Frage von paro1, 124

Hartz IV - Vor-und Nachteile, Reformbedarf?

Hallo! Ich habe da mal eine Frage... undzwar muss ich für die Schule einen Text anfertigen über Hartz IV .. über dessen Vor-und Nachteile und ob es Reformbedarf gibt und daraus letztendlich ein Fazit ziehen. Ich bin damit aber zeimlich überfordert, da ich mich kaum mit diesem Thema beschäftigt habe und mir das Internet nicht wirklich weiterhilft! Ich wäre sehr dankbar, wenn jemand kurz Zeit hätte, um einen (sinnvollen) Text zu diesem Thema zu schreiben.

LG Paro1!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von petrapetra64, 32

Vorteil ist, es hilft Menschen in Notsituationen, über die Runden zu kommen. Nachteil ist, es wird auch gerne mal ausgenutzt von Leuten, die keine Lust zum Arbeiten haben. 

Änderungsbedarf sehe ich vor allem in dem Zuflussprinzip und die Zahlung am Monatsanfang. Das macht es Menschen sehr schwer, eine neue Arbeit aufzunehmen, da Zeiten zu überbrücken sind, wo kein Geld fliesst, während Leute im Dauerbezug einfach ihr Geld kriegen.

Ich kenne das von einem Bekannten. Immer wenn er einen befristeten oder Minijob bekommt, dann wird der Verdienst dieses Job extrem hoch angesetzt, am Monatsanfang ist der Verdienst ja nicht bekannt. Er bekommt dann nur 100 oder 200 Euro und kann seine Miete nicht zahlen. Überbrückungsdarlehen hat er beantragt, wurden aber abgelehnt, der Widerspruch dagegen auch. 

Wenn er dann endlich sein Gehalt bekommt am Ende des Monats, dann ist es ja viel weniger, als vorher angenommen, dann hat er immer noch nicht so viel Geld, als wenn er nur H4 bekommen hätte. Dann muss er den Gehaltszettel vorlegen und eine Nachzahlung beantragen. Das dauert dann wieder. Und für den kommenden Monat gibt es wieder weniger Geld, wegen der fiktiven Anrechnung.

Deshalb bedeutet Arbeiten gehen für viele erhebliche finanzielle Einbußen erst mal und Ärger mit dem Vermieter. Und bis zu dem Zeitpunkt, wo es mal besser geregelt wäre, ist der Job schon wieder hinfällig und das ganze geht von vorne los. Und durch die viele Rumrechnerei ist das ganze gar nicht mehr zu durchschauen, ob da nun alles richtig berechnet wurde und es passieren leicht Fehler. 

Und für die Sachbearbeiter ist es so viel Aufwand, dass sie gerne den Arbeitslosen raten, erst gar keinen Minijob anzufangen.

Oft gelingt es Arbeitslosen selbst mit Vollzeitjob und Mindestlohn nicht, ganz aus H4 rauszukommen. Z.B. bei den vielen Zeitarbeitsfirmen, wo nur ein gewisser Betrag aufgezahlt wird und der Rest geht auf ein Zeitkonto. 

Dieses System müßte vereinfacht werden.

Antwort
von beangato, 58

Ähm - nee. Dazu steht genug im Internet - Du musst schon selbst die Texte lesen und interpretieren.

Und Ja ,Harz IV muss weg - es diskriminiert die Menschen. Es muss was anderes dafür eingeführt werden.

Antwort
von schleudermaxe, 60

... Dank dem Schröder und den Gerichten ist doch alles in bester Ordnung.

Die einzige Änderung wäre: Die Leistungen werden komplett als Darlehen bewilligt, aber dies wird politische nicht gewünscht.

