Frage von AmazonFirePhone, 81

Wie verdient ein Inkasso eigentlich LEGAL Geld, wenn es forderungen aufkauft und diese dann an einen Rechtsanwalt abtritt?

es ist ja verboten Inkassogebühren einzuklagen wenn man die Forderung an einen Rechtsanwalt übergibt.

In meinem traurigen Lebensbeispiel hat mich allerdings ein Inkasso abgezockt indem die von mir Inkassogebühren (universum Grroup) und Rechtsanwaltskosten (peter Neumeyer) bekommen haben, allerdings ist das ja unzulässig, wie kann also ein Inkasso, welches Aufkauft und Abtritt legal geld verdienen, wenn die ihre "Mahnungen" und sonstige sachen nicht bezahlt bekommen? Ich denke nicht dass dort 1 Euro Mitarbeiter beschäftigt werden, diese wären jedoch mit ein paar Pfandflaschen bezahlbar, aber inkassos fordern meistens 200 Euro inkassogebühren pro aktenzeichen...

Antwort
von Vollstreckerin, 29

Hallo,

das ist krass verkehrt ausgedrückt.

Es ist nicht "verboten", beim Einzug eigener, aufgekaufter Forderungen, ob sie anschließend erneut abgetreten werden oder nicht, ist dabei auch völlig gleichgültig, Inkassokosten zu beanspruchen.

Es ist aber zivilgerichtlich von hoher Instanz entschieden, dass diese nicht durchsetzbar sind. Sie zu beanspruchen, kann man aber nicht verbieten.

Ich kenne schon Deine vorherige Frage zum Thema und schon daher weiß ich nich, dass Du das alles viel zu stur siehst. Es ist halt auch nicht möglich, tiefgreifende Fragestellungen zur Berechtigung von Inkassokosten, die eine Form von Schadenersatzanspruch darstellen, zu erörtern, ohne zunächst die graue Theorie entsprechend ausführlich behandelt zu haben.
Das, was Du hier fragst, studieren andere jahrelang. Ich kenne viele Praktiker, die mir erklären, dass das Schadensersatzrecht das Schwierigste sei, was das Bürgerliche Recht zu bieten habe.

Wenn aber bspw. die Forderung zzgl. der Inkassokosten und zzgl. der Anwaltskosten im gerichtlichen Mahnverfahren geltend gemacht wird, wird das wohl niemandem auffallen, wenn der Antragsgegner nicht Widerspruch oder später wenigstens Einspruch einlegt. Wenn er dies täte, würde die Antragstellerin im Gericht dann vermutlich ins Stottern kommen und in dieser einen Nebensache ziemlich alt aussehen. Wäre aber nicht schlimm, sie nehmen die Kosten tlw. einfach zurück, die sind da auch schon sehr abgeklärt und an den Kosten des Verfahrens würde sich sogar kein einziger Cent ändern. Von der kleinen Peinlichkeit mal abgesehen, gibt es also keinen Grundf, es nicht zu versuchen ...
Ihc kenne diese Leute. Die denken so ... Es geht ja auch um -zig tausende Fälle, also um riesige Beträge.

Es ist also Deiner Frage bereits zu entnehmen, dass bei Dir Einiges sehr durcheinander geht und es ist nicht machbar, das jetzt hier alles richtig zu stellen.

Dieses, allgemeine, Inkassounternehmen, welches nur Forderungen einzieht, die es vorher aufgekauft hat, die ihm also abgetreten wurden, und deshalb ziemlich wenig Chancen hat, Inkassokosten durchzusetzen, lebt vom Erlös der eingetriebenen Forderungen. Wenn es die Forderung aufkauft zahlt es ja oft nur 3 oder 5% der Forderung.

Wenn es keinen Erfolg beim Eintreiben hat und die Forderung weiter abtritt, also erneut verkauft, bekommt es zumindest einige kleine Taler dafür.

