Frage von FragenFritzi, 188

Mietvertrag fristlos kündigen wegen Psyche?

Hallo, es ist etwas schlimmes in meinem näheren privaten Umfeld passiert, welches in auch mit meiner Wohnung verbinde.

Dies hat mich psychisch sehr angeschlagen und ich kann nur noch schwer allein sein, besonders auch in meiner Wohnung. Ich bekomme Depressionen, Nervenzusammenbrüche und verletze mich sogar selbst.

Ich muss also hier raus. Am besten wieder zu meinen Eltern oder Freunden ziehen. Jedoch bin ich noch bis Ende des Jahres an die Wohnung gebunden (Mindestmietdauer im Mietvertrag).

Ist dies ein Grund fristlos zu kündigen? bzw. wäre dieser Grund wirksam?

Expertenantwort
von anitari, Community-Experte für Mietrecht, 82

Ein wirksamer Grund zur fristlosen Kündigung wäre die amtliche Feststellung das von der Wohnung eine Gefahr für Leib und Leben der Bewohner ausgeht.

Nur das man ein schlimmes Ereignis mit der Wohnung verbindet berechtigt nicht zur fristlosen Kündigung.

Kündige fristgerecht zum nächstmöglichen Termin.

Ausziehen kannst Du ja sofort.

Jedoch bin ich noch bis Ende des Jahres an die Wohnung gebunden (Mindestmietdauer im Mietvertrag).

Schreib mal den genauen Wortlaut.

Antwort
von DerHans, 98

Wenn du aus gesundheitlichen Gründen ausziehen willst, hindert dich doch niemand. Selbstverständlich musst du dann die Miete weiter zahlen, bis der Vermieter einen Nachmieter gefunden hat.

Den Vorfall in der Nachbarschaft hat doch der Vermieter nicht zu verantworten

Antwort
von Interesierter, 44

Nein, das ist er nicht.

Voraussetzung für einen zulässigen Grund wäre, dass er sich auf die Wohnung oder den Vermieter an sich begründet, was hier wohl nicht der Fall ist.

Es ist zwar grundsätzlich eine fristlose Kündigung möglich, wenn von der Wohnung gesundheitliche Gefahren ausgehen, dies aber auf psychische Probleme auszudehnen, dürfte wohl in der Praxis scheitern. Diese Fälle sind für konkrete Gesundheitsgefahren wie z.B. Schimmel, Asbest etc. vorgesehen. Wie du nachweisen willst, dass sich deine Wohnung gesundheitsgefährdend auf deine Psyche auswirkt, wirst du kaum beweisen können.

Antwort
von LiselotteHerz, 115

Das beste wäre, Du würdest mal ganz offen mit Deinem Vermieter sprechen.

Stellt er sich stur, hilft da nur eine Bescheinigung eines Arztes, dass Du nicht in der Lage bist, alleine zu leben und deshalb der Mietvertrag vorzeitig aufgehoben werden muss.

Alles Gute. lg Lilo

Kommentar von ChristianLE ,

Stellt er sich stur, hilft da nur eine Bescheinigung eines Arztes, dass Du nicht in der Lage bist, alleine zu leben und deshalb der Mietvertrag vorzeitig aufgehoben werden muss.

Selbst eine ärztliche Bescheinigung ändert nichts an der Mietbindung.

Antwort
von ChristianLE, 45

Nein, eine fristlose Kündigung ist nur dann möglich, wenn schwerwiegende Gründe in der Wohnung (z.B. Unbewohnbarkeit durch Schimmel) liegen.

Deine Situation ist sicher nicht schön, aber letztendlich kann der Vermieter nichts dafür und muss dafür auch keinen Mietausfall in Kauf nehmen.

Ich würde hier das Gespräch mit dem Vermieter suchen und das Problem schildern. Vielleicht kann er Dich ja vorzeitig aus dem Vertrag lassen?

Wie lautet der genaue Wortlaut dieser Klausel im Mietvertrag? Vielleicht ist diese ja unwirksam? Das wäre beispielsweise der Fall, wenn der Kündigungsausschluss nur für dich gelten würde.

Expertenantwort
von johnnymcmuff, Community-Experte für Mietrecht & Mietvertrag, 22

Der Vermieter kann wohl nichts dafür das etwas in Deinem Umfeld passiert ist, folglich kannst Du nur fristgerecht kündigen oder den Vermieter fragen ob er Dich früher aus dem Vertrag lässt.

Antwort
von toomuchtrouble, 74

https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__569.html

http://bgb.kommentar.de/Buch-2/Abschnitt-8/Titel-5/Untertitel-2/Kapitel-5/Unterk...

Laut BGB-Kommentaren ist eine außerordentliche fristlose Kündigung zulässig, wenn von der Wohnung eine gesundheitliche Gefahr ausgeht. Wie weit eine psychische Störung dazugehört, kann nur schwer beurteilt werden.

Du müsstest schon genauer und nachvollziehbarer benennen können, welchen Anteil die Wohnung selbst an Deinen Beschwerden hat.

Denkbar wäre eine (sexuelle) Gewalterfahrung in der Wohnung, im Hausflur, die ein weiteres Leben in diesem Wohnumfeld nicht zumutbar erscheinen lässt.

Kommentar von ChristianLE ,

Laut BGB-Kommentaren ist eine außerordentliche fristlose Kündigung zulässig, wenn von der Wohnung eine gesundheitliche Gefahr ausgeht.

Das gilt hier aber nur für Dinge, wie Krankheit durch Schimmel oder Asbest.

