Frage von AnniHolo, 59

Stilistischer Unterschied Sturm&Drang vs Romantik?

Hallo ihr lieben,

wie ihr seht, suche ich nach den stilistischen Unterschieden zwischen dem Sturm&Drang und der Romantik.

Sturm&Drang war ja sehr gelöst von Formen und eher rebellisch gegen Regeln der bisherigen Lyrik.

Ist die Romantik nicht auch formgelöst? Oder kann ich Gedichte der beiden Epochen nur inhaltlich unterscheiden?

Inhaltliche Unterschiede sind mir klar, aber wenn ich mein Deutsch-Abi schreib, kann ich im Gedichtvergleich ja nicht nur inhaltlich argumentieren, warum das Gedicht nun einer der beiden Epochen angehört. Wäre ja irgendwie zu einfältig, oder? Gibt es in der Form wirklich keine großen Unterschiede?

Liebe Grüße und Danke!

Antwort
von rotreginak02, 36

Hallo AnniHolo,

schwierige Frage..... die offensichtlich schon seit Jahren bewegt,  besonders im Abi.

Stilistisch fällt mir persönlich dazu Nichts ein, inhaltlich finde ich folgende Diskussion interessant:

http://www.abiunity.de/thread.php?threadid=2601&sid=

Ich hoffe, dass dir das zumindest etwas weiter hilft.

Kommentar von AnniHolo ,

Auf der Seite war ich auch schon, danke! :) Wenn die Stile so ähnlich sind, wird ja sicherlich ein Gedicht drankommen, das inhaltlich gut abzugrenzen ist - hoffentlich :D

Kommentar von rotreginak02 ,

das hoffe ich doch sehr für dich;-) denn dann kann man auch ausführlich und fundiert darüber schreiben. Viel Erfolg wünsch ich Dir und lern nicht mehr zulange heute Abend ;-)

Kommentar von AnniHolo ,

Haha, danke! :)

Antwort
von Haldor, 21


Sturm-und Drang-Gedichte wie auch Gedichte der Romantik sind
Gefühlsdichtung, d.h. die Gefühle treten jeweils stark hervor. Ein St.-und -Dr.- Gedicht ist intensiver, sturmbewegter; entsprechend dynamisch sind die poetisch-rhetorischen Figuren. Die Gefühle schwingen  heftig auf, sie toben, brausen und wallen, während sie in Gedichten der  Romantik eher (ruhig) fließen und strömen.

Ein weiterer  Unterschied: Im St.-und Dr.-Gedicht bewegt sich das lyrische Ich, so  sehr seine Gefühle auch emporlodern, immer in der Realität, wie wir sie  rational wahrnehmen; dagegen befindet sich das lyrische Ich im  „romantischen“ Gedicht in einer sich allmählich verwandelnden Welt:  Gemäß der Forderung von Novalis, der Dichter soll in seinen Werken die (banale, nüchterne) Welt „romantisieren“, waren alle Dichter der  Romantik bestrebt, in ihren Werken Merkmale des Phantastischen, Wunderbaren einzubringen.
Nehmen wir das Gedicht „Frühlingsnacht“  von Eichendorff: Die zunehmende romantische Verwandlung ist hier Inhalt
des Gedichtes; sie verspricht dem lyrischen Ich die Erfüllung seiner Wünsche. Zunächst hält sich alles im realistischen Rahmen (1. Strophe); dann, ab Strophe 2, setzt die Verwandlung ein, mit den sich widersprechenden Empfindungen und der Als-ob-Vorstellung: eigentlich könnt's nicht sein, aber sie sind da: die alten Wunder, sie erscheinen; der Mond, die Sterne fangen an reden, der Hain träumt, die Nachtigallen sprechen. Jetzt ist das lyrische Ich reif, fest an die Liebeserfüllung zu glauben: „Sie ist dein!“ 

Dagegen die Situation im  St.-und-Dr.-Gedicht „Willkommen und Abschied“ von Goethe. Die Gefühle lodern und rauschen, wild brausende Metaphern umschreiben die Angst des lyrischen Ichs: „Die Winde schwangen leise Flügel, umsausten schauerlich mein Ohr, die Nacht schuf tausend Ungeheuer..." Dann häufen sich – typisch für ein St.-und-Dr.- Gedicht – die Ausrufe (verbunden mit  Parallelismus und Anapher): "In meinen Adern welches Feuer! In meinem Herzen welche Glut!"


Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community