Frage von GymKro, 129

Darf oder muss man auf das Konto eines Verstorbenen, ein sog. Nachlasskonto weiterhin einzahlen oder überweisen?

Unser Vermieter ist kürzlich gestorben. Seine beiden erwachsenen Kinder (Sohn und Tochter) treten als Erbengemeinschaft auf. Da ihr Vater kein Testament hinterlassen hat, sind sie auf die Ausstellung eines sog. Erbscheins angewiesen, den sie bislang nicht bekommen haben. Das Konto des Vaters wird als sog. Nachlasskonto weiter geführt, unterliegt jedoch sehr engen Begrenzungen. So dürfen Verfügungen, die der Kontoinhaber zu Lebzeiten angelegt hatte (Daueraufträge, Abbuchungserlaubnisse) weiterhin ausgeführt werden, jedoch keine neuen Überweisungen durch die Erben vorgenommen werden. Ausnahmen gibt es nur für Zahlungen, die in Zusammenhang mit der Beerdigung stehen. Die Erben verlangen jetzt von uns, die Miete weiterhin auf das Konto des verstorbenen Vaters zu überweisen, was wir bislang nicht getan haben, da wir nicht wissen, ob eine solche Überweisung übrhaupt zulässig ist. Wir hatten vorgeschlagen, ein neues Konto anzulegen, was die Erben jedoch strikt abgelehnt haben. Ein Gespräch hierüber eskalierte sehr schnell und führte auf seiten des Sohnes fast zur Schlägerei.

Sind wir verpflichtet, auf ein Nachlasskonto zu überweisen, da die Besitzverhältnisse ja wegen des mangelnden Erbscheins noch gar nicht geklärt sind?

Hilfreichste Antwort - ausgezeichnet vom Fragesteller
von schleudermaxe, 81

Also, wenn wir Vermieter sterben, geht natürlich von unseren Mietern kein Geld mehr auf das alte Konto. Warum auch?

Einen Erbschein gibt es meist binnen zwei Tagen, so meine Erlebnisse. Und ein neues Konto für die EG binnen eines Tages. Beachte: Alle Erben müssen dem neuen Konto zustimmen und tagesaktuell wird die EG in das Grundbuch eingeschrieben.

Kommentar von Ronox ,

Erbschein innerhalb von zwei Tagen? Tagesaktuelle Grundbuchberichtigung? Du lebst aber schon in Deutschland?

Kommentar von schleudermaxe ,

.... nein, in BW und habe das gerade aktuell hinter mir und die rd. 1.000,00 EUR Gebühr für den Notar (ist hier das Nachlaßgericht) auch zuvor bezahlt.

Kommentar von Ronox ,

Gut, das ist eine Besonderheit, da der Notar dort das Nachlassgericht und Grundbuchamt in einer Person vereinigt. Im Regelfall dauert die Erbscheinserteilung aber mehrere Wochen bis Monate und eine Grundbuchberichtigung gerne auch mal 6 Monate +.

Antwort
von Odenwald69, 86

verstehe das problem nicht. Der Vermieter ist gestorben .

Der Mietervertrag besteht weiter und es muss sowiso miete gezahlt werden.  Ihr schickt das geld an das angegebene Konto fertig.

Einen Nachweis habt ihr doch über euer Bankprogramm.

Wenn das Konto geschlossen wird von der Bank kommt das Konto automatisch zurück und verschwindet nicht im Nirawana. Zumal der neue Vermieter es es ja so haben will. Wenn er das so sagt , ok ..

Wenn der Vermieter gestorben ist ohne Testament gibt es sowieso die gesetztliche erbteilung , das macht das Amtsgericht automatisch nach ein paar tagen.

Antwort
von Nightlover70, 60

Es hat Euch gar nicht zu interessieren wie die Erbverhältnisse ect.. aussehen.

Die Miete ist weiter auf das bisherige Konto zu zahlen.
Erst wenn die Erben Euch etwas anderes sagen hat dies zu erfolgen.

Antwort
von ArchEnema, 57

Also unabhängig von allen Problemen (die aber die Probleme der Nachkommen sind, nicht eure), ist es eigentlich viel naheliegender, weiter auf das bestehende Konto zu überweisen!

Warum? Weil ihr mit den Nachkommen überhaupt keine Verträge abgeschlossen habt. Solange das nicht geregelt ist, muss alles weiter so laufen wie bisher.

