Frage von Saze1111, 107

Krankheitstage für jeden sichtbar auf Chefs Tisch, die Daten müssen doch diskret behandelt werden?

Hallo miteinander

aufgrund 3 negativ erfolgten künstlichen Befruchtungen und einer Gebarmutterspiegelung war ich in den letzten 4 Monaten immer mal wieder 1 - 1 1/2 Wochen pro Monat krank geschrieben. Nun fragen die Chefs durch das Kollegium ob denn einer wisse was mit mir los wäre und das es wohl um Frauenkrankheiten ginge weil die Krankmeldung vom Gynäkologen ist. Des weiteren hat er sich nun eine Liste mit meinen Fehltagen ausgedruckt die so auf seinem Tisch liegt das mehrere Kollegen diese gesehen haben und mich daraufhin ansprachen. Außerdem wurde mir von den Kollegen mitgeteilt das aufgrund der Fehltage wohl ein Gespräch mit der Geschäftsführung stattfindet. Ist es richtig das ich gekündigt werden kann aufgrund der Krankheitstage? Darf er meine Fehltage so öffentlich auf seinem Schreibtisch rumliegen lassen? Ich würde ihn gern bitten diese so wegzulegen das sie nicht für jeden ersichtlich ist der an seinem Schreibtisch steht.

Ich bin 7 Jahre in der Firma, habe jetzt ein "gesundheitliches" Problem und es wird gleich so aufgefahren, ich bin sehr enttäuscht. Ich habe schon einen neuen Job in Aussicht und werde wahrscheinlich eher kündigen aber für den Fall des Falles wüsste ich gern bescheid. Vor allem ob ich den Chef bitten kann meine Fehltage diskret zu behandeln?

Vielen Dank für Ihre Antwort vorab!!!

Mit freundlichen Grüßen

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Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Hexle2, Community-Experte für Arbeitsrecht & Kündigung, 50

 Darf er meine Fehltage so öffentlich auf seinem Schreibtisch rumliegen lassen?

Nein, das darf er nicht. Von Datenschutz hat Dein AG wohl noch nichts gehört. Da würde ich mal darauf hinweisen.

Wenn es einen Personal-/Betriebsrat gibt, solltest Du auch mit diesem mal unbedingt reden und der Datenschutzbeauftragte des Betriebs sollte den Sachverhalt auch kennen.

Es geht auch keinen Kollegen etwas an, welcher Arzt Dich arbeitsunfähig geschrieben hat. Die Nachfrage bei den anderen MA und die Auskunft dass die AUB vom Gynäkologen ist, ist mehr als daneben. Auch hier wird das Datenschutzgesetz verletzt.

Außerdem wurde mir von den Kollegen mitgeteilt das aufgrund der Fehltage wohl ein Gespräch mit der Geschäftsführung stattfindet.

Na das sind mal "nette" Kollegen die das erzählen. Wissen die das oder ist das reine Spekulation?

Wenn sie das wissen, fragt sich woher denn. Deine persönlichen Gespräche und worum es geht mit der Geschäftsleitung ist auch nichts was bei den Kollegen die Runde machen darf, vor allem da Du selbst noch keine Information der GL hast.

Ist es richtig das ich gekündigt werden kann aufgrund der Krankheitstage?

Wer behauptet das?

Hier würde es sich um eine personenbedingte (krankheitsbedingte) Kündigung handeln und für die fehlen die Voraussetzungen.

Krankheitsbedingte Kündigungen gibt es wegen "Langzeitkrankheit" und wegen vieler "Kurzerkrankungen".

Bei den Kurzerkrankungen geht man i.d.R. von einem Zeitraum von drei Jahren aus in denen der AN jährlich mindestens 30 Krankheitstage hat. Dann gibt es eine sogenannte "Dreistufenprüfung".

In der ersten Stufe muss eine negative Gesundheitsprognose vorliegen, in der zweiten Stufe muss dadurch das betriebliche Interesse erheblich beeinträchtigt werden und in der dritten Stufe gibt es eine Interessenabwägung. Hier wird geprüft ob es dem AG noch weiter zuzumuten ist, den AN zu beschäftigen.

Da das Gesamtpaket bei Dir nicht zutrifft und Du erst die letzten vier Monate immer wieder Ausfallzeiten hattest, brauchst Du Dir hier keine Sorgen zu machen. Du bist schon länger als sechs Monate beschäftigt und es wird sich ja auch nicht um einen Kleinbetrieb handeln.

Der Gedanke und die Aussicht auf einen neuen Job ist aber bestimmt kein Fehler.


Kommentar von Saze1111 ,

Vielen Dank für die ausführliche und informative Antwort.

Nun ist es tatsächlich so, dass wir nur 2 Angestellte sind, der Abteilungsleiter und ich sind in der Tocherfirma tätig. Das Hauptunternehmen hat ca. 40 Festangestellte und ich war der Meinung gelesen zu haben, dass man unter 10 Angestellten ohne Angabe von Gründen jederzeit gekündigt werden kann. 