Der Vermieter kann ja nichts für die Erkrankung, bzw. hätte diese niemals verhindern können.

Die Probleme resultieren aus persönlichen/privaten Dingen und nicht aus der Wohnung als solches.

Kommentar von toomuchtrouble ,
Antwort
von Gerneso, 63

Ich muss also hier raus. Am besten wieder zu meinen Eltern oder Freunden ziehen.

Das kannst Du natürlich sofort, wenn Du möchtest.

Allerdings musst Du eben weiterhin bis zum Ende des Mietvertrages Deine Miete und die Nebenkosten zahlen.

Kommentar von Nemo75 ,

Falsch

Kommentar von DarthMario72 ,

Wieso soll das falsch sein?

Antwort
von ersterFcKathas, 83

sprich doch mal mit der vermieterin,vermieter... dein  vertrag ist gültig !!!  aber in einem persöhnlichen gespräch kannst du meistens mehr erreichen. nachmieter stellen z.B. 

Antwort
von Everklever, 88

Da kommst du nur raus, wenn der Vermieter einverstanden ist. Er ist aber nicht verpflichtet, dich aus dem Vertrag zu entlassen. Ausziehen kannst du natürlich jederzeit, aber wenn der auf Vertragserfüllung beharrt, musst du bis zum Schluss zahlen.

Kommentar von Nemo75 ,

Komisch!
Das ist folgender Auszug eines Rechtsanwalts wohl auch falsch?

sie  könnten das Mietverhältnis mit dreimonatiger Kündigungsfrist beenden, wenn sich nach rechtlicher Prüfung Ihres Mietvertrages herausstellt, dass die von Ihnen erwähnte Mindestmietdauer nicht wirksam ist, da es sich dann um ein normales Mietverhältnis auf unbestimmte Zeit handelt. Dies können Sie dann jederzeit, ohne Angabe von Gründen, mit dreimonatiger Frist kündigen.

Das Wohnungsmietrecht kennt keine Mindestmietdauer.

Es gibt nur einen Zeitmietvertrag nach § 575 BGB, der an enge Voraussetzungen geknüpft ist. Hier muss Ihnen bei Vertragsschluss z.B. der Grund der Befristung schriftlich nitgeteilt worden sein.

Kommentar von DarthMario72 ,

@Nemo75: Eine Quellenangabe wäre ganz hilfreich. Entweder schreibt dieser Anwalt Unfug oder der Abschnitt bezieht sich nicht auf unbefristete Mietverträge in Deutschland.

Kommentar von Everklever ,

Auch wer einen unbefristeten Mietvertrag abschließt, kann nicht immer mit einer Frist von drei Monaten kündigen und ausziehen. Vorsicht, wenn das Wort „Kündigungsverzicht“ oder „Kündigungsausschluss“ auftaucht. Die Vertragspartner können vereinbaren, dass für einen Zeitraum von bis zu vier Jahren die Kündigung ausgeschlossen wird. Das bedeutet, Mieter wohnen dann in diesen vier Jahren sicher, ihnen kann, solange sie die Miete pünktlich zahlen, nicht gekündigt werden. Aber umgekehrt kommen auch sie vier Jahre lang nicht aus dem Mietvertrag heraus.

Das Kündigungsrecht darf vom Zeitpunkt des Vertragsabschlusses an bis zum Ablauf der Kündigungsfrist höchstens für vier Jahre ausgeschlossen werden. Läuft der Kündigungsausschluss vereinbarungsgemäß länger, ist die Mietvertragsklausel unwirksam, und der Mieter kann jederzeit mit einer Frist von drei Monaten kündigen (BGH VIII ZR 86/10).

http://www.mieterbund.de/mietrecht/irrtuemer-und-fallen.html

Komisch!
Das ist folgender Auszug eines Rechtsanwalts wohl auch falsch?

Nicht unbedingt. Vermutlich war dein Mietvertrag in irgend einem Punkt fehlerhaft und deshalb angreifbar. Daraus kannst du aber keine Generalregel ableiten.

Das Wohnungsmietrecht kennt keine Mindestmietdauer.

Doch, und zwar unter den oben genannten Bedingungen. Und auch im Mietrecht gibt es immer eine gewisse Vertragsfreiheit, die dann ins Spiel kommt. Im Übrigen ist dein Zitat ein Textauszug. Wie bei anderen Angelegenheiten auch (Musterbeispiele sind hier auf GF Arbeitszeugnisse) sind solche Fragmente nicht aussagekräftig, ohne den Gesamttenor zu kennen. Wie das Kind letztlich heißt, ob Mindestmietdauer oder Kündigungsausschluss, dürfte zweitrangig sein.

Und das mit den drei Nachmietaspiranten dürfte in deinem Fall nur geklappt haben, weil sich der Vermieter und dein Anwalt auf eine Art Vergleich geeinigt haben, um einen längeren Rechtsstreit zu vermeiden. Einen rechtlichen Anspruch darauf gibt es nicht.

Kommentar von anitari ,

Das Wohnungsmietrecht kennt keine Mindestmietdauer.

Das ist richtig. Aber Kündigungsverzicht kennt es.

Und dieser kann, wenn wirksam, den Mieter bzw. Mieter und Vermieter für bestimmte Zeit an den unbefristeten Vertrag binden ohne das eine ordentliche Kündigung möglich ist.

Mit Zeitmietvertrag gem. §575 hat das nichts zu tun.

Leider hat Fragesteller meine Frage nach dem genauen Wortlaut noch nicht beantwortet. 

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