Diamonds von rihanna ist in h moll mit den akkorden G-Bm-A-B7/F#wie kommt man auf diese kadenz und welche stufen und funktionen sind es?

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1 Antwort

Ich hab mir das Lied jetzt nicht angehört, aber ich glaube, dass du überall wo B steht in Wirklichkeit H meintest. Das würde voll rein passen von der Harmonie her, und ein B mit F# im Bass wäre auf jeden Fall zu experimentell für so einen Popsong 😂 Vielleicht beantwortet das deine Frage auch schon: Im englischen bzw. internationalen ist der Ganzton über dem A als B bezeichnet, im Deutschen nennt sich das Ding aber H. B ist bei uns die schwarze Taste links daneben, im internationalen nennt sich diese Bb ("Bii Flätt" gesprochen). Es ist verwirrend (und vielleicht war es ja schon das, was dich verwirrt hatte), wenn man erst sagt, die Tonika sei H-Moll aber der zweite Akkord heisst B-Moll. Wenn du das schon wusstest, erkläre ich die Harmonie natürlich auch gerne. Es beginnt mit G-Dur - einem subdominanten Akkord aus der Leiter. Darauf folgt die Tonika H-Moll, natürlich ebenfalls leitereigen. Danach unser A-Dur - das ist dominant und wieder Teil unserer Leiter. Ich schiebe mal ein, dass sich viele Klassische Musiktheoretiker bestimmt darüber aufregen, wenn ich sage, dass A dominant auf H-Moll ist. Ja, A-Dur ist nur die Dominantparallele (bzw. um genau zu sein, weil F#-Dur ja die Dominante ist, die Dominantvariantparallele oder einfacher die Paralleldominante). Und das G-Dur ist auch nicht direkt Subdominante, sondern nur Subdominantparallele. Nichts desto trotz hat das G einen subdominanten und das A einen dominanten Charakter. Ende des Einschubs :D Wenn du bis hierhin Fragen hast, dann kommentiere sie einfach. Aber ich gehe mal davon aus, dass sich deine eigentliche Frage erst mit dem nächsten Akkord auftut: H-Dur7 mit F# im Bass. Erst mal: Bis hier hin ist das eine ziemlich verbreitete Akkordfolge und gerade im Pop und Rock sehr beliebt. Als nächstes würde D-Dur mit F# im Bass oder F#-Moll oder sogar F#-Dur folgen. Du merkst: Überall ist ein F# im Bass. Ich gebe zu, teilweise hat man auch ein D ohne Basstonverschiebung. Aber des F# im Bass (kurze Anmerkung: Ich rede nicht von F# persönlich, sondern in Beziehung zur Tonika. Das Phänomen tritt natürlich in allen möglichen Tonarten auf) ist dennoch beliebt an dieser Stelle und das hat auch einen Grund. Und zwar strebt es sehr schön zum G als Grundton des folgenden Akkordes auf - das F# ist der Leitton von G-Dur. Da G-Dur aber nicht die Tonika ist, ist F# auch nicht DER Leitton aus unserer Tonart. Aber man kann jeden Akkord auch als Zwischentonika betrachten, in gewissen Grenzen, und so kann jeder vorkommende Akkord auch Dinge aus seiner eigenen Tonart um sich siedeln. Das F# ist zwar immernoch leitereigen in H-Moll, darf aber dennoch als Zwischenleitton angesehen werden. Die Tonika ist eben Dominant auf die Subdominante (D-Dur auf G-Dur). Es bleibt die Frage: Funktioniert ein F# im Bass bei einem H-Dur7 überhaupt? Die Antwort ist ja, denn hier ist F# die Quinte und damit total akkordeigen. Ok. F# im Bass ist geklärt. Aber warum H-Dur7? Das ist ja nicht mal leitereigen!!? Also. Der H-Powerchord (Powerchord ist wie ein Dur- oder Moll-Dreiklang dem die Terz fehlt) ist tatsächlich leitereigen, sogar Teil der Tonika H-Moll. Aber warum denn jetzt Dur? Wenn man mit dem Quintenzirkel kommt und nach dem H-Dur sucht, stellt man fest, dass H-Dur hier die Paralleltrippeldominante (also Paralleldominantdominantdominante) ist. Das ist hier aber nicht gemeint, denn dann müsste irgendwie auch die Paralleldoppeldominante (E-Dur) vorkommen. Man sieht aber auch, dass H-Dur die Subdominante der Dominante (F#-Dur) ist, also faktisch die Dominantsubdominante. Das ist dann sowas wie die Tonika, oder? Ja. Es ist ja die Tonika, nur eben nach einer Geschlechtsumwandlung. So. Man könnte jetzt also auch davon ausgehen, dass man einfach von H-Moll nach H-Dur gewechselt ist. Dürfte man das? Auf jeden Fall. Keine Ahnung wie das der Klassische Musiktheoretiker sieht, aber im Rock ist das Standard und als Komponist sollte man das auf jeden Fall kennen (und auch akzeptieren). Von A-Dur nach H-Dur auflösen - das ist normal und hört sich auch total schön an. Die