Ich weiß auch nicht was das Gespräch mit der Geschäftsleitung bringen soll, denn den Grund meiner "Krankheit" werde ich nicht verraten und es ist nunmal wie es ist und da wir noch 2 weitere Versuche der künstlichen Befruchtung unternehmen möchten, sehe ich für meine Zukunft in dieser Firma schwarz. Ich trau mich schon gar nicht mehr weil ich es nicht rechtfertigen kann. 

Es ist leider alles nicht so einfach, 3 negative Versuche und jetzt noch das gerade hier auf der Arbeit.

Kommentar von Hexle2 ,

Das tut mir leid für Dich.

Es ist richtig, dass das Kündigungsschutzgesetz im Kleinbetrieb mit nicht mehr als 10 ständigen Vollzeitkräften nicht greift. Da Du aber vom "Kollegium", den "Chefs", der Geschäftsführung und im Kommentar von "Sachbearbeitern" die Rede ist, bin ich nicht von einem Kleinbetrieb ausgegangen.

Kommentar von Saze1111 ,

Das haben die hier ganz geschickt gemacht... Na ja vielleicht ist eine Auszeit gar nicht so schlecht. Und wie gesagt, was neues ist in Aussicht und am Montag liegt noch ein Vorstellungsgespräch bei der Zeitarbeit an. Den Kinderwunsch muss ich dann wohl noch ein paar weitere Jahre aufschieben aber hat ja auch keiner gesagt, dass das Leben gerecht und einfach wäre =)

Kommentar von Hexle2 ,

Ich wünsche Dir für die Zukunft alles Gute und hoffe, Dein Kinderwunsch erfüllt sich irgendwann doch.

Kommentar von Saze1111 ,

Ganz herzlichen Dank!

Kommentar von Hexle2 ,

Danke fürs Sternchen, ich hoffe es klappt mit dem neuen Job und dass sich Deine privaten Wünsche erfüllen.

Antwort
von SiViHa72, 47

Natürlich haben Deine Kranktage, genau wie alles andere aus Deiner Personalakte, diskret behandelt zu werden.

Das ists chon mal Fakt. Stichwort Datenschutz.

Mal freundlich ansprechen.

Auch das rumfragen durchs Kollegium ist so ne Sache.. generell geht den AG die Diagnose für Kranktage nichts an. (deshalb kriegt er die ja auch nie mitgeteilt, der Diagnoseschlüssel steht nur auf dem Zettel für Krankenkasse).

Gut, ich kenne es aus einem Job, da war das verhältnis untereinanders ehr herzlich, da wäre die Frage nur ein rein menschliches Mitgefühl.

Und ich kenne AG, wo genau das gegenteil der Hintergrund war.

Generell: en AG geht die Diagnose n ichts an.

Ein Gespräch kann sinnvoll sein,w enn der Gedanke besteht,d er Job macht krank. Und der AG möchte dies ändern. Da wäre die Nachfrage, ein Gespräch also sinnig.

Wobei, ich kenn das von meinem Frend, sehr große Firma.. da ist das viel mehr als Druck gedacht, auch wenn sie es als sozial verkaufen.

Eins darf man nicht vergessen: regelmässig fehlende AN sind fürd en AG unwirtschaftlich. Happy ist er da nicht drüber.

Sprich: aus betriebswirtschaftlicher Hinsicht verständlich. Aus sozialer und menschlicher eher nicht. Aberw er sagt, dass Ag menschlich oder sozial sein müssen...

ich war mal 7 Jahre bei einem gemeinnützigen Ag, hab ihm das ganze Haus mit Konzept aufgebaut, immer Überstundenw ie doof, fast nie krabnk.. dann einmal überraschend 2 Wochen krank. U aus Neurologie. Und dann verplapperte sich wer. ich war noch gar nichtw ieder zurück.

Fazit: Freitag grad die Diagnose, Montag war die Kündigng klar. Natürlich nicht aus diesem Grund, da lässt man sich was anderes einfallen. Odere ben nichts (ich hab direkt nen Anwalt eingechaltet, da 3 Formfehler in K.). Halbes Jahr Kloppen userer Anwälte,d ann kiegte ich Abfindung etc.

Will sagen:

Arbeitgeber ticken anders als normale leute.

Weise freundlich auf einzuhaltenen datenschutz bzgl Deiner Unterlagen hin. Im Gespräch: bleib so vge wie möglich, versuch,d as nicht an Dich ranzulassen.

Und Du bist eh grad an einem neuen Job dran?

Wie.. überaus praktisch!

Antwort
von wilees, 45

Grundsätzlich ist es bei Krankheit möglich zu kündigen, dies allerdinngs nur in sehr engen Grenze. Die wohl in Deinem Fall nicht gegeben wären.

