Frage von WissensJoe, 129

Beamtenzukunft trotz Diebstahl?

Hallo,

ich habe neulich den dümmsten Fehler meines Lebens begangen. Ich habe diesen Februar einen Diebstahl in Höhe von ca. 130€ begangen. Dem Laden habe ich bereits 50€ Strafe gezahlt.

Folgende Situation:

Ich bin 17, mache nächstes Jahr Abitur, daraufhin ein FSJ und danach begin ich mit dem Studium (3-5 Jahre). Danach möchte ich als Lehrer tätig sein und bestenfalls verbeamtet werden.

Nun mein Problem:

Ich habe soeben ein Brief bekommen, in dem steht, dass ich zuerst zu einer Vorbesprechung kommen soll und danach vor Gericht komme. Ich bin Ersttäter und hatte davor und danach nie mit der Polizei zu tun.

Ich habe gehört dass bei Reue und Einsicht nur Sozialstunden verhängt werden.

Was kommt jetzt auf mich zu:

Muss ich für die Gerichtsverhandlung etwas zahlen? Und wird das dann in das Führungszeugniss eingetragen, wenn ja in welches und wie lang bleibt das da drinn, und welche Zeugnisse sind überhaupt relevant für Lehramt und wann läuft die Frist ab?

Wird unter 90 Tagessätzen überhaupt eine Eintragung in das für Lehramt relevante Führungszeugnis "O" vorgenommen?

Zsf: Kann ich trotzdem Lehrer und verbeamtet werden?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Thiamigo, 37

du bekommst eine kleine Jugendstrafe, diese wird wieder gelöscht wenn du 21 bist und dir nichts mehr zu schulden kommen lassen hast also keine Panik du kannst deinen Weg gehen

Antwort
von Dommie1306, 39

Grüß dich,

vorneweg: Ruhig Blut, alles nicht so tragisch.

1. Beim Ersttäter wird ein Diebstahl in der Regel eingestellt. Da deine erlangte Ware jedoch über der Geringfügigkeit lag (35€) kannst du dich darauf nicht zu 100% verlassen. Dennoch läuft es für dich, da nach Jugendstrafrecht geurteilt wird, maximal auf einige wenige Sozialstunden raus (auch ohne Reue, mit ist aber besser;))

2. In deinem Führungszeugnis steht diesbezüglich nichts, die Voraussetzungen hast du zum Teil schon selber richtig genannt... es gibt zwar noch andere, aber das führt hier zu weit.

3. Deine KAN-Akte, also der "kriminalistische Akten Nachweis" wird nach 5 Jahren gelöscht (bei Jugendlichen 5 Jahre, bei Erwachsene 10 Jahre). Ist aber eh unerheblich für dich, das ist nur für unser System eine polizeiinterne Recherchemöglichkeit.

4. Jetzt muss ich doch mal für unseren Berufsstand eine Lanze brechen: Wir sind NICHT die bösen Vampire, die nur darauf warten, dass einer so blöd ist zur Vernehmung zu gehen, damit er im Anschluss lebenslang eingesperrt wird. So ein Käse... Dennoch denke ich in diesem Fall auch, dass du zur Beschuldigtenvernehmung nicht gehen musst. Die Sachlage ist klar und du kannst dir einfach diese Lebenszeit sparen (außer du willst sagen, dass es dir Leid tut... sowas wäre natürlich in der Vernehmung komplett unverfänglich... aber wie schon gesagt: Ich halte es für unnötig...)

Hierbei aber eine Bitte: Ruf den zuständigen Kollegen an und sag ihm, dass du nicht kommst.. es gibt nichts ärgerlicheres, als auf einen Bürger zu warten, der nicht zur Vernehmung erscheint.. wir haben wirklich auch anderes zu tun;)

5. Einen Anwalt halte ich aktuell, gerade wenn du nicht vor hast von deinem Aussagerecht gebrauch zu machen, für unnötig. Warte erst mal ab, ob es nicht sowieso zu einer Einstellung kommt. Sollte es zu einem Strafbefehl oder einer Gerichtsverhandlung kommen (letzteres beim Ersttäter wegen Diebstahl sicherlich nicht), kannst du immer noch einen Anwalt einschalten und hast damit nichts verloren.

Wenn du dich weiter über das Führungszeugnis informieren willst, gibt es hier einen guten Artikel dazu:

http://www.123recht.net/Das-Fuehrungszeugnis-__a11997.html

Auch dein Studium dürfte nicht gefährdet sein, da kenn ich mich aber ehrlich gesagt nicht 100% aus. Ich weiß, wenn du zur Polizei willst oder Jura studieren magst, darf gegen dich noch nicht ermittelt worden sein... das wäre in deinem Fall leider bereits das Fall. Meines Wissens spielt dies für ein Lehramtsstudium aber keine Rolle... 

