Antworten von ULange

  • Eliteinternate
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    Hallo duemile,

    Deine Frage ist nicht leicht zu beantworten, denn der Elite-Begriff wird heute inflationär gebraucht. Ein Großteil der als Eliteinternate bezeichneten Einrichtungen ist lediglich besonders teuer und wird deshalb zu den Eliteinternaten gezählt, weil nicht jeder das Geld aufbringen kann, um sein Kind dorthin zu schicken. Solche Internate haben in aller Regel mit "Elite" überhaupt nichts zu tun. D.h. die Schüler stellen weder eine "Auswahl der Besten" (genau das wäre die exakte Definition von Elite) dar, noch sind ihre Absolventen besonders "elitär".

    Als Eliteinternate im strengen Sinne kann man eigentlich nur einige staatliche Institute bezeichnen, die ihre Schüler ausschließlich nach dem Kriterium besonders hoher intellektueller Begabung oder von Spezialbegabungen auswählen. Hierzu gehören vor allem Internatsschulen für hochleistende Hochbegabte sowie Spezialschulen für Hochbagungen auf bestimmten Gebieten (MINT-Fächer, Fremdsprachen, Musik, Kunst, Sport usw.).

    Ausführliche Informationen erhälts Du auf nachfolgender Seite: http://zfi-archiv.beepworld.de/

    Die staatlichen Eliteinternate sind so preiswert (oft deutlich unter 500 Euro monatlich), dass man dort nicht unbedingt ein Stipendium beantragen muss. Aber man muss natürlich grundsätzlich den Aufnahmebedingungen entsprechen.

    Trotz der niedrigen Kosten sind auch an solchen Instituten zusätzliche Kostenermäßigungen vorgesehen. Außerdem kann man ab der Oberstufe Schüler-BAföG-beantragen.

  • Internats Suche
    Antwort ·

    Das ist auch einer der Hauptgründe weshalb ich und ein Internat möchte, weil ich glaube das ich dort besser gefördert werde wie auf meiner Schule und dann vielleicht nur noch Einsen schreibe ;)

    Genau da scheint Dein Problem zu liegen. Du hoffst auf irgend eine Hilfe von außen. Der Weg zum Erfolg erscheint diffus und vage. Irgendwer "fördert" dich, und plötzlich schreibst Du - aber auch nur **v i e l l e i c h t ** - nur noch Einsen. Solche Vorstellungen sind leider bei der Internatskundschaft sehr verbreitet. Das eigene Lernverhalten ändert sich nicht. Trotzdem erwartet man, dass die "Förderung" sich in besseren Zensuren niederschlägt. Das führt letztlich zu pädagogischer Korruption (Notenkosmetik) oder dazu, dass die Leistungen noch schlechter werden. Hier zwei typische Erfahrungsberichte:

    "Es war nicht wie bei Hanni und Hanni und erst recht nicht wie Schloss Einstein - und mein Internat ist kein Einzelfall gewesen. Keine Freizeit, Drogen, keine Zeit für dich allein & von dem Unterricht möchte ich erst garnicht anfangen - es war so einfach, dass ich mit 1,0 in der 10.Klasse abgegangen bin und in der 11. Klasse auf einer staatlichen Schule derbe abgekackt bin... Also überlegs dir - egal wie streng deine Eltern sind, egal wie doof deine Schule ist - das Internat wird schlimmer sein."

    "Eine Freundin von mir ist auch auf einem Internat und bei der hat das Lernen eher noch abgenommen, einfach weil sie die ganze Zeit nur mit den anderen Leuten Party macht und sonst das Gefühl hat, nicht mehr dazu zu gehören. Was die Noten angeht, würd ichs mir also überlegen."

    Quelle: http://www.kleiderkreisel.de/foren/rat-und-tat/schule-studium-and-beruf/588799-i...

