Frage von DerFragende1870, 184

Kann/sollte ich sie wegen Verleumdung oder Übler Nachrede anzeigen (Nachbarn)?

Vor ein paar Wochen war die Polizei vor unserem Haus. Es musst eigentlich nur eine kleine Sache geklärt werden. Eigentlich ziemlich unwichtig. Ein Nachbarskind hat diesen Vorgang beobachtet, wie es für ihn typisch ist, irgendwelche Storys erfunden. Dass sie gekommen wären, weil ich drogenabhängig wär (!!) und ich im Keller illegale Drogen herstelle. Die Eltern des Kindes haben das geglaubt bzw es weiter erzählt, so dass über mich Gerüchte entstanden. Wurde vor ein paar Tagen von einem kleinen Kind angesprochen. Statt mit meinem Namen hat sie mich mit "Hey, Drogensüchtiger" begrüßt. Das ist krank. Ich will nicht wissen was deren Eltern einene Müll über mich erzählen. Es deutet alles darauf hin, dass die Eltern vom anfang das Gerücht verbreitet haben. Ich habe mir überlegt diese bei der Polizei anzuzeigen. Ich sehe keinen Grund mir sowas gefallen zu lassen.

Allerdings Frage ich mich welcher Strafbestand das wär. Verleumdung oder Üble Nachrede? Hinzu muss gesagt sein, dass ich wirklich zufällig ( Chance 1:40) ab und zu bei Freunden außerhalb der Ortschaft kiffe. Wäre es trotzdem dann eine Straftat von denen?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Dommie1306, 101

§ 186 StGB
Üble Nachrede



Wer in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache behauptet oder
verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der
öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht
diese Tatsache erweislich wahr ist, mit Freiheitsstrafe bis zu einem
Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich oder durch
Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.


Das liegt hier vor. Verleumdung ist es nicht, da hier das Tatbestandsmerkmal "wider besseren Wissens" relevant wäre, was nicht vorliegt, da die Eltern, welche über dich die Tatsachen behaupten ja nicht sicher sind, dass sie LÜGEN!

Kleiner Hinweis: Üble Nachrede wird in 99,5% der Fälle von der Staatsanwaltschaft eingestellt.

Interessanter ist die Tatsache, dass die Kollegen die Eltern als Beschuldigte vernehmen werden. Sollten diese ihnen gegenüber den VErdacht äußern, dass du regelmäßig zum Kiffen fährst könntest du schon bald Beschuldigter nach einem Vergehen gem. dem BtMG sein...


Wärs nicht sinnvoller einfach zu einem Zivilrechtsanwalt zu gehen und eine Unterlassungsklage zu erwirken, welche den Eltern verbieten das rumzuerzählen? Wenn sie es doch tun, hast du Möglichkeiten auf Schadensersatz...

Btw.: Wenn du kiffst finde ich persönlich, dass du kein moralisches Recht hast, eine Anzeige zu erstatten. Wenn über dich behauptet wird, dass du Drogen herstellst und verkaufst, ist das nicht in Ordnung.
Als Polizist gebe ich dir jedoch den oben beschriebenen rechtlichen Rat.


Achja: Selbst wenn es wahr ist, dass du kiffst:


§ 192 StGB:
Beleidigung trotz Wahrheitsbeweises



Der Beweis der Wahrheit der behaupteten oder verbreiteten Tatsache schließt die Bestrafung nach § 185
nicht aus, wenn das Vorhandensein einer Beleidigung aus der Form der
Behauptung oder Verbreitung oder aus den Umständen, unter welchen sie
geschah, hervorgeht.




Kommentar von DerFragende1870 ,

Danke für die Antwort. Aber ich denke ich sollte doch die Sache nicht eskalieren lassen. Ich ziehe wahrscheinlich sowiso in zwei Jahren weg.  Das mit Unterlassungsklage überlege ich mir nochmal.

Kommentar von Dommie1306 ,

Aja, bevor ich es vergesse: Im Zuge der guten Nachbarschaft würde ich sowieso bei sowas immer von einer Anzeige abraten... denn das wird dann innerhalb kürzester Zeit zu einem Kleinkrieg;)

Kommentar von OnkelSchorsch ,

Hier dürfte eher § 164 Falsche Verdächtigung greifen, und zwar zu Ungunsten des Fragestellers.

