Frage von bau4891, 154

Handwerker berechnet zu viele Stunden - was tun?

Mein Installateur hat mir für den Rohbau ein Angebot unterbreitet für die sogenannte „Rohinstallation“. Unter dem Angebot stand der Text „Sollten unvorhersehbare und daher nicht kalkulierte Probleme auftreten, wird ein evtl. Mehraufwand in Rechnung gestellt. Ebenso für nachträglich gewünschte Änderungen“ Nachdem das Haus verputzt war, hat er auch die Fertigmontage übernommen, wie besprochen, ohne hierfür ein weiteres Angebot zu unterbreiten. Gestern kam er nun und hat mir eröffnet, dass für zwei Bäder und zwei GästeWC Mehrarbeitsstunden von ca. 150 Stunden entstanden sind. Ein Mehrpreis von rund 8.000 € von mir zu zahlen sei.

  1. Habe ich damals diesen Installateur ausgewählt, weil sein Angebot das günstigste war (im Nachhinein nun aber das teuerste wäre! )
  2. Habe ich nie einen Nachtrag bekommen bezüglich der Kosten, hatte also auch keine Möglichkeit diese vorher abzuschätzen
  3. Habe ich die Stunden selbst auch notiert und komme beim besten Willen auf höchstens die Hälfte, was ja auch realistischer erscheint (Badmöbel wurden in Eigenregie aufgebaut)
  4. Habe ich keine Arbeitszettel unterschrieben.

Habt ihr einen Ratschlag für mich? Habe die ganze Nacht nicht geschlafen.

Antwort
von marcussummer, 130

"Fertigmontage übernommen wie besprochen" und "ohne weiteres Angebot" widerspricht sich ein bisschen. Wurde was besprochen und wenn ja was?

Ansonsten ist der "übliche", angemessene Preis zu zahlen. Wird im Streifall auf einen Gutachter hinauslaufen. Wobei der Handwerker für den Umfang der abgerechneten Stunden den Nachweis erbringen muss, was sich ohne unterschriebene Stundenzettel schwierig gestalten kann.

Kommentar von bau4891 ,

wir haben über die Fertigmontage gesprochen, aber nicht wieviele Stunden hierfür benötigt werden! Aber für zwei Bade- und Duschwannen und vier Toiletten, sind 150 Stunden selbst für einen Laien wie mich utopisch!!!!!!!

Muss ich die Stundenzettel unterschreiben als Auftraggeber, dass er sie abrechnen kann oder geht das ohne? weil wie bereits geschildert habe ich auch alle Arbeitstage mit Uhrzeiten notiert....


Kommentar von marcussummer ,

Wie gesagt: Der Handwerker muss belegen, dass er so lange tätig war. Knapp vier Wochen Arbeitszeit finde ich überschlägig betrachtet auch ein bisschen arg lang, aber du kannst ja erst mal den Handwerker fragen, was genau so lange gedauert hat.

Antwort
von derBertel, 85

Moin.

Da versucht dich aber einer ganz gehörig über den Tisch zu ziehen. Bei den verwendeten Textbausteinen des Handwerkers, würde mich wirklich brennend interessieren, wie das Angebot insgesamt aussah.

Ein Angebot und noch wichtiger, die Rechnung, muss zweifelsfrei nachvollziehbar sein. Immer!

Diese "...unvorhersehbaren und nicht kalkulierten Probleme.." bedürfen ebenso eines Nachtrages wie die "...nachträglich gewünschten Änderungen". Ich nehme mal an, Nachträge wurden nicht geschrieben,oder?

Insgesamt gesehen hängt jetzt alles vom Angebot ab bzw. wie das formuliert ist und auf was du dich da letzten Endes eingelassen hast.

Zahlen würde ich jetzt erstmal, vorausgesetzt die Arbeit ist in Ordnung, die Angebotssumme plus max. 20%. Und diese 20% auch nur wenn er die zweifelsfrei belegen kann.

Fehler wurden da sicherlich auf beiden Seiten gemacht, jedoch kommt mir das Geschäftsgebahren aus der Ferne betrachtet erstmal nicht ganz koscher vor.

Das werden letztlich wohl andere Instanzen zu entscheiden haben.

Kommentar von bau4891 ,

Was meinst du mit "wie das Angebot insgesamt aussah"?? Letztendlich hat er sein Material pauschal notiert und Arbeitsstunden für sich und seinen Gesellen, aber wie bereits erwähnt nur für die Rohinstallation.