Und genau deshalb werden die Erben auch nicht wollen, dass das auf irgendein anders Konto geht: Weil das Konto des Verstorbenen zur Erbmasse gehört und dementsprechend nach der gesetzlichen Erbfolge verteilt wird. Jedes andere Konto aber erstmal nicht - das macht nur Probleme, besonders wenn die Erben sich untereinander nicht grün sind.

Euer Problem hingegen ist es, euch nicht mit den Erben anzulegen! Sondern den Ball ganz flach zu halten. Denn ihr seid auf deren Wohlwollen angewiesen, wenn ihr weiter in der Mietswohnung bleiben wollt. Zwar werden bestehende Mietverträge erstmal weitervererbt, laufen also weiter. Aber wenn der (neue) Vermieter euch Schwierigkeiten machen will, dann findet er Gelegenheiten dazu.

Antwort
von TomRichter, 44

> Sind wir verpflichtet, auf ein Nachlasskonto zu überweisen

Ja.

Wenn dies das Konto ist, das Ihr mit dem Verstorbenen vereinbart hattet, dann gilt diese Vereinbarung so lange weiter, bis die Erben Euch ein anderes Konto nennen.

Davon abgesehen verstehe ich Euer Problem nicht - dass Ihr die Miete weiter zahlen müsst, ist klar. Was juckt es Euch, auf welches Konto Ihr sie zahlt, solange diese Zahlung schuldbefreiende Wirkung hat?

Problematisch wäre doch nur der umgekehrte Fall: Ein angeblicher Alleinerbe verlangt die Zahlung auf sein Konto, und hinterher stellt sich heraus, dass er gar nicht Alleinerbe ist.

Kommentar von GymKro ,

Das hatte ich vergessen zu erwähnen: Die beiden Erben sind einander spinnefeind, Geld ist die einzige verbindende Klammer. Zugangsberechtigung zum Konto des verstorbenen Vaters hat jedoch lediglich die Tochter, der Sohn nicht. Wir haben einfach nur Sorge, dass wir uns plötzlich in Erbschaftsstreitigkeiten verwickelt sehen, die uns nun wirklich nichts angehen. Das Geld für die Miete ist selbstverständlich da, wir wollen lediglich eine neue Bankverbindung für die Überweisung. Erzwingen können wir das natürlich nicht, aber wieso diese Weigerung? Dass wir misstrauisch sind, ist wohl verständlich.

Kommentar von TomRichter ,

> aber wieso diese Weigerung?

Weil sich zur Einrichtung eines Kontos die beiden Erben, die ja "einander spinnefeind" sind, einigen müssten.

> Dass wir misstrauisch sind, ist wohl verständlich.

Verständlich ist, dass Ihr nicht in die Streiterei verwickelt werden wollt. Aber der beste Weg, dieses Ziel zu erreichen, ist die Zahlung auf das bisherige Konto.

Übrigens: Wenn Ihr mit zwei Mieten im Rückstand seid, ist das ein Kündigungsgrund.

Kommentar von wurzlsepp668 ,

und vorallem weigert sich ja ausgerechnet der Sohn, der keinen Zugriff auf das bisherige Konto hat, ein neues Konto zu eröffnen ......

Kommentar von TomRichter ,

Jedenfalls würde ich als Erbengemeinschaft lieber wegen ausstehender Mietzahlung kündigen, als mir von den Mietern vorschreiben zu lassen, ein neues Konto einzurichten.

Antwort
von frodobeutlin100, 54

Der Mieter zahlt einfach weiterhin seine Miete auf das bisherige Konto .. wer was und welchen Anteil erbt, kann dem Mieter völig egal sein, er wird durch die Zahlung von seiner Verpflichtung frei ..

und das die Erben vielleicht erstmal nicht an das Geld rankommen, ist einzig und allein deren Problem ...


Kommentar von wurzlsepp668 ,

aber komischwerweise wollen die Erben das Geld weiterhin auf das "alte" Konto überwiesen haben .....

die Mieter zicken rum ....

Kommentar von frodobeutlin100 ,

... deren Pech .. warum kümmert man sich um Sachen, die einen nichts angehen ...