Kommentar von Dommie1306 ,

Na DA bin ich jetzt aber gespannt. Subsumier das bitte mal für mich durch in dem Fall;)

Kommentar von DerFragende1870 ,

Ach, deswegne liebe ich gutfrage.net. Jeder 5. hat, egal was dagegen spricht, einen nicht weiter zu helfen bis hin zu erniedrigen. :)

Kommentar von Dommie1306 ,

Ja hab die antwort von OnkelSchorsch gerade meiner Frau gezeigt. Wir meinen beide, dass es einen "Führerschein" für gutefrage.net bräuchte...

Also: Du begehst bei einer Anzeige natürlich kein §164 StGB, da die Straftaten, wie oben aufgeführt, ja wirklich vorliegen...

Kommentar von imager761 ,

Nomen es omen: Hier liegt weder eine Straftat n. § 186 StGB noch nach § 192 StGB vor, wenn die Eltern das Kiffen und Polizeibesuche des Fragestellers rumerzählen oder ihre Kinder das aufschnappen.

Das ist schlicht Klatsch und Tratsch, und der ist nicht justtiabel noch per Unterlassungsklage zu unterbinden.

Kommentar von Dommie1306 ,

Wenn sie die Polizeibesuche rumerzählen ist das schlicht und ergreifend: Nichts, da hast du Recht.

Wenn aus einem Polizeibesuch das Gerücht entsteht, dass im Keller illegal Drogen hergestellt werden, ist das zumindest ein 186, evtl. 187...

Kommentar von imager761 ,

Wenn aus einem Polizeibesuch das Gerücht entsteht, dass im Keller
illegal Drogen hergestellt werden, ist das zumindest ein 186, evtl.
187...

Ja und? was hat das mit der Fragestellung zu tun? Hier wurde jemand von einem Kind als "Hey, Drogensüchtiger" angesprochen, weil es ihm das entweder ansah oder es von seinen Eltern aufschnappte. Wo siehst du damit eine Straftat, auch der Erziehungsberechtigten, erfüllt?

Antwort
von Lichtpflicht, 71

Das Problem ist, dass du nur blind vermutest, wie das abgelaufen ist. Ein Kind erfindet etwas, ein anderes Kind spricht dich darauf an. Da müssen nicht mal die Eltern beteiligt gewesen sein. Erstattest du jetzt Anzeige wegen eines Kindes, wird dein Ruf endgültig ruiniert sein, zumal dein Ruf auf Tatsachen beruht...

Es wäre daher gut, proaktiv zu reagieren, bei den Eltern zu klingeln und mit ihnen direkt zu reden. Erzähle allen Leuten, die du kennst, dass dieses Gerücht herumgeht und wie es wirklich entstanden ist (ohne Namen zu nennen, sonst machst am Ende DU dich wegen übler Nachrede strafbar) und gebe dich möglichst unaufgeregt und belustigt dabei.

Merke eine alte Bauernweisheit: Nur wahre Schuldige reagieren tatsächlich wütend und mit sofortigem Gegenschlag auf Anschuldigungen!

Antwort
von Wissensdurst84, 78

Guten Abend,

bezug nehmend deiner Aussage liegt Rufschädigung vor. Ebenfalls die Bezichtigung einer falschen Straftat was dass herstellen von Drogen im Keller betrifft. Aufgrund deines Konsumes, würde ich jedoch darauf verzichten bellende Hunde zu wecken, auch wenn es nur ab und an sein sollte. Straftat ist Straftat. Und ggf. macht die Polizei aufgrund der Vorwürfe der Eltern eine Hausdurchuchung bei dir oder lässt dir durch eine richterliche Anordnung Blut abnehmen.

Lass es. Wer im Glashaus sitzt sollte nicht mit Steinen werfen. Und lass den Konsum von dem Dreck, besser.

Liebe Grüße

Wissensdurst84

Kommentar von ParagrafenGold ,

Der Fragesteller nennt in seiner Frage schon die korrekten Straftatbestände Üble Nachrede und Verleumdung nach den §§ 186 sowie 187 StGB .