Nachträge wurden keine geschrieben. Ist das gut oder schlecht für mich??

Ich habe in der Zwischenzeit versucht mit meinem Handwerker in Kontakt zu treten, aber er reagiert auf meine Anrufe nicht. Entweder lässt er die Mailbox anspringen oder drückt mich weg. Nun habe ich heute morgen eine whatsapp geschrieben (da ich da den Lesestatus sehe!!!) und die wurde sogleich gelesen, seit diesen fünf Stunden ist aber nichts passiert. Hatte ihm mitgeteilt, dass ich mit den Stundenabrechnungen nicht einverstanden bin und Redebedarf habe.

Kommentar von derBertel ,

Moin.

Nachträge sind im beiderseitigen Interesse. Und Nachträge schreibt man, wenn der ursprünglich vereinbarte Leistungsumfang erweitert wird.

Und was den Teil bezüglich "wie das Angebot insgesamt aussah" betrifft, das meine ich wie folgt.

Es ist nicht unbedingt üblich, zumindest nicht bei den Firmen mit denen ich so zusammen arbeite, alles nach Stunde abzurechnen.Zumindest nicht bei Neubau. Es gibt beim Neubau immer eine Bauzeichnung, nach der man im Vorfeld sauber kalkulieren kann. Stundenlohnarbeiten ist was für Notreparaturen, außergewöhnliche Sonderarbeiten oder meinethalben eben auch für unvorhersehbare Dinge. Ansonsten kann man Standardpositionen immer nach Meter, Quadratmeter, Kubikmeter, Stückzahl usw. abrechnen. Ist einfach seriöser und eben, ganz wichtig, nachvollziehbar für den Kunden.

Hat man dieses Angebot halbwegs vollständig erstellt, gibt es kaum Gründe für Nachträge. Es sei denn, es kommen Extrawünsche. Der Rest ergibt sich aus dem Aufmaß. Ich vermute allerdings, das es das auch nicht gibt, oder?

Letztendlich hat der Klempner sich das Leben so einfach wie möglich gemacht und du hast im gutem Glauben leider mitgespielt. Was jetzt aber kein Vorwurf sein soll. :-)

Kommentar von PoisonArrow ,

Sorry, wenn ich mich hier einmische.
Dass der Handwerker einen auf "nicht erreichbar" macht, ist ein Zeichen dafür, dass er scheinbar genau weiß, weshalb Du ein Gespräch suchst.

Würde daher alles persönlich Besprochene gegenzeichnen lassen und alles Schriftliche unbedingt per Einschreiben senden.

Diese Vorgehensweise "im Angebot super-billig" und in den Folgearbeiten, die preislich nicht verhandelt wurden dann mega teuer, ist leider sehr weit verbreitet.

Der Angebotspreis ist so günstig, dass man als Auftraggeber nicht Nein sagen kann. Der Handwerker weiß genau, da kommen noch weitere Arbeiten und hat genau auf dem Schirm, an welcher Stelle sein Angebot endet und er dann so richtig zulangen kann.

Die Art der Kalkulation ist wenig auf Zufriedenheit der Kunden ausgerichtet und verhindert einen Stammkunden-Aufbau. Der Betrieb hat fast nur Eintagsfliegen als Projekte und ist oftmals selbst nicht bei bester Bonität.

Wenn er das bei Dir so gemacht hat, bist Du ganz sicher kein Einzelfall und er versucht, ein Gespräch zu verhindern, weil er genau weiß, wie unangenehm die Konfrontation bezüglich seiner Masche sein wird.

Vermutlich hat er bei seinen Kollegen aus der Branche schon längst seinen Ruf weg. Kunden reden gerne, besonders dann, wenn sie unzufrieden sind.

Alles Gute!

Grüße, ----->

Kommentar von bau4891 ,

Danke für eure Ausführungen. Letztendlich habe ich bis HEUTE noch keinerlei Reaktion. das macht mich furchtbar wütend und ich dreh fast am Rad. Eigentlich sehe ich nicht ein, dass ich betteln soll, aber geklärt hätte ich es halt schon mal gerne um wieder beruhigter zu schlafen

Antwort
von PoisonArrow, 78

Das wären ja knapp 10 Tage mit 2 Monteuren... also etwa 2,5 Tage pro Bad / WC.

