Frage von Oskar810, 70

Erbrecht Vaterschaft...?

Hallo,

folgender Fall: Ein Mann hat in den 60er-Jahren vor seiner heutigen Ehe ein Verhältnis, aus der ein Kind abstammt. Er hatte damals die Vaterschaft anerkannt und zahlte Unterhalt bis zur Vorlendung des 18. Lebensjahres des Kindes. Die Anerkennung der Vaterschaft basierte vermutlich auf einem Vaterschaftstest, für den der Vater nie eine Einverständniserklärung unterzeichnet hat. Aus der heutigen Ehe gehen 3 Kinder hervor. Frage: Ist die Anerkennung der Vaterschaft heute anfechtbar? Wenn nein, in wie weit ist das uneheliche Kind heute erbberechtigt?

Danke.

MfG

Antwort
von Gerneso, 66

in wie weit ist das uneheliche Kind heute erbberechtigt?

HEUTE? Aktuell lebt der Vater doch noch, von daher gibt es ja auch nichts zu erben. Im Todesfall sind alle Kinder gleich erbberechtigt. Ob die Kinder geplant waren oder der Verstorbene mit der Mutter der Kinder verheiratet war, spielt keine Rolle.

Aber natürlich darf man zu Lebzeiten Kinder bevorzugen und beispielsweise großzügig beschenken, so dass gewisse Dinge gar nicht mehr in die Erbmasse kommen. Das sollte aber nicht erst auf dem Sterbebett passieren sondern idealerweise 10 Jahre oder länger bevor der Vater stirbt.

Kommentar von Oskar810 ,

Heut noch nicht, aber der Fall wird früher oder spatter eintreten. Ich frage lieber schon heute. Ich gehe davon aus, dass das im Streitfall eine langwierige Geschichte wird.

Konkret handelt es sich dabei um meinen Vater, der mir kürzlich ein "Geständnis" abgelegt hat.

Da er zu der Zeit nicht liquid war, hatte er die Vaterschaft blind anerkannt...obwohl er sich sicher war, dass er nicht der biologische Vater ist

Kommentar von Gerneso ,

Egal wie es zustande kam, er ist der eingetragene Vater und zwar auf eigene Zustimmung hin. Wenn er möchte, dass das "Kind" nichts erbt, muss er dafür sorgen, dass es nichts zu erben gibt.

Das kann er tun indem er alles frühzeitig auf diejenigen Personen überschreibt, von denen er möchte, dass sie es bekommen. Bei einem Haus z. B. kann er sich so absichern, dass es zwar überschrieben wird, aber er lebenslanges Wohnrecht bekommt und das Haus nicht beliehen werden darf ohne seine Zustimmung solange er lebt, etc. Ebenso kann er Konten einrichten, die z. B. auf seine Frau laufen, und nicht auf ihn, die fallen dann auch nicht in die Erbmasse.

Enterben kann er das Kind nicht.

Antwort
von ichweisnix, 37

Ist die Anerkennung der Vaterschaft heute anfechtbar?

Dafür müßte man vor kurzen von Gründen erfahren haben, die gegen eine biologische Vaterschaft sprechen.( Die Frist beträgt 2 Jahre ab Kenntniss der Gründe die gegen eine Vaterschaft sprechen). Ferner kann nicht jeder die Vaterschaft anfechten, sondern jetzt nur der Mann der die Vaterschaft anerkannt hat, die Mutter und das Kind. 

Da er zu der Zeit nicht liquid war, hatte er die Vaterschaft blind anerkannt...obwohl er sich sicher war, dass er nicht der biologische Vater ist

Wenn er bei der Anerkennung davon ausgegangen ist, nicht der Vater zu sein, wäre die zwei Jahres Frist schon abgelaufen.

vermutlich auf einem Vaterschaftstest, für den der Vater nie eine Einverständniserklärung unterzeichnet hat

Wenn der Vater die Vaterschaft wirksam anerkannt hat, zählt diese Anerkennung unabänig von der Motivation. (Solange sie nicht auf Drohung etc beruht.)  Wenn ferner die biologische Vaterschaft besteht, läuft jede Anfechtung ohnehin ins Leere. Mehr noch, solange für das Kind keine andere Vaterschaft besteht, ist die Feststellung der Vaterschaft jederzeit möglich, selbst noch nach den Tod des Vaters.

Was sich seit den 60ern aber deutlich geändert hat, sind die Möglichkeiten und die Zuverlässigkeit der Abstammungsgutachten.

Wenn nein, in wie weit ist das uneheliche Kind heute erbberechtigt?

Für das Erbrecht kommt es nur auf die Vaterschaft an. Ob das Kind ehelich oder unehelich ist, ist dabei egal. Einzige Besonderheit ist, das eheliche Kinder automatisch Kinder des Ehegatten der Mutter sind.


Antwort
von Michi1010, 45

Da das Erbrecht und die Vaterschaftsanerkennung ein sehr grosses Gebiet mit weitrechenden Konsequenzen ist, empfehle ich einen fachkundigen Anwalt zu fragen.

