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Man kann, sollte es aber nicht tun, wenn man ernstgenommen werden möchte. Nur, weil man etwas früher gemacht hat und es in der Gesellschaft einen guten Ruf hatte, bedeutet das ja nicht, dass das richtig so war und weitergeführt werden sollte. Bestes Beispiel: Rauchen und Zucker galten im letzten Jahrhundert noch als gesund.

Wenn man schon mit einem Traditionsargument um die Ecke kommt, dann sollte man sich wenigstens die Mühe machen, es begründen zu können. Zum Beispiel: "Ich weiß, dass man das heutzutage nicht mehr so macht, aber in meiner Familie ist das eine alte Tradition, die mir sehr am Herzen liegt. Sie erinnert mich an meine Kindheit und meinen verstorbenen Opa, dem das immer so viel Spaß gemacht hat."... was auch immer man da jetzt als Beispiel nehmen könnte.

Für Leute, die aus einem guten Grund an alten Bräuchen oder Meinungen festhalten, ohne andere Ansichten schlechtzureden oder als falsch darzustellen, habe ich totales Verständnis. Man sollte zwar auch offen für Neues bleiben, aber es spricht ja nichts dagegen, trotzdem hin und wieder zum Alten zurückzukehren.

Bloß das in Wikipedia aufgeführte Argument "Ich bin älter, also habe ich recht" ist totaler Schwachsinn.

Woher ich das weiß:Studium / Ausbildung – Sprachen waren schon immer meine Lieblingsfächer

Ob man es benutzen kann im Sinne von sollte ist eine gute Frage.

Praktisch passiert das im Alltag doch in jeder Diskussion.

Fast so beliebt wie das Autoritätsargument "mein Arzt hat gesagt..."

Letztlich geht es doch immer darum, dass etwas individuell Erstrebenswertes erreicht werden soll, und dazu ist häufig jedes rhetorische Stilmittel recht.

Das Neue ist - ohne eine gründliche Prüfung und Bewertung seines Nutzens - in der Regel schlechter als das Alte. Neuerungen um der Neuerungen (bzw. des Profits) willen sind eine Abwärtsspirale. Das ist so wie mit Mutationen in der Biologie: Die meisten sind für das Lebewesen von Nachteil, nur selten führt eine zu einer verbesserten Anpassung an die Lebensumstände. Während die Natur die negativen Mutationen durch verringerte Lebenserwartung aussortiert und die positiven begünstigt, passiert in der Gesellschaft bzw. der Politik eher das Gegenteil.

Die Beispiele, die Wikipedia nimmt sind einseitig. Man kann genausogut lauter Beispiele nehmen, die das Traditionsargument stützen. Soll heißen: Wie wahrscheinlich ist es, dass das Alte besser ist als das Neue. Ich würde sagen, dass das in den letzten Jahrzehnt ganz überwiegend so war, sonst würde es mit der Gesellschaft nicht ständig bergab gehen. Wir sind übrigens heute der Sklaverei durch Leiharbeit näher als in den 70ern. Hätte man doch besser alles so lassen sollen wie vor 50 Jahren! Mit wenigen Ausnahmen - eine davon wäre das Verbot von Bleibenzin, eine andere die Gurtpflicht im Auto. Aber viele solche Ausnahmen gibt es nicht.

Ich sag mal so: Früher war fast alles besser.

Das ist das Argument der Faulen Denker und Mitläufer.

Mehr nicht.

Man kann es zur Argumentation nehmen. Ja klar. Wenn man etwas schon lange Zeit nach Schema X gemacht hat, dann hat sich Schema X bewährt. Es gibt also keinen Grund, es zu ändern.

Johan 58 geht zum Arzt, zum Rundumcheck.
Dem Arzt fällt auf, dass es der Leber von Johan überhaupt nicht gut geht.
Johan muss aufhören Alkohol zu trinken, sonst wird er nicht mehr lange Leben.

Johan trink aber bereits seit über 30 Jahren jeden Abend ein paar Bier und am Wochenende gerne mal mehr.
Da ist noch nie etwas passiert.

Also kann Johan ruhig weiter machen? Immerhin macht er es schon seit Jahren und es hat sich bewährt.

Ben spielt einmal im Monat Russisch Roulette.
Das macht er jetzt bereits seit 2 Jahren so, noch nie hat er verloren.
Er macht es also bereits seit langem so, hat sich das Schema also bewährt?
Gibt es also keinen Grund es zu ändern?

Karl trinkt gerne mal einen zu viel und fährt dann nach Hause.
"Da ist noch nie was passiert" und das seit Jahren.
Immerhin ist Nachts eh wenig los und "er passt ja besonders auf"
Bewährt sich also auch dieses Schema?
Sollte Karl demnach also weiter betrunken autofahren?

Tja, das Traditionsargument bestärkt alle Fälle darin, dass sie richtig handeln würden. "Hat bisher ja nie Probleme gegeben".

Die Realität schaut aber so aus das Johan an Leberversagen stirbt,
Ben sich eine Kugel in den Kopf jagd und
Karl irgendwann einen Unfall baut und Menschen tötet.

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@apophis

Keines davon kommt nur annähernd an meine Aussage heran, da sich ihre Verhaktensweise eben nicht bewährt hat.

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@Etain120

Klar hat sich ihre Verhaltensweise bewährt.
Alle machen das immerhin seit Jahren so.

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@apophis

Der erste hat sein Leber ruiniert, der zweite wird irgendwann daran sterben und der dritte begeht eine Straftat.

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@Etain120

Und?
Sie machen das seit Jahren, da ist nie was passiert.
Der erste ist auch mit 58 noch sehr fit, hat keine Beschwerden,
der zweite hat immer gewonnen
und der Dritte wurde noch nie erwischt und hat nie einen Unfall gebaut.

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@apophis

Also so funktioniert das aber nicht. Das hat mit dem Traditionsargument nichts zutun.

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@Etain120

Natürlich tut es das.
Ich argumentiere genau damit, mit dem Traditionsargument.

Für ein besseres Verständnis, schau Dir die Beispiele aus dem Link des FS an.

Tabak haben schon die amerikanischen Ureinwohner verwendet. Das kann gar nicht schädlich sein.

Es ist genau das gleiche.

Aber schln das Du merkst, dass das Traditionsargument Unsinn ist. :)

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