Frage von wellhausen, 56

BAB nicht bewilligt - warum?

Ich habe heute eine Frage, die nicht mich betrifft, sondern einen Freund, der nicht weiter weiß (und kein Internet hat).

Es geht um Folgendes:

Sein Sohn hat einen Ausbildungsplatz zum Notfallsanitäter, die Ausbildung beginnt am 01.08. - also in ca. 3 Wochen. Nun hat er sich in der Nähe der Ausbildungsstelle eine Wohnung gesucht und den Vertrag unterschrieben, da die Ausbildung 70 km entfernt ist (oder ca. 2 1/2 Std. Fahrt - dazu später).

Dann hat er einen BAB-Antrag gestellt. Das Ausbildungsgehalt beträgt im ersten Jahr 765 €, im zweiten 828 € und im dritten Jahr 928 €, natürlich alles brutto.

Nun ist es so, dass die Wohnung 390 € warm kostet, er ein Auto benötigt, um zur Ausbildung zu kommen (wechselnde Arbeitsorte - Betrieb, Praktikum außerhalb und Blockunterricht in der Schule, mit ÖPNV eine Katastrophe).

Der BAB-Antrag wurde abgelehnt mit Verweis auf § 57, Absatz 1 SGB III, da es sich nicht um eine betriebliche oder außerbetriebliche Ausbildung nach dem Berufsausbildunggesetz, der Handwerksordnung oder dem Seemannsgesetz staatlich anerkannten Ausbildungsberuf handelt, sondern um eine schulische Ausbildung.

Alles schön und gut, seine Eltern können aber nicht für den Unterhalt aufkommen, da sein Vater Rentner ist und weit unter 1000 € Rente im Monat bekommt, seine Mutter ist nicht erwerbstätig.

Als nächstes wäre dann der Umzug, für den das Jobcenter nicht aufkommen will. Ein Auto wurde bereits bewilligt, da es zwingend notwendig ist, um überhaupt zu den wechselnden Stellen zu kommen und es nur Verbindungen gibt, die entweder zu früh oder zu spät fahren und keine davon direkt ist.

Nun beträgt von seinem derzeitigen Wohnort die Distanz 70 km oder 1 Stunde und 10 Minuten laut Falk - tatsächlich ist die Strecke aber ca. 15 Minuten länger, da ein Teil der Strecke gesperrt ist (wahrschienlich noch ein ganzes Jahr) und Ampeln und dergleichen von Falk nicht berücksichtigt werden.

Bleibt die Frage, wie man gegen den Bescheid der BAB-Stelle angehen und der Umzug bewilligt werden kann, da dieser Zustand so nicht haltbar ist - der Junge hat den Eindruck, dass man ihn auf der Behörde gar nicht ernst nimmt und die Sachbearbeiterin wohl meint, dass er einen Job hat, der immer einem geregelten Ablauf folgt - aus eigener Erfahrung in diesem Bereich kann ich sagen, dass dem nicht so ist.

Vielen Dank schon einmal für (hilfreiche!) Antworten!

Expertenantwort
von isomatte, Community-Experte für Arbeitsamt, Ausbildung, Hartz IV, ..., 30

Dann hat die SB - keine Ahnung gehabt !

Sie oder dein Freund hätten nur mal Freund Google befragen müssen,dann hätte man gesehen das diese Ausbildung als schulische Ausbildung eingestuft wird und dementsprechend nur mit Bafög - gefördert werden könnte.

Demnach kann er sich diesen Widerspruch sparen und sollte es mit Bafög - versuchen,es wurde ja sogar der Grund für die Ablehnung genannt,inkl.des § 57 Abs. 1 SGB - lll.

Die Kostenübernahme für den Umzug hat man sicher auf Grund der Pendelzeiten abgelehnt,dafür hat man ihn aber beim Auto unterstützt,denn bei mehr als 6 Stunden täglich ist eine Pendelzeit von 2 1/2 Stunden zumutbar.

Er könnte ja noch fristgerecht einen Widerspruch einlegen,aber das wird bis zum Beginn der Ausbildung auch nichts mehr werden.

Zu der zumutbaren Pendelzeit gehören auch Wartezeiten und Fußwege.

