Frage von YueYuki, 79

Einkommensteuer als befristeter freiberuflicher Illustrator?

Hallo alle zusammen. Ich hoffe hier kann mir jemand von euch weiterhelfen. Ich habe jetzt eine Ewigkeit rumgegoogled und bin jetzt ehrlich gesagt verwirrter als vorher. :D

Daher kurz zu meiner Situation: Bis Ende Januar bin ich noch Student, aber ab Februar oder vielleicht schon früher habe ich ein Angebot bekommen, als Freelancer für eine Firma als Illustrator zu arbeiten. Das werde ich voraussichtlich höchstens 2 Monate tun. Soweit weiß ich, dass ich als freiberuflicher Illustrator kein Gewerbe anmelden muss. Ich will mich schon seit Tagen mit dem Finanzamt in Verbindung setzen, aber das ist zum Jahreswechsel etwas schwierig. Deshalb hoffe ich hier etwas früher eine Antwort zu bekommen, bevor ich den Rest später abkläre. Im Internet habe ich diverse Dinge gelesen, darunter, dass die Einkommenssteuer erst ab einem Betrag von rund 8500 € Gewinn im Jahr fällig wird. Im Moment plane ich nur für diese höchstens zwei Monate als Freelancer zu arbeiten und mir dann eine Designagentur zu suchen, wo ich dann fest angestellt bin (gehe also davon aus, dass ich nicht 8500 € verdienen werde für diese Zeit). Bedeutet das, dass ich keine Einkommenssteuer oder generell gar keine Steuer berechnen muss? Oder was mache ich jetzt am besten? Da ich mich da gar nicht auskenne hoffe ich, dass mir jemand weiter helfen kann und mir sagen kann was ich alles machen/beachten muss. Im Moment bin ich einfach nur verwirrt und unsicher.

Danke schonmal im Vorraus!

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von Steuerbaer, 41

Die Einkommensteuer ist eine Jahressteuer. Dabei werden alle Einkünfte, die in einem Kalenderjahr bezogen werden zusammengerechnet. In dem Beispiel werden also die Einkünfte aus der freiberuflichen Tätigkeit mit den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit am Jahresende addiert. Davon werden dann noch weitere Positionen abgesetzt (z.B. Vorsorgeaufwendungen, Spenden). So erhält man das "zu versteuernde Einkommen". Wenn dieses den Betrag von 8652 Euro (2016) übersteigt, wird eine Einkommensteuer fällig.

Wenn man in einem Jahr neben dem Arbeitslohn noch Nebeneinkünfte erzielt, von denen kein Lohnsteuerabzug vorgenommen wird, ist man zur Abgabe einer Einkommensteuererklärung verpflichtet, wenn der Gewinn aus dieser Nebenbeschäftigung höher als 410 € gewesen ist. Dafür erstellst Du zu einen eine Übersicht über die Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben (die Anlage EÜR kann - muss aber nicht zwingend dafür verwendet werden) um so den Gewinn aus selbständiger Arbeit festzustellen. Diesen überträgst Du dann in die Anlage S. Da der Gewinn laut deinen Aussagen wohl nicht so hoch ausfallen wird, ist es nicht nötig Einkommensteuervorauszahlungen zu leisten.

Eine kurze Mitteilung gegenüber dem Finanzamt, dass Du eine selbständige Arbeit aufgenommen hast, ist aber auf jeden Fall sinnvoll. Du erhältst dann einen Fragebogen zur steuerlichen Erfassung. Den füllst Du aus und sendest ihn zurück - da bist du auf der sicheren Seite. Eine Gewerbeanmeldung erscheint mir auch nicht nötig, da es sich bei der Illustration um eine künstlerische Tätigkeit i.S. § 18 Abs. 1 EStG handelt.

Worüber du dir auch Gedanken machen solltest ist ggf. die Umsatzsteuer. Umsätze, die die Einräumung, Übertragung und Wahrnehmung von Rechten (hier bezogen auf das Urheberrecht, da Dein Auftraggeber die Illustrationen ja bestimmt weiter verwenden möchte), die sich aus dem Urheberrechtsgesetz ergeben, unterliegen dem ermäßigtem Steuersatz von 7%. Diese müsstest Du berechnen oder du wendest die Kleinunternehmerregelung an (bei Umsätzen bis 17.500 Euro). Da du nur 2 Monate selbständig bist, ist die Kleinunternehmerregelung sicher die einfachste Option. Wenn Du aber eventuell doch über einen längeren Zeitraum als Freelancer tätig sein solltest, könnte es sinnvoll sein über die Option als regelbesteuerter Unternehmer nachzudenken, da du ja ein Unternehmen als Auftraggeber hast und damit dann selbst vorsteuerabzugsberechtigt wärst. Dies solltest Du dann aber, wenn der Fall eintreten sollte, mit einem Steuerberater abklären, was dann die beste Alternative ist.





Kommentar von YueYuki ,

Erstmal vielen Dank für die ausführliche Antwort, das hat auf jeden Fall schon mal einige meiner Fragen geklärt! Wenn es in Ordnung ist hätte ich noch ein paar Folgefragen:

Die Einkommensteuer ist eine Jahressteuer. Dabei werden alle Einkünfte, die in einem Kalenderjahr bezogen werden zusammengerechnet. In dem Beispiel werden also die Einkünfte aus der freiberuflichen Tätigkeit mit den Einkünften aus nichtselbständiger Arbeit am Jahresende addiert. Davon werden dann noch weitere Positionen abgesetzt (z.B. Vorsorgeaufwendungen, Spenden). So erhält man das "zu versteuernde Einkommen". Wenn dieses den Betrag von 8652 Euro (2016) übersteigt, wird eine Einkommensteuer fällig. 

