Frage von Klaus1364648, 178

Katholisch: Kein Sex vor der Ehe - Ist da was dran (bitte um Erklärung)?

Expertenantwort
von RFahren, Community-Experte für Sex, 44

Keine Ehe vor dem Sex!

Jungfräulichkeit wird oft völlig überbewertet. In ferner Vergangenheit war eine jungfräuliche Braut die Gewähr dafür, dass der frischgebackene Ehemann nicht versehentlich die Nachkommen eines Konkurrenten großzieht bzw. eine ledige Mutter ohne Versorger mittellos zurückbleibt. Daher haben praktisch alle Religionsstifter den vorehelichen Verkehr zur "Sünde" erklärt und entsprechend sanktioniert - was ja auch durchaus gut gemeint und mangels Alternativen der einzig mögliche Weg war. Daher hat diese Praxis und das Ideal der Enthaltung bis zur Ehe auch Eingang in viele Kulturen gefunden.


Leider gibt es immer noch Kulturen, welche diese (und andere - ich sag nur "Ernährungsvorschriften") gut gemeinten jahrhundertealten Regeln bitterernst nehmen ohne diese in den Kontext der heutigen Zeit zu setzen - bis hin zum (Ehren-)Mord... .
Dank Geburtenkontrolle, Safer Sex und Vaterschaftstest sind die eigentlichen Beweggründe für die Forderung nach Jungfräulichkeit längst obsolet. Jetzt geht es nur noch um den obskuren Begriff der "Ehre" - wobei meiner Meinung nach der wichtigste Beweggrund die Angst vor dem Vergleich ist ("Was ist, wenn meine Frau/mein Mann mit einem meiner Vorgänger mehr Spaß hatte...?").

Interessant ist, dass dieses Ideal dann allerdings oft mit allerlei Doppeldeutigkeiten umgangen wird. So ist es manchen Muslimen gestattet eine Zeitehe einzugehen - d.h. ein Mann kann eine Frau (Prostituierte) für eine Stunde "heiraten" und verstößt so nicht gegen heilige Gebote. Viele Gläubige - auch in der christlich-amerikanischen "Purity-Bewegung" haben einfach bis zur Ehe ausschliesslich Oral- und Analverkehr und bleiben so "rein" und "jungfräulich" bis zur Ehe... . Sex ist ja etwas, was den Partner nicht "abnutzt" oder "entweiht" - warum also das ganze Bohei?

Ob man also sein modernes Leben nach den Buchstaben uralter Schriften und Gebräuche richtet und ein schlechtes Gewissen haben muss, weil man nicht mehr lebt wie vor tausend und mehr Jahren, muss jeder für sich entscheiden bzw. sich überlegen, ob er sich von anderen Menschen (Pfarrer, Imam, Rabbi oder sonstwem) sein Leben diktieren lassen möchte.

Menschen mit gesundem Selbstbewusstsein begrüßen es, wenn die Frau/der Mann auch noch andere Erfahrungen hatte, denn sonst fragen sich viele erst später, wie es denn mit einem anderen Partner wäre und gehen irgendwann fremd... . Da Sex auch ein wichtiger Faktor in einer Beziehung ist (auch wenn einige Moralapostel dies immer wieder bestreiten), sollte man sich auch im Bett verstehen. Hier den Partner erst zu heiraten und dann herauszufinden, ob man die gleichen Vorstellungen von gutem Sex hat, ist als würde man an der Schiessbude versuchen einen Treffer zu landen - blind und mit nur einem Schuss. Viel Glück dabei... .

Die Vorstellungen einer romantischen Hochzeitsnacht zweier Jungfrauen ist in der Praxis dann auch weit weniger romantisch als verkrampft, bemüht und peinlich - dann lieber eine(n) Partner(in) mit Erfahrung.

Seid nett aufeinander!

R. Fahren

Antwort
von testwiegehtdas, 43

Damals hat es Sinn gemacht, da eine schwangere unverheiratete Frau starke gesellschaftliche Probleme hatte.

Zudem durfte man sich damals so gut wie nicht scheiden lasen, es war also ein "sicheres" Umfeld (mit Mutter und Vater) für das Kind garantiert.

Zudem zeigt es, dass die Ehe etwas heiliges war und man sie so ehrt.

Ich habe mehrere Freundinnen und Bekannte, die auf Sex vor der Ehe verzichten wollen. Viele von ihnen sind sehr gläubig, die eine aber gar nicht.

