Frage von zuFrieden24, 201

Darf der Chef einen langsamen Mitarbeiter einfach so entlassen?

Expertenantwort
von Familiengerd, Community-Experte für Arbeitsrecht, 69

Das kommt - wie immer - "darauf an".

Grundsätzlich hat in den ersten 6 Monaten des Beschäftigungsverhältnisses der Arbeitnehmer keinen Schutz durch das Kündigungsschutzgesetz, das ohnehin nicht für Betriebe gilt, die nicht mehr als (umgerechnet) 10 dauerhaft beschäftigte Vollzeitarbeitnehmer haben (siehe Kündigungsschutzgesetz KSchG § 23 "Geltungsbereich" Abs. 1) - in beiden Fällen einmal abgesehen von einem "Basis"-Kündigungsschutz, der vor sittenwidrigen, willkürlichen, gegen den Grundsatz von Treu und Glauben verstoßenden Kündigungen schützt.

Bist Du also noch keine 6 Monate im Betrieb oder handelt es sich um einen solchen Kleinbetrieb, hast Du leider "schlechte Karten".

Arbeitest Du aber in einem größeren Betrieb (also mit mehr als - umgerechnet - 10 dauerhaft Vollzeitbeschäftigten), dann darf Dir der Arbeitgeber nicht so ohne weiteres kündigen.

Grundsätzlich ist zwar eine verhaltens- oder personenbedingte Kündigung möglich (verhaltensbedingt, wenn er gewollt/bewusst zu langsam arbeitet, personenbedingt, wenn er einfach nicht schneller arbeiten kann), wenn der Arbeitnehmer zu langsam arbeitet; dazu muss aber erst einmal geklärt werden, was "zu langsam" denn konkret überhaupt bedeutet.

Wenn man das z.B. auf die Gehbewegung eines Menschen überträgt, dann bedeutet das, dass ein Mensch nicht "rennen" muss, um nicht als langsam zu erscheinen; er erfüllt sein Pflicht, wenn er "normal" geht.

Der Arbeitgeber ist im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung in der Beweispflicht, dass der betroffene Arbeitnehmer mit seiner Leistung deutlich unterhalb dessen liegt, was als "durchschnittliche" Leistung zu betrachten wäre.

Außerdem darf er keine Kündigung aussprechen, ohne zuvor den Arbeitnehmer durch mindestens 1 Abmahnung aufgefordert zu haben, seine Leistung zu verbessern. Ohne vorher ausgesprochene Abmahnung würde im Falle einer gerichtlichen Auseinandersetzung der Arbeitgeber mit seiner Kündigung in der Regel scheitern

Aber:

Auch dann, wenn der Arbeitgeber ohne diese Voraussetzungen eine (dann rechtswidrige) Kündigung ausspricht, wird sie wirksam, wenn nicht innerhalb von 3 Wochen nach Zugang gegen die Kündigung Klage erhoben wird. Für eine solche Klage brauchst Du - wenn Du Dir das selbst zutraust - in der 1. Instanz des Arbeitsgerichtsverfahrens erst einmal keinen Anwalt (den unabhängig vom Verfahrensausgang jede Partei selbst bezahlen muss); die Klage nimmt die Rechtsantragstelle jedes Gerichts entgegen, sie nimmt sie auch zur Niederschrift auf und hilft dabei kostenlos bei der Formulierung.

Antwort
von Novos, 76

Wenn er in der Probezeit ist, kann er ohne Begründung entlassen werden. Wenn er aus der Probezeit raus ist, dann hat der Chef ein großes Problem. Siehe http://www.zeit.de/karriere/beruf/2012-06/arbeitsrecht-kuendigung-mitarbeiter

Antwort
von brennspiritus, 91

 Ein Arbeitnehmer muß bei dauerhaften erheblichen Minderleistungen damit
rechnen, daß sein Arbeitsverhältnis gekündigt wird. Ob die Kündigung
wirksam ist, hängt vom jeweiligen Einzelfall ab. Die Kündigung kann – je
nachdem – verhaltens- oder personenbedingte Gründe haben. Der
Arbeitgeber muß im Prozeß die Minderleistung vortragen. Der Arbeitnehmer
muß dann erläutern, warum er trotz unterdurchschnittlicher Leistung
seine Leistungsfähigkeit ausgeschöpft hat und daß in Zukunft mit einer
Besserung zu rechnen ist. Bei einer personenbedingten Kündigung wegen
Minderleistung kommt es nur darauf an, ob die Arbeitsleistung die
Erwartung des Arbeitgebers in einem Maße unterschreitet, daß ihm ein
Festhalten an dem Arbeitsvertrag unzumutbar wird. (vgl. BAG, Urteil vom
03.06.2004 – 2 AZR 386/03 und BAG, Urteil vom 11.12.2003 – 2 AZR 667/02)

http://fachanwalt-arbeitsrecht.de/kundigungsgrund-minderleistung/

Expertenantwort
von lenzing42, Community-Experte für Arbeitsrecht, 62

Hier findest du entsprechende Hinweise:

https://www.haufe.de/recht/arbeits-sozialrecht/kuendigung-bei-schlechtleistung/b...

