Frage von RonnieTz, 382

Was ist die Strafe bei diesem Banküberfall?

Hallo,

mein Cousin hat eine Bank überfallen. Er ist 23 Jahre und war mit einer Spielzeugpistole "bewaffnet" und hat ca. 15.000€ erbeutet, außerdem hatte er einen Blutalkoholwert von 2,2 Promille und nimmt Psychopharmaka.

Er ist nicht vorbestraft, also keinerlei Strafen bislang erhalten und wollte nun fragen, mit was er in etwa an Strafe rechnen muss.

Vielen Dank!

PS: Er wurde gefasst, sitzt in U-Haft.

Expertenantwort
von Dommie1306, Community-Experte für Polizei, 185

Hallo,

GoldAnwalt hat die richtige rechtliche Beurteilung abgegeben.

Aus persönlicher Erfahrung mit - zugegebenermaßen nicht wirklich ähnlichen Fällen, da das schon sehr spezielle Details sind - würde mal auf 2 Jahre ohne Bewährung tippen, welche jedoch durch einen Klinikaufenthalt ersetzt werden.

Wirklich beantworten kann dir von uns aber niemand diese Frage, dass weiß nur der Richter... 

Kommentar von GoldAnwalt ,

Mit den 2 Jahren ohne Bewährung käme er sehr gut weg. Aber das ist selbstverständlich möglich, wenn das Gericht auf einen minder schweren Fall erkennt.

Man kennt ja die Vorgeschichte und die gesamten Tatumstände nicht. Vor- und Nachtatverhalten usw. . 

Man muss auch immer das Seelische betrachten. Inwiefern darf ein Richter denn strenger urteilen, wenn eine Bankmitarbeiterin einen seelischen Schaden durch den Raub erlitten hat? Eine diesbezügliche Strafzumessungsregel kann ich im § 250 StGB nicht erkennen.

Darf ein Richter dennoch diese Umstände in sein Urteil mit einfließen lassen? Die Raub Summe ist ja für das Urteil auch relevant. 15.000 € oder 150.000 € ist ein Unterschied.

Kommentar von Dommie1306 ,

Meine Rede, keiner von uns steckt im Richter drinnen und kennt die ganze Vorgeschichte...

Ich mein, theoretisch wäre sogar ein §323a StGB denkbar...

Aus dem Bauch raus, was würdest du für eine Strafe erwarten?

2 Jahre sind in der Tat wenig, aber bei einem minderschweren Fall, als Ersttäter... zumindest denkbar...

Kommentar von GoldAnwalt ,

Mein juristischer Bauch denkt nicht so stark und klar wie deiner.  :)

Allein weil du hier auch § 323a StGB ins Spiel gebracht hast. Darauf wäre ich jetzt zum Beispiel nicht gekommen.

Die Umstände sind einfach viel zu heikel, als das man eine klare Aussage bezüglich des Strafmaßes äußern könnte. Was bei Raubüberfällen aber meistens der Fall ist.

War es eine lange geplante Aktion? War es eher eine spontane Affekthandlung? Inwiefern haben die Drogen und Medikamente das Bewusstsein des Täters beeinflusst?

Er ist nicht vorbestraft. Somit hat er auch keine vermögensrechtlich-strafrechtliche Vergangenheit. Ein Pluspunkt. Zudem hat er die Waffe eventuell nicht verwendet, was den ( Mindest- ) Strafrahmen doch schon nicht unerheblich senken würde.

Dazu kommt es auch darauf an, wie genau er gegenüber der Bankangestellten agiert hat. Er ruhig mit doch eher netten, wenn auch fordernden, Worten agiert oder sie richtig bedroht hat. Insofern ist die Zeugenaussage relevant.

Ein Richter prüft sicher auch, in welchen Dimension und seit wann der Täter Medikamente einnahm. Ob er eventuell auch einen Entzug machte.

Ganz ehrlich:  Viel zu komplex der Fall.  :)

Kommentar von Dommie1306 ,

Mein Bauch ist auch kein Jurist;) Ich rede nur aus dem Erfahrungsschatz als Polizist, ich denke dein rechtliche Ausbildung übersteigt meine bei Weitem...

Die Punkte, die du alle aufzählst sind durch die Bank korrekt.

