Frage von Husi93, 567

Deutsche Bahn. zu unrecht von Schaffnerin wegen Schwarzfahren bestraft?

Hallo zusammen,

Gestern Abend wurde ich beim "Schwarzfahren erwischt". An der Haltestelle, an der ich eingestiegen bin gibt es keinen Fahrkarten Automaten. Der Automat war in den vorherigen Fahrten im Zug und man konnte das Ticket entspannt nach dem einsteigen während der Fahrt lösen. Jetzt ist es anscheinend ein anderer Zug ohne Fahrkartenautomaten.
Ich bin am Anfang des Zuges eingestiegen und bin auf der Suche nach einem Fahrkartenautomaten oder eines Schaffners einmal durch den Zug gelaufen. Dabei habe ich weder das eine noch das andere gesehen, obwohl der Zug war zu diesem Zeitpunkt noch relativ leer war. Daraufhin habe ich mich hingesetzt und auf einen Schaffner gewartet. Nach 2 Stationen habe ich eine Schaffnerin gesehen und habe auf mich aufmerksam gemacht, damit sie zu mir kommt und ich das Ticket lösen kann. Ich habe ihr sofort gesagt, wo ich eingestiegen bin und wohin ich will. Sie wollte ohne eine andere Informationen sofort meinem Ausweis, um mir die 60€ aufzubrummen. Damit es keine Stress gibt, habe ich ihr diesen sofort gegeben und habe ihr während sie das Knöllchen ausfüllt den Sachverhalt erklärt. Sie wollte mir jedoch nicht glauben! Es könne ja nicht sein, dass ich vorne eingestiegen bin und durchgegangen bin, weil ich sie gesehen hätte oder sie mich ja gesehen hätte. Außerdem habe sie in der Zwischenzeit 4 Tickets verkauft.

Es stand jedoch niemand im Gang, da ich sonst an ihm vorbei gelaufen wäre und ihn bemerkt hätte. Sie gab mir unrecht und stellte die Strafe aus. Irgendwann wurde sie sehr unhöflich und es hieß nur noch "alles was Sie wissen müssen steht auf dem ausgestellten Ticket. Wenn sie meinen, dass ich meine Arbeit nicht richtig mache, reichen Sie doch Beschwerde ein!". Ich habe sie natürlich während der Fahrt noch beobachtet und bei anderen Fahrgästen schien es kein Problem mehr gewesen zu sein, dass diese nach langer Fahrt einen Fahrschein lösen können - und das auch nachdem die Schaffnerin auf sie zu kam. Der Zug war dann natürlich voller, aber diese Fahrgäste haben sich nicht einmal um einen Fahrausweis bemüht und standen nach dem Einstieg nur an der selben stelle. Nachdem ein Fahrgast von meinem Disput mit der Schaffnerin Wind bekam, ist er auf sie zugegangen und wollte auch ein Ticket lösen. Ihm wurde auch eine normale Fahrkarte ausgestellt.

Meine Frage ist da, ob ich mich zurecht schlecht behandelt fühle und Beschwerde einlegen sollte oder mit die Strafe zu unrecht ausgehängt wurde? Wie seht ihr das?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von FachGoldAnwalt, 345

Die Strafe wurde dir zu Unrecht erteilt. Klarer Fall von Schikane und typisches, sehr hinterwäldlerisches Machtgehabe über Jüngere. ( ich vermute das du im Teenager Alter bist )

Dein Verhalten war moralisch und rechtlich absolut großartig. Du hast perfekt gehandelt. Erst siehst du keinen ( oder auch defekten, wäre das Gleiche ) Fahrkarten Automaten am Bahnsteig.

Dann ist auch im Zug kein Fahrkarten Automat vorhanden. Daraufhin suchst du freiwillig von dir aus und völlig korrekt im ganzen Zug ( was du in so einer Situation auch musst ) nach einer Schaffnerin, um bei selbiger ein entsprechendes Ticket lösen zu können.

