Frage von kaktusfeld, 866

Tür vom Nachbarn eingetreten. Muss ich zahlen?

Ich habe vom Nachbarn ein lautes Wimmern und Schreien gehört und die Polizei gerufen. Als die nach 15 Minuten immer noch nicht kam und das Gekreische immer lauter wurde, dachte ich die Frau wird gerade umgebracht und ich trat die Tür ein.

Dann sah ich, dass das Nachbarspäärchen die übelsten Sadomaso-Spielchen spielten, viel Spaß hatten und alles nur ein Missverständnis war. Hab ich jetzt falsch gehandelt und muss ich die Tür ersetzen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Hugito, 706

Nein alles Unsinn.

Hier liegt ein Fall der "Geschäftsführung ohne Auftrag", §§677 ff BGB vor. Die Türe wurde ja eingetreten, weil ein Notfall befürchtet wurde.

Dabei ist ein Haftungsprivilleg in § 680 BGB normiert.  Der Geschäftsführer hat nur Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit zu vertreten. D.h. es muss nach den Umständen geprüft werden, ob beim Eintreten der Türe erkannt werden konnte, dass keine Gefahr vorliegt.

So wie das beschrieben wurde, hast Du laute Wimmern und Schreien gehört, das immer schlimmer wurde. Die Polizei ist nicht gekommen, obwohl Du sie gerufen hast. Hier darf man davon ausgehen, dass eine Gefahr für Leib und Leben vorliegt. Also hast Du richtig gehandelt und das Notwendige getan. Stelle Dir vor, da wäre tatsächlich jemand in Gefahr gewesen und Du hättest nichts getan! Dann hätte man Dir auch Vorwürfe machen können. Indem Du die Türe eingetreten hast, um die mögliche Gefahr abzustellen, hast Du "ein Geschäft für den Nachbarn erledigt".  

Damit hast Du höchstens leicht fahrlässig nicht erkannt, dass in Wahrheit keine Gefahr vorliegt.

Der Nachbar kann somit nach den §§ 677 ff. BGB keinen Schadenersatz verlangen. Du musst die Türe also nicht zahlen. Du hast berechtigt als "Geschäftsführer ohne Auftrag" gehandelt.

Ich gratuliere.

Kommentar von kaktusfeld ,

danke, das hilft mir echt weiter

Kommentar von Neuter ,

du solltest seine antwort als hilfreichste auszeichnen. das hat er verdient, findest du nicht

Kommentar von zahlenguide ,

sowas habe ich noch nie gehört. interessant!

Kommentar von KittyCat2909 ,

Nur geht es hierbei nicht um Geschäftsführer. Deine Antwort ist demnach falsch.

Die Kosten muss der Verursacher selbst tragen- könnte aber diese an die vermeintlich Geretteten versucht werden einzufordern.

Kommentar von KittyCat2909 ,

§ 904
Notstand

Der Eigentümer einer Sache ist nicht berechtigt, die Einwirkung

eines anderen auf die Sache zu verbieten, wenn die Einwirkung zur
Abwendung einer gegenwärtigen Gefahr notwendig und der drohende Schaden gegenüber dem aus der Einwirkung dem Eigentümer entstehenden Schaden unverhältnismäßig groß ist.

Der Eigentümer kann Ersatz des ihm entstehenden Schadens verlangen.

Kommentar von Hugito ,

Gute Idee.

Aber aus § 680 BGB ergibt sich, dass § 904 nicht anwendbar ist. Hier sind die Regelungen über die Geschäftsführung ohne Auftrag spezieller und gehen daher vor. Sonst würde das Haftungsprivileg des § 680 BGB keinen Sinn machen, wenn ein "Notgeschäftsführer" handelt.

Es bleibt dabei, der Nachbar muss die Tür selber zahlen.

Kommentar von KittyCat2909 ,

Der Eigentümer kann Ersatz des ihm entstehenden Schadens verlangen. Nachdenken. ;)

Kommentar von Hugito ,

Also: Hier ist der Eigentümer der Türe und der, dem vermeintlich geholfen werden soll, derselbe. Deshalb ist das schlecht verständlich.

Deshalb eine Abwandlung: Fall wie oben, nur dass der Eigentümer E in den Urlaub gefahren wäre, vergessen hätte abzuschließen und ein liebestolles Pärchen P in die offene Wohnung gegangen wäre. G hört die Geräusche und tritt die Tür ein.

Dann gilt: Der Eigentümer E kann von G Ersatz des Schadens verlangen, § 904 BGB

Also hat G Kosten, wegen seiner Hilfsaktion. Er kann von P aus §683 BGB Ersatz seiner Aufwendungen (Also die Kosten für den Eintritt der Tür) verlangen. Er hat versucht eine Angelegenheit, ein "Geschäft", für P zu erledigen = Geschäftsführung ohne Auftrag, nämlich sie aus einer Gefahr zu befreien. Bei Irrtümern hilft ihm der § 680 BGB.

So muss letztlich das Pärchen P dem Eigentümer P den Schaden ersetzen.

Da in unserem echten Fall P und E identisch sind, müssen die eben die Tür bezahlen. Jedenfalls kann das nicht von dem helfenden G verlangt werden. So die Wertung des Gesetzes.


Kommentar von DreiGegengifts ,

So wie das beschrieben wurde, hast Du laute Wimmern und Schreien gehört, das immer schlimmer wurde. Die Polizei ist nicht gekommen, obwohl Du sie gerufen hast. Hier darf man davon ausgehen, dass eine Gefahr für Leib und Leben vorliegt. Also hast Du richtig gehandelt und das Notwendige getan.