Antwort
von Annsox, 73

Ja, wenn du mal ein klein wenig darüber nachdenken würdest, dann wären längst einige Punkte zusammengekommen (und das ganz ohne Internet). Ich gehe davon aus, dass deine Eltern ein geregeltes Einkommen haben und es euch finanziell daher gut bis sehr gut geht? Stell dir vor, deine Eltern arbeiten nicht mehr und ihr würdet im Monat, jetzt mal ganz krass gesagt, nur noch knapp 400 Euro zum Leben haben. Wie stark würde das Einfluss auf dein jetziges Leben haben? Auf was müsstet ihr verzichten, welche Einschränkungen kommen auf euch zu. (Essen, schulische Laufbahn evt. Studiumfinanzierung, Miete, Gesundheit, gesellschaftliche Probleme)  Positiver Aspekt: nicht mehr arbeiten müssen, ansonsten fallen mir keine ein.

Kommentar von MAB82 ,

Positiver Aspekt: nicht mehr arbeiten müssen, ansonsten fallen mir keine ein

wie wärs mit nicht frieren, nicht verhungern, nicht auf der Straße leben, zum Arzt gehen zu dürfen usw.

Kommentar von Annsox ,

Richtig, all die Aspekte die ich aufgezählt und sich negativ auf das Leben eines Empfängers äußern könnte, ins positive umschreiben. Und dann müsste das passen. Der  ''positive Aspekt'' wirkt sich wiederum auf die Leistungsfähigkeit eines Menschen aus. Ein Mensch hat etwas gelernt und kann aus physischen Gründen vielleicht nicht mehr arbeiten, inwieweit wirkt sich das auf die Psyche auf und wie kann man diesen Zustand verändern? Möglicherweise durch das schaffen von Arbeitsplätzen und das wertschätzen jedes einzelnen Menschen. Also wenn ich ein Empfänger wäre und auf Grund dieser Tatsache stets erniedrigt werde, dann würde ich auch keine Motivation aufbringen können, irgendwas an einer Situation zu verändern. Wie man etwas an der Situation verändern kann, natürlich will nicht jeder diese Hilfe annehmen, aber Familienhilfen.. Menschen die einem Rückhalt geben, wären ein Anfang.

Kommentar von MAB82 ,

Ich war mal Empfänger von ALG 2 und es war weder erniedrigend noch demotivierend. Ich war froh über das Geld und es hat locker gereicht um mir bis zu einem neuen Job, einen ertragbaren Lebensstandard zu ermöglichen. Mehr würde ich von unserer Solidargemeinschaft nie verlangen wollen.

Kommentar von EstherNele ,

Ich habe hier zu einem anderen Beitrag kommentiert:

Ich denke, man lebt nicht sofort, wenn man erstmals Hartz IV bezieht, auf dem Niveau, welches die meisten Leute in Deutschland sich darunter vorstellen. Denn man hat sich ja einen bestimmten Standard geschaffen in der Zeit vor ALG II.

Schlimmer wird es, wenn man eine gewisse Zeit im Leistungsbezug verbleibt und es darum geht, verschlissenen oder alte kaputte Dinge zu ersetzen. Oder wenn jemand vorher nicht so viel verdient hat, dass er zum Beispiel im Alter von 40 Jahren dann 6.000 € Erspartes als Schonvermögen hat.

Wenn du jung bist, eine vernünftige Ausbildung hast, gute Chancen hast auf einen zeitnahem neuen Job, mobil bist, dann magst du recht haben.

Mit Familie bzw. Kindern zum Beispiel ist man nur sehr begrenzt oder nicht mobil, zumindest nicht kurzfristig genug für einen neuen Job am anderen Ende von DE.

ALG II ist eine Mindestsicherung, allerdings auf einem Niveau, welches die ( sicherlich gut verdienenden) Entscheider von Hartz IV  beschämen müsste ...

Schau dir mal an, was der Regelsatz für ein Kind anteilig für Schulsachen, Kultur und Bildung vorsieht ... aber alle plärren rum, dass Deutschland bei PISA so weit hinten liegt.

