Frage von Schoseff, 151

Ein LKW hat ein Teil aufgeschleudert und mir die Frontscheibe eingeschlagen. Die Haftpflichtversicherung des LKW's weigert sich zu zahlen. Was kann ich tun?

  • Ich habe nach der Kollision gehupt und der LKW ist weitergefahren, ich bin gleich an der Ausfahrt raus um den Schaden genauer zu beurteilen. 
  • Die Polizei verwies mich an die Versicherung, da es nur Sachschaden sei
  • Die Versicherung des LKW's sagt, der Fahrer habe nichts mitbekommen, es gäbe keine Zeugen und somit sei es Aussage gegen Aussage.
  • Die Versicherung hat einen Schadensinspektor in die Garage wo das Fahrzeug für über 2200.- repariert wurde geschickt und der hat den Schaden bestätigt
Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von LiselotteHerz, 151

In diesem Fall würde ich einen Aufruf starten "Zeuge gesucht, wer ist am ... um ..... auf dem Autobahnabschnitt .... gefahren und kann bestätigen, dass der mir voranfahrende Lkw die Fronstscheibe zerschmettert hat". Weiterhin würde ich mich an das Unternehmen wenden, wo der Lkw-Fahrer angestellt bzw. versichert ist. Da Du ja bereits die Versicherung kennst, weißt Du ja auch, wie der Fahrzeughalter heißt. Nur - da könnte ich ja lachen, Frontscheiben sind sehr teuer. lg Lilo

Kommentar von Buerger41 ,

Erläutern Sie mir doch einmal, warum Sie meinen, dass ein Anspruch besteht.

Expertenantwort
von DerHans, Community-Experte für Versicherung, 124

Theoretisch könntest du dir ja bei jedem Schaden einen x-beliebigen LKW aussuchen und dann behaupten, dass der Schaden so passiert ist, wie du es jetzt schilderst.

Eine solche Behauptung muss man BEWEISEN.

Kommentar von Schoseff ,

Genau deswegen stelle ich ja hier diese Frage, da sich die Versicherung hinter einer Aussage-gegen-Aussage versteckt. Ich habe den genauen Ort und die genaue Zeit angegeben, habe versucht den LKW auf den Schaden aufmerksam zu machen und musste wegen meines Frontscheibenschadens aus dem Verkehr um niemanden zu gefährden und die Fahrtüchtigkeit des Fahrzeugs einzuschätzen. Daraufhin bin ich gleich zur Polizei und habe den Schaden zur Anzeige bringen wollen. Dort wurde mir der Halter und dessen Versicherung angegeben und gesagt ich solle das besser mit denen direkt lösen, da der Fahrer sonst eventuell noch Probleme bekäme. Es gut meinen ist scheinbar nicht von Vorteil.  

Antwort
von BenLam, 124

Hallo Schoseff,

sofern du den LKW-Fahrer auf die Tatsache aufmerksam gemacht hast, hat er sich schon einmal strafbar gemacht. Er ist dazu verpflichtet anzuhalten und den Schaden zu begutachten. Das nennen die Juristen unerlaubtes entfernen vom Unfallort.

Du musst natürlich den Beweis erbringen, dass der vorhandene Schaden durch den entsprechenden LKW verursacht wurde. Ein unabhängiges Gutachten ist in diesem Fall eigentlich Beweis genug. Es ist natürlich schwer festzustellen, ob der Schaden durch den entsprechenden LKW entstanden ist.

Eine Haftung besteht natürlich, sofern die bewiesen werden kann. Ich sehe aktuell wenig Chancen im Nachhinein zu seinem Recht zu kommen.

Ansprüche hast du im übrigen erst einmal an die Firma, der der LKW gehört. Die Versicherung kann den Schaden ablehnen, aber du kannst natürlich rechtlich gegen die Firma vorgehen. Die Frage ist, ob sich der Aufwand lohnt.

