Frage von kambala66666, 99

5 tage Probearbeit ohne Vergütung, wie sieht das rechtlich aus?

Hallo,

hab heute mein ersten Tag bei der Firma in dem ich mich beworben habe gehabt als Probearbeit im Lager. Es war nicht so wie rein schnuppern oder zuschauen sondern ich musste auch tatkräftig mit anpacken. Gewöhnlich sind Probetage ein oder zwei Tag wie ich auch in anderen Firmen die Erfahrung gemacht habe, aber diese wollen 5 Tage haben. Ob es zu einer Anstellung kommen wird ist natürlich nicht garantiert, ob sie mir die gewünschte Vergütung anbieten werden wurde auch besprochen, was denkt ihr könnte diese Firma überhaupt seriös sein? Müssen 5 Tage vergütet werden da ich ja mit anpacke und nicht nur rein schnuppere?

Antwort
von PeterSchu, 47

Wenn man zum Arbeiten im Betrieb ist (und das heißt Anwesenheitspflicht und Weisungsgebundenheit), dann ist dies auch zu bezahlen. Schon beim ersten Tag. Anders wäre das bei einer "Kennenlernphase", wenn du selbst jederzeit sagen kannst "ich schau mich mal um und wenn es mir nicht gefällt, geh ich".

Gibt es eine schriftliche Vereinbarung über diese 5 Tage? Wenn nicht, hätte dein Betrieb doppelt Pech, wenn du es darauf anlegst. Erstens müsste er dir die Zeit bezahlen und zweitens ist ein unbefristeter Arbeitsvertrag zustande gekommen. Denn wenn nicht vorher eine schriftliche Vereinbarung über eine Befristung getroffen wurde, gilt ein mündlich geschlossener Arbeitsvertrag als unbefristet. 

Seriös klingt das auf jeden Fall nicht. Daher ist es vielleicht auch nicht erstrebenswert, dort dauerhaft zu arbeiten.

Zitat: "Übernimmt ein Bewerber jedoch auf Anweisung des Chefs
betriebliche Arbeiten, muss er dafür bezahlt werden - selbst dann, wenn
bei der Vereinbarung über die Probearbeit nicht über die Vergütung
gesprochen wird. In dem Fall nehmen Arbeitsrichter in der Regel
entsprechend der Regelung des § 612 BGB "eine den Umständen nach
angemessene Vergütung" als vereinbart an."


http://karrierebibel.de/probearbeit/

Antwort
von DerHans, 56

Eigentlich gilt:

Keine Leistung ohne Gegenleistung

leider haben sich manche Arbeitgeber daran gewöhnt, Leute umsonst arbeiten zu lassen.

Wenn du den Job sowieso nicht bekommst, kannst du deinen Lohn ja einklagen-

Antwort
von annisimoni, 56

Schon 5 Stunden müssen vergütet werden. Mit der ersten Arbeitsstunde bist du bereits ein rechtsverbindliches Arbeitsverhältnis eingegangen. Wenn dein Arbeitgeber dich nicht bezahlt, kannst du vor dem Arbeitsgericht klagen. Oder hast du unterschrieben, dass du dort ein 5-tägiges, unbezahltes Praktikum machst? Wenn nein, bist du bereits eingestellt.

Dazu sagt der § 612 BGB:

Wird bei der Vereinbarung von Probearbeit nicht über die Vergütung gesprochen, gilt eine den Umständen nach angemessene Vergütung als vereinbart. Praktisch bedeutet dies, dass derjenige, der nach Weisung arbeitet, auch bezahlt werden muss. Eine Ausnahme von dieser Regelung muss ausdrücklich vereinbart werden.

Das Zustandekommen einer derartig speziellen Vergütungsvereinbarung muss der Arbeitgeber nachweisen. Sind keine weiteren schriftlichen Vereinbarungen getroffen worden, muss der Arbeitgeberim Streitfall vor dem Arbeitsgericht möglicherweise auch nachweisen, dass durch die Beschäftigung des Arbeitnehmers nicht bereits stillschweigend ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis entstanden ist. Grundsätzlich reicht es für den Abschluss eines Arbeitsvertrages aus, dass der Arbeitnehmer seine Arbeitsleistung anbietet und der Arbeitgeber das Angebot annimmt, indem er dem Arbeitnehmer Arbeit zuweist.

Kommentar von Familiengerd ,

Das ist ja alles richtig!

Aber Du solltest schon die Ausführungen zum BGB § 612 als Zitat kennzeichnen und die Quelle im Internet benennen (z.B.  https://www.flegl-rechtsanwaelte.de/probearbeit ) und nicht den Eindruck erwecken, als handele es sich hier um Deine eigenen "Erkenntnisse"!

Vielleicht hast Du es ja auch "nur vergessen"!

Antwort
von AntwortMarkus, 37

Wenn das  als Praktikum verkauft wird, gibt es keine Kohle für die Maloche. 

Kommentar von Familiengerd ,

Auch ein Praktikum ist zu bezahlen, wenn es freiwillig ist und nicht im Rahmen einer schulischen oder ähnlichen Ausbildung oder zur Berufsvorbereitung (Ausbildung) absolviert wird!

Kommentar von AntwortMarkus ,

Man kann ein kostenloses  Praktikum  vereinbaren.  Das ist so üblich. Die meisten Arbeitgeber lassen sich auf nichts  anderes ein. Selber erlebt.

