Frage von Laurae, 79

Nicht selbstverschuldeter Schaden - Reparaturkosten höher als Restwert, was nun?

Hallo zusammen, ich hoffe mir kann da evtl sogar jemand einen rechtlichen Tipp geben. Folgendes ist passiert: Vor einer Woche haben wir ein neues gebrauchtes Auto gekauft. Recht günstig, weil es ein Baustellenfahrzeug werden sollte und wir nicht jeden Kratzer bereuen wollten. War aber trotzdem ein gutes Angebot, denn wir haben 2400€ bezahlt und das Auto stand noch da wie ein Neuwagen. Nunja, gestern Abend lagen wir nichtsahnend auf der Couch, als es auf einmal einen Knall gab. Als wir raus gingen sahen wir was passiert ist: Ein 'parkendes' Auto (kein Gang drin und keine Handbremse gezogen) hat sich selbstständig gemacht - ist die halbe Straße runtergerollt und in unser Auto gerast. Der Schaden: Das Heck ist völlig demoliert und die Anhängerkupplung hat den Reifen von der Felge geschlagen. So, die Werkstatt sagt der Schaden beläuft sich auf 4500€ (eine Achsvermessung muss natürlich auch noch gemacht werden, wenn die einen Schaden abbekommen hat, kommt das auch noch dazu). Da der Schaden nun mindestens doppelt so hoch ist, wie der Wiederbeschaffungswert muss die Werkstatt einen Gutachter hinzuziehen. Dieser wird vermutlich sagen, dass eine Reparatur sich nicht lohnt. Kennt sich jemand aus, welche Möglichkeiten wir nun haben? Bleiben wir auf dem Schaden oder den Kosten, die jemand anderes verursacht hat, nun sitzen? Soweit ich weiß zahlt die Versicherung ja nun nur den ermittelten Wert des Autos. Damit bekomme ich aber weder das Auto repariert, noch auf die schnelle ein neues zuverlässiges Auto! Gibt es irgendwelche Tipps und Tricks, wie wir nun noch an so viel Geld wie möglich kommen? Wir könnten mit der riesen Delle im Auto leben, solange es nur optisch ist. Aber dafür, dass wir daran keinerlei Schuld hatten, ist es ja nicht wirklich fair, wenn wir dafür nicht irgendeine Entschädigung bekommen.. Bin für jeden Tipp, wie man nun vorgehen könnte, dankbar. Vielleicht ist ja jemandem schon mal etwas Ähnliches passiert oder kennt sich da sonst irgendwie aus..?

Danke im Voraus, Laura

Antwort
von NamenSindSchwer, 33

Zunächst mal die Begrifflichkeiten:

Restwert ist der Wert des Fahrzeugs im kaputten Zustand. 

Wiederbeschaffung ist der Wert am Tag des Schadens ohne den Schaden und vom Gutachter zu ermitteln. Das ist die Summe die euch maximal zusteht.

Wenn die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert übersteigen, ist das der sog. wirtschaftliche Totalschaden.

Von der gegnerischen Versicherung erhaltet ihr:

Wiederbeschaffungswert abzgl. des höchsten Restwertangebots.

Der Restwert wird basierend auf tatsächlich vorliegenden Kaufangeboten ermittelt (im Gutachten). Das Höchstgebot müsst ihr nicht annehmen, jedoch wird diese Summe IMMER von der Auszahlung der Versicherung abgezogen. Ihr könnt euch selber nach Käufern umsehen. Wenn ihr keinen findet der mehr zahlt und ihr das Restwertangebot im Gutachten nicht angenommen habt, habt ihr halt noch mehr Verlust gemacht. Wenn ihr aber einen Käufer findet, der mehr als das höchste Restwertangebot im Gutachten zahlt, dürft ihr die Differenz behalten.

Das mit der Summe so oder so wohl kein anderes Auto angeschafft werden kann ist ärgerlich aber absoluter Alltag bei Kfz Unfällen. So ist nunmal die Rechtslage und "Wiederbeschaffungswert" heißt die Summe nur auf dem Papier, das bedeutet leider nicht, dass man sich dafür ein ähnliches Auto tatsächlich wiederbeschaffen kann.

Kommentar von Rockuser ,

""

Wenn ihr keinen findet der mehr zahlt und ihr das Restwertangebot im Gutachten nicht angenommen habt, habt ihr halt noch mehr Verlust gemacht. ""

Das ist völliger Unfug. Der genannte Restwert muss erzielt werden können. Sonst muss das Gutachten nachgebessert werden, oder die Versicherung das Wrack übernehmen.