Tonika bekommt quasi einen neuen Charakter. Aber: Auch das wird hier nicht hauptsächlich die Sache sein. Ich gebe zu: Diesen übertonikalen Flair hat es tatsächlich. Das ist sicherlich auch ein Aspekt. Was aber als letztes noch beachtet werden sollte: Wenn man einen Akkord, der normalerweise Moll wäre, in Dur spielt, dann macht es ihn immer ein bisschen dominanter. Genauso wirkt auch ein Akkord, der normalerweise in Dur gespielt wird, jetzt aber in Moll, direkt subdominanter. Also hört sich ein H-Dur an dieser Stelle auch etwas dominant an. Eigentlich gerade noch so dominant, dass man mit ihm als neue Tonika leben kann. Aber das kann man nicht. Es hört sich hier sogar sehr dominant an. Warum? Eine Kleinigkeit kommt noch hinzu: Es ist ein Septakkord (siehe die 7 in H-Dur7 mit F# im Bass, bzw. H7/F#). Und zwar einer mit kleiner Septime (wäre sie groß, müsste es nicht 7 sondern maj7 heißen). Und bei einem Dur-Akkord reibt sich diese kleine Septime immer mit der Terz: Es bildet sich ein Tritonus zwischen den beiden. Und ein Tritionus mitten in einem Akkord macht diesen meist (aber auf diese Weise beinahe immer) sehr sehr dominant: Durch die 7 wird hier offensichtlich, dass der Akkord dominant gemeint ist. Das unterstützt die These, dass der letzte Akkord vor dem G-Dur, der ja ein aufstrebendes F# im Bass hat, etwas dominant ist. Aber eigentlich dominant auf das G-Dur. Auf was ist denn H-Dur dominant?? Direkt ist H-Dur nur auf E-Dur und E-Moll dominant. Allerdings kann man von einer Ebenentheorie ausgehen (die hab ich mir selber aufgestellt, keine Ahnung ob es die schon gibt, aber bestimmt). Die besagt: Ein Akkord hat die selbe Ebene wie seine Variante und wie seine Parallele. Wenn man das mal anwendet, gibt es nur noch 3 Ebenen im Dur-Moll-System. Was meint Ebene: Eine Ebene ist hier so etwas wie eine Funktion. Wenn also ein Akkord zB Tonika ist, dann sind alle Akkorde der Ebene auch tonikal. Und wenn ein Akkord dominant ist, ist das bei allen anderen Akkorden der Ebene auch so. Was bringt uns jetzt diese komische Theorie?? Naja. Worauf ist dann H7 nach dieser Theorie noch alles dominant? Wir wissen: Auf E-Dur bzw. E-Moll - sie sind variant zu einander und liegen daher ohnehin auf der selben Ebene. Ihre Parallelen sind C#-Moll und.... G-Dur! Demnach ist (nach der Ebenentheorie) H-Dur auch ein bisschen dominant auf G-Dur. Damit schließt sich der Kreis und alle sind zufrieden: Der letzte Akkord wirkt als Zwischendominante auf den darauffolgenden ersten. Aber ich gebe zu: Ganz so einfach, wie das meine Ebenentheorie aussehen lässt, ist es nicht. Zumindest nicht in der Pop-Musik, wo man keine befremdlichen Klänge mag. H-Dur ist zwar nach der Ebenentheorie dominant auf G, aber trotzdem hört sich das irgendwie komisch an - nicht so rein wie wenn man mit der "normalen" Dominante arbeitet. Es ist halt eigentlich auf die Parallele (E-Moll) dominant und die Dominanz zum G-Dur wird nicht sofort ersichtlich für einen verweichlichten Pop-Hörer. Da hört man eher einen zusammenhangslos komischen Klang. Das ist aber in diesem Fall irgendwie nicht so schlimm. Ein letztes "Und wieso ist das jetzt so?" bleibt also wieder übrig. Das lässt sich ziemlich einfach erklären: Der Basston wird auf das F#, dem Leitton vom G-Dur, verschoben (wie wir ja bereits festgestellt haben) und dadurch auch dem popgewöhnten Musikhörer die Dominanz auf das G-Dur klar. Es hört sich jetzt eher logisch und schlüssig an. Damit kann man sich zufrieden geben. Natürlich ist das H-Dur immernoch irgendwie anders und neu vom Klang her und man horcht an der Stelle vielleicht ein bisschen auf und wundert sich, weil man etwas anderes erwartet hätte, aber es hört sich nicht einfach komisch an, sondern eindeutig (ebenentheoretisch) dominant. Dieses Besondere an diesem Akkord ist natürlich gewollt und natürlich auch etwas schönes. Wie lautet jetzt die Funktion von diesem H-Dur7-mit-F#-im-Bass-Dings? Das ist die Subdominantparalleldominante, also DER Subdominantparalleldominantseptakkord mit Terz im Bass. Nicht zu verachten bleibt natürlich auch der tonikale Charakter (sowas ist eben eher nie eindeutig) und in Berücksichtigung dieses Aspektes lautet die Funktion wie folgt: Variante (also DER Variantseptakkord mit Terz im Bass....