Anstatt sich diese Schaffnerin nun über dein vorbildliches Verhalten freut und dir ein entsprechendes Ticket ausstellt, stellt sie dich gegen jede Logik als Schwarzfahrerin hin und verlangt von dir das erhöhte Beförderungsentgelt.

In der Hinsicht ist das ein versuchter Betrug nach § 263 StGB von der Schaffnerin gewesen.

Nun ist hier auf beiden Seiten die Beweislage dünn. Beide habt ihr keine Zeugen. Doch das musst du auch nicht. Eine Schaffnerin kann ja auch viel erzählen.

Selbst wenn man ein gültiges Ticket hat, kann sie aus Spaß an der Freude und aus reiner sadistischer Willkür behaupten, man hätte bei einer Kontrolle eben gar kein ( gültiges ) Ticket vorgezeigt.

Ich rate dir:  Mach eine Kopie vom "Knöllchen" und schreib unter Beilage dieser Kopie einen Brief an das entsprechende Verkehrsunternehmen ( steht auf dem "Knöllchen" drauf, Adresse evtl. googeln ) .

Dort schilderst du sachlich, möglichst frei von jeglichen Emotionen und Ausrufezeichen, den Vorfall und äußerst, dass du den absoluten freiwilligen Willen hattest, eine Fahrkarte kaufen zu wollen, die Schaffnerin dir das aber gänzlich verweigerte und überhaupt nicht auf dich einging.

Das sie andere Fahrgäste, die ebenso keine Tickets hatten aber nicht wie du auf die Schaffnerin zukamen, viel freundlicher behandelt hat. Dazu schreibst du das es an deiner Einstiegshaltestelle XY ( Name des Orts ) keinen Fahrkarten Automaten gibt und dieser auch nicht im Zug vorhanden war.

Das lässt sich alles durch das Unternehmen nachprüfen. Als Abschluss bittest du darum, dass das Unternehmen von dem erheben des erhöhten Beförderungsentgelt und einer Strafanzeige wegen Erschleichen von Leistungen ( schwarzfahren, § 265a StGB ) absehen und dies dir schriftlich bestätigen soll.

Dazu verlangst du, dass das Unternehmen die Schaffnerin zu ihrem Verhalten befragen soll und du dich über selbige wegen ihren nicht hinnehmbaren Verhalten beschwerst.

Auf Strafanzeigen gegen die Schaffnerin würde ich aber verzichten. Denn die wird wenig erfolgsversprechend sein. Zu wenig Beweise.

Kommentar von Husi93 ,

Teenager nicht, aber habe den berühmt berüchtigten Migrationshintergrund und eine Kappe verkehrt herum auf dem Kopf. Ich wollte aber nicht direkt mit Rassismus Vorwürfen beginnen.

Vielen Dank für die sehr umfangreiche Antwort. Ich werde genau so vorgehen.

Kommentar von FachGoldAnwalt ,

Es ist ok, dass du nicht gleich diese Rassismus Schiene gefahren bist, aber ist es auch nicht verkehrt das du es mal erklärt hast.

Sahen denn andere kontrollierte Fahrgäste, die auch kein Ticket hatten und die du beim kontrollieren beobachtet hast, irgendwie nach einem Migrationshintergrund aus?

Wenn nein, dann liegt wohl Rassismus oder zumindest pure Schikane durch dein Aussehen vor. 