Antwort
von SiViHa72, 92

"einfach so" nein.

Er kann verhaltensbedingt, personenbedingt, betriebsbedingt kündigen. Eine dieser Sachen muss der Angestellte erfüllen.

Wenn es so ist,d ass z.B. Stückzahlen nicht erreicht w erden.. dann muss der AG erstmal anderes machen, bevor er kündigen kann (Gesprach.. Abmahnung..)

Kommentar von Familiengerd ,

Das gilt aber nur - abgesehen von der Probezeit -, wenn das Kündigungsschutzgesetz überhaupt Anwendung findet!

Ansonsten hast Du selbstverständlich Recht!

Antwort
von TheAllisons, 110

Natürlich darf er das, zur Entlassung braucht der Chef nicht mal einen Grund, wenn er die gesetzliche Kündigungsfrist einhält

Kommentar von zuFrieden24 ,

Ich werde mal zur Arbeiterkammer gehen und mich dort rechtlich beraten lassen.  

Kommentar von Familiengerd ,

Eine sehr "kühne" Behauptung, TheAllisons!

Das geht nur in der Probezeit und wenn das Kündigungsschutzgesetz keine Anwendung finden sollte, sofern es sich um einen Kleinbetrieb handelt (aber auch da gibt es einen "Basiskündigungsschutz").

Wenn aber das Kündigungsschutzgesetz "greift", ist Deine Aussage schlicht und einfach falsch!

Kommentar von Nightstick ,

"Arbeiterkammer"  (s.o.) klingt mal wieder, als komme die Frage aus einem unserer kleinen Nachbarländer...

Kommentar von Familiengerd ,

Arbeiterkammern (Arbeitnehmerkammern) gibt es in Deutschland auch in den Bundesländern Bremen und Saarland.

Kommentar von Nightstick ,

Das ist mir natürlich bekannt!

In Bremen heißt sie "Arbeitnehmerkammer", die andere nennt sich "Arbeitskammer des Saarlandes".

"Arbeiterkammern" gibt es in Deutschland nicht, weshalb ich nach wie vor vermute, dass es sich um das Ausland handelt.

Aber viellleicht räuspert sich der Fragesteller einmal dazu...

Kommentar von zuFrieden24 ,

Aus Österreich, hoffe ich konnte den Wissensdurst stillen, möchte kein Geheimnis daraus machen ;) 

Kommentar von Nightstick ,

Das hat mit unserem Wissensdurst eigentlich recht wenig zu tun!

Vielmehr ist es so, dass Du uns bis jetzt im Unklaren darüber gelassen hast, welches Recht anzuwenden ist, und es deshalb für uns ein Ratespiel war :((

Dies ist nicht im Sinne des Erfinders dieser Ratgeber-Community...!

Guten Abend, @zuFrieden24.

Antwort
von NadineS96, 88

Ob er ihn einfach so entlassen darf weiß ich jetzt nicht. Aber er sollte den "langsamen Mitarbeiter" vorher informieren in einem Gespräch bezüglich des langsamen Arbeitens.

Antwort
von kenibora, 83

"Einfach nicht" aber einen Grund zu einer "fristgerechten" Kündigung lt. Vertrag, findet er immer.

Antwort
von Steffile, 69

Wieso nicht, soll er auf Lebzeiten an deinen unpassenden Angestellten gefesselt sein?

Kommentar von Novos ,

Arbeitnehmer sind nicht dazu verpflichtet, ihre Arbeit schnellstmöglich zu erledigen, sondern fehlerfrei. Und dabei schulden sie ihrem Arbeitgeber noch nicht einmal die objektiv durchschnittlichste Leistung. Sie sind nach dem § 243 des Bürgerlichen Gesetzbuches nur dazu verpflichtet, eine durchschnittliche Arbeitsleistung von mittlerer Art und Güte zu erbringen.

Nur wenn ein Mitarbeiter wesentlich weniger Leistung bringt, liegt ein Leistungsdefizit vor. Arbeitgeber können aber nicht sofort kündigen. Erst müssen sie den

Low Performer

abmahnen. Und Vorsicht: Sie als Arbeitgeber müssen im Streitfallkonkret darlegen und beweisen können, was Sie an der Leistung Ihres Mitarbeiters bemängeln. Auch müssen Sie belegen, dass die Leistung unterdurchschnittlich ist. In der Praxis haben solche Kündigungen wenig Aussicht auf Erfolg.

http://www.zeit.de/karriere/beruf/2012-06/arbeitsrecht-kuendigung-mitarbeiter



Kommentar von Steffile ,

Der Zeit Artikel stellt eine ganz andere Frage, lies doch bitte mal mehr als die Ueberschrift.

Kommentar von Familiengerd ,

Das ändert aber nichts daran, dass die zitierte Aussage richtig und Deine Antwort - auch polemischer - Unsinn ist!!

Auch Dein Kommentar jetzt ist nicht spricht nicht gegen den Kommentar von Novos!!

Kommentar von Familiengerd ,

@ Steffile:

Die Antwort ist ziemlicher - nein: völliger! - Unsinn!!

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