für Schwangerschaft, 58

Die Kosten für einen Schwangerschaftsabbruch werden im Normalfall nicht von der Krankenkasse übernommen.

Da du aber wahrscheinlich über kein Einkommen verfügst, kannst du einen Antrag auf Kostenübernahme stellen. Die Kosten werden von dem Bundesland, in dem du lebst, übernommen.

Den Antrag musst du jedoch bei deiner Krankenkasse stellen und deine persönlichen Einkommens- und Vermögensverhältnisse "glaubhaft machen".

Noch vor dem Abbruch musst du dir die Kostenübernahme schriftlich zusagen lassen. Die schriftliche Zusage benötigst du für den Arzt, der den Eingriff durchführen soll.

Das Einkommen deiner Eltern spielt dabei keine Rolle.

Deine Eltern werden von keiner Stelle informiert, wenn du das nicht willst und erhalten auch keine Abrechnung oder ähnliches.

Zunächst möchte ich dir aber raten, wenn dein Frauenarzt die Schwangerschaft bestätigt hat, zeitnah einen Termin für eine Schwangerschaftskonfliktberatung, z.B. bei der

http://www.profamilia.de/fachpersonal/beraterinnen/schwangerschaftsberatung.html

zu vereinbaren. Dieses Gespräch kannst und solltest du selbstverständlich auch ohne den erklärten Wunsch um eine Abtreibung nutzen. Zudem benötigst du den Beratungsschein für eine Abtreibung.

Dort erhälst du nützlichen, individuellen und unparteiischen Rat und Hilfe bei deiner Entscheidung, wie es denn nun weiter gehen soll.

Eine Schwangerschaftskonfliktberatung umfasst die Konfliktklärung hinsichtlich der emotionalen, seelischen, partnerschaftlichen und lebensplanerischen Aspekten von Elternschaft bzw. eines Schwangerschaftsabbruchs.

Sie gibt Informationen über staatliche und andere Sozialleistungen und Unterstützungen – Elterngeld, Kindergeld, Unterhalt, Wohngeld, existenzielle Leistungen. Du erhälst dort eine medizinische Aufklärung hinsichtlich eines operativen oder medikamentösen Eingriffs, eine Erläuterung der Rechtsgrundlage und bekommst die Kosten und Finanzierung eines Schwangerschaftsabbruchs erklärt.

In der Beratung kann auch der Vater des erwarteten Kindes und deine Eltern anwesend sein, wenn du das möchtest. Wenn du dich für einen Schwangerschaftsabbruch entscheidest, hast du das Recht auf umfassende Beratung, angemessene ärztliche Versorgung und respektvolle Behandlung.

Schau auch mal hier:

http://www.profamilia.de/fileadmin/publikationen/Reihe\_Koerper\_und\_Sexualtita...

Frauen unter 18 Jahre dürfen einen Schwangerschaftsabbruch auch ohne Wissen der Eltern bzw. Einwilligung durchführen lassen, wenn die nötige geistige Reife gegeben ist. Die nötige geistige Reife wird im Allgemeinen ab 16, teilweise schon ab 14 vorausgesetzt. Auch gegenüber den Eltern unterliegt der Arzt der Schweigepflicht.

Ich wünsche dir die Kraft, deine Entscheidung zu treffen, die für deine jetzige Lebenslage und Lebensplanung richtig ist und von Herzen alles Gute!


Kommentar von annemarie37 ,

Eine ganz kleine Bemerkungen zu deiner guten Information: soviel ich weiss, kann der Antrag für Kostenübernahme bei IRGENDEINER Krankenkasse gestellt werden, muss nicht unbedingt die eigene (respektive diejenige der Eltern) sein.

Kommentar von isebise50 ,

Eine gute Anmerkung, über die ich niergendwo eine konkrete Aussage gefunden habe.

Auf den Seiten der jeweiligen Krankenkassen steht z.B. "stellen Sie bitte rechtzeitig vor der Durchführung der Behandlung einen Antrag bei Ihrer ..."

Auch wenn die Kasse die Kosten vom Land erstattet bekommt, kann ich mir nicht wirklich vorstellen, dass sie den bürokratischen Aufwand für ein "Nichtmitglied" betreibt.

Anders sieht es natürlich aus, wenn die Frau gar nicht versichert ist.

Das "Ihre..." kann natürlich auch ein Werbeslogan sein...

annemarie37, hast du mal eine Quelle für mich?

Kommentar von annemarie37 ,

So, ich habe mich jetzt genau erkundigt. Mein Kommentar ist nicht ganz richtig:

  • Wenn die Frau - oder ihre Familie/Eltern - bei einer öffentlichen Krankenkasse versichert ist, muss sie sich an diese (also ihre Kasse) wenden betr. Kostenübernahme. Die Kasse ist aber der Schweigepflicht unterstellt. Das heisst die Eltern/der Ehemann werden nichts erfahren, denn die Abrechnung läuft nicht über diese, sondern zwischen Krankenkasse und Bundesland.
  • Wenn die Frau - oder ihre Familie/Eltern - bei einer privaten Krankenkasse versichert ist, muss sie sich an eine öffentliche Krankenkasse wenden.
Kommentar von isebise50 ,

Vielen, lieben Dank annemarie37!