  • Internate - Erfahrungen speziell zu Louisenlund. Nerbeuern und Merz-Schule?
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    Hallo,

    Deine Anfrage ist ziemlich typisch für viele Internatsschüler(innen). Das liest sich wie "Verbringe ich meinen Urlaub dieses Jahr auf Malle oder lieber auf den Malediven? Ach, Thailand wäre auch ganz nett. Ja und was wird denn da so alles geboten? Fünf Sterne, sechs Sterne? Tei, tei, tei, tei, tei!"

    Aber niemand geht ohne bestimmte (Hinter-)Gründe ins Internat. Und man kann nicht erwarten, dass jedes Internat alle Probleme löst und sämtliche Wünsche erfüllt. Deshalb ist es wichtig, sich über die eigenen Beweggründe klar zu werden und Bedingungen festzulegen, die erfüllt sein müssen. "Ach, ich wollte ja immer auf Schloss X und meine Zweitwahl wäre Schloss Y und was meint Ihr denn so?" klingt nicht nach Problembewusstsein oder Entscheidungskompetenz. Leider gibt es immer mehr Internats-Pauschaltourismus, Leute mit All-Inclusive- und Vollkasko-Mentalität, die glauben, ihnen müsste alles geboten werden, ohne dass sie selbst was zu bieten haben. Und bedauerlicherweise stellen sich die Internate mehr und mehr auf diese hohle Kundschaft ein.

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    Kommentar von Mulriel ,

    Ich muss lich entscheiden zwischen den dreien und würde halt gerne wissen wie es dort halt ist entschuldigung...?!?!

    Kommentar von AutoITScripter ,

    Hallo ULange,

    ich befürworte Mulriels Vorgehen, um Rat zu fragen, bzw. nach Erfahrungsberichten... Sie sucht wenigstens nach Erfahrungsberichten und blättert nicht bloß eine Broschüre durch, in der Hoffnung, dass die Broschüre (die vermutl. vom Internat selbst erstellt wurde) auch wirklich korrekt ist.

    Ich kann auch nicht bestätigen, dass die Wahl eines Internates einer Lapalie, wie "Schloss A oder Schloss B" gleichkommt...

    Gruß

    Kommentar von toaon ,

    Generell scheint ULange nie selbst neubeuern oder lund besucht zu haben stänkert aber kräftig rum :D

  • Wie sind die Schweizer Internats?
    Antwort ·

    Der Genitiv ist dem Dativ sein Tod. Im Übrigen könnte der nachfolgende Beitrag die Internatsreklame diverser "Internatsexperten" auf dieser Seite etwas relativieren: http://www.welt.de/print-welt/article527061/Schweizer-Elite-Internate-ruinieren-...

    Nicht schlecht ist auch ein Beitrag der Neuen Zürcher Zeitung vom 26.01.2009 zum Thema "Anspruch und Realität der Besten" (Untertitel: "Die Gefahren der Eliteschulen" (Auszüge):

    «Wenn er nur wenigstens ein einziges Buch lesen würde!», klagt eine Deutschlehrerin einer bekannten Schweizer Eliteschule. Die Maturitätsprüfung findet in zwei Wochen statt. Der Sprössling einer wohlhabenden Industriellenfamilie aber denkt nicht daran, sich vorzubereiten. Schliesslich gehöre ja seine Familie zur Elite Deutschlands, rechtfertigt er sich schnippisch.

    [...] «Leider haben wir keinen Platz», bedauert der Rektor eines schottischen Elite-Internats und schiebt die Schublade mit den Bewerbungsformularen wieder zu. Der Vater des Kandidaten hat sich durch seinen Akzent, seine Hobbys und seine Tätowierungen als Angehöriger der Unterschicht verraten. Eine Woche später wird auf wundersame Weise ein Platz frei, als ein Vater mit einem Adelstitel an die Türe klopft. Das Beispiel zeigt: Hat sich eine Elite etabliert, neigt sie zur Selbstformatierung. Um den Elitestatus zu bewahren, werden Distinktionscodes entwickelt, durch die man sich gegen aussen legitimiert. Zulassungsbeschränkungen werden aufgestellt, Fremde oder Angehörige tieferer Schichten sollen nicht zur Elite aufsteigen, weil sonst die solitäre Position und die eigene Macht gefährdet sein könnten. Dank einem exklusiven Lebensstil und einem grandiosen Selbstverständnis beweist man der Umgebung und sich selber, dass man der Elite angehört.