Ist sein Schreibtisch in einem "Großraumbüro" dürfen solch sensible Daten nicht für jedermann einsehbar herumliegen. Anders wohl in einem Büro, in das jemand unvermutet eintritt und etwas sieht. Er hat auch nicht das Recht in diesem Zusammenhang Mitarbeiter auszufragen.

Zum Gespräch beim Chef - auf die wohl auftauchende Frage warum, wieso , weshalb

- der Gesetzgeber hat hier eindeutig gesagt, das Krankheiten nicht benannt werden müssen. Da sie auch bedauerlicherweise, so indiskret mit den Gesundheitsdaten ihrer Arbeitnehmer / Mitarbeiter umgehen, so dass ich sogar in diesem Zusammenhang von Kollegen angesprochen wurde, werde ich mich dazu gar auch nicht äußern.

Kommentar von Saze1111 ,

Danke für deine Antwort. Also er hat kein Großraumbüro aber die Sachbearbeiter müssen alle Nase lang zu ihm um Angebote durchzusprechen also ist es ja naheliegen das es mal jemanden ins Auge fällt. Ich werde ihn nachher drauf ansprechen und ihn bitten die Unterlagen diskreter zu behandeln. Das ist ja auch nicht der einzige Missstand hier, wird Zeit das ich hier weg komme =)

Antwort
von DarthMario72, 35

Grundsätzlich ist auch eine Kündigung wegen Krankheit möglich. Allerdings sind da die Hürden durch den Gesetzgeber sehr hoch und bei dir noch lange nicht erfüllt. Wegen deiner Erkrankung darf man dir also nicht kündigen.

Und anscheinend ist "Datenschutz" für deinen AG ein Fremdwort. Es geht niemanden deiner Kollegen an, wie viele Fehltage du hast und warum.

Auch deinen AG hat es nicht zu interessieren, warum du krankgeschrieben bist. Diagnosen gehen ihn einen feuchten Dreck an.

Kommentar von wurzlsepp668 ,

wenn die Liste auf dem Schreibtisch von Chef liegt .....

ist für die MITARBEITER anscheindend Datenschutz ein Fremdwort ...

Kommentar von Saze1111 ,

Na aber den Kollegen kann man doch kein Vorwurf machen, wenn die Liste da öffentlich liegt und man daneben steht. Sowas fällt doch automatisch ins Auge. Er hätte den Zettel ja wenigstens umdrehen können. 

Kommentar von DarthMario72 ,

Richtig @Saze1111. Menschen sind nun mal neugierig. So sensible Daten kann man dann nicht so vor jedermanns Augen herumliegen lassen.

Antwort
von Goodnight, 35

Die Frechheit ist, dass Angestellte lesen was beim Chef auf dem Pult liegt! Deine Kollegen haben eine miserable Kinderstube.

Ja rede mit deinem Chef ist immer besser als ihn rätseln lassen.

Dass eine Firma klärt, ob jemand sporadisch blau macht oder wegen schwerer Krankheit die Firma belastet ist doch klar.

Hättest du mit einem vertraulichen Gespräch einfacher haben können.

Kommentar von Saze1111 ,

Er sprach mich schon einmal darauf an (am Kaffeeautomat) und da sagte ich ihm das ich darüber nicht reden kann/möchte (also den Grund meiner Fehltage nicht verraten möchte) aber das ich wohl noch einige Eingriffe vor mir habe. Das mit der künstlichen Befruchtung mag ich niemanden verraten, ich komm damit gerade selber so zurecht.

Kommentar von Goodnight ,

Das kann ich gut verstehen, alles hat zwei Seiten..

Antwort
von Bambi201264, 53

Habt Ihr keinen Betriebsrat? Du kannst Deinen Chef sogar verklagen!

Also ich an Deiner Stelle würde so schnell wie möglich da kündigen, wenn Du eh schon einen neuen Job hast.

Viel Erfolg!

Kommentar von Saze1111 ,

Leider nein, hier geht es drunter und drüber. Wir sind eine Tocherfirma hier im Haus und hier arbeiten nur der Abteilungsleiter und ich. Die 3 Geschäftsführer in der Hauptfirma mit ca. 40 Festangestellten. 

Hab noch mit der Kündigung gehadert weil ich dort nur einen befristeten Vertrag bekäme, aber denke es wird Zeit! Danke für deine Antwort. Dann werde ich ihn nachher darum bitten, ich bin auf die Reaktion gespannt :-/

Vielen Dank fürs Antworten! 

Kommentar von wurzlsepp668 ,

war sollte der Chef verklagt werden können?

es liegen Unterlagen auf SEINEM Schreibtisch ....

die gehen keinen Mitarbeiter etwas an!

Kommentar von Saze1111 ,

Aber die Unterlagen muss er doch diskret behandeln oder? Sodass nicht jeder Mitarbeiter, Kunde, Postbote Einsicht hat? Und wenn man dort mit dem Chef im Gespräch ist und der Kollege zufällig drauf guckt kann man ihm doch keinen Vorwurf machen, also dem Kollegen. 

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