Antwort
von armeskaenguru, 49

Hallo

Ist die Schwangerschaft denn durch einen Frauenarzt bestätigt? Wenn ja, dann mach mal einen Beratungstermin z. B. bei Pro Familia ab. Dort kannst Du auch das Vorgehen besprechen, dass Deine Eltern nichts von der Abtreibung erfahren. Diese ist mit einer Bedenkfrist von 3 Tagen nach dem Beratungsgespräch möglich.

Die Krankenkasse übernimmt die Kosten, da Du mit 16 Jahren kaum Einkünfte hast. Der Antrag muss vor der Abtreibung gestellt werden.

Ich wünsche Dir alles Gute.

Freundlichen Gruss

tm

Antwort
von Juliana91, 54

Hallöchen!

Erst mal spricht man bei dir hoffentlich noch  nicht von einer Abtreibung, sondern von einem Schwangerschaftsabbruch. Bis zur 12. Schwangerschaftswoche handelt es sich noch um einen Abbruch, da das Embryo noch nicht voll ausgebildet ist oder so. In welcher Woche bist du?

Wenn du noch unter der 12. SSW bist:

Es gibt nun mehrere Schritte für dich zu tun:

- erstens die Schwangerschaft bei einem Frauenarzt feststellen lassen

-zu einer Beratungsstelle gehen (profamilia, Caritas, Diakonie, Schwangerschaftsberatung) um dich beraten zu lassen. Dies ist PFLICHT und du bekommst hier eine Bescheinigung dass du dich beraten lassen hast.

-du musst nach diesem Termin drei Tage lang warten als Überlegungszeit und dann kannst du einen Termin beim Frauenarzt wahrnehmen zum Schwangerschaftsabbruch

--> Rufe deine Krankenkasse an und frage nach der Kostenübernahme für einen Schwangerschaftsabbruch. Du bist vermutlich noch Schülerin oder hast sehr geringes Einkommen, weswegen die Kosten übernommen werden. Normalerweise dürften deine Eltern nichts davon mitbekommen.

--> du gehst mit der Kostenübernahmebescheinigung der Krankenkasse und der Bescheinigung der Beratungsstelle zu deinem Arzt am Tag des Abbruchs.

Aus persönlicher Sicht empfehle ich dir aber, mit irgendjemandem darüber zu sprechen. Freundin, Freund, Eltern. Egal wer. Auch am Tag des Abbruchs muss dich jemand begleiten. Tu dir das nicht alleine an.


Kommentar von isebise50 ,

Erst mal spricht man bei dir hoffentlich noch  nicht von einer Abtreibung, sondern von einem Schwangerschaftsabbruch.

Was meinst du damit?

Die beiden Begriffe werden synonym verwendet.

Kommentar von Juliana91 ,

Stimmt, hast recht! Ärzte sprechen meist erst nach der 12 SSW von einer "Abtreibung" und vorher noch von einem Schwangerschaftsabbruch, ist aber eigentlich Jacke wie Hose. Schwangerschaftsabbruch hört sich vermutlich einfach weniger schlimm an...

Kommentar von annemarie37 ,

"Schwangerschaftsabbruch" ist der offizielle (gesetzliche und ärztliche) Ausdruck. Und zwar unabhängig vom Stadium der Schwangerschaft.

Gefällt mir auch in der Umgangssprache besser. "Abtreibung" ist irgendwie so ein bisschen "schmuddelig" - historisch bedingt, weil das früher oft illegal in Hintertreppen-Zimmern gemacht wurde. Es wurde damals zwischen illegalen Abtreibungen und ärztlich vorgenommenen legalen Schwangerschaftsabbrüchen unterschieden.

Übrigens müsste es korrekt heissen: 14. Schwangerschaftswoche (SSW). In Deutschland ist der Abbruch auf Antrag der Frau (Beratungsregelung) bis Ende 14. SSW (=12 Wochen ab Empfängnis) zulässig. Danach ist der Schwangerschaftsabbruch nur noch aus medizinischen Gründen erlaubt.

Antwort
von DerTroll, 65

Ich muß jetzt etwas schmunzeln. Bei deiner letzten Frage hattest du dich noch darüber aufgeregt, daß deine Eltern eher streng wären und du auch nicht allein bei deinem Freund übernachten darfst usw. Und nun kommt diese Frage. Das klingt fast so, als ob deine Eltern im Nachhinein absolut recht gehabt haben.