    [...] Die Gefahr jeder Elite ist die Überheblichkeit. Das Interesse und die persönliche Energie gelten mit der Zeit nicht mehr den Herausforderungen, für die der Elitestatus geschaffen wurde, sondern dienen der Selbsterhaltung. Man schreibt sich ausserordentliche Eigenschaften zu, um einen Statusverlust zu verhindern und nicht auf Privilegien verzichten zu müssen. Elitäre Kreise entwickeln oft ein Selbstbild, das sich nicht mit ihren Leistungen und Fähigkeiten deckt.

    [...] Die Elite wird zum Selbstzweck und strebt nur noch Erhaltung des Status an. Mittel dafür gibt es viele. Neben überrissenen Honoraren oder Boni werden Kongresse nur auf dem Papier besucht, Mandate in absentia ausgeführt oder wird mit theoretischen Wochenarbeitszeiten von über 800 Prozent gerechnet. Gremien werden etabliert, um gegenseitig eigene Ansprüche zu bestätigen, und Qualitätszirkel formiert, um die eigenen Leistungen als beispielhaft zu preisen. Man bemüht sich um Einfluss. Repräsentative Demokratien neigen zudem dazu, sich von Eliten manipulieren zu lassen.

    [...] Eliten haben ein Interesse an der Weitergabe ihrer Position an die Nachkommen. Viele Mitglieder der Elite träumen davon, eine Dynastie zu gründen. Die eigenen Söhne und Töchter sollen auch der Elite angehören. Wichtig sind darum Institutionen, die den eigenen Kindern den Einstieg in elitäre Kreise ermöglichen. Dank einer guten Bildung und Erziehung soll der eigene Nachwuchs auch Entscheidungsträger werden und Machtpositionen übernehmen. Eliteschulen kommen diesem Bedürfnis entgegen. Es wird suggeriert, dass dank einem hochprofessionellen Unterricht und Top-Lehrern aus dem Nachwuchs künftige Führungspersönlichkeiten geschmiedet werden können. In den Beschreibungen von Eliteschulen erkennt man die Rhetorik der Selbstlegitimation elitärer Kreise. Es wird eine hochkarätige Ausbildung versprochen, meist in einem internationalen Setting und einem geschützten Raum. Eliteschulen passen sich dem Selbstbild elitärer Kreise an. Oft wird behauptet, dass sie ausserordentliche Begabungen erkennen und adäquat fördern können.

    [...] Die Gefahr solcher deklarierten Eliteschulen ist, dass es nicht primär um Begabungen und Fähigkeiten geht, sondern um das Heranbilden eines elitären Selbstverständnisses. Sie sind darauf spezialisiert, durchschnittlich begabten Jugendlichen ein überhöhtes Selbstwertgefühl zu vermitteln. Wenn der Schulbesuch mit hohen Schulgeldern und speziellen Aufnahmebedingungen verbunden ist, dann wird der Elternschaft ausserdem Exklusivität kommuniziert. Für die Lehrpersonen wird es schwierig, wenn sie diesen Auftrag nicht annehmen und das Verhalten und das Leistungsprofil der Schüler zu sehr hinterfragen. Ihre Existenz wird bedroht, und sie verlieren vielleicht wegen eines kritischen Vaters und Sponsors ihre Stelle.