Wenn er noch keine 25 ist und die Eltern ihm keinen Unterhalt von min. dem Kindergeld zahlen können,dann steht ihm das Kindergeld von 190 € zu,dann hat er schon mal ca. 800 € pro Monat.

Kommentar von wellhausen ,

So sehe ich das auch. Die Sachbearbeiterin macht sich ihren Job einfach und lehnt einfach erst einmal alles ab. Die reale Zeit für Hin- und Rückfahrt beträgt im Übrigen ca. 10 Minuten mehr, ich kenne die Strecke selber, da wird wohl auch noch die nächsten Jahre mehr Zeit hinzukommen, da dort gebaut wird.

Der Umzug wird damit unerlässlich, zudem wird für die Ausbildung zwingend ein Fahrzeug benötigt, erstens, weil ich nicht direkt an der Ausbildungsstelle wohnen wird, falls er denn umzieht und er flexibel sein muss - ich habe selbst Erfahrungen in diesem Bereich.

Ansonsten hat er sich noch einen Termin geholt und wird mit der Sachbearbeiterin noch ein Gespräch führen, vielleicht bringt das ja was...

Antwort
von DerHans, 22

Seine Ausbildungsvergütung liegt bereits über dem Satz des BAB. Außerdem erhält er ja während der Ausbildung noch Kindergeld.

Diese Beträge sind damit ausgeschöpft. Außerdem hätte er Anträge stellen müssen, BEVOR er eine Wohnung anmietet und Verträge schließt.

In dem Fall ist nur an der Ausgabenseite zu sparen. Da er ja an den Ausbildungsort gezogen ist, kann er die Ausbildung sicher auch mit dem Fahrrad oder zu Fuß erreichen.

Kommentar von wellhausen ,

An den Ausbildungsort ist er keineswegs gezogen. Er ist noch immer an seinem alten Wohnort, den er aber zwangsläufig für die Ausbildung verlassen muss, da dieser Zustand auf Dauer unhaltbar ist. Ich spreche da aus Erfahrung, da ich selbst mal in diesem Bereich gearbeitet habe.

Antwort
von SimonG30, 32

gegen den BAB-Bescheid könnte man Widerspruch einlegen, wobei dieser relativ wenig bis gar keine Erfolgsaussichten hat.

Diese Ausbildung ist nicht mit BAB förderbar & auf den entsprechenden korrekten Paragraphen wurde ja schon in der Ablehnung hingewiesen. Die Voraussetzungen für BAB sind einfach nicht erfüllt.

wurde ihm dies doch von seiner Sachbearbeterin nahegelegt und er schriftlich (!) von ihr aufgefordert...

das machen die Jobcenter eigentlich immer, denn BAB bzw. Bafög sind die vorrangigen Leistungen. Oft geht es auch darum, dass die Jobcenter einen Ablehnungsbescheid wollen um sich damit abzusichern & zu klären, dass sie auch weiterhin zuständig sind.

Zum Thema "Umzug / Auto": auch da kann ich das Jobcenter bis zu einem gewissen Grad verstehen. Die Pendelzeit ist gerade noch im Rahmen des zumutbaren. Und um die Ausbildung zu ermöglichen wurde bereits bei der Finanzierung eines PKW geholfen. Wieso dann noch einen Umzug finanzieren?

Kommentar von wellhausen ,

Auf Bafög wurde er nicht hingewiesen. Die Pendelzeit ist laut Falk 1 Stunde und 10 Minuten, allerdings ist die Strecke real etwas länger als Falk das so sagt, da es erstens eine Baustelle gibt und auf der gesamten Strecke noch Ampeln stehen, die Falk gar nicht berücksichtigt.

Kommentar von SimonG30 ,

Auf Bafög wurde er nicht hingewiesen.

Dann hat es die Sachbearbeiterin im Jobcenter versäumt bzw. nicht gewusst. Die Frage ist aber: muss sie sich mit BAB / Bafög auskennen? Meiner Meinung nach im Detail nicht & genau da (im Detail) liegt das Problem in diesem Fall.

Verbindliche Auskünfte über Bafög darf / kann die Arbeitsagentur / Jobcenter sowieso nicht geben, da dafür eine andere Behörde zuständig ist...