Und du bezeichnest die Sache dennoch falsch als "Rufschädigung" . Es gibt im Strafgesetzbuch keine Rufschädigung. Das ist nur eine umgangssprachliche Bezeichnung für die §§ 186 und 187 StGB .

Sofern niemand den ( verwerflichen ) Drogenkonsum des Fragestellers beweisen kann, solange können die §§ 186 und 187 StGB bei Behauptung dessen erfüllt sein.

Für eine Hausdurchsuchung reicht es hier lange nicht.

Antwort
von emily2001, 98

Hallo,

es wird noch mehr Aufruhr geben, vergiß es! Außerdem kostet das alles Geld, wenn es per Anwalt geregelt werden muß, und ich muß dir leider sagen, daß das Gerücht irgendwie begründet ist, weil du regelmäßig kiffst, auch wenn es außerhalb der Ortschaft ist!

Ich denke, daß einer deiner Mitkiffer mit den Geschichten angefangen hat, warum auch immer.

Konzentriere dich lieber auf dein Berufsleben, auf deine Ausbildung und wechsele den Ort, wenn es dir gelingt "clean" zu bleiben!

Emmy

Antwort
von Franz19961, 60

Das lohnt sich nicht. Such lieber betont erwachsen und vernünftig das Gespräch, so ein Nachbarschaftsstreit hört erst mit deinem Auszug wieder aus..

Expertenantwort
von imager761, Community-Experte für Recht, 30

Statt mit meinem Namen hat sie mich mit "Hey, Drogensüchtiger" begrüßt.

Für einen Kiffer durchaus treffend.

Frage ich mich welcher Strafbestand das wär. Verleumdung oder Üble Nachrede?

Weder noch. Klatsch und Tratsch sind sind nicht justitiabel und dein Drogenkonsum ist gerade keine unwahre Tatsachenbehauptung.

Klar ärgert es dich, das alle dir das ansehen oder anmerken und selbst Kids dazu einen Spruch raushauen - aber dann lebe damit :-O

G imager761

Kommentar von ParagrafenGold ,

Sofern niemand Drittes den Drogenkonsum des Fragestellers beweisen kann, sind diese Behauptungen nicht mit den §§ 186 und 187 StGB vereinbar.

Kommentar von imager761 ,

Falsch: Nur "wer eine Tatsache verbreitet, die nicht erweislich wahr ist", begeht eine Straftat n. § 186 StGB. Und § 187 StGB setzt sogar "öffentliche Verbreitung wider besseres Wissen", kein Tratsch hinter vorgehaltener Hand voraus.

Gerüchte darf man daher straffrei weiterverbreiten wie man sie aufgeschnappt hat und den Tratsch über den Polizeibesuch brühwarm jedem erzählen, den das vermeindlich interessiert.

"Ham'se schön gehört, ..." oder kindliches "Hey, Drogensüchtiger" ist eben keine Beleidigung i. S. d. §§ 185 ff. StGB.

Antwort
von OnkelSchorsch, 30

Also du möchtest Leute, die dir nichts getan haben, anzeigen, weil deren Kind dich als Drogenkonsument bezeichnete, was wie du selbst sagst, der Realität entspricht.

Jooo, mach mal, viel Spaß dabei.

Ach noch was: wieso war die Polizei bei dir?

Kommentar von DerFragende1870 ,

Bitte eigene dir mal ein besseres Textverständnis zu. Die Eltern haben dafür gesorgt, dass das Gerücht weiter verbreitet wurde.

Kommentar von OnkelSchorsch ,

Soso, und das weißt du woher?

Und wie ist das - weshalb waren die Cops bei dir?

Kommentar von imager761 ,

Und? Seit wann ist es strafbar, sich an Gerüchten zu beteiligen?

Das ist keine Straftat 'Üble Nachrede', § 186 StGB: "Wer in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache (...) verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht diese Tatsache erweislich wahr ist ... bestraft".

Du kiffst, also darf man das auch rumtratschen. Bei dir war die Polizei im Haus, auch das kann man weitererzählen! Und darf Kindern als warnendes Beispiel gelten.

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