Frage von blubb94, 93

Folgen einer Räumungsklage für den Mieter?

Hallo zusammen,

zur Situation: mein Schwiegervater in Spe hat 2 Wohnungen. In der einen Wohnen z.Z. meine Freundin mit Kind und ich. In der anderen ein externer Mieter. Unsere aktuelle Wohnung ist zu klein und somit wurde dem aktuellen Mieter der großen Wohnung (alleinstehend) wegen Eigenbedarf gekündigt. Die Kündigungsfrist läuft am 31.08.2016 aus. Es wurde kein schriftlicher Einspruch gegen die Kündigung eingelegt. Da der Mieter ein absoluter Laumalocher ist, hat er sich viel zu spät um eine neue bleibe gekümmert und verlangt nun, dass er mindestens einen Monat länger in der Wohnung bleibt. Er ist einfach blauäugig und erkennt den Rattenschwanz nicht, den er mit sich zieht. Für unsere aktuelle Wohnung ist auch schon ein Nachmieter gefunden! Heute sagte er folgendes: "ich werde mindestens einen Monat länger bleiben und wenn Ihr das nicht akzeptiert, dann bleibe ich halt ein ganzes Jahr noch hier hocken, bis die Räumungsklage wirkt." Angeblich hat er sich ein haus gekauft, aber nun gibt es einen dicken Zoff zwischen Bank, Verkäufer und Ihm..

zu meinem Anliegen: Am Samstag setzen wir uns alle zusammen. der beschriebene Mieter, der Vermieter und ich. Ich benötige Fakten und am besten Beispiele die Ihn davor abschrecken soweit zu gehen! Also was kostet das verfahren für Ihn? welche kosten muss er tragen? ist man dan vorbestraft? und und und. alle Fakten die einen davon abhalten eine Räumungsklage zu provozieren.

PS.: Mit Vernunft ist ihm nicht beizuwohnen

Danke euch!! LG blubb

Antwort
von marcussummer, 50

Vergiss abschreckende Beispiele für den Mieter, die Realität wird da eher die Vermieterseite erschrecken! 

Mit Vorstrafe hat das nix zu tun, es handelt sich um eine rein zivilrechtliche Streitigkeit. Die Kosten einer Räumungsklage hängen im Wesentlichen von der Höhe der Kaltmiete ab (Gegenstandswert für das gerichtliche Verfahren über die Räumung einer Wohnung ist die Jahresnettokaltmiete) und können je nach Umfang eventueller anwaltlicher Tätigkeiten und Miethöhe stark variieren. Bei einer Monatskaltmiete von 600 Euro ergeben sich im streitigen Verfahren ohne Vergleich auf eurer Seite Anwaltskosten nach RVG von 1.380,40 Euro zuzüglich Gerichtskosten von 609 Euro, insgesamt als knapp 2.000 Euro. Falls der Mieter pleite (oder zumindest unpfändbar) ist, wird der Vermieter auf diesen Kosten aber in vielen Fällen wirtschaftlich sitzen bleiben oder zumindest lange auf die Erstattung warten müssen.

Das Problem ist zudem, dass eine streitige Räumungsklage regelmäßig frühestens nach einem halben Jahr durch Urteil entschieden wird. Je nach Verteidigungsverhalten können aber mit Berufungsverfahren auch durchaus mehr als zwei Jahre ins Land gehen, bis ein rechtskräftiges Räumungsurteil vorliegt. Und die Urteile haben häufig auch noch soziale Räumungsfristen. Das weiß der Mieter offenbar - und ihr solltet es auch wissen, um ihn nicht unnötig zu provozieren.

Ich würde ehrlich gesagt aus taktischen Gründen zumindest vorläufig ein eher freundlich verhandelndes Verhalten wählen. Denn der Mieter zieht nicht aus, wenn ihr mehr Druck macht. Sondern erst wenn er eine neue Wohnung hat!

Kommentar von schelm1 ,

Sie haben bei Ihrer Überlegung vollkommen außer Acht gelassen, dass es hier um eine Existentielle Frage auf Mietersete geht!

Der Mieter hängt eingedenk seines hakenden Kaufvertrages in einer Zwickmühle, die ihn verdammt teuer zu stehen kommen kann.

Der Vermieter kann sich beruhigt zurücklehnen, wenn die Klage einmal eingereicht ist.

Für ihn spielt die Zeit, während der Mieter immer mehr unter Druck gerät!

Kommentar von marcussummer ,

Kommt drauf an, was man als vorrangiges Ziel des Vermieters ansieht. Ich hatte die Frage so verstanden, dass der Vermieter ein großes Interesse daran hat, die Wohnung so schnell wie möglich zu erhalten. Dem Mieter wirtschaftlich weiteren Schaden in Form einer Klage bzw der dadurch anfallenden Kosten anzudrohen mag diesen zwar motivieren, etwas schneller nach einer Bleibe zu suchen. Aber den Erfolg kann das nicht herbeiführen. Und der Mieter wird erst ausziehen, wenn er was neues hat.