Was für ein Quark^^ Er rennt ohne vorher mal zu klingeln  plötzlich nach 15 Minuten Untätigkeit die Tür ein. Er kann sich in jeden Fall auf eine Strafverfolgung einstellen.

Kommentar von Hugito ,

Doch, es wurde doch geklopft.

Natürlich wurde "absichtlich" eine Tür eingeschlagen. Aber das hatte doch einen Grund. Diese Sachbeschädigung ist durch Nothilfe gerechtfertigt bzw.entschuldigt. Objektiv lag zwar keine Gefahr vor. Aber das musste wegen der Umstände angenommen werden. Man sagt das ist eine "Putativnothilfe". Im Ergebnis ist das aber straflos.

Aus Sicht der Rechtsordnung ist es richtig, wenn Menschen anderen in der Not helfen wollen.

Antwort
von fraschi, 127

Klares --> " Nein " von mir.....denn  das Ganze mit dem Geschäftsführer ist völliger Unsinn, zumal ein Geschäft vorraussetzt, daß ein Vertrag zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer zustande kommt.....so nach dem Motto:

"  Ich gebe dir 500 Euro, wenn du meine Türe dafür zerstörst "

Und das ist überhaupt keine hilfreiche Antwort, weil diese völlig " daneben geraten " ist, also --> 6 ...setzen und heute Nachsitzen !

In deinem Fall ist es eine klare " Nothilfe " ( § 32 StGB / § 227 BGB / § 15 OWiG ), da ein Notfall angenommen werden mußte.

Und weil es ein Irrtum war, kommt hier § 33 StGB zur Anwendung und bedeutet, daß die durch den Irrtum beschädigte Türe nicht bezahlt werden muß.

Dafür muß das Schmerzen liebende Pärchen noch Schmerzen in der Geldbörse hinnehmen, denn sie dürfen die Türe bezahlen.

Und....sie könnten sogar wegen ihrer nächtlichen Spiele Ärger bekommen, wenn man es darauf anlegt, denn " nächtliche Ruhestörung " ist eine Ordnungswidrigkeit.

Was zur Türe zu sagen ist....oftmals wird Eigentümer und Besitzer verwechselt, denn :

Wohnt das Pärchen zur Miete, sind sie Besitzer, aber der Vermieter ist Eigentümer, denn

nur wenn es eine Eigentumswohnung ist, ist das Pärchen auch Eigentümer....mal so nebenbei.

Gruß

fraschi



Antwort
von Wolf290798, 529

Beste Story :D

Warum hast du nicht erst geklopft? Aber wie schon gesagt dafür würde die Haftplicht aufkommen ^^. Nur halt nicht in diesem Fall


Kommentar von kaktusfeld ,

Ich habe geklopft wie verrückt, aber die haben nicht reagiert.

Kommentar von Wolf290798 ,

:D die waren wohl richtig gut dabei!

Wenn ich fragen darf: Wie haben sie reagiert als du die Tür eingetreten hast?

Kommentar von kaktusfeld ,

peinlich berührt

Kommentar von Wolf290798 ,

:D

Antwort
von Spielwiesen, 69

Ich stelle mir gerade den Wahnsinnskick vor, den die beiden Randalierer durch die eingetretene Tür erleben durften - vielleicht zahlen sie dafür (masomäßig) gern einen Obolus - allein schon für die einmalige Erinnerung --- es gibt nichts, was es nicht gibt, gerade auf diesem Gebiet.

Antwort
von wfwbinder, 323

Vermeintlich notwendige Nothilfe.

Nicht ganz einfach. Es wäre besser gewesen die Polizei zu rufen, wenn Du Angst hattest, dass ein Verbrechen geschieht.

Kommentar von kaktusfeld ,

Habe ich ja, aber die haben so lange gebraucht

Antwort
von fusselchen70, 426

Finde ich gut, das du das gemacht hast. Ich hoffe auch, das deine Haftpflichtversicherung da einspringt. Hier lohnt es sich meiner Meinung nach einen Anwalt zu Rate zu ziehen....

Antwort
von Dahika, 183

Gröhl. Nein, du bist von einer Notlage ausgegangen.

Aber, wie peinlich!!!!!

Antwort
von SchizoSync, 321

Würde sagen, da kommt die Haftpflicht für auf, aber so musst erstmal du zahlen

Antwort
von BenniXYZ, 248

Also ich denke du wirst die Tür selbst bezahlen müssen. Die Privathaftpflicht zahlt doch nicht bei Vorsatz. Du hast das Risiko einer kaputten Tür bewußt in Kauf genommen um Menschenleben zu retten. Der Grund ist erst mal völlig egal, das war nicht mal grob fahrlässig, sondern vorsätzlich und Vorsatz ist nicht versicherbar.

Selbst wenn da drinnen jemand sterbenskrank darnieder liegt, bezahlt die Privathaftpflichtversicherung die eingetretene Tür nicht.

Antwort
von Antraxxx, 231

Wenn Du nicht Versichert bist denke ich schon, das Du blechen mußt.

Du könntest die Hausverwaltung fragen: Ich   nur gut gemeint   guter Nachbar    sicherheit im Haus.

Probier es.

Ich drücke Dir die Daumen.

Gruß Antraxxx

Antwort
von sepperwelt, 152

Natürlich. Aber bei solchen Sachen sicherheitshalber erst die Polizei rufen.

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