Frage von BrokenAngell, 107

Riester Rente - arglistige Täuschung durch Versicherungsvertreter?

Guten Morgen,

zu meiner Frage: ich habe damals nach vollendeter Ausbildung eine Riester Rente abgeschlossen. Als ich dann ein paar Jahre später von meinen Eltern in eine eigene Wohnung zog, konnt ich es mir erstmal nicht leisten diese weiter zu führen. Auf Rat meines damaligen Versicherungsvertreters habe ich die Riester stilllegen lassen. Vor zwei Jahren habe ich dann bei meiner Agentur, die inzwischen wg. Rente von einem anderen übernommen wurde nach dem Vertrag gefragt ob man den wieder reaktivieren oder ähnliches kann. Da bekam ich die Aussage, nein dass wäre nicht möglich, da der Vertrag schon zu lange ruhen würde und ich müsste eine neue abschließen, was ich dann auch tat... Fand ich komisch, aber ich habe mich auf sein Wort verlassen.

Jetzt habe ich gelesen (ja, ich weiß Bedingungen lesen hilft, aber ich Idiot hab mich auf den sein Wort verlassen) dass man die durchaus wieder aufleben lassen kann.

Was kann/soll ich jetzt tun? Bitte keine Rügen bzgl. Verträge und Bedingungen lesen ich weiß dass das blöd war. Kann ich mich auf Vertreterverschulden berufen? Weil jetzt klingt das für mich als wollte der eben nur die Abschußprämie kassieren

Antwort
von Apolon, 49

Da bekam ich die Aussage, nein dass wäre nicht möglich, da der Vertrag schon zu lange ruhen würde und ich müsste eine neue abschließen, was ich dann auch tat...

Tja.... der neue Versicherungsvermittler wollte auch etwas an dir verdienen!

Gab es damals schon ein Beratungsprotokoll? War der Grund vermerkt weshalb ein neuer Riestervertrag erforderlich ist.

Du hast die Möglichkeit, eine Beschwerde bei dem Versicherer einzureichen mit der Aussage des neuen zuständigen Vermittlers, dass ein neuer Riester-Vertrag abgeschlossen werden musste und der bereits bestehende nicht mehr bedient werden könnte.

Dann muss man mal abwarten was der Versicherer dir antwortet.

Gut wäre es, wenn du für die falsche Beratung noch einen Zeugen hättest.

Kommentar von BrokenAngell ,

Ein schriftliches Protokoll hab ich nicht, das wurde alles an einer Art Tablett gemacht. Zeugen hatte ich, ich war mit meinen Eltern zusammen weil wir die Kfz-Versicherung auf mich übertragen haben

Kommentar von Apolon ,

Ein schriftliches Protokoll hab ich nicht, das wurde alles an einer Art Tablett gemacht.

Ab 2008 war das neue Versicherungsvertragsgesetz in Kraft:

Dabei sind die §§ 6 - 8 zu beachten.

https://www.gesetze-im-internet.de/vvg_2008/__6.html

Bedeutet, wenn Du den neuen Vertrag nach Inkrafttreten dieses Gesetzes abgeschlossen hast, hätte man dir die Vertragsunterlagen, wie auch das Beratungsprotokoll aushändigen müssen.  Es sei denn du hast darauf verzichtet.

Selbst wenn der Antrag über Tablett zustande kam, hätte der Vermittler dir die Unterlagen, per Email oder per Post senden müssen.

Antwort
von Bleistein, 71

Hm, es ist richtig, dass der Vertreter von der "Abschlussprämie" bzw. Provision lebt, aber meistens wird die Wiederinkraftsetzung eines ruhenden Vertrages nach zwei Jahren genau so bezahlt, wie ein neuer Vertrag.

In dem Fall hätte man kein Motiv gehabt, Dir etwas falsches zu erzählen. Die Unterstellung der Fehlberatung / arglistiger Täuschung geht also eventuell ins Leere. Bitte genau prüfen.

Wenn Dir durch eine Falschberatung ein finanzieller Nachteil entstanden ist, dann kannst Du das natürlich klären (lassen) und auf die Erstattung von zu viel gezahlten Abschlusskosten drängen. Selber könntest Du einen Brief an den Vorstand des Unternehmens schicken. Das ist eigentlich recht wirkungsvoll. Darin könntest Du den neuen Vertrag z.B. ab Beginn als unwirksam reklamieren (d.h. nicht kündigen). Wenn die Gesellschaft den Vertrag ab Beginn aufhebt, bekommst Du die Beiträge dafür schon einmal auf EUR und Cent zurück.