Erstens hat er wechselnde Einsatzorte, das wurde ihm bereits vom  Arbeitgeber bestätigt, der ihm einen Umzug nahegelegt hat und er zweitens zeitlich flexibel bleiben muss, da der Job dies von ihm verlangt, was vertraglich ebenfalls erwähnt wird.

Das (wechselnde Einsatzorte & zeitlich flexibel) ist streng genommen aber nicht das Problem vom Jobcenter, sondern vom Arbeitgeber / Auszubildenden. Wenn der Arbeitgeber seine Ausbildung so organisiert & solche Wünsche / Anforderungen stellt, dann muss er m.M. auch bei der Realisierung helfen.

Den schwarzen Peter bei einer Behörde zu suchen, weil sie nicht Umzug und PKW finanzieren, finde ich da unpassend.

Kommentar von wellhausen ,

Soll jetzt der Arbeitgeber für alles aufkommen? Wozu bezahlt man dann eigentlich noch Steuern? Damit sich die Behördenleutchen ihren Hintern breitsitzen können?

Ich hatte (leider) schon selbst mit dem Jobcenter zu tun, von daher kann ich nachvollziehen, dass man dort mit absoluter Inkompetenz behandelt wird.

Es wurde versäumt, ihn auf bestimmte Dinge hinzuweisen, dann wird ein Riesending vom Jobcenter daraus gemacht - er ist mittlerweile soweit, die ganze Sache abzublasen, weil er nicht weiß, wie er in der Ausbildung alles unter einen Hut bekommen soll. Wohnung, ein langer Weg zur Arbeit, Ausbildung am Einsatzort, Lernen... Das wird auf Dauer zu viel!

Kommentar von Laury95 ,

Die im Jobcenter sind nicht dafür zuständig, bezgl. BAB und Bafög zu beraten!! Die haben schlicht keine oder nur wenige Ahnung davon und das ist auch nicht deren Fachbereich.

Damit sich die Behördenleutchen ihren Hintern breitsitzen können?

Das ist also völlig fehl am Platz.

Kommentar von SimonG30 ,

haargenau sowas meinte ich mit "schwarzer Peter" zuschieben! Am Ende ist jetzt noch das Jobcenter schuld, wenn die Ausbildung nicht angetreten wird...

Das bei der Finanzierung des PKW geholfen wurde, übrigens aus Steuermittlen, wird da schnell mal wieder vergessen.

Und warum sollte der Arbeitgeber einen Freibrief bekommen? Wie gesagt: wenn ich einen Auszubildenden an verschiedenen Einsatzorten einsetzen will, sehe ich da auch beim Arbeitgeber eine gewisse Mitverantwortung zur Realisierung beizutragen & zwar mehr als beim Jobcenter.

Die Inkompetenz, die hier dem Jobcenter vorgeworfen wird, ist, dass sie nicht hinreichend / fehlerhaft auf die Förderleistung einer anderen Behörde hingewiesen haben. Aber das kann ich auch als Bürger nicht erwarten. Ich gehe doch auch nicht aufs Finanzamt & erwarte dort Infos zum Thema Arbeitslodengeld oder Jugendhilfe...

Ist ein Fehler passiert? Ja. Ist das Jobcenter mit daran schuld? Bis zu einem gewissen Grad schon.

Aber die eigenen Versäumnisse wiegen in diesem Fall mindestens ebenso schwer. Von einem erwachsenen Menschen erwarte ich hier, dass er sich vorallem selbstverantwortlich um die nötigen Informationen kümmert!

Antwort
von Apfel2016, 30

Was die Leute immer erwarten...erstmal erkundigt man sich bevor man einen Mietvertrag etc unterschreibt....er kann BAföG beantragten

Kommentar von wellhausen ,

Er hat sich bei seiner Sachbearbeiterin erkundigt, die hat ihn an die BAB-Stelle verwiesen.

Antwort
von NanuNana98, 12

Guten Morgen,

gegen den BAB Bescheid, kann man nicht weiter vorgehen, da es nunmal keine duale oder betriebliche Ausbildung ist. Da ist auch nichts dran zu rütteln.