Kommentar von Tursikussi ,

Das ist überhaupt nicht "komisch". Bis eine solche Erbteilung über die Bühne gegangen ist, kann das Wochen, Monate, manchmal, bei Streitigkeiten auch Jahre dauern. Aber damit hat der Mieter gar nichts zu tun.

Antwort
von wurzlsepp668, 67

die Miete ist auf das vom Vermieter verlangte Konto zu überweisen.

und was soll der Quatsch, dass die Besitzverhältnisse wegen des mangelden Erbschein nicht geklärt sind?

die Besitzverhältnisse SIND geklärt, beide Kinder sind Erben.

und was soll ein mangelnder Erbschein sein? den Erbschein beim Amtsgericht zu beantragen kostet schlicht und ergreifend Geduld ......

Kommentar von GymKro ,

Ein Jurist bist du offenbar nicht ...

Kommentar von wurzlsepp668 ,

richtig .....

aber dann erklär mir bitte, was an meinen Ausführungen falsch sein soll ....

Kommentar von schleudermaxe ,

... was bitte hat denn das AG damit am Hut?  Zuständig ist doch das Nachlassgericht und das ist bei uns hier der Notar vor Ort!

Kommentar von wurzlsepp668 ,

ein Notar ist ein Nachlaßgericht? echt?

https://de.wikipedia.org/wiki/Nachlassgericht

Kommentar von TomRichter ,

Hättest Du doch nur selber gelesen, was Du verlinkst:

Abweichend davon sind in Baden-Württemberg gemäß § 38 des Landesgesetzes über die freiwillige Gerichtsbarkeit die staatlichen Notariate als Nachlassgerichte zuständig.

(a.a.O., Satz 3)

Kommentar von TomRichter ,

> die Besitzverhältnisse SIND geklärt, beide Kinder sind Erben.

Eine kühne Ferndiagnose. Dass den Mietern keine weiteren potentiellen Erben bekannt sind, heißt ja nicht, dass es keine gibt.

Kommentar von GymKro ,

Sehr richtig! Genau das ist das Problem. denn es könnten ja noch weitere Erben in Erscheinung treten, von denen bislang niemand etwas wußte (z.B. uneheliche Kinder). Desweegen ist ja bei Fehlen eines Testaments die Ausstellung eines Erbscheins erforderlich, damit das Amtsgericht Zeit gewinnt, um nach möglichen weiteren Erben zu suchen.

Kommentar von wurzlsepp668 ,

und wenn ein neues Konto eingerichtet wird, wo ALLE Erben zustimmen müssen, haben die Mieter ein Problem ....

aber hey, ich bin ja kein Jurist ....

Kommentar von GymKro ,

Offenbar nicht, denn worin liegt das Problem für die Mieter, wenn ALLE Erben zustimmen müssen? Im Übrigen "zicken wir nicht rum" (was immer das sein mag), du Sepp!

Kommentar von wurzlsepp668 ,

wenn nicht klar ist, ob es weitere Erben gibt, wie können diese dann dem Konto zustimmen?

aber ich bin raus, habe ja anscheinend keine Ahnung (wobei zufälligerweise außer einem alle die gleiche Meinung vertreten)

und da die (vermutlichen) Erben die Miete weiterhin auf das alte Konto haben wollen, sehe ich das Verhalten der Mieter schon als zicken .....

Antwort
von Tursikussi, 24

Ich bin auch der Meinung, dass euch das euch das alles gar nichs angeht. Ihr zahlt die Miete weiterhin auf das alte Konto. Zumal die direkten Nachkommen dies ja so wünschen. Es ändert sich nichts für euch und über die geleisteten Zahlungen gibt es ja keine Unsicherheiten. Wenn ihr das bislang nicht getan habt, dann habe ihr das eben nicht getan. Wissen musst du nur, dass nach zwei Monaten Mietaussetzung von seiten Vermieters (und das sind die Kinder des Verstorbenen - oder glaubst du, dies sei nicht der Fall? Wie die untereinander stehen, hat nicht dein Problem zu sein) fristlos gekündigt werden kann - und dann muss schnell etwas unternommen werden, ansonsten es weitergehen kann mit Räumungsklage und Gerichtsvollzieher. So weit wollt ihr es doch sicher nicht kommen lassen. Wieso habt ihr euch überhaupt mit diesen Leuten getroffen, das ist doch gar nicht üblich - kennt ihr sie näher? Das verkompliziert manchmal die Dinge - augenscheinlich.

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