Kommentar von NamenSindSchwer ,

Deshalb steht da auch "wenn[...] ihr das Restwertangebot im Gutachten nicht angenommen habt". Denn dieses ist selbstverständlich erzielbar, da es ein verbindliches Kaufangebot ist. Aber wenn ich dann sage "Nö, will ich nicht" kann das nicht zu Lasten der Versicherung ausgelegt werden. Die wird dann NICHT mehr zahlen. 

Expertenantwort
von bronkhorst, Community-Experte für Auto, 11

Für das rollende Auto wird es eine Kfz-Haftpflicht geben, die Schäden durch ungesichertes Losrollen übernimmt.

Der Gutachter wird den sogenannten Wiederbeschaffungswert, den Restwert nach Unfall sowie eine angemessene Zeit für die Neubeschaffung benennen.

Da bei Euch ein wirtschaftlicher Totalschaden vorliegt, wird die Versicherung die Differenz zwischen Wiederbeschaffungswert und Restwert zahlen, da ja davon auszugehen ist, dass Ihr das Wrack zum Restwert (vielleicht auch etwas mehr) verkaufen könnt.

Für die gutachterlich festgelegte Such-Zeit (in der Regel bis 2 Wochen) könnt Ihr wahlweise einen Mietwagen nehmen (sicherheitshalber eine Kategorie kleiner als das bisherige Auto - und keinen unnötig teuren Anbieter) oder für Tage "ohne" eine Nutzungsausfallentschädigung verlangen.

Und es empfiehlt sich immer, sich nicht darauf zu verlassen, dass die Haftpflichtversicherung des Schädigers ihren Gutachter schickt - wenn Ihr einen "normal bepreisten" nehmt,  muss die Versicherung des Schädigers den zahlen.

Im Übrigen steht Euch auch eine anwaltliche Vertretung zu - heißt, dass Ihr einen Anwalt für die Regulierung hinzuziehen könnt und die gegnerische Versicherung den auch zahlen muss. Wenn man keine Ahnung von der Materie hat, sollte man das auch tun.

Antwort
von rgamst, 55

Also der Schaden ist wohl erheblich höher als der Wagen wert ist somit gilt der Schaden als Totalschaden. Die Versicherung wird daher maximal den Zeitwert des Wagens begleichen. Das kann für Dich leider einen Verlust bedeuten. Wenn Du sagst das optische stört Dich nicht dann nimm dass Geld und lass nur richten was gemacht werden muß damit Dein PKW verkehrssicher ist.

Ich denke in Deinem Fall ist das die beste Möglichkeit

Kommentar von Laurae ,

Ja sowas befürchte ich. Kennst du dich aus und weißt, ob ich mir einen eigenen Gutachter suchen kann? Oder muss es einer der Versicherung sein?

Kommentar von Hifrima ,

Normalerweise ist es so, dass die Versicherungsgesellschaft jemanden der eigenen Leute schickt.

Kommentar von Apolon ,

Du solltest dir sogar einen Gutachter suchen.

In solchen Fällen empfehle ich immer den TÜV oder DEKRA.

Kommentar von NamenSindSchwer ,

Bei einem Haftpflichtschaden hat der Geschädigte (also Du) freie Gutachterwahl. Der Gutachter muss von der Haftpflichtversicherung des Verursachers bezahlt werden. 

Kommentar von Rockuser ,

Die Versicherung zahlt den Wiederbeschaffungswert, wenn ein Ersatzfahrzeug angeschafft wird. Der Zeitwert ist nicht immer Ausschlaggebend.

Antwort
von schleudermaxe, 7

... aber natürlich wird Euch der Schaden ersetzt, was denn auch sonst?

2.400 EUR sowie die Auslagen rollen an, fürchte ich.

Antwort
von Rockuser, 35

Die Versicherung muss den Wiederbeschaffungswert und das Gutachten bezahlen, wenn Du das "Wrack " der Versicherung überlässt. Alles kein Problem, Du hast den Schaden nicht verursacht.

Mann kann das Auto auch behalten, dann wird der Restwert abgezogen. Dazu kommt es noch drauf an, ob Du über Rechnung reparieren lässt. Reichst Du Rechnungen ein, kann der Schaden 120% reguliert werden. Ohne Rechnung werden 81% vom Schadens-wert ausgezahlt, weil die Mehrwertsteuer nicht mit ausgezahlt wird.