Kommentar von FreierBerater ,

Unwissenheit kann man durch lange Texte auch noch manifestieren...  nur warum du das tust, ist mir unklar  ;-)

Kommentar von BenLam ,

Du darfst mich gerne zu diesem Thema aufklären. :)

Kommentar von FreierBerater ,

Es reicht, wenn du die Antwort von @Antitroll liest.

Kommentar von BenLam ,

Gut, aber so einfach ist es definitiv nicht und wird selbst vor Gericht nicht eindeutig entschieden. Ist ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Betrieb des LKWs auszumachen, dann gilt die Gefährungshaftung.

Die Frage der höheren Gewalt versuche ich ohne juristischen Hintergrund nicht zu klären.

Kommentar von FreierBerater ,

Es ist hier nicht ein Fall höherer Gewalt, sondern von Unabwendbarkeit.

Kommentar von BenLam ,

Ein unabwendbares Ereignis findet nur noch Geltung, wenn mehrere Kraftfahrzeuge in einen Unfall verwickelt sind. Ich möchte §17 StVG in diesem Fall nicht deuten und denke das dies nicht so einfach ist.

Der §7 StVG sieht nur eine höhere Gewalt vor. Die entscheidende Frage wäre nun, ob laut Gesetz §17 oder §7 zur Anwendung kommt. Ich sehe §17 nur erfüllt, wenn der obige Fragesteller eine Mithaftung an dem Schaden trägt.

Aus diesem Grund ist die Frage nicht eindeutig zu beantworten, aber diesen Standpunkt kannst du vertreten. Eine weitere Diskussion halte ich für nicht zielführend.

Antwort
von TransalpTom, 50

Wenn der Schaden durch ein aufgeschleudertes Teil entstanden ist, dann trifft den Fahrer ja keine Schuld, darum zahlt die Versicherung auch nicht.

Die Versicherung zahlt nur, wenn du dem Fahrer eine Schuld nachweisen kannst, das wäre, wenn er z.B. seine Ladung nicht ausreichend gesichert hat, diese verliert und dann Dein Auto beschädigt.

Beispiel:

a) ein Kieslaster fährt über einen auf der Straße liegenden Stein und schleudert diesen in Deine Scheibe => Pech gehabt, das ist allgemeines Verkehrsrisiko, der Fahrer hat kein Pflichtverletzung begangen

b) der Stein fällt von der Ladefläche oder er hat auf dem Rahmen gelegen, weil er die Ladungsreste nach dem abkippen nicht weggefegt hat. => Fahrer hat gegen §23(1) StVO verstoßen (Ladung nicht gesichert) ihn trofft das Verschulden, Versicherung muß zahlen

In dem Fall ist das ein Fall für die Kasko.

Stell Dir den Fall umgekehrt vor.

Du fährst mit dem Auto über die Straße, plötzlich liegt da ein Gegenstand, den Du gar nicht sehen konntest, Dein Auto wirbelt diesen auf und der fliegt in die Scheibe Deines Hintermannes, was hast Du verkehrt gemacht.

Zu meinem Beispiel a) und b) gibt es einschlägige Gerichtsurteile, das haben früher viele versucht, um eine neue Frontscheibe zu bekommen.

Kommentar von Buerger41 ,

Er soll den Schaden seiner Teilkasko melden und gut ist.

Antwort
von Apolon, 124

Was kann ich tun?

Einen Fachanwalt  (Verkehrsrecht) mit der Sache beauftragen !

Kommentar von Mawenzi ,

Die reparieren doch keine Scheiben.

Kommentar von Apolon ,

Der Kandidat hat 100 Punkte.

Melde dich einmal bei "wer wird Millionär".

Du hast sicherlich Chancen auf die Million.

Kommentar von FreierBerater ,

@Apolon und Kfz-Versicherungsfachfragen:  2 die einfach nicht zusammenpassen :-)

Kommentar von Apolon ,

Und ein Versicherungstroll meldet sich mal wieder zu Wort !

