Frage von trolololaura, 99

Ist eine Kooperation zwischen 2 Kleinunternehmern erlaubt?

Hallo liebe Leute,

ich habe eine Frage, da ich im Netz leider nichts gefunden habe, was mir groß weiterhilft.

Ich habe ein Kleingewerbe im Bereich Illustration und Grafikdesign. Hier mache ich natürlich auch Websitendesigns. Wenn es um die technische Umsetzung geht, muss ich immer auf einen Kollegen zurückgreifen, welcher auch ein Kleingewerbe hat. Allerdings im Bereich Entwicklung.

Da unsere Zusammenarbeit richtig gut klappt und wir dem Kunden gerne ein "Rundum-Sorglos-Paket" anbieten wollen, wollten wir uns gerne zusammen "vermarkten", aber das am besten OHNE dass wir jetzt eine neue GbR gründen müssten.

Ist es erlaubt, dass wir zum Beispiel eine Website aufbauen, in der wir unser "Rundum-Sorglos-Paket" anbieten, also quasi für unsere Kooperation werben?

Ich mache mir da Gedanken wegen der Rechnungsstellung. Bis jetzt machen wir es so, dass ich Kunden, die ich geworben habe, eine Komplettrechnung stelle und er mir eine Rechnung stellt für die Entwicklung oder eben umgedreht, bei Kunden die er geworben hat.

Wenn wir nun zusammen auftreten, wäre es dann erlaubt/ sinnvoll uns bei den Rechnungen abzuwechseln? Sonst würde derjenige, der das auf sich nimmt wahrscheinlich relativ schnell seine Umsatzgrenze überschreiten.

Ich hoffe, ihr versteht, was ich von euch will. :D

Liebe Grüße und danke schonmal!

Laura

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Jewiberg, 71

Ja natürlich geht das problemlos. Machen im Bauhandwerk viele z.B. Sanitärinstalateur, Fliesenleger, Elektriker und Bauunternehmer. Die bieten dann ein neues Bad aus einer Hand an. Ihr braucht nichts neu zu gründen.

Kommentar von trolololaura ,

Super, dankeschön! :) 

Und wie sieht das mit den Rechnungen aus? Darf man sich hier einfach "abwechseln"? 

Kommentar von WDesignWari ,

Die Rechnung kommt immer von dem, der mit dem Kunden einen Auftrag/ Vertrag hat. Wenn du z.B. einen Vertrag mit dem Kunden hast, kannst auch nur du ihm eine Rechnung schicken. Dein Bekannter stellt dir eine Rechnung, die du dann in deiner Rechnung berücksichtigst. Genau so ist es auch andersrum.

Antwort
von wfwbinder, 53

Wie ich das sehe meinst Du "Kleinunternehmen" (also Unternehmen, bei denen gem. § 19 UStG keine Umsatzsteuer erhoben wird).

Wenn ich dann lese, dass Ihr Webdesign macht, also etwas, wo die Auftraggeber fast nur Unternehmer sein dürften, frage ich mich, warum ihr die Kleinunternehmerregelung belasst udn nicht auf Regelbesteuerung optiert.

Schließlichverzichtet Ihr auf den Vorsteuerabzug, denn die Umsatzsteuer könnt Ihr ja auf die Preise aufschlagen, denn Eure Kunden haben den Vorsteuerabzug.

Kommentar von medmonk ,

Wenn ich dann lese, dass Ihr Webdesign macht, also etwas, wo die Auftraggeber fast nur Unternehmer sein dürften, frage ich mich, warum ihr die Kleinunternehmerregelung belasst udn nicht auf Regelbesteuerung optiert.

Ganz einfach, weil sicher die Grenze des Steuerfreibetrags nicht überschritten wird. Wenn die Umsätze nicht entsprechend sind (Beispielsweise KU neben Beschäftigungsverhältnis), ist die Änderung auf Regelbesteuerung nicht immer von Vorteil. Wobei man selbst als KU kann die USt abführen kann, um diverse »Vorteile« nutzen zu können. Die Umstellung selbst ist eigentlich ratzfatz erledigt. Ein Gang zum FA. Bevor man dies tut, sollte man sich aber gründlich informieren. Sei es direkt beim FA oder beim eigenen Steuerberater. 

  

Kommentar von wfwbinder ,

  Wobei man selbst als KU kann die USt abführen kann, um diverse »Vorteile« nutzen zu können. Die Umstellung selbst ist eigentlich ratzfatz erledigt. 

Im Nachhinein ist es schwierig, weil man ja die Rechnungen berichtigen möchte und evtl. Probleme mit den Kunden bekommt.

Und als Kleinunternehmer kann man nciht einfach Umsatzsteuer ausweisen. Die würde man gesondert schulden, ohne Vorsteuerabzug.

Man kann zwar bis zur Umsatzsteuererklärung umstellen, aber es ist eben nciht einfach.

Kommentar von medmonk ,

Im Nachhinein ist es schwierig, weil man ja die Rechnungen berichtigen möchte und evtl. Probleme mit den Kunden bekommt.

Bereits gestellte Rechnungen sind davon nicht betroffen bzw. irrelevant. Lediglich die nach der Umstellung geschriebenen Rechnungen müssen korrekt ausgewiesen werden. 