Einigen wir uns also darauf, dass wir das auf gutefrage.net niemals klären werden können?=)  

Kommentar von GoldAnwalt ,

Ich verabscheue zudem Drogen jedweder Art. Natürlich kann ich dennoch neutral urteilen. Aber hier ein Strafmaß vorherzusagen, ist quasi unmöglich.

Aber ich gehe mal stark davon aus das es kein klassischer Freispruch ohne weitere Auflagen wird.

Ist eigentlich auch ein strafrechtlicher Freispruch, aber dennoch im gleichen Atemzug die Einweisung in eine Klinik möglich? 

Du bist Polizist. Das habe ich schon durch deine anderen sehr fundierten Post`s mitbekommen. Somit hast du ja eine "juristische" Ausbildung.  :)

Ich habe überhaupt keine juristische Ausbildung. Auch keine Praktika oder Semester diesbezüglich absolviert!

Von daher eine schmeichelnde Einschätzung von dir.  :)))

Kommentar von Dommie1306 ,

Ups, dann nehm ich alles zurück;)

Freispruch mit Einweisung? Du meinst in Richtung 153a StPO? Sollte nicht möglich sein, da ja auch die Einweisung als freiheitsentziehende Maßnahme gilt.

Aber zumindest sind wir uns bei den Drogen einig:)

Kommentar von GoldAnwalt ,

;)  Naja, ich meinte eher bei Verbrechen, wie eben zum Beispiel Raub.

Begangen durch Unzurechnungsfähigkeit und eventuell sonstigen vorliegenden, akuten Schwachsinn.

Ob dann in der Sache an sich ein Freispruch erfolgen kann, jedoch die gleichzeitig ausgesprochene Zwangseinweisung in eine psychiatrische Klinik möglich wäre?

Kommentar von furbo ,

Zudem hat er die Waffeeventuell nicht verwendet, was den ( Mindest- ) Strafrahmen doch schon nicht unerheblich senken würde.

Es ist keine Waffe!

Kommentar von Dommie1306 ,

Dachte es muss für den Geschädigten nur als Waffe erkennbar sein, wenn er diese benutzt oder führt... oder bin ich da gerade auf dem falschen Dampfer?

Kommentar von furbo ,

Der Waffenbegriff beim Raub meint eine tatsächliche Waffe. Eine Spielzeugwaffe fällt nicht darunter. Sie kann aber durchaus als Druckmittel i.S. des 250 I 1 b StGB benutzt werden (übrigens die einzige Möglichkeit, mit einer Spielzeugwaffe tatsächlich einen schweren Raub zu begehen).

Ich befürchte, dass du wirklich den falschen Dampfer erwischt hast.

Kommentar von Dommie1306 ,

Danke für die Berichtung... ich bleib bei 2 Jahren ohne BewährungXD

Antwort
von Federfell, 173

Hey,

Ich vermute jetzt einfach mal:

  • Die Einnahme von Psychopharmaka, vorausgesetzt, sie sind vom Arzt verschrieben, deuten auf psychische Probleme hin
  • Psychopharmaka mit Alkohol können einen sehr „dizzy“ machen, ferner sind 2,2 Promille nicht gerade wenig.

Düse beiden sind mildernde Umstände. Dass die Waffe nicht echt war, wird nicht als mildernder Umstand gewertet.

Wahrscheinlich wird man ihn in eine geschlossene Anstalt einweisen, falls seine psychischen Probleme nachweislich groß genug sind.

An sonsten kann, falls das Problem nicht groß genug für eine Einweisung ist, dieses als weiterer mildernder Umstand gewertet werden.

Schwerer Raub, unter den dieser Fall fällt, kann hier in Deutschland eine Freiheitsstrafe von drei bis 15 Jahren nach sich ziehen.

Durch die Mildernden Umstände würde in diesem Fall die Freiheitsstrafe Deines Cousins im unteren Bereich dieser Strafe liegen, mit etwas Glück und einem guten Anwalt vielleicht sogar unter drei Jahren (allerdings wohl mit anschließender Therapie)

Gruß

Federfell :)

Antwort
von FlyingDog, 204

Hallo.     

Haftstrafe bzw. Unterbringung in der forensischen Klinik?

Das könnte am besten vor Verkündung des Urteils, sein Verteidiger sagen, womit er rechnen könnte.     

Liebe Grüße, FlyingDog

Kommentar von GoldAnwalt ,

Naja, eine Straftat in Form eines schweren Raubes ist zwar sehr krass, jedoch kein Fall für die Forensische.