Wenn das ganze Einkommen des Jahres zusammengerechnet wird, könnte es dann sein, dass ich letzten Endes sogar Verlust mache durch die kurze freiberuflichen Tätigkeit, selbst wenn ich da nicht viel verdiene? Oder muss ich mir da keine Sorgen machen (ich gehe davon aus, dass ich für 1-2 Monate höchstens 4000 € verdienen werde).

Diese müsstest Du berechnen oder du wendest die Kleinunternehmerregelung an (bei Umsätzen bis 17.500 Euro). Da du nur 2 Monate selbständig bist, ist die Kleinunternehmerregelung sicher die einfachste Option.

Ich habe recherchiert, dass diese Kleinunternehmerregelung im Fragebogen des Finanzamtes auftauchen wird. Soweit ich das verstanden habe muss ich dann also nur angeben, dass ich von dieser Anspruch machen muss und dann fällt dieser Betrag weg, solange es bei dieser kurzen Tätigkeit als Freiberufler bleibt? Sehe ich das so richtig oder muss ich noch mehr beachten?

Ich hoffe die Fragen sind nicht lästig! Vielen Dank nochmal bis hierhin.

Kommentar von Steuerbaer ,
Wenn das ganze Einkommen des Jahres zusammengerechnet wird, könnte es dann sein, dass ich letzten Endes sogar Verlust mache durch die kurze freiberuflichen Tätigkeit, selbst wenn ich da nicht viel verdiene? Oder muss ich mir da keine Sorgen machen (ich gehe davon aus, dass ich für
1-2 Monate höchstens 4000 € verdienen werde).

Wenn der Gewinn bei ungefähr 4000 € liegt kommt es auf die Höhe der anderen Einkünfte an. Der Eingangsteuersatz liegt bei ca 14 %, der Spitzensteuersatz bei 45 %. Je nach Einkommen wird also ein Anteil zwischen 14 und 45 % von dem Gewinn abgezogen.

Ich habe recherchiert, dass diese Kleinunternehmerregelung im Fragebogen
des Finanzamtes auftauchen wird. Soweit ich das verstanden habe muss
ich dann also nur angeben, dass ich von dieser Anspruch machen muss und
dann fällt dieser Betrag weg, solange es bei dieser kurzen Tätigkeit als
Freiberufler bleibt? Sehe ich das so richtig oder muss ich noch mehr
beachten?

Exakt richtig. Das wird auch mit beim Fragebogen zur steuerlichen Erfassung erfragt.

Antwort
von kevin1905, 29

Im Internet habe ich diverse Dinge gelesen, darunter, dass die
Einkommenssteuer erst ab einem Betrag von rund 8500 € Gewinn im Jahr
fällig wird.

Nicht der Gewinn, sondern das zu versteuernde Einkommen ist relevant. Der Grundfreibetrag liegt aktuell bei 8.652,- € (2016) für Ledige.

Bedeutet das, dass ich keine Einkommenssteuer oder generell gar keine Steuer berechnen muss?

Als Angestellter ist dein Arbeitgeber für die korrekte Abführung der Lohnsteuer verantwortlich. Deine Aufgabe ist es ihm dies durch Vorlage der Steuer-ID zu ermöglich (Minijob braucht keine). Die einbehaltene Lohnsteuer ist eine Vorauszahlung auf die geschuldete Einkommensteuerlast.

Als Selbständiger zieht dir niemand was ab. Du bist für das Erklären und Abführen der Steuern selbst verantwortlich. Reicht der Lohnsteuerabzug deiner Anstellung nicht aus deine Steuerschuld zu decken, müsstest du nachzahlen, ansonsten gibt es ggf. eine Erstattung.

Die Abgabe der Einkommen- und Umsatzsteuererklärung ist für dich verpflichtend.

Mit wem rechnest du in der Selbständigkeit ab und welche Umsätze schätzt du?

Da ich mich da gar nicht auskenne hoffe ich, dass mir jemand weiter
helfen kann und mir sagen kann was ich alles machen/beachten muss.

Als Selbständiger hast du Buchführungspflichten. Alles sammeln und auflisten was an Umsatz rein kommt und vor allem in deinem Interesse die Betriebsausgaben erfassen. Betriebsausgaben, die du nicht belegen kannst werden nicht berücksichtigt.

Kommentar von YueYuki ,

Nicht der Gewinn, sondern das zu versteuernde Einkommen ist relevant. Der Grundfreibetrag liegt aktuell bei 8.652,- € (2016) für Ledige.

Danke, das meinte ich. Da ich vermutlich kaum Ausgaben haben werde habe ich nicht genau auf die Formulierung geachtet. :)

Mit wem rechnest du in der Selbständigkeit ab und welche Umsätze schätzt du?

Bin mir leider nicht sicher, was mit "wem" gemeint ist (meinem Arbeitgeber?), aber ich erwarte für die 1-2 Monate einen Umsatz von allerhöchstens 4000 €, es besteht aber auch die Möglichkeit dass es um einiges weniger wird.

Danke für die bisherige Antwort.

Kommentar von kevin1905 ,

Bin mir leider nicht sicher, was mit "wem" gemeint ist

Irgendjemandem stellst du ja eine Rechnung und erhälst dafür z.B. ein Honorar.

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