    [...] Für Menschen, die bereits als Kind in ein elitäres Milieu sozialisiert wurden, hat Bildung zudem eine andere Bedeutung. Sie ist kein Mittel des sozialen Aufstiegs, sondern höchstens eine Bestätigung des eigenen exklusiven Status. Durchschnittliche Fähigkeiten genügen, um im eigenen Stand zu bleiben. Die Motivation, sich für die Bildung einzusetzen, ist oft nicht gross, da man sich nicht mehr grundsätzlich beweisen muss. "

    LG

    Alle 4 Antworten
    Kommentar von Minafin ,

    Hi, dieser Beitrag ist sehr interessant. :) Allerdings darf ich anmerken, dass die Fragestellerin nach dem Alltag in normalen Schweizer Internaten gefragt hat und nicht nach Eliteschulen. Keine der von mir angegebenen Schulen ist eine Eliteschule für verwöhnte und verzogene Rotzlöffel von Reichen Fuzzis, ausserdem habe ich die Links nur angegeben, weil es auf den entsprechenden Seiten Tagesablaufpläne und Bilder von den Zimmern und sonstigen Einrichtungen eines durchschnittlichen Internates für Kinder von normalverdienenden Eltern gibt und die Fragestellerin so vielleicht einen ersten Eindruck davon erhält, wie das Alltagsleben in einem normalen Internat aussehen könnte. Dass der "Alltag" in einem dieser sog. "Eliteinternate" anders aussieht und dort böse gesagt jeder Trottel schulisch durchkommt, hauptsache, Papi hat genug Kohle, ist mir schon klar. ;-) Ich besuche übrigens ein normales Gymnasium in meiner Nähe, an dem nicht das Einkommen der Eltern, sondern die Schulischen Leistungen im Vordergrund stehen, keine teure Schickimicki-Schule. :) LG :)

  • Internate: Wie teuer, Ablauf, etc.
    Hilfreichste Antwort ·

    Hallo, wenn man in ein Internat "soll", gibt es in der Regel bestimmte Schwierigkeiten, für die eine Lösung gesucht wird. Ob das Internat im Norden, Süden, Osten oder Westen liegt, ist vor diesem Hintergrund ziemlich zweitrangig. Wichtig wäre das pädagogische Angebot. Dieses sollte passen, sonst wird der Internatsaufenthalt leicht zum Flop.

    Anders ist das unter dem Kostenaspekt. Die preisgünstigsten Internate gibt es im Osten Deutschlands (neue Bundesländer). Hier kosten Wohnheimplätze ab ca. 150 Euro, traditionelle Internate oft nur 300 bis 500 Euro im Monat. Aber auch in den alten Bundesländern gibt es günstige Angebote, insbesondere an staatlichen Internatsschulen. Hier zahlt man oft nur 400 bis 600 Euro. Hier kommen auch Internatsromantiker auf ihre Kosten, denn viele Institute sind an touristisch sehr attraktiven Standorten angesiedelt und nutzen alte Schlösser oder ähnliche historischen Gebäude.

    Allerdings sind die preisgünstigeren Internate nicht auf Schüler(innen) eingestellt, die viel Aufsicht, Kontrolle und schulische Unterstützung brauchen. Problemfälle schickt man besser in die sog. Landerziehungsheime (Salem, Louisenlund, Birklehof, Hermann-Lietz-Schulen usw.), allerdings betragen die Kosten hier bis ca. 3000 Euro monatlich. Diese Schulen geben sich zwar in letzter Zeit schrecklich elitär und setzen in Umlauf, dass Kinder wohlhabender Eltern, die Probleme haben, dort nicht mehr aufgenommen würden. Aber das wird schon seit Mitte der 1980er Jahre behauptet. Geändert hat sich in all den Jahren überhaupt nichts. Man kann aber an dem elitären Getue gut ablesen, dass die Schülerqualität für diese Einrichtungen von je her ein großes Problem darstellt. Leider gilt dies mehr und mehr auch für die preisgünstigeren Internate.

    Als leistungsstarker Schüler mit gutem Sozialverhalten, der auf ein gutes soziales Umfeld Wert legt, würde ich mir ein Internat grundsätzlich ersparen.

    "Das Internat" gibt es nicht. Von daher kann man allgemeine Fragen zur Schülerzahl, Zahl der Betten pro Zimmer usw. nicht beantworten. Das größte Internat ist mit über 600 Belegplätzen die Schule Schloss Salem. Die kleinsten Internate haben nur um die 10 Plätze. Im Durchschnitt liegt die Zahl der Internatsplätze pro Einrichtung deutlich unter 100.