Kommentar von FlyingDog ,

Danke für dein Feedback...☺

Wir durften damals den einen oder anderen derartigen Straftäter ähnlichen Falls, durchaus vom LG in die Fachklinik für Forensische Psychiatrie überführen, das zu beurteilen und zu bewerten wage ich auch in diesem Fall nicht zu tun, da gibt es Fachleute für. Habe nur zwei Möglichkeiten genannt die sein können.     

Liebe Grüße, FlyingDog

Kommentar von GoldAnwalt ,

Ok, das mag dann schon sein.  :)

Antwort
von IchRastAus, 146

Man könnte hier als schwerstes vorwerfbares Delikt den schweren Raub gem. § 250 I Nr.1 b StGB in Betracht ziehen. Die Mindeststrafe beträgt Freiheitsstrafe nicht unter 3 Jahre. Der Alkoholeinfluss könnte sich ggf. strafmildernd, allerdings nicht ausschließend, auswirken.

Expertenantwort
von furbo, Community-Experte für Polizei, 79

Einen qualifizierten Raub zu begehen ist recht schwierig, vor allem mit einer Spielzeugpistole. Die Pistole muss schon benutzt werden.

Wenn er die Spielzeugpistole während der Tat nur in der Jackentasche mitgeführt hat, dann ist es "nur" ein einfacher Raub nach § 249 StGB, Strafandrohung nicht unter einem Jahr. Hat er aber die Waffe benutzt, um einzuschüchtern, sind wir beim schweren Raub nach § 250 Abs. 1 Nr. 1 b StGB, Strafandrohung nicht unter 3 Jahren.

Schuldunfähigkeit gäbe es ab ca. 3 Promille (solange die Schuldfähigkeit nicht vorverlegt wurde), dann wäre evtl. eine Vollrauschtat zu ahnden (§ 323a ).

Hier ein Link zu einer sehr hochwertigen Seite, der Verfasser weiss sehr genau worüber er schreibt:

http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-03/gesetzgebung-raub-strafges...

Antwort
von Jaknux, 124

Ich glaube das zwar nicht was du geschreiben hast aber,ja er würde dafür bestraft werden...

Kommentar von Jaknux ,

Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung aber er könnte schon mit 1-2Jahren Haftstrafe oder so rechnen ,kann aber natürlich auch total daneben liegen...

Antwort
von muschmuschiii, 121

das sollte er lieber seinen Anwalt fragen und nicht eine Community mit überwiegend minderjährigen Laienrichtern!

Antwort
von GoldAnwalt, 137

Nach § 250, Absatz 1, Satz 1 a), bzw. b) des StGB, erhält man mindestens 3 Jahre Freiheitsentzug, wenn man die "Waffe" beim Raub lediglich mit sich führte, sie also nicht verwendete oder direkt vorzeigte.

Nach § 250, Absatz 2, Satz 1 des StGB, erhält man mindestens 5 Jahre Freiheitsentzug, wenn man die "Waffe" beim Raub direkt verwendet hat.

Ob wegen seines hohen Alkoholwerts und seiner Krankheiten ein minder schwerer Fall nach § 250, Absatz 3 StGB ( Mindeststrafe 1 Jahr Freiheitsentzug ) zutrifft, muss entsprechend ein Richter heraus finden.

Alle Freiheitsstrafen bis 2 Jahre können zur Bewährung ausgesetzt werden.

Auch ist eine Einweisung in eine Klinik zwangsweise möglich.

Kommentar von furbo ,

Ich glaube nicht, dass eine Bestrafung nach § 250 Abs. 1 Nr. 1 a oder 250 Abs. 2 StGB erfolgt. Eine Spielzeugpistole ist keine Waffe im Sinne des § 250 StGB.

Kommentar von GoldAnwalt ,

"sonst ein Werkzeug oder Mittel bei sich führt...."  ( § 250, Absatz 1, Satz 1 b) StGB )

Ich habe extra mehrere § aufgelistet. Aus meiner Antwort ist klar erkennbar, dass über alles nur gemutmaßt werden kann.

Kommentar von furbo ,

Warum führst du denn die nichtzutreffenden Paragraphen auf, lässt aber den zutreffenden Paragrafen weg?

Kommentar von GoldAnwalt ,

§ 250, Absatz 1, Satz 1 b) StGB ist in meiner Antwort aufgeführt.

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