Wenn es wirklich nur die Endmontage ist (ohne Badmöbel), klingt das eher unglaubwürdig, zumal in Gäste WCs der Montageaufwand ja längst nicht so hoch ist wie in einem Bad.

Was Du machen kannst:
Wie Du schreibst, hast Du eine "ganz andere" Summe an Stunden notiert.

Ich würde zum Installateur hingehen und ihm vorschlagen, Dich mit ihm zu einigen.

8000,- Euro für 150 Stunden bedeutet Stundenlohn von knapp 45,- Euro zuzügl. Mehrwertsteuer. Waren es wirklich 2 Monteure, oder ein Monteur und ein Helfer / Lehrling?

Sag dem Chef, er solle noch mal in sich gehen und überlegen, ob er sich mit den Stunden nicht vertan hat. Teile ihm mit, dass die von Dir errechneten Stunden xy sind, und diese bist Du bereit zu bezahlen.

Wenn er keine Andeutungen macht, sich auf Deinen Vorschlag einzulassen, dann sag ihm, dass Du die Rechnung hinsichtlich der abgerechneten Stunden anzweifeln würdest. Das würde letztendlich bedeuten, dass ein Sachverständiger den Montageaufwand bewertet.

Hat er Lust, mit Dir vor Gericht zu ziehen, obwohl er genau weiß, dass seine Abrechnung getürkt ist..? kann ich mir nicht denken.

Versuch es erst mal so!

Grüße, ------>

Kommentar von bau4891 ,

Eine Fachkraft war immer da, der Chef selbst hat ab und an vorbeigeschaut, aber selten selbst Hand angelegt. Meist um die Pausenzeit gekommen, einen Kaffee auf der Baustelle getrunken, kurz geschaut was der Arbeiter gemacht hat und wieder gegangen. Pausen sind auch von der Fachkraft viele gemacht worden (rauchen, mit anderen Handwerkern auf der Baustelle geredet usw.)

Komischerweise werden jetzt auch alle Stunden (Monteur und Chef) mit 45 € verrechnet, obwohl der Arbeiter im Angebot "günstiger" war.

Wie komme ich an einen Sachverständiger und was kostet der bzw. wer zahlt dann den?

Das mit dem Gericht ist so ne Sache, Bau ist ja mit dem Rechtsschutz nicht abgedeckt... und dann ist es auch noch eine Firma vom Nachbarort "die jeder kennt"

Kommentar von PoisonArrow ,

google: "Bau-Sachverständiger" + Wohnort / Kreis
bezahlt, wer ihn bestellt - nicht unbedingt billig...

besser: einen anderen Installationsbetrieb als Sachverständigen einsetzen, indem Du diesen aufforderst, ein nachträgliches Angebot des Arbeitsaufwandes für die Fertigmontage abzugeben.

Vor Ort die Stunden zu veranschlagen wird sicherlich ca. 1 Std. dauern und entsprechend berechnet werden. Diese Investition halte ich für sinnvoll, weil Du dann etwas in der Hand hast, womit Du gegen den ausführenden Betrieb argumentieren kannst.

Liegen bei Stundenzeit erheblich auseinander, kann ich mir kaum vorstellen, dass Dein Unternehmen sich auf einen Prozess einlassen würde, da ja anzunehmen ist, dass der dann vom Gericht bestellte Sachverständiger ähnlich datieren würde.

Grüße, ------>

Kommentar von bau4891 ,

herzlichen Dank für die guten Ideen. Werde ich mich gleich mal darum kümmern.

Antwort
von ReneS29, 74

Hallo,

bin zwar nicht vom Fach aber ich würde an deiner Stelle eine eigene Kalkulation schreiben und diese ihm zu senden. Er wird wahrscheinlich nicht damit einverstanden sein aber eventuell wird er dir etwas entgegen kommen, falls er sich komplett Quer stellt würde ich anfänglich mit dem Anwalt drohen und ihm sagen das du ein Bau-fach verständiger kommen lässt der die Arbeitszeit dann schätzen wird. Zahlen würde ich momentan noch nichts denn sonnst siehst du dein Geld mit Sicherheit nie wieder.

Gruß 

Antwort
von rudelmoinmoin, 62

er muss dich davon Unterrichten was/wann "mehr Kosten entstehen" und wie viel es werden könn-en-ten, er solle dir im nach herein, dieses Belegen-Nachweisen, ich würde die Rechnung Studieren, solange bis es zu deiner Zufriedenheit geklärt ist 

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