Nur soviel: Eine Vaterschaft kann nur bei vorliegen einiger Gründe,z.B. Unfruchtbarkeit des Mannes nach Bekanntwerden innerhalb von 2 (?) Jahren angefochten werden. Eheliche und Uneheliche Kinder sind in der Erbfolge weitesgehend gleichgestellt.

Kommentar von ichweisnix ,

Eine Vaterschaft kann nur bei vorliegen einiger Gründe,z.B. Unfruchtbarkeit des Mannes nach Bekanntwerden innerhalb von 2 (?) Jahren angefochten werden.

Nein, es geht um Gründe die gegen die Vaterschaft sprechen. Die können vielfällig sein.

Antwort
von peterobm, 70

Er hatte damals die Vaterschaft anerkannt

damit ist es das leibliche Kind und voll erbberechtigt. Sollten erhebliche Zweifel vorhanden sein, so kann es durch ein gerichtlich angeordneten Vaterschaftstest nachgewiesen werden. Nach über 50 Jahren kann aber durchaus eine Verjährung stattgefunden haben.

für den der Vater nie eine Einverständniserklärung unterzeichnet hat

muss er auch nicht, wird vom Gericht verfügt

Antwort
von aribaole, 30

Anfechtbar wohl nicht mehr. Erbrecht ... ja, es gibt heute keinen Unterschied mehr zwischen Un/Ehelich. Erkundige dich doch mal bei einem Anwalt oder im Amtsgericht.

Antwort
von wedsawetrtzg, 52
  1. Uneheleiche Kinder sind voll erbberechtigt
  2. Die Anerkennung ist nicht anfechtbar. Mit welcher Begründung auch?
Kommentar von Oskar810 ,

zu 2.

Weil es berechtigte Zweifel an der Vaterschaft gibt!!!

Kommentar von wedsawetrtzg ,

Das klingt für mich, als wenn ihr einen Erben ausschließen wollt. Wenn der Erblasser die Vaterschaft anerkannt hat, ist der Drops gelutscht. Zudem hast du doch selbst geschrieben, dass Grundlage der Anerkennung ein Vaterschaftstest war. Was gibt es da da für Zweifel?

Kommentar von Oskar810 ,

Er hatte den Vaterschaftstest nie gesehen...die Mutter hatte das aber behauptet. Es gibt definitive keinen gerichtlich angeordneten Vaterscahftstest.

Und NEIN: Es geht nicht darum, einen Erben auszuschließen. Es geht nur darum, die Erbberechtigung festzustellen. Schließlich wurden unter Umständen auf Basis der Unwissenheit des potentiellen Vaters 18 Jahre lang (eventuell unberechtigt) Unterhalt bezogen.

Kommentar von imager761 ,

Schließlich wurden unter Umständen auf Basis der Unwissenheit des potentiellen Vaters 18 Jahre lang (eventuell unberechtigt) Unterhalt bezogen.

Selbst wenn: Dass eurer Vater als künftiger Erblasser euer (lediglich vermutetes) Erbe durch Anerkennung einer weiteren Vaterschaft, gar unberechtigte Unterhaltszahlungen ("Kuckuckskind") schmälert(e), geht euch nicht das Geringste an :-O

Lebzeitig ist jeder in der Verwendung, mithin auch Verschwendung seines Vermögens völlig frei und schuldet weder seinen "richtigen" Kindern noch potentiellen Erben Rechenschaft, Zustimmung oder Rechtfertigung darüber, wofür es es jemals ausgab oder was er Ihnen einmal hinterlässt :-O

G imager761

Kommentar von Oskar810 ,

Ihrem Kommentar entnehme ich, dass Sie mir irgendeine "Gier" unterstellen wollen. Sparen Sie sich das bitte. Ich habe im Auftrag meines Vaters eine Sachliche Frage gestellt und erwarte nicht mehr und nicht weniger eine sachliche Antwort. Wenn sich meinen, irgendetwas hinen interpretieren zu müssen, sind sie als "Berater" hier eher fehl am Platz.

Was mich etwas angeht, geht sich einen feuchten Kehricht an!!!

Kommentar von ichweisnix ,

Die Anerkennung ist nicht anfechtbar.

Das sowieso, es geht um die Vaterschaft. Und da kommt es darauf an, wann die Tatsachen den Anfechtungsberechtigten bekannt werden, die gegen eine Vaterschaft sprechen.

Insbesondere das Kind könnte, wenn es erst jetzt von den Zweifeln  erfährt die Vaterschaft anfechten.

Antwort
von imager761, 21

Ist die Anerkennung der Vaterschaft heute anfechtbar?

Nein. 

in wie weit ist das uneheliche Kind heute erbberechtigt?

Gleichberechtigt zu allen (auch adoptierten) Abkömmlingen des Erblassers - ggf. neben der Ehefrau - n.  §1924 BGB.

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