Die Jungfräulichkeit soll eben auch etwas reines darstellen, auch durch das (ganz) weiße Brautkleid gezeigt.

Ich habe mich dagegen entschieden, auch wenn mein Opa vermutlich "durchdrehen" würde, wenn er es wüsste... Er war bei meiner Mutter sehr streng, auch wenn sie sich nicht dran gehalten hat. :D

Mir persönlich war wichtig, dass ich auf jemanden warte, mit dem ich mir eine Zukunft vorstellen kann (also wirklich langfristig mit Hochzeit, evtl. Kindern usw.) und nicht einfach direkt mit dem erstbesten Freund zu schlafen. Daher habe ich auch länger gewartet, ehe ich mir sicher war. Man weiß ja nie was er will und plant, aber für mich sollte es "der eine" sein und wir sind nun schon fast 4 Jahre glücklich zusammen, mit einigen Schicksalsschlägen die wir zusammen durchgestanden haben.  

Antwort
von Krautner, 64

Das ist relativ, früher hat das natürlich definitiv Sinn gemacht, da dabei auch das Kind ein Kriterium war, aber heute halten sich wohl nur sehr strikte Gläubige daran, vor allem wenn man bedenkt wie stark die Generationen sich nun unterscheiden. Es ist auch nicht mehr so unüblich nur zusammen zu leben, ohne verheiratet zu sein, meist wird dann halt noch zwecks Steuer geheiratet. 

Im Endeffekt bin ich mir ziemlich sicher, dass viele Leute Sex vor der Ehe haben, schließlich Heiratet man ja nicht nach 1 Monat in dem man zusammen ist, sondern nach einer längeren anhaltenden Beziehung... sonst könnte man ja die ganzen Paare die sich mit 16-17 gefunden haben und mit 20-21 wieder trennen, (Schule, Uni, Arbeit, Umzug ändert teils die Sicht auf die Dinge), Scheiden lassen. 

Außerdem ist ja der Sex auch ein Bestandteil einer Beziehung, wenn dieser gar nicht erst ausgelebt wird und später dieser bemängelt wird, ist das auch nicht eine Beziehung der gesunden Art. 

Klar gibts dabei ausnahmen, aber kenne von meinen, "Christen-Freunden" keiner der sich da so strikt daran hält, finde es schon bemerkenswert, das sie jeden Sonntag in die Kirche gehen und auf Kirchlichen Events jedesmal aushelfen. 

Antwort
von NorwinSchneider, 52

Meiner Meinung nach schon. Ich kenne sehr viele Christen die jetzt um die 22 Jahre alt sind und schon verheiratet sind, und das glücklich! Mit dem Sex haben sie auch bis zur Ehe gewartet!

Ich kenne auch Leute die bereits 35 Jahre alt sind und schon so um die 15 Jahre lang verheiratet sind und immer noch glücklich sind. Ich denke die Bibel vermittelt die Eheführung ganz gut.

Kommentar von NorwinSchneider ,

3 Downvotes, da glauben wohl manche nicht an die Ehe ;))

Kommentar von 5eurocola ,

Und daraus entsprechend die Geburtenzahl.

Antwort
von Frage76mal6, 95

Naja, Sinn macht es schon, so wird sichergestellt, dass das Kind in gesicherten Verhältnissen aufwächst

Kommentar von Mich32ny ,

Das heißt noch lange nicht  das die Ehe für immer  hält.  

Kommentar von Frage76mal6 ,

nach der damaligen Definition von Ehe schon, damals konnte man sich nur in äußersten Ausnahmefällen effektiv scheiden lassen. Beides zusammen ergibt Sinn. Dass jede 2. Ehe aufgelöst wird ist eine traurige Erscheinung des 20./21. Jahrhunderts.

Kommentar von NormalesMaedche ,

Wer spricht denn von einem Kind?

Kommentar von Frage76mal6 ,

Die Gefahr eines Kindes ist bei jedem Beischlaf gegeben...und genau davor sollte eben die Regel schützen.

Antwort
von Mclovin222, 53
Antwort
von Mietzie, 61

Ja, sicher. Das ist aber nicht nur bei den Katholiken so.

Sowas hat früher sicher Sinn gemacht. Denn früher war das eben eine Existenzbedrohung, ohne "Versorger" Kinder zu bekommen. Und dann sollte ja auch immer alles "standesgemäß" sein usw..

Kommentar von NorwinSchneider ,

Das war definitiv nicht der Grund.

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