Kommentar von DolphinPB ,

Der streitet dann mit der Haftpflicht ... und es bleibt bei der Ablehnung - Super.

Kommentar von Apolon ,

Der streitet dann mit der Haftpflicht ... und es bleibt bei der Ablehnung -

Was zwar möglich wäre, aber in den meisten Urteilen bisher anders entschieden wurde.

Und daher ist es in solch einem Fall immer empfehlenswert einen Rechtsanwalt einzuschalten.

Antwort
von rena101955, 36

Zunächst einmal erscheint mir ein Schaden von 2.200,-- € für eine kaputte Frontscheibe doch sehr hoch!! Dann wird es immer sehr schwierig sein, in so einem Fall den "Verursacher" zu ermitteln und haftbar zu machen! M.E. sind aber Glasschäden am Fahrzeug in Deiner Teilkasko-Versicherung enthalten. Also würde ich mich an meine eigene Versicherung wenden!!

Kommentar von Schoseff ,

Es gab auch Schäden auf der Haube, auf der A-Säule und der Rückspiegel wurde auch zertrümmert. Ich wollte nur die Scheibe ersetzt haben, aber die Werkstatt hat natürlich alles gemacht was sie konnten um mehr zu verdienen. Die Werkstatt wurde mir übrigens von der Versicherung zugewiesen, ich wäre da nie im Leben hin, da meine Werkstatt nicht abzockt. Diese stand aber nicht auf der Liste der Partnerwerkstätten der Versicherung. 

Antwort
von martinzuhause, 117

ohne zeugen kannst du schlecht nachweisen das der lkw einen schaden verursacht hat. also wird es wohl wie ein steinschlag  behandelt werden. deine teilkasko wird das dann übernehmen.

Antwort
von FreierBerater, 98

Du kannst den Schaden selber zahlen oder über Teil- bzw. Vollkasko abwickeln! Eine Alternative GIBT ES NICHT!

Faktisch hat der Lkw -(Fahrer) den Schaden nicht schuldhaft herbeigeführt und eben deshalb bekommst du keinen Schadenersatz aus seiner Haftpflichtpolice.

Kommentar von BenLam ,

Eine schuldhafte Herbeiführung muss in diesem Fall nicht gegeben sein. Im Gegensatz zu anderen Haftungsarten (Verschuldenshaftung) wird im Straßenverkehr die Gefährdungshaftung zugrunde gelegt.

Es kommt auf ein Verschulden oder eine Widerrechtlichkeit des Schädigers nicht an.

Ausgenommen sind Schäden, die durch höhere Gewalt passieren.

Kommentar von FreierBerater ,

Du bist dir mit @RudiRatlos67 offensichtlich einig, dass ein Fahrzeug nur an einem Ereignis beteiligt sein muss, um einen Haftungsanspruch auszulösen...! Das ist ja grundsätzlich OK.

Allerdings kann die Gefährdungshaftung (nicht nur in Kfz) durch den Unabwendbarkeitsnachweis abbedungen werden. Ein auf der Straße liegendes Teil/Stein o.ä. welches aufgeschleudert wird, IST UNABWENDBAR -  herunterfallende Ladung oder Steine in den Reifen sind es nicht.  Die Schilderung des Fragestellers ist eindeutig!

Kommentar von BenLam ,

Die Entscheidungen vor Gericht allerdings nicht. Es sind mir mehrere Fälle bekannt bei denen schon aufgrund dieser Tatsache Schadenersatz geleistet werden musste.

Aus diesem Grund ist der Fall nicht eindeutig zu beantworten und kann am Ende nur durch einen Richter entschieden werden.

Kommentar von FreierBerater ,

Unabwendbares Ereignis: LG München I v. 22.09.2005:
Das Hochschleudern einer Piccoloflasche durch den Reifen eines Linienbusses ist für dessen Halter ein unabwendbares Ereignis, so dass der Geschädigte keinen Ersatz verlangen kann.