Antwort
von naddel26091994, 290

Hallöchen. Da ab dem 13.12 Fahrplanwechsel war bzw jedes Jahr ist, wird die privat Bahn die dort gefahren ist die Strecke an die DB abgegeben haben. Diese wird wohl nicht wissen, dass dort kein Automat steht, dementsprechend die Reaktion der Kontrolleurin.
Geh zum Service Center des nächst Grossen Bahnhofs und rede mit denen, ich denke, dass diese nicht einknicken werden, da die Leute dort nicht wissen ob dort ein Automat steht oder nicht, zudem darf man nur einsteigen, wenn man eine gültige Fahrkarte hat, ist in dem Fall doof. Mein Tipp, bevor du einsteigst schau ob ein kontrolleur an deiner Station draussen steht und den abfahrauftrag gibt und rede mit diesem vorher darüber, dann müsste er dir auch ein ticket ausstellen.
Bezüglich der Strafe, sollten die Leute nicht einknicken, dann ist es schwer da was zu machen, sprich zahlen und drauf aufmerksam machen, dass dort kein Automat steht.
Liebe grüsse und viel Erfolg.

Nadine.

Kommentar von naddel26091994 ,

Ich habe gerade gelesen, dass dort die westfahlenbahn fährt. die sind nicht dafür befugt Automaten auf die Bahnhöfe zu stellen, da diese der DB gehören und den privat bahnen die Gleise nur vermieten bzw die privat Bahn dafür zahlt da zu fahren. Ich würde an deiner Stelle Beschwerde einreichen bei der westfahlenbahn!

Kommentar von Rolf42 ,

Dass an Bahnhöfen die Automaten verschiedener Bahnen stehen, ist nicht ungewöhnlich.

Hier ein Bild mit verschiedenen Automaten aus dem Raum Braunschweig, darunter rechts unten auch einer der Westfalenbahn: http://www.vrb-online.de/typo3temp/_processed_/csm_Bunte_Vielfalt_447c97ed82.png

Kommentar von FachGoldAnwalt ,

naddel:  Wenn am Einstiegsbahnhof kein Ticket Automat des entsprechenden Verkehrsunternehmen steht, ist das nicht das Problem des Kunden.

Dann muss und darf der Kunde das Ticket erst im Zug kaufen. Wenn auch dort kein Ticket Automat ist, dann geht der Ticket Erwerb nur über die Schaffnerin, was dann gerade keine Straftat und auch sonst kein Fehlverhalten darstellt.

Man muss niemals auf Teufel komm raus ein Ticket vor Fahrantritt besitzen. Soll man es sich aus dem Schuh ziehen? Auch ist man nicht verpflichtet ein Online Ticket zu kaufen.

Wenn man angeblich vor Fahrantritt ein gültiges Ticket besitzen muss, warum hat die Schaffnerin bei den ganzen Personen, die im Zug der Fragestellerin mit anwesend waren und kein Ticket hatten, nichts diesbezüglich gesagt?

Antwort
von Rolf42, 202

Um welche Strecke geht es?

Die Regelungen dazu, ob man ohne Fahrkarte einsteigen darf und wie man sich dann verhalten soll, sind leider nicht überall einheitlich.

Kommentar von Husi93 ,

Von Bad Bentheim nach Bielefeld. Der Bescheid wurde kurz vor Rheine ausgestellt und ab dort hätte mein Semesterticket gegriffen.

Kommentar von Rolf42 ,

Dann geht es schon einmal nicht um die Deutsche Bahn sondern um die Westfalenbahn.

Die Westfalenbahn schreibt dazu auf http://www.westfalenbahn.de/tickets-tarife/fahrkartenautomaten.html

Für Reisende auf den Strecken RB 66, RB 65, RB 61 und RB 72 stehen weiterhin die Fahrkartenautomaten in unseren Zügen zur Verfügung.

RB61 ist die Linie Bad Bentheim – Bielefeld, also hätte eigentlich ein Fahrscheinkauf im Zug möglich sein sollen.

Kommentar von FachGoldAnwalt ,

Rolf:  Ob die Regelungen einheitlich sind oder nicht, ist im vorliegenden Fall unwichtig.

Es gab am Einstiegsbahnhof und im Zug selber keinen Ticket Automaten.

Wie also soll man in dem Fall, außer bei der Schaffnerin persönlich, ein Ticket erwerben können?