Wenn das nichts hilft, kannst Du Dich an den Versicherungsobmann wenden oder natürlich an einen Anwalt wenden.

Kommentar von BrokenAngell ,

Vielen Dank für die super Antwort. Das hilft mir schon einmal weiter.

Kommentar von RudiRatlos67 ,

Ich stimme dem weitgehend zu, nur würde ich raten, sich nicht mit dem Unwirksamwerden des Vertrags zufrieden geben.....
Die Fragestellerin hat alles nötige unternommen, um sowohl weiterhin Zulagen zu bekommen wie auch einen wahrscheinlich besseren Garantiezins zu bekommen, darüber hinaus wären erneute Abschlussgebühren vermeidbar gewesen und genau das sollte sie vom Versicherungsträger verlangen:

1. die Aufhebung des neuen Vertrag von Beginn an
2. die kostenlose Übertragung der Zulagen vom neuen in den alten Vertrag
3. die rückwirkende, vollumfängliche Gutschrift der zwischenzeitlich gezahlten Beitrage unter Gutschrift der Verzinsung, Beteiligung an den Bewertungsreserven und der Risikogewinne.

Es kann nicht sein, dass die Fragestellerin durch einen Vermittler heute schlechter gestellt werden kann, als wenn der Vermittler im Termin gleich die richtigen Schritte
eingeleitet hätte. (Erteilung eines neuen SEPA-Mandat für den alten Vertrag, sowie überpüfung des Zulagen-, oder Dauerzulagenantrag, sowie Überprüfung und Beratung zur Beitragshöhe, das wäre nämlich alles gewesen was er hätte tun müssen, bzw. von der VN hätte mitnehmen müssen)

Kommentar von DerMakler ,

Hm, es ist richtig, dass der Vertreter von der "Abschlussprämie" bzw.
Provision lebt, aber meistens wird die Wiederinkraftsetzung eines
ruhenden Vertrages nach zwei Jahren genau so bezahlt, wie ein neuer Vertrag.

Der Kausus Knacktus hier ist aber ( trotz Übernahme der Agentur ) erhält der alte Vertreter die Reaktivierungs Provision , der neue Agenturleiter "nur" die Bestandspflege..das war im wohl zu wenig !

Antwort
von Dickie59, 25

Hallo,

du hast sicher einen Vertrag mit Garantiezins abgeschlossen.

Da der garantiezins in den letzten 10 Jahren enorm abgesenkt worden ist, haben die Kunden max. 1 Jahr Zeit, einen Vertrag beitragsfrei zu stellen.

Du solltest hierüber aufgeklärt worden sein. Ein guter Versicherungsberater hätte sich das nämlich auf Termin gelegt. Ihm das jetzt zur Last zur legen, ob mit oder ohne Beratungsprotokoll, halte ich für verschwendende Energie. Ob der Vermittler was verdienen wollte oder nicht, spielt hier auch keine Rolle. Das du, ohne einen Marktvergleich in der neuen Agentur einen neuen Vertrag abgeschlossen hast ist schon traurig. Welche Erfahrung hast du gemacht, wie der Anbieter im Marktvergleich mit Leistungen und Kosten einreiht??? Hat er dir wenigstens eine Nettopolice angeboten? (ohne Abschlußgebühr?)

Beste Grüße

Dickie59

Antwort
von DerMakler, 12

Guten Morgen BrokenAngell ,

ich denke die perfektesten
Antworten / Kommentare hast Du schon von Norbert Uhrig und RudiRatlos67
dazu erhalten ! Eins wäre noch zu bedenken :

Es ist die Frage, um welche Gesellschaft es sich handelt ? Unternehmen wie z.Bsp. Allianz oder ERGO , HDI haben sich damals zur Umstellung auf die
Vermittlerrichtlinien 2008 ein sogenanntes" Telefon / Agentur Beratungssystem" legitimieren lassen, indem in Policen vermerkt wurde, das der Kunde in der telefonischen Beratung bzw. der persönlichen
Aufklärung vor Ort in der Agentur den Erhalt der Unterlagen als
"erhalten" legitimiert , wenn er den (Neu)antrag gegenzeichnet  !

Dreinmal dürfen Sie raten , warum der Agt.Leiter hier als am Computer
vorgenommen hat ...? Denn im Beratungprotokoll stand auch bestimmt nicht
, das er Ihnen geraten hat , den Altvertrag aufzukündigen ? ..oder ?