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Kommentar von Blubberlutsch97
11.11.2016, 01:23

ich hab mir das Lied jetzt mal angehört. ich kann auch falsch liegen, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass da garnicht mal dieses H7/F# drin vorkommt 😅 das Lied ist also noch einfacher gehalten und durchgängig leitereigen.

mich interessiert, wie du auf den Akkord kommst. hat dir das jemand erzählt oder hast du ihn selbst herausgehört oder was?

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Kommentar von Blubberlutsch97
13.11.2016, 23:14

das kann man so nicht sagen.

in beiden Videos wird explizit keine Akkordbezeichnung angeben, sondern nur gezeigt, dass der Akkord aus folgenden Tönen aufgebaut ist:

F#-A-H

allerdings ein H7/F# (H-DUR7 mit F# im Bass) sähe so aus:

F#-A-H-D#

und das ist deswegen schon ein gewaltiger Unterschied, weil die zusätzliche Ton (D#) die "Terz" des Akkordes ist und sie das Geschlecht bestimmt. Da Sie hier groß ist, ist das Geschlecht Dur. Damit gehört der Akkord nicht mehr zur Leiter, man hat einen Wechsel von Moll nach Dur, es entsteht etwas dominantes, die Terz reibt sich mit der Septime (das würde die kleine Mollterz nicht tun) und es entsteht ein Tritonus. Alles was so besonders war an diesem H7/F#, abgesehen vielleicht noch davon, dass es eine Basstonverschiebung auf den Leitton des Folgeakkordes gibt, basiert auf diesem D# und das ist, wie ich es herausgehört habe und wie es deine beiden YouTube-Links ebenfalls unterstreichen, nicht vorhanden.

Der Akkord, der tatsächlich an dieser Stelle steht, ist ein H5/7/F# (wobei du natürlich wie immer die Zahlen hochstellen musst, dann sieht es auch nicht mehr so komisch mit den beiden slashs aus).

der ist einfach nur tonikal. Es ist die Tonika, mit ein paar Modifikationen. zB dass die Terz aus Schönheitszwecken weggelassen wird, die 7 hinzukommt (was auf einem Moll-Akkord - und es wird hier einer repräsentiert - nichts besonderes ist) und der Basston wird auf das F# verschoben. Die Funktion lautet jetzt:

Tonika.

Man erhält also DEN Tonikasept-Powerchord mit Quinte im Bass

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Kommentar von Blubberlutsch97
13.11.2016, 23:17

achso, es war übrigens schon immer die Quinte im Bass und nie die Terz. so hatte ich es zwar in der ursprünglichen Antwort geschrieben, aber das war nur ein Denkfehler. F# ist die Quinte auf H - egal ob Dur oder Moll.

Hast du es jetzt ein bisschen verstanden?

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