    In der Unter- und Mittelstufe überwiegen Mehrbettzimmer, in der Oberstufe stellen Einzelzimmer oft bereits den Standard der Unterbringung dar.

    Sportgeräte wie Laufbänder, Hantelbänke usw. kann man z.T. sicherlich ins Internat mitbringen. Allerdings wird zum Teil auf spezielle Trainigsräume verwiesen, weil man befürchtet, dass das Hantieren mit schwerem Gerät (Hanteln!) zu Beschädigungen an Möbeln und Fußböden oder zu Verletzungen führt.

    Als allgemeine Tipps für die Internatsauswahl bzw. das Internatsleben kann ich Dir folgendes mitgeben: 1. Lass Dich nicht von dem äußeren Erscheinungsbild täuschen. Hinter den prächtigsten Fassaden wohnt oft das größte Elend. 2. Versuche herauszufinden, wie die Atmosphäre im Internat ist. Vielleicht mal probewohnen, um sich einen eindruck vom Internatsleben zu verschaffen. 3. Meide Internate, in denen man "alles darf" und in denen ein kumpelhaftes Verhältnis zwischen Jugendlichen und Betreuern herrscht. Dort dominiert in der Regel der Sumpf der Internatssubkultur. Klare Regeln und eine gewisse "Autorität" der Erzieher machen das Leben für alle erträglicher und schützen auch die Schwächeren oder weniger "Coolen". 4. Wenn Du Probleme mit der Schule hast, schau Dir sehr genau an, wie zum Beispiel die Hausaufgabenbetreuung organisiert ist. Die taugt nämlich in vielen Internaten überhaupt nichts! Ganz wichtig: Eine ruhige Arbeitsatmosphäre, ausreichende Aufsicht und vor allem die Möglichkeit, sich zumindest in den Hauptfächern an Fachlehrer oder besonders fähige Oberstufenschüler wenden zu können. 5. Meide teure Schicki-Micki-Internate. Die sind ihr Geld in der Regel nicht wert. Viele preiswertere Institute liegen genau so schön, bieten auch ein tolles Ambiente (wenn man's denn braucht) und nerven nicht durch geltungssüchtige Mitschüler oder eine Leitung, die dauern irgendwelche Rekorde oder Superlative produzieren muss, um in die Zeitung zu kommen.

  • Internate/Gymnasien die kreatives Schreiben sehr sehr fördern?
    Antwort ·

    Hallo Wäre vielleicht mal eine Idee für ein neues Profil. Allerdings greift die Profilitis unter den Internaten derart um sich, dass man langsam nicht mehr weiß, wo die ganzen Spitzentalente denn eigentlich noch herkommen sollen. Selbst den "Hochbegabten-Internaten" gehen langsam die Intelligenzbestien aus.

    Man darf auch nicht übersehen, dass da häufig mit der Illusion Geschäfte gemacht werden, man könne durch alle möglichen Arten von "Förderung" Spitzenforscher, -musiker, -sportler usw. im Reagenzglas züchten. Ich warte noch auf die Frage, wo es denn ein Internat wie Hoghwarts gebe, wo man lernen könne, auf dem Besen zu reiten.

    Mit Ausnahme der Sportinternate sind Internate mit speziellen Profilen keine Hauptlieferanten für erfolgreiche Künstler, Nobelpreisträger o.ä. Größen. Umgekehrt kenne ich viele Berühmtheiten, die aus einem oder mehreren Internaten rausgeflogen sind. Sie wären z.B. überrascht, wie viele Musiker, Schauspieler usw. aus der Schule Schloss Salem herausgeflogen sind. Aber liebe Kinder: Nicht nachmachen! Denn nicht jeder, der aus Salem rausfliegt, macht anschließend eine große künstlerische Karriere.