Das vor etwa 5 Jahren verabschiedete "Bildungs-und Teilhabe"- Paket ermöglicht die Kostenübernahme von Nachhilfekosten, wenn ein Kind einer ALG II-Familie in der Schule 5 oder 6 steht. Wenn das Kind eine 4 erreicht hat, dann gibt es sofort keine Kosten mehr vom Amt dafür ...

Statt in relativ wirkungslose Verschlimmbesserungen im SGB II Geld zu investieren und dann noch mehr Geld rauszuschmeißen, weil diese Neuregelungen derart kompliziert oder umständlich sind, dass man ganz viel Personal bindet, um diesen Quatsch zu bearbeiten bzw. zu kontrollieren ... sollte man zusehen, dass man nicht einen Großteil der nächsten Generation regelrecht abhängt.

Denn das passiert gerade, nämlich bei ganz vielen Kindern, deren Eltern im Bezug von ALG II sind. Und das sind längst nicht bloß ohnehin arbeitsscheue und bildungsferne Leute, wie uns ja die Klatschpresse so gerne vermittelt. 

Woher ich das weiß?

Ich arbeite seit 13 Jahren im Bereich Sozialarbeit / Sozialberatung. Und habe seit 2005 hauptsächlich mit Klientel "aus dem Geltungsbereich des SGB II"  (wie es so schön im Amtsdeutsch heißt) zu tun. Und da erfährst du mehr, als mancher der Macher des neuen SGB II sich in seinen schlimmsten Träumen vorstellen konnte.

Antwort
von SKR700, 52

Hartz4 ist eine Schande. Es dient einzig und allein dazu, die Schere zwischen Arm und Reich zu vergrössern. Jegliche Berufserfahrungen und Qualifikationen werden in den Schmutz gezogen und der Zwang zu Hungerlöhnen zu arbeiten bietet keine Perspektive. Hartz4 ist keine Hängematte sondern ein klebriges Spinnennetz, wo man nur sehr schwer herauskommt. Deutschland ist ein Niedriglohnland geworden, Dank Gas- Gerd und Konsorten. Dafür bekommst Du von mir eine 1.

Antwort
von eyrehead2016, 49

Hartz4 ist ganz einfach.

Nicht arbeiten gehen aber alles bezahlt bekommen. Meine Mutter ist auch Hartz4 und kann sich ein Auto auf Kredit für 13.000€ leisten.
Hartz4 sollte noch weniger Geld bekommen. Die meisten vergessen echt, dass Hartz4 nur zum Übergang bis was neues kommt sein soll und nicht zum Leben

Kommentar von EstherNele ,

Mal zur Richtigstellung: jedes Mitglied einer Bedarfsgemeinschaft darf zum Zeitpunkt, wenn er erstmals Hartz IV bezieht, ein sogen. Schonvermögen besitzen - 150 € je Lebensjahr. Dazu kommen 750 € pro Person für Anschaffungen.

Und ein Auto im Wert nicht über 7500 €. Wenn das Fahrzeug teurer ist, dann wird der übersteigende Wert beim Vermögen gegengerechnet. 

Wenn jemand es schafft, einen Kredit trotz Hartz IV abzubezahlen, wenn er vielleicht einen Minijob hat und etwas Einkommen, welches nur zum Teil auf die ALG II-Leistung angerechnet wird - warum nicht.

Ich denke, man lebt nicht sofort, wenn man erstmals Hartz IV bezieht, auf dem Niveau, welches die meisten Leute in Deutschland sich darunter vorstellen. Denn man hat sich ja einen bestimmten Standard geschaffen in der Zeit vor ALG II.

Schlimmer wird es, wenn man eine gewisse Zeit im Leistungsbezug verbleibt und es darum geht, verschlissenen oder alte kaputte Dinge zu ersetzen. Oder wenn jemand vorher nicht so viel verdient hat, dass er zum Beispiel im Alter von 40 Jahren dann 6.000 € Erspartes als Schonvermögen hat.