Wie hier viele schon sagen kann er anderes beantragen. Das nennt sich aber nicht Bafög, sondern Lafög! (Landesausbildungsförderung)

Eine Freundin von mir kriegt das auch, und der große Unterschied ist, dass Sie nichts zurückzahlen muss, nichtmal Anteilig.

Könnt ihr einfach googlen, ist im Internet ziemlich verständlich geschrieben.

LG Nana

Kommentar von wellhausen ,

Sehr gut, das habe ich ihm schon weitergegeben, er wird sich da auf jeden Fall drum bemühen. Danke.

Kommentar von NanuNana98 ,

Gerne. Mir ist grade noch eingefallen, wenn BAB abgelehnt wurde, kann man auch Wohngeld beantragen. Vielleicht ist das auch eine Option, einfach mal informieren.

LG

Kommentar von wellhausen ,

Super, schon mal wieder ein gutes Stück weiter. Vielen Dank.

Antwort
von Laury95, 25

Wenn es sich nicht um eine betriebliche Ausbildung handelt, dann ist das BAB dafür auch nicht zuständig, da kann man sich noch 10 mal quer stellen. Dann muss dein Freund es mal mit Bafög versuchen, ist das denn eine schulische Ausbildung zum Sanitäter??

Dass er sich nicht vor der Unterzeichnung des Mietvertrages um das finanzielle gekümmert hat, ist eigene Schuld. Man kann nicht erwarten, dass bei der nächstbesten Stelle (die dafür nicht zuständig ist, wie sie ja auch begründet haben) der Antrag sofort genehmigt wird, sondern man macht sich erst Gedanken, wer die Ausbildung überhaupt fördert.

Das Jobcenter ist für Umzugskosten für Auszubildende auch nicht zuständig.

Wie gesagt, er soll sich an die Bafög-Stelle wenden.


Kommentar von wellhausen ,

Da er derzeit noch beim Jobcenter gemeldet ist, sind die sehr wohl zuständig, schließlich wurde schon ein Auto vom Jobcenter gefördert. Wenn da keiner zuständig wäre, hätte das ja schon jemand gesagt.

Nett, wie du mich anfährst, dass er sich an die BAB-Stelle gewendet hat - wurde ihm dies doch von seiner Sachbearbeterin nahegelegt und er schriftlich (!) von ihr aufgefordert...

Die Ausbildung zum Notfallsanitäter findet zu mehr als der Hälfte der Ausbildungszeit auf der Wache bzw. im Einsatz statt, der Rest teilt sich auf Schule im Blockunterricht (ca. 60 Wochen) und Praktikas sowie Zwischenprüfungen auf.

Kommentar von DerHans ,

Wenn er vor Abschluss des Ausbildungsvertrag im Leistungsbezug war, hätte er VOR Vertragsunterzeichnung Hilfe vom JobCenter beantragen müssen.

Man kann nicht einfach Verträge abschließen, um anschließend festzustellen, dass man sich das gar nicht leisten kann.

Kommentar von Laury95 ,

Woher sollen die denn im Jobcenter Ahnung von BAB haben, die verweisen immer auf vorrangige Leistungen?! Selbst wenn es total klar ist, dass man kein Bafög bekommt z.B. ´muss man einen Ablehnungsbescheid vorlegen.

Ich konnte ja nicht wissen, dass er schon beim JC registriert ist. Denn dann hat er auch Anspruch auf Umzugskosten - aber eben nicht, wenn man mit dem Jobcenter nichts zu tun hat.

Wenn das Auto aber schon gefördert wurde, warum sollen die dann noch einen Umzug fördern? Wenn er umzieht, benötigt er das Auto ja nicht mehr.

Kommentar von wellhausen ,

Weil er für die Ausbildung einfach nahe am Ausbildungsort sein muss. Erstens hat er wechselnde Einsatzorte, das wurde ihm bereits vom Arbeitgeber bestätigt, der ihm einen Umzug nahegelegt hat und er zweitens zeitlich flexibel bleiben muss, da der Job dies von ihm verlangt, was vertraglich ebenfalls erwähnt wird.

Keine passende Antwort gefunden?

Fragen Sie die Community