Und als Kleinunternehmer kann man nciht einfach Umsatzsteuer ausweisen. Die würde man gesondert schulden, ohne Vorsteuerabzug.

Die Umstellung selbst ist wie schon gesagt relativ einfach und schnell erledigt. Lediglich die damit einhergehenden Verpflichtungen werden gerne unterschätzt. Bevor man also derartiges beantragt, man sich ausreichend beraten lassen sollte. 

LG medmonk 

Kommentar von wfwbinder ,

  Bereits gestellte Rechnungen sind davon nicht betroffen bzw. irrelevant. Lediglich die nach der Umstellung geschriebenen Rechnungen müssen korrekt ausgewiesen werden.

Wenn ich im März umstelle, dann muss ich natürlich die Steuer auch für Januar und Februar abführen, denn die Umsatzsteuer ist eine Jahressteuer. Wenn ich die Umsatzsteuer für diese Monate nicht nachberechne, zahle ich aus eigener Tasche.

Antwort
von Bakaroo1976, 52

Wenn Ihr gemeinsam nach außen ersichtlich auftretet und gemeinsame Ziele verfolgt, dann habt ihr bereits eine GbR gegründet.

Wenn ich eine Website in Auftrag gäbe, würde ich schon wissen wollen, wer der Auftragnehmer ist und an wen ich mich bei Mängeln wenden kann. Wenn dann der Rechnungssteller nicht auch derjenige ist, der die Leistung erbracht hat...

Kommentar von medmonk ,

Wenn Ihr gemeinsam nach außen ersichtlich auftretet und gemeinsame Ziele verfolgt, dann habt ihr bereits eine GbR gegründet.

Nö, hier sind lediglich zwei KU die miteinander kooperieren. Sprich die Rechnung der erbrachten Leistung an den anderen gestellt wird, die wiederum als eigener Posten in die »Hauptrechnung« mit einfließt. Im größeren Rahmen ja nicht anders aussieht. Sei es eine Agentur, die bestimmte Aufgaben oder ganze Projekte outsourct. In diesem Fall jedoch die Gründung einer GbR nicht abwegig wäre. 

Wenn ich eine Website in Auftrag gäbe, würde ich schon wissen wollen, wer der Auftragnehmer ist und an wen ich mich bei Mängeln wenden kann. Wenn dann der Rechnungssteller nicht auch derjenige ist, der die Leistung erbracht hat...

Es ist völlig wurscht, ob der Dienstleister Teilaufgaben oder ganze Projekte outsourct. Als Auftragnehmer haftet genau jeder dafür. Als Kunde hat man da also keine Nachteile. Ein »Wir haften nicht, da XY...« zählt da nicht. In meinen (unseren) AGB ist diesbezüglich auch ein eigener Passus zu finden. Ob, wann, wie und in welchem Umfang wir mit Dritten zusammen arbeiten, egal ist. Wenn es Mängel gibt, haften wir dafür. 

Des weiteren besteht eine Verschwiegenheitsklausel. Sowohl zwischen uns, unseren Kunden und Geschäftspartnern. Auch wenn unsere AGB regelmäßig auf Rechtskonformität geprüft wird, eine Medienhaftpflichtversicherung nicht fehlen darf. Egal ob KU oder KMU. Eine solche sollte grundsätzlich abgeschlossen werden. Ansonsten schaufelt man sich schneller ein eigenes Grab, als einem lieb ist. 

LG medmonk  

   

Kommentar von Bakaroo1976 ,

Zitat: "Wenn wir nun zusammen auftreten, wäre es dann erlaubt/ sinnvoll uns bei den Rechnungen abzuwechseln? Sonst würde derjenige, der das auf sich nimmt wahrscheinlich relativ schnell seine Umsatzgrenze überschreiten."

Das ist die Aussage in der Frage des Fragestellers. Ein gemeinsames Nach-Außen-Auftreten bedeutet, dass Unternehmer A und Unternehmer B eine GbR begründet haben.

Meine Anmerkung bezieht sich darauf, dass ich, wenn ich einen Auftrag an Unternehmer A+B GbR (Stichwort: zusammen auftreten) vergebe, ich dann aber auch die Leistungserbringung von A+B GbR erwarte. Ob intern im einzelnen A oder B die Leistung erstellen, ist mir egal. Die Rechnung an mich sollte aber dennoch von Unternehmer A+B GbR an mich gestellt werden; nicht von Unternehmer A und auch nicht von Unternehmer B.

Kommentar von medmonk ,

Touché! ;-) Habe ich selber wohl nicht gründlich genug gelesen. Wenn es eine GbR ist, sollte sie aber auch korrekt angemeldet werden. 

Antwort
von Falkenpost, 43

Hi,

schon mal über das Thema Gewährleistung nachgedacht? Wenn du eine Rechnung stellst, das Gewerk - und damit die Gewährleistung - eigentlich von einem anderem kommt? Wie regelt ihr dies?

Gruß
Falke

Kommentar von medmonk ,

Berechtigte Frage. So haftet erst einmal der Auftragnehmer. Mit einem »Übernehme keine Haftung, da XY es verbockt hat« zählt da nicht. Daher würde ich mich bei solchen Kooperationen (so gut sie auch funktionieren mögen), doppelt und dreifach absichern. 

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