Kommentar von Familiengerd ,

"Vereinbaren" ist ja wieder etwas Anderes als Deine pauschale Aussage.

Wenn Du das selbst so erlaubt hast, ist das Deine individuelle Erfahrung, die Du nicht verallgemeinern kannst und die auch nicht die Aussage zulässt, die meisten Arbeitgeber würden sich auf nichts Anderes einlassen!

Kommentar von AntwortMarkus ,

Habe nur gesagt, wie es zu 99% abläuft. 

Die Antwort spiegelt nicht wieder ob ich das nun gut finde oder nicht.  Aber man hat keine Wahl, wenn der Arbeitgeber das so will sagt man ja oder er nimmt  sich den nächsten  der 80 anderen Bewerber. 

Kommentar von Familiengerd ,

Habe nur gesagt, wie es zu 99% abläuft.

99 % - diese zweifelhafte Behauptung sei mal dahin gestellt ...

Aber selbstverständlich hast Du Recht, dass man als Praktikant kaum die Möglichkeit hat, Forderungen zu stellen, wenn der Arbeitgeber eine solche Vereinbarung verlangt.

Gibt es jedoch keine Vereinbarung, kann der Praktikant Geldforderungen auch noch nachträglich stellen!

Kommentar von DerHans ,

Es sollten auch wenigstens alle "Praktikanten" nachher ihren Lohn einfordern. Auch vor Gericht. Das ist kostenlos und man braucht auch keinen Anwalt

Kommentar von AntwortMarkus ,

Das Arbeitsamt hat in meinem Fall sogar den Arbeitgeber noch darauf hingewiesen, dass er nichts zahlen muss.  Nicht mal Fahrtkosten. Die hat Das  Arbeitsamt übernommen. 

Kommentar von Familiengerd ,

Das Arbeitsamt hat [...]

Dann hat es sich wohl auch nicht um die Art von freiwilligem Praktikum gehandelt, von dem wir hier die ganze Zeit reden und für das eine Vergütungspflicht besteht!!

Kommentar von AntwortMarkus ,

Es waren ein freiwilliges Praktikum.  Habe mich dort ohne Zwang auf eine vakante Stelle beworben ohne  dass das Amt davon wußte ,  und man hat mir gesagt, ich müsse mich in einem kostenlosen Praktikum  beweisen.  Dann habe ich die Fahrtkosten dafür beim Amt  beantragt. 

Kommentar von Familiengerd ,

Wir wissen hier ja nicht, was dabei im Einzelnen konkret eine Rolle gespielt hat.

Wenn das Arbeitsamt nichts von Deinem Praktikum wusste, wieso und mit welcher Begründung konnten die dem Arbeitgeber dann mitteilen, er müsse dafür kein Entgelt zahlen?

Wenn Du das Praktikum während der Zeit einer Arbeitslosigkeit mit Bezug von Arbeitslosengeld ausgeübt hast - wonach DerHans fragt -, dann ist das auch schon wieder eine ganz andere Situation!

Unabhängig davon bleibt es dabei, dass ein Praktikant, der ein Praktikum freiwillig absolviert, um den Arbeitsplatz kennen zu lernen (ohne dass es sich um ein berufsvorbereitendes Praktikum handelt oder es sogar im Rahmen einer Ausbildung oder im Anschluss daran obligatorisch ist), Entgelt dafür verlangen kann!

Kommentar von AntwortMarkus ,

Natürlich wußte das Arbeitsamt  davon.  Habe ihn doch geschrieben. Ohne das wissen des Amtes mache ich mich strafbar. Nur habe iChina mir die Stelle selber gesucht. Und dann das Amt informiert. 

Kommentar von DerHans ,

Wenn du weiterhin im Leistungsbezug bist, ist das etwas anderes.

Da wird der Arbeitgeber ja praktisch im Auftrag der Arbeitsagentur tätig.

Natürlich bekommst du nicht doppelt Geld.

Kommentar von AntwortMarkus ,

Wer macht denn ein Praktikum  wenn er einen Arbeitsplatz woanders hat? 

Kommentar von Familiengerd ,

@ DerHans:

Da sagst Du was!

Wie soll man auch sofort auf eine solche Konstellation kommen?!?!

Kommentar von AntwortMarkus ,

Jeder, der ein Praktikum  macht,  sucht eine andere Arbeitsstelle. Also ist er arbeitslos.  Oder macht er das Praktikum  während seines Urlaubs?  Das wäre dann auch verboten,  da der Urlaub der Erholung dient. 

Kommentar von Familiengerd ,

Jeder, der ein Praktikum  macht,  sucht eine andere Arbeitsstelle. Also ist er arbeitslos.

Das ist eine unzulässige Schlussfolgerung!

Für Jemanden, der Vollzeitarbeitet und einen neuen Job sucht, wäre es selbstverständlich schwierig, daneben zum Kennenlernen eines neuen Arbeitsplatzes ein "Praktikum" zu absolvieren; so etwas geschieht wohl auch nicht.

Die Situation wäre aber ganz anders bei Teilzeitbeschäftigten usw.

Außerdem werden Praktika ohnehin in der Regel von Schülern und Studenten absolviert, die einen Beruf kennenlernen wollen - ohne dass es sich dabei um eines der obligatorischen Praktika oder eines zur Berufsvorbereitung handelt, die nciht bezahlt werden müssen.

Kommentar von AntwortMarkus ,

Da hast du recht. 

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