Wie ist diese Geschichte zu verstehen?

Ich habe in Italienisch eine Geschichte (La pantofola spaiata) gelesen, das italienische Original braucht ihr nicht zu lesen, stattdessen fasse ich sie euch kurz zusammen: Ein Mann hat auf einem orientalischen Basar Pantoffeln gekauft, aber daheim festgestellt, dass die Größen verschieden sind, ein Pantoffel rutscht ihm immer vom Fuß. Jetzt stellt er sich vor, wie ein anderer Mann irgendwo auch mit ungleichen Pantoffeln rumläuft (eben dem Gegenpaar) und humpelt, und ob dieser andere Mann vielleicht auch gerade an ihn denkt und sich auch wünscht, dass sie sich treffen könnten, um jeweils einen Schuh auszutauschen, sodass beide ein korrektes Paar Schuhe hätten. Da fühlt er plötzlich eine starke Solidarität mit diesem Fremden, von dem er nichts weiß und der bestimmt weit weg ist. Dann denkt er aber plötzlich, dass es gar nicht so gewesen ist, sondern vielleicht jetzt beim Schuhverkäufer noch das ungleiche Paar ist (die Schuhe waren dort alle auf einem riesigen Haufen) und dieser Fehler aber nie auffallen wird, weil ja immer mehr Schuhe geliefert werden und der Händler bestimmt immer passende Schuhe finden wird, und nach ihm sein Erbe etc. Oooder, so fällt ihm gerade die letzte Möglichkeit ein, war der Fehler vielleicht vorher schon von jemand anderem da und durch sein ungleiches Schuhpaar wurde nur ein alter Fehler wieder ausgeglichen, d.h. es gab tatsächlich mal jemanden mit ungleichen Pantoffeln so wie ihn, aber vor Jahrhunderten. Das heißt, sein "Leidensgenosse" humpelt nicht gerade irgendwo durch die Welt, sondern ist vor 100 Jahren durch die Welt gehumpelt. Der Mann schlurft weiter in den falschen Pantoffeln, weil er Mitleid mit diesem anderen Mann hat.

Jetzt versuche ich gerade, sie zu interpretieren, aber allzu viel fällt mir nicht ein. Meine Vorarbeit dazu ist bisher:

  • in der Geschichte bringt eine triviale Tatsache den Protagonisten dazu, über die im Universum herrschende Ordnung nachzudenken
  • niemanden sonst würden die ungleichen Pantoffeln interessieren, man würde sie wegschmeißen (da man auch nichts extra zurück in den Orient reist)
  • er denkt gerade deswegen so viel darüber nach, weil es ausgerechnet Pantoffeln sind, die ja besonders bequem sein müssen, diese aber sind unbequemer als seine gewöhnlichen Schuhe
  • die Überlegung, dass da draußen irgendwo auch jemand mit einem ungleichen Paar Schuhe rumlaufen muss, könnte man auch interpretieren als die Sehnsucht nach einem Seelenverwandten, der irgendwo auf ihn wartet (die Pantoffeln könnten ein Symbol sein für Probleme, die jemand hat, und jemand anderes hat genau das umgekehrte Problem und sie könnten sich helfen, wenn sie sich treffen würden)
  • wir suchen nach dem Sinn des Lebens und durchstöbern dabei unser eigenes Leben und Wissen wie einen Haufen Pantoffeln, wo wir nach dem passenden Paar Schuhe suchen, aber nicht jeder hat das Glück, es schnell zu bekommen

Da bin ich aber auch schon am Ende meiner Kräfte... Fällt euch dazu noch etwas ein?

deutsch, Schule, italienisch, Schreiben, Aufsatz, Interpretation, Kurzgeschichte
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