Wenn mal die Miete außen vor lässt - die geht ja eh an den Vermieter - dann bleibt die Regelleistung von 404 € pro Monat zum Leben für ALLES - von der Ernährung über Kleidung und Schuhe, vom Strom über Telefon, von Waschmittel, Schuhcreme, Shampoo bis zur Zuzahlung in der Apotheke, von der Kinokarte bis zum Eisbecher mal am Sonntag ... für das alles zusammen sind 404 € für eine Einzelperson nicht wirklich viel.

Wenn man verheiratet ist oder als Paar zusammenlebt, bekommt jedes Mitglied dieser BG sogar nur 364 € pro Monat.

Für Kinder gibt es altersgestaffelt weniger, Kindergeld und eventuell Unterhalt von einem getrennt lebenden Elternteil werden angerechnet.

Wenn man die Leute schnell wieder aus Hartz IV ins Arbeitsleben haben will, dann sollte man sich überlegen, was man mit Älteren macht, die nicht mehr in der Lage sind, zum Beispiel einen körperlich schweren Job im Baugewerbe zu erledigen.

Die sind ja nicht erwerbsunfähig, die können lediglich nicht mehr in IHREM gelernten Beruf arbeiten. Die haben aber auch nichts anderes gelernt. 

So viele (schlecht bezahlte) Hilfsjobs gibt es gar nicht (unabhängig davon, dass auch diese meist körperlich anstrengend sind), um all diese Menschen auf dem Arbeitsmarkt unterzubringen.

Leider hat sich keiner der Entscheidungsträger bei Einführung von ALG II darüber Gedanken gemacht, was das zum Beispiel für ältere Leute bedeutet.

ALG II hat dazu geführt, dass ganze Bevölkerungsschichten regelrecht vom gesellschaftlichen Leben abgehängt worden sind.

Und dass Arbeitgeber unanständig niedrige Löhne bieten können - weil da ja die Sicherheit ist, dass man sich vom JC als Aufstocker etwas dazu holen kann - verhungern muss also keiner.

Und alle klatschen sich auf die Schulter über ihre Heldentat mit dem Mindestlohn ...
Ein Single mit Vollzeitjob zum Mindestlohn und "angemessenen " Wohnkosten kommt zurecht, ohne sich noch was vom JC holen zu müssen, eine allein erziehende Mutter mit Vollzeitjob zum Mindestlohn und einem Kindsvater, der keinen Unterhalt zahlt - die kriegt noch mehrere Hundert Euro vom JC, weil der Verdienst zum Leben nicht reicht.

Ich habe auch kein Patentrezept, ich bin kein Wirtschafts- oder Sozialwissenschaftler, aber ich erlebe seit 2005 (Einführung vom neuen SGB II, der gesetzlichen Grundlage für ALG II) in meinem Job als Sozialarbeiter, was dieses Konstrukt für die Menschen mit einfacheren Jobs oder Ältere oder Menschen mit einem Handicap bedeutet ... 

Hartz IV ist nichts, worauf ein Land, das sich immer sozial nennt, wirklich stolz sein könnte.

Ja, eine bedingungslose Grundsicherung zum Leben ist eine soziale Errungenschaft.
Aber wie das System Hartz IV gemacht ist und dass es den Leuten kaum eine Chance lässt, dort wieder herauszukommen, das finde ich immer wieder zum Ko ...

Kommentar von eyrehead2016 ,

Meine Mutter bescheißt das Amt von vorne bis hinten. Sie bekommt Bezüge, die sie gar nicht bekommen dürfte und einen Minijobs oder so hat sie auch nicht. Dafür ist sie viel zu faul.

Das ist die Wahrheit. Punkt.

Kommentar von EstherNele ,

Jedes Gesetz kann man für eine gewisse Zeit umgehen oder auch jedes Amt besch...en. Wenn man bei euch im Amt so schusslig ist ...

Dann ist deine Mutter aber nicht der typische ALG II-Empfänger. 

Wenn du das Verhalten deiner Mutter verallgemeinerst für alle ALG II-Bezieher, dann ist das auch nicht besser als das, was diverse Revolverblätter immer machen.

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