"Körperspannung" ist aber doch "Spannung" und damit komplett der Losgelassenheit entgegenwirkend - oder irre ich mich? Und nur, wenn der Reiter losgelassen sitzt, kann er lernen zu parieren, ohne dass das Pferd ihn irgendwohin zieht oder er sich "an den Zügeln festhalten muss", um die Balance zu erhalten. Natürlich funktioniert auch bei meiner Reitweise Reiten nicht ohne jemals auch nur einen Muskel zu verwenden, aber ich sehe in den Reitschulen heute die Menschen mit viel mehr Muskelkraft reiten als wir es seinerzeit gelernt haben, viele haben am Tag danach Muskelkater, gelangen an ihre Konditionsgrenzen oder sitzen mit hochrotem Kopf verschwitzt auf dem Pferd. Mein Reitlehrer sagte immer, der korrekte Sitz entstehe ganz von selbst ohne "Absatz tief", "Schultern zurück" und sowas aus dem Bedarf an Hilfen, wenn der Schüler sich auf dem Pferd wohl fühlt und in den Reiterkollegen von damals sehe ich das bestätigt.
Daher übt man nach der Lehre, die ich genossen habe, monatelang (normalerweise rund ein Jahr bis eineinhalb Jahre, je nach Talent und Häufigkeit des Unterrichts) Schrittlektionen, bis man jede Hilfe völlig unabhängig aus einem losgelassenen Sitz heraus einsetzen kann, danach erst antraben, durchparieren, antraben, durchparieren... bis auch hierbei der Sitz losgelassen ist, die Hilfe fein und weich sofort durchkommt und dann trabt man mal länger und beginnt dann mit Leichttraben, Aussitzen, Leichttraben, immer nur ein paar Tritte, immer ins nächste übergehen, bevor die Balance leiden kann und es werden jede Woche ein paar Tritte mehr.
Jetzt frage ich mich, wäre heute noch ein Pferdebesitzer damit einverstanden, dass ein Schüler sauber Schritt reitet, bis er das Pferd richtig gut kennt und sich dann weiteres erarbeitet und dem Besitzer sagt, das andere macht er beim Vorreiten noch nicht, weil er erst lernt? Ich wäre es, würde ich überhaupt Beteiligungen auf mein Pferd setzen. Denn jemand, der verantwortungsbewusst das macht, was er kann und das andere in kleinen Schritten übt, ist mir tausendmal lieber als jemand, der alle Grundgangarten reitet, aber bei den einfachsten Lektionen seine Balance verliert. Problem ist dann wieder, dass ich mir für diese Reitbeteiligung auch Unterricht wünschen würde und es gibt kaum mehr Lehrer, die so unterrichten, weswegen ich die Reiterin auch nicht nehmen würde, denn ich ginge davon aus, wenn die mit meinem Pferd in den Unterricht ginge, käme wieder sofort in der ersten Stunde alle drei Grundgangarten reiten, ohne dass vorher grundlegende Balanceprobleme im Schritt behoben werden.
Daraus entwickle ich meine eigentliche Antwort:
Auf die Schnelle abzustellen ist das Problem jedenfalls nicht, daher wird es nur funktionieren mit dem Versprechen, relativ viel (im Vergleich zu normalen RBs) Unterricht zu nehmen und Pferdebesitzern, die bereit sind, das mitzutragen.
Und meinen Tipp: Gibt es Lehrer in Reichweite, die barocke Reitweisen unterrichten? Dort wird oft noch so gearbeitet, wie ich es bevorzuge. Klar hat jeder eigene Vorzüge, aber manchmal ist es einen Versuch wert, mal einen Blick in eine andere Reitweise zu werfen. Man muss ja nicht gleich alles kaufen, was man sieht ;-)
Danke :)
Ja sie wird dann auch Unterricht bekommen ;)