Kommentar von Rolf42 ,

Es ist insofern wichtig, als dass unterschiedliche Beförderungsbedingungen unterschiedliches Verhalten beim Einstieg ohne gültige Fahrkarte vorsehen. Muss man nach einem Zugbegleiter suchen, um einen Fahrschein zu kaufen, wenn kein Automat vorhanden ist? Oder kann man sich einfach hinsetzen und abwarten?

Nach den Beförderungsbedingungen der Deutschen Bahn braucht sich der Fahrgast in Zügen, in denen Fahrkarten verkauft werden, erst bei der Fahrkartenkontrolle unaufgefordert zu melden.

Nach den Bedingungen des Niedersachsentarifs (der in diesem Fall gilt) muss der Fahrgast dagegen "vor einer Fahrkartenprüfung dem Verkaufspersonal unaufgefordert und unverzüglich nach Fahrtantritt, spätestens bei Erreichen der nächsten Haltestation" melden, dass vor dem Einstieg kein Fahrkartenkauf möglich war (keine geöffnete Fahrkartenausgabe, kein betriebsbereiter Automat).

Antwort
von Zeitnot, 280

Sollte alles den Schilderungen entsprechen, die du hier abgegeben hast, wäre das ein klarer Fall für eine unsachgemäße Ausstellung eines Bescheids wegen Fahren ohne gültigen Fahrausweis. Somit würde ich an deiner Stelle in schriftlicher Beschwerde gegen den Bescheid und gegen die Fahrkartenkontrolleurin einlegen.

Antwort
von StoerDeBaecker, 180

Leider musst Du Deine Unschuld beweisen. 

Du bist ohne gültigen Fahrschein erwischt worden - Das ist der Punkt.

Mach ein Foto vom Display des Automaten (gleich wenn Du davor stehst) und zeige es dem Schaffner. Du musst dazu auch den Zugbegleiter aufsuchen ;)

Das geht aber nur auf dem Abschnitt bis zum nächsten Halt. Dann musst Du Dir ein Ticket holen, mit dem Du weiter kannst. Selbst auf die Gefahr hin, erst mit dem nächste Zug weiter zu kommen. Der gearschte ist der Fahrgast ..

Kommentar von FachGoldAnwalt ,

Bei solchen Antworten empfehle ich immer regelmäßig die Konsultierung von Ärzten. Wurde auch noch mindestens einmal gelikt. Absolut unverständlich.

Frage lesen und verstehen.

Wie soll der Fragesteller denn ein Foto vom Ticket Automaten ( wozu sie nicht verpflichtet ist ) machen, wenn es selbigen weder am Einstiegsbahnhof noch im Zug selber gab?

Antwort
von jakoblo, 6

Das ist dein Problem: du hättest die Schaffnerin unmittelbar nach dem einsteigen aufsuchen müssen und dich nicht gemütlich hinsetzen sollen. Selber schuld!

Antwort
von Ninawendt0815, 140

mach ein Einspruch gegen diesen Bescheid und schildere in Stichworten den Sachverhalt.

dann wirst du eine passende Antwort auf deine Fragen bekommen.

Sollte es am Abfahrtsbahnhof keinen Fahrkartenautomat geben, stehen deine Chancen gut! 

Antwort
von ES1956, 153

War das ein Zug der DB oder einer anderen Gesellschaft? In einem Verkehrsverbund?

Kommentar von Husi93 ,

Es war die Westfalenbahn.

Kommentar von FachGoldAnwalt ,

ES:  Aufgrund des absolut korrekten Verhaltens des Fragestellers, welches wiederum aufgrund von Umständen, die der Fragesteller nicht zu vertreten hatte, erfolgte, ist es total unwichtig, welches Verkehrsunternehmen hier befördert hat.

Kommentar von ES1956 ,

Bist auch einer der hinterher immer schon vorher alles besser wusste?

Antwort
von tiergartennbg, 134

Beschwerde dich bei der DB und erkläre sen Sachverhalt.

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