    Meine Theorie ist, dass aus denen, die im künstlerisch-kreativen Bereich auf internatsmäßige "Förderung" setzen, ohnehin nichts wird. Wer wirklich den Drang hat, zu malen, zu schreiben usw., braucht kein Talentierten-Heim mit "Wie werde ich ein erfolgreicher Künstler"-Angeboten.

    Literarische Techniken kann man sich auch ohne Mehrbettzimmer und Kantinenessen aneignen. Siehe z.B. http://schreibakademie.com/category/kreative-schreibtechnik/

    Viele Grüße

    Kommentar von maravillaberber ,

    Juup, hast schon recht. Aber eigentlich wollt ich ja auch nur wissen, obs sowas in Deutschland gibt oder eben nicht,... Damit ist meine frage nun auch nicht wirklich beantwortet... Sorry..

  • hilfe weiß jemand ein gutes internat?
    Antwort ·

    Für eine konkrete Empfehlung dürfte es zu spät sein, es sei denn, Du wärst den wenig hilfreichen Ratschlägen meiner Vorredner gefolgt. Dann wärst Du jetzt ungefährt beim 267453sten Google-Eintrag.

    Für alle, die eine ähnliche Frage haben und dies lesen:

    Selbst bei dringendem und kurzfristigem Handlungsbedarf sollten Eltern (Schüler) einen kühlen Kopf bewahren und die Konzepte der Internate sehr kritisch prüfen. Denn nicht jede Einrichtung eignet sich für jedes Kind. Das pädagogische Angebot sollte auf die individuelle Problemlage und den Betreuungsbedarf des Kindes möglichst gut abgestimmt sein.

    Doch bei einem Großteil der Ratsuchenden, die sich oft sehr spät (und manchmal leider auch schon zu spät) sowie unter hohem Zeitdruck nach einem geeigneten Internat umschauen, besteht ein merkwürdiger Hang zur Irrationalität. Statt konkrete Vorstellungen und Anforderungen für die Internatsauswahl zu formulieren, flüchten sie in Vereinfachungen und vage Hoffnungen.

    Auf ihre Erwartungen angesprochen, beginnt fast jede Antwort mit dem modalen Umstandswort "vielleicht": Vielleicht wird das Kind wieder Spaß am Lernen haben, weil geniale Lehrer es mitreißen und begeistern. Vielleicht wird man sich in deutlich kleineren Klassen seiner Schwierigkeiten individueller annehmen. Vielleicht werden nun die Hausaufgaben zuverlässig erledigt, weil laut Tagesplan des Internats jeden Nachmittag „Studierzeit“ angesagt ist. Vielleicht sorgen vielfältige Freizeitaktivitäten dafür, dass das Kind nicht auf dumme Gedanken kommt. Vielleicht findet das Kind im Internat nettere Freunde, die keinen schlechten Einfluss ausüben. Vielleicht, vielleicht, vielleicht...

    Insider wissen, dass solche Vorstellungen illusionär sind, weil in den Internaten auch nur mit Wasser gekocht wird.

    Vielfach wird die Internatsauswahl zu sehr von sachfremden Erwägungen bestimmt. Nicht die Qualität und die Plausibiliät eines pädagogischen Konzepts entscheiden, sondern das äußere Erscheinungsbild, der Prestigegewinn durch soziale Exklusivität, die gebotenen Standortvorteile und Freizeitattraktionen, die verkehrsgünstige Lage und anderes mehr.

    Gerade verwöhnte und statusorientierte Kinder und Jugendliche möchten bestehende Unzulänglichkeiten kompensieren, indem sie in einem prächtigen Schloss herumstolzieren, das einen „guten Namen“ hat. Und die Ansprüche steigen oft proportional zur Höhe der Kostensätze. Man erwartet einen „Mehrwert“. Was in der wohnortnahen öffentlichen Schule quasi umsonst zu haben ist, reicht nicht mehr aus. Kein Witz, sondern ein Originalzitat aus einem Beratungsgespräch: "Wat kostet denn so'n Hauptschulinternat? Wie - so teuer? Nää, dann nehmen wir Realschule!"