Aber zu deiner Frage. Wenn ihr in einer gesetzlichen Krankenkasse seid, gilt normaler Weise ja das Sachleistungsprinzip. Das heißt, du gehst zum Arzt, bekommst deine Behandlung und die Kasse zahlt und fertig. Allerdings ist das bei einer Abreibung so eine Sache. Da ist ja sowieso erst einmal eine Beratung nötig. Vielleicht kann man das ja noch irgendwie verhindern. Das arme ungeborene Kind kann ja nichts dafür. Es gibt ja auch andere Möglichkeiten. Und du bist ja noch Minderjährig und kannst das nicht allein entscheiden. Also das wirst du nicht hinkriegen, daß alles geheim abläuft. Das hat auch nichts mit der Schweigepflicht zu tun.

Unabhängig davon ist es für dich sowieso besser, wenn du von dir aus offen mit deinen Eltern darüber redest. Das wird zwar unangenehm, aber wenn sich das dann erst einmal gesetzt hat, könnt ihr ganz in Ruhe noch einmal vernünftig darüber reden. Klar wirst du dir Vorwürfe anhören müssen, aber das ist etwas, das solltest du einfach inkaufnehmen.

Kommentar von annemarie37 ,

kannst das nicht allein entscheiden

Natürlich kann nur sie allein für sich selbst entscheiden. Aber sicher ist es besser, wenn sie mit den Eltern reden kann.

Antwort
von MaraleinBenny, 42

Also ehrlich gesagt bin ich mir nicht mal sicher, ob du das ganz alleine entscheiden darfst, wenn du noch nicht volljährig bist. Ich finde, du solltest mit deinen Eltern darüber sprechen. Eine Abtreibung geht nicht einfach mal so. Du kannst danach zB psychische Probleme haben, da wäre es ganz gut wenn du von deiner Familie Unterstützung hast. Meine persönliche Meinung zu "ich kriegs nich hin dass ich verhüte, kann ja aber abtreiben" Spar ich mir jetzt, sonst wird das unschön ;) ich glaube du hast nicht die geringste Ahnung was eine Abtreibung bedeutet...

Antwort
von mexp123, 56

Eine Abtreibung kannst du sowieso nicht geheimhalten. Kannst ja nicht ins Krankenhaus gehen und nach 4 Stunden ist alles wieder normal. Vor allem zieht sowas auch oft psychische Folgen nach sich und da wäre es gut, wenn deine Eltern dich unterstützen können. Deine Mütter sollte das eigentlich verstehen, also würde ich mich ihr zuerst anvertrauen und mit ihr schauen wie ihr es dem Vater sagt.

Kommentar von annemarie37 ,

Sicher ist es besser, wenn sie sich ihrer Mutter anvertrauen kann. Aber es ist durchaus möglich, einen Schwangerschaftsabbruch geheim zu halten. Der Abbruch wird mehrheitlich nicht im Krankenhaus sondern in einer Privatpraxis vorgenommen, sei das medikamentös oder mit der Absaugmethode. Und nach dem chirurgischen Eingriff kann die Frau eine Stunde später nach Hause.

Ernsthafte psychische Folgen kommen nicht oft, sondern selten vor.

Antwort
von ErsterSchnee, 58

Wenn die Möglichkeit besteht, dass deine Eltern es erfahren - läßt du dann nicht abtreiben?

Kommentar von louisat124 ,

doch aber dann zahle ich die Abtreibung selber :)

Kommentar von ErsterSchnee ,

Du weißt aber schon, was sowas kostet?

Antwort
von DundF, 28

Sind denn Deine Eltern in einer privaten oder in einer staatlichen Krankenversicherung. Denn  bei privaten Krankenversicherungen kommt die Rechung tatsächlich direkt ins Haus.

Aber selbst wenn Du staatlich versichert bist, kann ich persönlich Dir keine Abtreibung ohne Wissen der Eltern empfehlen. Denn dann stehst Du nachher auch alleine da mit Deinen wahren Gedanken und Gefühlen. Und dazu kommt noch die Angst, dass es doch irgendwann, irgendwie auffliegt.

Antwort
von annemarie37, 19

Hallo luisat

Du bist offenbar schwanger und zwar - falls überhaupt - ganz am Anfang einer Schwangerschaft. Da solltest du nicht von "Kind abtreiben" reden. Der Embryo ist da noch winzig klein und hat in den ersten Wochen noch überhaupt nicht menschliche Gestalt.

Du hast ja konkrete Informationen erhalten, wie du vorgehen musst (Arzt, Beratung, Krankenversicherung, damit das Bundesland die Kosten übernimmt).

Mit 16 kannst du einen Schwangerschaftsabbruch auch ohne Wissen deiner Eltern vornehmen lassen, wenn du wirklich meinst, du kannst unmöglich mit ihnen darüber reden. Die Beratungsstelle wird dich beraten und dich unterstützen. Du allein entscheidest.

Antwort
von martin2323, 59

ne haben sie nicht also deine Eltern können darauf zugreifen.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community