Zuletzt noch mein persönlicher Rat (natürlich nicht dienstlich, wir dürfen ja keine Rechtsberatung aussprechen): Schick an den Laden ein Entschuldigungsschreiben und dieses in Kopie + einer Erklärung wie Leid es dir tut und dass du den Schaden bereits ersetzt hast (also die 130€ Euro; wenn du die Ware anschließend bezahlt und mitgenommen hast) und/oder, dass du die zivilrechtlichen Forderungen (die 50€) bereits bedient hast dem zuständigen Kollegen, der soll das in die Akte mit aufnehmen... ist nie verkehrt...

In diesem Sinne: Alles Gute dir:)

Kommentar von WissensJoe ,

Das ist ja grad das komische. Es wurde ein Gerichtsverfahren eingeleitet. Ich soll zumindest vorm Gericht erscheinen. Ob das als Gerichtsverfahren zählt?

Kommentar von Dommie1306 ,

Wieso sollst du vor Gericht erscheinen? Vorallem: Wann war der Diebstahl? Bis die Anzeige abgegeben ist und das ganze vor Gericht geht dauert das in der Regel...

Kannst du den Brief anonymisieren, dann einscannen und mir mal zukommen lassen bitte?

Antwort
von Pudelwohl3, 64

Ich möchte Dir jetzt die Panik nehmen. Du musst nicht um Deine Zukunft zittern. Deine Angaben als richtig vorausgesetzt, wird das ganz kleine Konsequenzen haben, die einer Verbeamtung nicht entgegenstehen.

Wenn Du ganz sicher gehen willst, dass es nur minimale Konsequenzen haben wird:

1. Geh nicht zur polizeilichen Befragung. Dazu bist Du nicht verpflichtet und Du läufst Gefahr, es schlimmer zu machen.

2. Geh zu einem Rechtsanwalt. Der wird Akteneinsicht nehmen und die Kommunikation mit der Staatsanwaltschaft führen. Wahrscheinlich wird es ihm gelingen, dass das Verfahren gegen eine Auflage eingestellt wird. Allerdings wird er ein Honorar verlangen.

Also Kopf hoch ... und in Zukunft immer schön sauber bleiben ...

Kommentar von bananenauflauf2 ,

Genau denselben Tipp würde ich dir auch geben!

Kommentar von bananenauflauf2 ,

Auf jeden Fall nicht gut Polizei gehen, lass das bitte einen Anwalt machen!

Kommentar von Dommie1306 ,

Weil wir prinzipiell jeden in die Pfanne hauen, gerade bei so einem komplexen und undurchsichtigen Fall wie einem einfachen Ladendiebstahl... Mann oh Mann, haben wir nen schlechten Ruf XD

Kommentar von Pudelwohl3 ,

@Dommie1306

Wie meinen?

Bist Du Polizist? Dann möchte ich Dir sagen, dass ich weder Dich persönlich irgendwie diskreditieren wollte noch Deine Berufskollegen in ein schlechtes Licht rücken.

Mein Rat ist das, was üblicherweise von Juristen empfohlen wird. Weil die Fragestellerin sehr in Sorge zu sein scheint, habe ich ihr diesen Weg aufgezeigt.

Antwort
von Hugito, 53

Unter 90 Tagessätzen gibt's keine Eintragung ins Führungszeugnis. Ebenso wenn es eine Jugendstrafe ist.

Wenn Du reumütig bist und bereit bist etwas zu tun, um die Sache wieder gut zu machen, dann wird das Verfahren wahrscheinlich wieder eingestellt. In diesem Falle bist Du gar nicht vorbestraft. (Dann erfolgt auch keinerlei Eintragung ins Bundeszentralregister.)

Viel Glück Herr Beamter!

Antwort
von Steffe1970, 44

Ich kann dich beruhigen, du kannst trotzdem Lehrer werden. Wenn du Reue zeigst und das merke ich ja jetzt schon bei dir, dann kriegst du nur Sozialstunden. Wenn du Glück hast sogar keinen Eintrag in dein Führungszeugnis, das bedeutet, dass deine Akte frei ist, nachdem du die Sozialstunden fristgerecht abgeleistet hast. Das ist wichtig!
Wenn du dich also später auf einen Job bewirbst und dieser dein polizeiliches Führungszeugnis sehen will, dann ist es sehr warscheinlich, dass sie dort nichts finden werden. Jedoch, solltest du nochmal bei der Polizei auffällig werden, sieht diese, dass du schon einmal auffällig geworden bist und begnadigt wurdest.

Antwort
von Yookoo, 45

Klar. Wieso nicht. Der richter will doch dass du auf die richtige bahn kommst

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