Und ich entnehme der Frage keine eindeutigen Hinweise darauf, dass der Mieter bislang tatsächlich ernsthaft nach einer neuen Wohnung sucht oder auch nur die Finanzierung eines Hauses projektiert hat. Die Drohung, sonst noch ein ganzes Jahr drin zu bleiben klingt eher nach einem Chaoten. Der möglicherweise kein Darlehen bekommt. Darauf deuten auch "dicker Zoff mit der Bank" und "Laumalocher" hin...

Kommentar von schelm1 ,

Und der Mieter wird erst ausziehen, wenn er was neues hat.

Dieser Mieter "hängt"  in einem Kaufvertrag! Platz der aus welchen Gründen auch immer, drohen Verluste - die wird der Mieter nur ungerne in Kauf nehmen und sich beugen! 

Kommentar von marcussummer ,

Ob der tatsächlich hängt, weiß der Fragesteller nicht sicher... und eine eventuelle Klage wird erst nach mehreren Monaten zu einem Titel führen. Und wenn der Mieter dann schnell zahlt noch nicht mal ins Schuldnerverzeichnis eingetragen. Insofern hat es der Mieter absolut selber in der Hand, was passiert. Und selbst wenn er ein Haus oder eine Wohnung finanziert: Wer das versucht, spricht in der Regel über Summen, angesichts derer die Kosten einer Räumungsklage eher weniger dramatisch wirken.

Expertenantwort
von bwhoch2, Community-Experte für Mietrecht, 14

Der Rattenschwanz besteht aus:

1. Räumungsklage und alle damit verbunden Kosten.

2. Nutzungsausfallentschädigung, die höher sein kann, als die bisherige Kaltmiete und insbesondere auch Eure zwischenzeitliche Unterkunft abdecken muss (Pension, Ersatzwohnung bis Eure frei ist usw.)

3. Falls der Mieter wirklich in der Lage ist, sich ein Haus zu kaufen, ist
bei ihm auch Geld zu holen. Falls er das Haus dann endlich gekauft hat,
ggf. durch Eintrag einer Zwangsgrundschuld auf seine Immobilie und
Einleitung einer Zwangsversteigerung. (Das könnte man ihm durchaus
blumig ausmalen!)

Demgegenüber könnt ihr aber auch was setzen und zwar um so leichter, falls es eine Kaution gibt.

Bietet ihm an, dass er 1000 € in bar bekommt, wenn er bis sp. 31.8. die Wohnung verlassen hat und Euch besenrein und ohne größere Schäden übergeben hat und dass er sofort zwei Drittel seiner Kaution bekommt. Nicht erst nach längerer Wartezeit.

Das ist ein Lockmittel, das in solchen Fällen durchaus angebracht ist, denn selbst wenn man im Falle eines Prozesses beste Gewinnaussichten hat, ist es allemal besser, ohne Stress schnellstmöglich in die Wohnung zu kommen, als noch monatelang mit Anwälten und Gericht zu tun zu haben.

Expertenantwort
von anitari, Community-Experte für Mietrecht, 38

Eine Räumungsklage kostet erst mal den Eigentümer/Vermieter einen Haufen Geld. Was genau kann man nicht sagen. Aber so so ab 3.000 aufwärts können es schon sein.

Denn der muß das alles "vorstrecken". Kann aber den Mieter schadensersatzpflichtig machen. Nur was nutzt ihm das wenn der Mieter kein Geld hat?

Der kann das auf einer A...backe aussitzen und man hat als Vermieter Null Chance.

Da hier keine Straftat vorliegt ist der Mieter im Falle einer Räumungsklage auch nicht vorbestraft.

Mein Rat darum, sich, auch wenns schwer fällt, mit dem Mieter einigen. Denn der sitzt momentan am längeren Hebel.

Kommentar von schelm1 ,


Eine Räumungsklage kostet erst mal den Eigentümer/Vermieter einen Haufen Geld.

Stimmt!

Im Unterschied zum Mieter suhlt sich der Vermieter in den gesammelten Kaltmieterträgen vergangener Jahre, die er locker verprozessieren kann.

Obsiegt er, fließt das Geld wieder an ihn zurück, indem es für den Häuslekäufer, dessen Finazierung hakt zur zusätzlichen Belastung mutiert.

Der Mieter wird das erkennen und die Nerven verlieren!?!