Schauen Sie bitte in Ihren Antrag oder in die Police , ob so etwas vermerkt
wurde ! Sollten den Antrag nicht aufgehändigt bekommen haben , können
Sie diesen jederzeit von der Gesellschaft selber nochmals anfordern !

Leider ist eine Beschwerde bei Ombudsmann für Versicherungen ( RV )
wahrscheinlich schon zu spät, da mehr als zwei Jahre her sind
..Ombusmänner lehnen da meist auf Grund der Verjährung eine
Nachverfolgung ab..SIe sind gesetzlich dazu verpflichtet Schadensfällen
innerhalb eines Jahres nach Bekanntwerden zu verfolgen ..

In vorliegenden Fall werden Sie sich wohl mit der HV der Gesellschaft
(vielleicht über rechtsanwaltlichen Beistand ) auseinandersetzen
müssen..

In diesem Sinne

HG DerMakler

Antwort
von frodobeutlin100, 60

Versicherungsvertreter arbeiten für Versicherungen - sind sozusagen nur die freiberuflichen Verkäufer .. Dein Vetragspartner ist die Versicherung - also wende Dich direkt an die Versicherungsgesellschaft (Zentrale)

Kommentar von Apolon ,

Versicherungsvertreter arbeiten für Versicherungen - sind sozusagen nur die freiberuflichen Verkäufer

Nein - Versicherungsagenturen sind selbständig (nicht freiberuflich).

Allerdings gibt es auch noch viele Versicherungsvermittler die angestellt sind!

Antwort
von offeltoffel, 75

Du könntest natürlich mit der Versicherungsgesellschaft reden und das Verhalten des Vertreters zur Sprache bringen. Es dürfte aber sehr schwer werden, ihm nachzuweisen, dass er das genau so gesagt hat. Er kann sich immer rausreden damit, dass du das falsch verstanden hättest, oder dass dir wohl der eine Nebensatz entgangen sei o.ä.

Kommentar von BrokenAngell ,

Ich habe zwei Zeugen, die bei dem Gespräch anwesend waren.

Kommentar von offeltoffel ,

Wer waren die? Mitarbeiter oder Verwandte von dir?

Kommentar von BrokenAngell ,

Verwandte. weil wir gesammelt einen Termin hatten

Kommentar von offeltoffel ,

Dann sieht es vielleicht schon besser aus, auch wenn ich nicht glaube, dass du großartig Chancen haben wirst. In so einer Gesellschaft wird es mitunter gewollt oder zumindest billigend hingenommen, dass die Vertreter zu Abschlüssen kommen, auch wenn sie die Tatsachen ein wenig nebulös darstellen (um es mal vorsichtig auszudrücken). Da wird man sich auch gegenseitig decken. Trotzdem kannst du es versuchen. Schreib einen offiziellen Beschwerdebrief an die Versicherungsgesellschaft, schildere den Sachverhalt und fordere das, was dir deiner Meinung nach zusteht.

Lieber mal zu viel androhen, als von vorn herein kleine Brötchen zu backen, sonst kommst du in der Branche zu nix.

Kommentar von BrokenAngell ,

In Ordnung vielen lieben Dank.

Antwort
von kevin1905, 41

Hast du die Beratungsdokumentationen zur Hand?

Kommentar von BrokenAngell ,

Nein, das wird ja nicht mehr in ausgedruckter Form gemacht sondern wurde auf nem Art Tablet dokumentiert und hinterlegt hat er mir gesagt

Kommentar von kevin1905 ,

Dir ist trotzdem eine Kopie davon auszuhändigen.

Dass du eine bekommen hast ist ebenfalls zu bestätigen.

Antwort
von martinzuhause, 57

du solltest die neu abgeschlossene erst mal wieder kündigen. auch wenn dir der vertreter erzählt das ginge doch garnicht oder sei schlecht.

dann fordere schriftlich eine aktivierung der zuerst bageschlossenen.-

immer alles nur schriftliche machen. ein vertreter erzählt viel

Kommentar von RudiRatlos67 ,

du solltest die neu abgeschlossene erst mal wieder kündigen. auch wenn
dir der vertreter erzählt das ginge doch garnicht oder sei schlecht.

Ganz schlechte Lösung....

Auf garkeinen Fall die Kündigungn unüberlegt aussprechen ! ! !

da im Kündigungsfall die gebuchten Zulagen an die Zulagenstelle zurückgeführt werden müssen und dann ein für alle mal verloren sind. In dem Fall freut sich die Versicherungsgesellschaft noch mehr.

Kommentar von DolphinPB ,

wie meistens - Unsinn, Begründung siehe RudiRatlos67

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