Das von Dir benannte Unternehmen ist branchenübergreifend bekannt als ganz besonders unredlich. Da laufen zahlreiche Betrügereien ab ... der Sumpf ist tief ohne Ende. Es soll wohl hunderte Ermittlungsverfahren geben ...

Hatte privat auch schon mit denen zu tun und hatte meiner Ex geholfen, diese Penner abzuschütteln. Es ging um eine Forderung, die längst verjährt war.

Viele Grüße Vollstreckerin

Antwort
von Xipolis, 36

Wie verdient ein Inkasso eigentlich LEGAL Geld, wenn es forderungen aufkauft und diese dann an einen Rechtsanwalt abtritt?


Das Inkassounternehmen kauft die Forderungen oder Titel zu einem deutlich niedrigeren Wert ein der abhängig. Wenn es die Forderung durchsetzen kann oder bei einem Titel die Vollstreckung erfolgreich ist, erzielt es einen Gewinn.
Allerdings wird die Forderung nicht nochmals an einen Rechtsanwalt abgetreten, dieser wird vielmehr mandatiert zwecks gerichtlicher Vertretung im Falle einer Zahlungsklage.
es ist ja verboten Inkassogebühren einzuklagen wenn man die Forderung an einen Rechtsanwalt übergibt.

Korrekt. Eine Dopplung der Inkasso-Kosten ist nicht zulässig - der Gläubiger muss sich entscheiden ob er ein Inkassounternehmen beauftragt oder einen Rechtsanwalt mandatiert.

In meinem traurigen Lebensbeispiel hat mich allerdings ein Inkasso abgezockt indem die von mir Inkassogebühren (universum Grroup) und Rechtsanwaltskosten (peter Neumeyer) bekommen haben,

Du hättest hier nur die Rechtsanwaltkosten zahlen müssen und den Inkassokosten einfach wiedersprechen sollen.

allerdings ist das ja unzulässig, wie kann also ein Inkasso, welches Aufkauft und Abtritt legal geld verdienen, wenn die ihre "Mahnungen" und sonstige sachen nicht bezahlt bekommen?



Natürlich darf ein Inkassounternehmen für Mahnungen in eigener Sache Schadenersatz verlangen. Allerdings nur den tatsächlichen Schaden gegen Nachweis (Papier, drucken, Umschlag, Briefmarke).

Der Gewinn wird durch den Kaufpreis erzielt, durch den die Forderung übernommen wird.

Ich denke nicht dass dort 1 Euro Mitarbeiter beschäftigt werden, diese wären jedoch mit ein paar Pfandflaschen bezahlbar, aber inkassos fordern meistens 200 Euro inkassogebühren pro aktenzeichen...

Inkassounternehmen dürfen nur dann Gebühren verlangen, wenn sie von einem Gläubiger beauftragt worden sind. In dem Fall müssen Sie die Höhe Ihrer Gebühren nach dem RVG begründen und dürfen nicht mehr verlangen als ein Rechtsanwalt in einem Inkassoverfahren verlangen darf. Die tatsächliche Höhe hängt dann von der Höhe des Streitwertes ab.

Antwort
von RobertLiebling, 45

Die kaufen natürlich die Forderungen nicht zu ihrem vollen Wert, sondern z.B. zu 80 %.

Forderung über 1.000 €, gekauft zum Preis von 800 €.

Wird die Forderung erfolgreich betrieben, bleiben somit 200 € hängen (alle Beträge netto).

Nachdem es auch für den Rechnungssteller vorteilhaft ist, zeitnah Zahlungen zu erhalten, wird sowas auch generell in Form von Factoring angeboten.

Kommentar von AmazonFirePhone ,

und der idiot, was 1000 Euro haben will, begnügt sich mit sofortzahlung von 800 Euro vom inkasso? 

Kommentar von RobertLiebling ,

Erstens war das nur ein Beispiel. Zweitens ist es besser, sofort 800 € zu bekommen, als 1.000 € ggf. ewig hinterherlaufen zu müssen (was dem Unternehmer ja auch wieder Kosten verursacht). Drittens trägt das Ausfallrisiko der Forderung dann der Factor.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community