In diesem Falle, wo aufgrund eines Räumugnsbeschlusses sehr wohl die Bonität des Mieters gegenüber der Bank leiden könnte, ist der Vermieter in einer starken Position.

Kommentar von DerHans ,

Wenn der Mieter auf stur schaltet, kann das Verfahren gerne mal 2 Jahre dauern. Selbst wenn er dann die Mietzahlung vollkommen einstellt, bekommt man ihn nicht schneller raus.

Leute, die so weit sind, pfeifen auf ihr "Bonität".

Wo nichts ist, hat der Kaiser sein Recht verloren.

Kommentar von johnnymcmuff ,

Im Unterschied zum Mieter suhlt sich der Vermieter in den gesammelten Kaltmieterträgen vergangener Jahre, die er locker verprozessieren kann.

Ja ne is klar und die Erde ist eine Scheibe.

Alle Vermieter sind stinkreich, müssen keine Steuern zahlen und müssen auch keine Reparaturen durchführen. Verwaltungskosten haben sie natürlich auch nicht.

Daher können sie die Komplette Kaltmiete an die Seite legen.

Ironie off.

Antwort
von DerHans, 48

Wenn die Kündigung ihm rechtzeitig zugestellt wurde, gilt sie auch.

Dann kann man ihn zwar nicht einfach vor die Tür werfen, aber am dem 1.9. befindet er sich im Verzug. Er ist für alle Kosten, die durch seine Verzögerung entstehen, haftbar.

Ob bei ihm etwas zu holen ist, ist natürlich eine andere Frage.

Kommentar von DerHans ,

Eine Möglichkeit wäre gewesen, eure Wohnung zum Tausch anzubieten. Für einen Alleinstehenden wäre diese ja groß genug.

Jetzt wird die Möglichkeit aber nicht mehr offen stehen. Da der Fall strittig geworden ist.

Kommentar von blubb94 ,

Ist Ihm von Anfang an angeboten worden! Mit der Aussage, dass er auf 70 qm niemals leben könnte, hat er das undankbar abgelehnt.

Wenn Ihm nachzuweisen ist, dass er bereits Eigentum gekauft hat und einfach nur mit der Renovierung nicht voran kommt, da er stinkefaul ist, gibt es dann auch keine rechtliche Möglichkeit Ihn schneller dort raus zu bekommen?

Kommentar von DerHans ,

Das nützt euch überhaupt nichts.

Höchstens vor Gericht, da ihr damit belegen könnt, dass ihr ihn ja nicht auf die Straße setzt.

Antwort
von schelm1, 27

Da Vernunft ausscheidet, können Sie sich den voraussichtlich fruchtlosen Termin unter Zeugen schenken!

Er hat angeblich ein Haus gekauft. In aller Regel sind bei jedem Hauskauf Eigenmittel im Spiel, deren Verlust im Falle, dass die Finazierung scheitert, sehr wahrscheinlich wird. Die Finanzierung scheint zu haken.

Bauen Sie darauf ein Drohszenario auf. Räumungsklage mit Kosten für den Mieter.

Hier geht es nicht um einen Kleinkrieg zwischen Mieter und Vermieter, sondern für den Mieter um eine existentielle Frage!

Mit einem Räumungsbeschluß ist ein vollstreckbarer Titel gegen ihn im Verkehr, der seinen Niederschlag im Schuldnerverzeichnis findet.

Mal sehen, ob er es tatsächlich auf die Räumungsklage ankommen läßt, nachdem Sie ihm aufgrund des Vieraugengespräches einen Gesichtsverlust einstweilen erspart haben!

Wetten, dass er einknickt!?!

Antwort
von dermick74, 36

Also ich bin kein Fachmann, aber ein paar Antworten hab ich vielleicht doch.

Erstmal ist es wichtig ob eure Kündigung auch mit einer entsprechenden Frist gekündigt wurde. Sollte dies so sein, dann ist die Kündigung wirksam.
Somit ist dann der jetzige Mieter zwar im Verzug, ABER wenn er einfach da bleibt.....dann ist das so !
Leider hast Du keine Möglichkeit ihn einfach so vor die Tür zu setzen.

Bis Du die Räumungsklage durch hast, kann tatsächlich bis zu einem Jahr vergehen und die ganzen Kosten ( um die 10000 Euro ) wirst Du erstmal vorstrecken müssen.

Ob dann danach irgendwas bei dem Menschen zu holen ist, ist ja auch fragwürdig.

Auch wenn es Dir garnicht in den Kram passt wäre eine Absprache/ Einigung für euch viel viel günstiger und vor Allem mit sehr viel weniger Ärger und Lauferei verbunden.

Expertenantwort
von johnnymcmuff, Community-Experte für Miete, Mietrecht, Vermieter, 9

Sich einigen ist günstiger als eine Räumungsklage.

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