Das LG Lüneburg VersR 1978, 1051(Urt. v. 26.05.77 - 6 S 70/77) hat die Haftung für einen hochgeschleuderten Stein verneint:

Der Eigentümer eines Lkw haftet auch unter dem Gesichtspunkt des Einstehens für die Kfz-Betriebsgefahr nicht für den Schaden, den ein anderer Kraftfahrer durch einen von den Lkw-Rädern hochgeschleuderten Stein erleidet; das gilt auch für einen Stein von 12 bis 15 cm Durchmesser, wenn dieser sich von der dunklen Fahrbahn nicht besonders abgehoben hat.

Ebenso hat das LG Wiesbaden VersR 1970, 1140 (Urt. v . 04.11.69 - 1 S 343/69) entschieden:

Die Beschädigung eines nachfolgenden Kfz durch Hochschleudern eines auf der Fahrbahn liegenden unbestimmbaren Gegenstands stellt für den vorausfahrenden Kfz-Halter ein unabwendbares Ereignis dar.
Antwort
von Antitroll1234, 122

Ein LKW hat ein Teil aufgeschleudert und mir die Frontscheibe eingeschlagen. Die Haftpflichtversicherung des LKW's weigert sich zu zahlen. Was kann ich tun?

Abstand halten, das kannst Du tun.

Aufgeschleuderte Steine ist ein Risiko welches Du durch entsprechenden Abstand einhalten beeinflussen kannst, der Fahrer des LKW kann nichts dafür und kommt auch nicht für diesen Schaden auf, auch die Haftpflichtversicherung des LKW kommt nicht dafür auf.

Etwas anderes wäre es wenn der LKW Ladung verliert.

Kommentar von FreierBerater ,

Fachlich versiert und völlig korrekt.  DH!

Kommentar von Schoseff ,

Der Abstand war rechtens und das aufgeschleuderte Teil war flaches Hartplastik mit überraschend guten Flugeigenschaften. Ausweichen ist auf einer vollen Autobahn nicht wirklich eine Option ohne einen richtigen Unfall zu verursachen.

Kommentar von Antitroll1234 ,

Du kannst versuchen denjenigen zu finden der für das Stück Hartplastik auf der Autobahn verantwortlich ist.

Ansonsten hilft dir deine Teilkasko weiter für den Schaden an der Windschutzscheibe.

Kommentar von Schoseff ,

Also Mission Impossible, denn wie sollte man denjenigen finden, der dafür zuständig war, dass das Hartplastikteil initial dort landete. Betreffend Kasko: Älteres Modell, hatte lange Vollkasko und dann Teilkasko drauf. Jetzt seit 1 Jahr keine Kasko mehr drauf, nur noch Haftpflicht und jetzt passiert der erste Schaden. 

Antwort
von FuehledasMeer, 86

Ne Freundin hatte was ähnliches. Sie hat sich nen Anwalt genommen und Zeugen bei Facebook gesucht. Nach einigen Hin und Her (zog sich leider über Wochen hin) war ein Zeuge gefunden und sie bekam Geld

Antwort
von pbheu, 76

da sieht man mal, wies kommen kann.

mich hat ein lkw angehalten, weil ich ihm angeblich (nix gemerkt) mit dem wohnanhänger seinen aussenspiegel zertrümmert hätte.

der spiegel selbst heile, aus dem spiegelgehäuse ein teil zur falschen richtung hin  herausgebrochen, nirgendwo plastikteile zu finden.

die polizei meinte, "warum soll der lkw fahrer denn lügen" und hat mich trotz aussage gegen aussage als unfallverursacher eingetragen - und meine versicherung hat gezahlt.

anzeige wegen fahrerflucht?

wenn du keine zeugen hast, geht das aus wie das hornberger schiessen...

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