Am besten, fragst Du bei deiner Versicherung nach, die stehen mir Rat und Tat zur Seite.

Kommentar von NamenSindSchwer ,

Das kaputte Auto geht nicht in den Besitz der Versicherung über. Der Versicherung ist prinzipiell egal was man mit dem Auto macht, der Restwert wird immer abgezogen.

Kommentar von Rockuser ,

Man hat ein Recht darauf, das die Versicherung das Wrack für den Restwert übernimmt.

Kommentar von NamenSindSchwer ,

Man ruft den angegebenen Restwerthändler an, welcher das Auto abholt und einem den Restwert bezahlt...

Kommentar von Rockuser ,

Nun erklär mir Bitte noch, was ein " Restwerthändler" ist, dann gebe Ich Ruhe.

Kommentar von NamenSindSchwer ,

Die Firma/Privatperson/whatever die im Gutachten angegeben ist und ein verbindliches Kaufangebot für das Fahrzeug gemacht hat...

Dort sind mehrere Angebote aufgelistet, intelligenterweise wendet man sich an den der das höchste Angebot gemacht hat. Denn dieser Wert wird auch von der Versicherung abgezogen. 


Sonst müsste man ja einen Kaufvertrag mit der Versicherung machen, die dann anschließend das Auto selber weiterverkauft. Bei solchen Mätzchen spielt kein Versicherer mit. 

Kommentar von Rockuser ,

Danke, so meinst Du das.

Kommentar von KfzSVnrw ,
Man hat ein Recht darauf, das die Versicherung das Wrack für den Restwert übernimmt.

nein, hat man nicht! und das ist auch gut so

Antwort
von Bleistein, 27

Hängt jetzt alles davon ab, wie hoch der Gutachter den Zeitwert vor dem Unfall beurteilt. Wenn der Zeitwert höher als der Kaufpreis war, dann bekommt Ihr dafür eventuell auch wieder einen schönen Ersatz.

Nur wenn der Zeitwert sehr niedrig eingestuft wird und man kein gleichwertiges Fahrzeug bekommt, ist man "gekniffen".

Oft werden auch Totalschäden von speziellen Händlern doch noch angekauft. Die werden dann notdürftig geradegezogen und irgendwo (hoffentlich im Ausland) wieder verkauft. Vielleicht bekommt Ihr also auch ohne Reparatur für das kaputte Auto noch ein paar EUR.

Antwort
von Laurae, 12

Okay, noch eine inoffizielle ;) Frage: Nehmen wir an, mein Gutachter bewertet das Auto mit 3000€. In den meisten Fällen will die Versicherung das Auto kaufen, für die ermittelten 3000€. Wenn wir nun aber vorher das Auto schon für sagen wir 50€ verkauft haben, muss uns die Versicherung dann 2950€ (also die 3000€ Wert - die 50€ Verkaufswert) auszahlen?

Antwort
von AnglerAut, 29

Der Versicherer muss die Reparatur bezahlen, wenn sie 120% des Fahrzeugwertes nicht überschreitet.

Ansonsten muss sie dir den Gutachterwert bezahlen, dazu einen Leihwagen für 14 Tage.

Wenn du ein Schnäppchen gemacht hast, bei deinem Autokauf, dann kann der Gutachterwert natürlich höher liegen als der Kaufpreis, den du bezahlt hast.

Weitere Ansprüche hast du leider nicht.

Kommentar von KfzSVnrw ,

in der Antwort ist mehr falsch als richtig

muss die Reparatur bezahlen, wenn sie 120% des Fahrzeugwertes nicht überschreitet

130 % wäre bei vorliegendem Integritätsinteresse richtig

 dazu einen Leihwagen für

einen Leihwagen kann man so lange nehmen wie man will, das interessiert keine Versicherung da dieser kostenlos ist. Bei einem Mietwagen hingegen sollte man die Wiederbeschaffungsdauer im Gutachten nicht überschreiten.

Weitere Ansprüche hast du leider nicht

oh doch:

- Unkostenpauschale von 25 €

- Kosten des Schadengutachtens

- Nutzungsausfall und / oder Mietwagen

- Kraftstoff im Tank

- Abschleppkosten

- Standgebühren

- ....

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