    Pädagogische Korruption wird nicht selten stillschweigend vorausgesetzt, gerade (aber nicht nur) bei Privatschulen. Vor allem die teuersten Institute sind immer spendenhungrig. Und hat man nicht schon gehört, dass der Unternehmersohn aus dem Bekanntenkreis trotz Hauptschulempfehlung plötzlich Ansichtskarten aus einem privaten Internatsgymnasium schreibt und der Stammhalter des Klinikchefs bei einem Realschulabschluss mit Notendurchschnitt 3,7 dann doch "zur Probe" in der Oberstufe von Schloss XY gelandet ist? Manche Eltern fragen ganz direkt (wörtliches Zitat), "wo das geht".

    Oft genug ist der Wechsel ins Internat nicht mit der Einsicht verbunden, die dort gegebenen Möglichkeiten für einen Neuanfang zu nutzen. Stattdessen lebt man nach der Maxime: "Alles soll besser werden, aber nichts soll sich ändern!"

    Die bittere Medizin, die oftmals allein noch helfen würde, möchten auch die verwöhnenden Eltern ihrem Nachwuchs nicht zumuten. Also wird ein „Deal“ eingefädelt: Das Kind lässt sich gnädig breitschlagen, vom „Hotel Mamma“ ins Internat umzuziehen. Dafür wird die Auswahlentscheidung ihm allein überlassen. Es darf sich das „schönste“ aussuchen, also im Endeffekt dasjenige, das die größten Freiheiten, den größten Spaß und das attraktivste Animationsprogramm verheißt und dessen Lehrer immer freundlich und bei der Notengebung „menschlich“ sind.

    Wer wirklich eine nachhaltige Verbesserung der Situation anstrebt, wird sich über derlei Wünsche hinwegsetzen. Nicht das „edelste“ Internat ist das beste, sondern unter Umständen gerade das unbequemste oder zumindest am wenigsten luxuriöse. Denn zumindest bei Lern- und Verhaltensproblemen geht es nicht um „schöner Lernen“, sondern um pädagogische Maßnahmen, die zu größerer Zuverlässigkeit, einer besseren Arbeitshaltung und langfristig zu einer grundlegenden Änderung der Lebenseinstellung des jungen Menschen führen. „Per aspera ad astra“, sagt der Lateiner. Will heißen: Nur durch Mühsal gelangt man zu höheren Zielen.

  • Als Realschülerin Stipendium für Schloss Salem
    Antwort ·

    Hallo, ich bin zwar (glücklicherweise) kein Salem-Schüler, kenne mich aber in der deutschen Internatslandschaft recht gut aus. Deshalb meine Frage: Warum um alles in der Welt willst Du Dir den ... aufreißen, nur um mit aller Gewalt nach Salem zu kommen?

    Dass die Schule Schloss Salem etwas Besonderes sei, behaupten nur die Salemer selbst. Menschen mit nüchternem Verstand, die vergleichen können, wissen: Salem ist nix Besonderes, aber besonders groß (= pädagogisch ungünstig!), besonders teuer (= verfassungswidrige Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern) und besonders oft in den negativen Schlagzeilen (siehe http://mobil.mainpost.de/regional/art21526,5520326).

    In allen diesen so genannten Elite-Internaten gibt es "die Coolen" und "die Anderen". Als Stipendiatin gehörst Du von vornherein zu den "Anderen". Und Du wirst Dich gegenüber den coolen Reichen immer benachteiligt fühlen ("Aschenputtel-Syndrom"!), egal wie freundlich die tun und wie "großzügig" die darüber hinwegsehen, dass Dir der richtige "Background" fehlt.

    Ein Salem-Aufenthalt bringt Dir als Stipendiatin überhaupt nichts. Falls Du Dir einbilden solltest, Du könntest über ein Salemer Abitur "sozial aufsteigen" - vergiss es. Stipendiaten haben an solchen Schulen nur die Funktion, von der verfassungswidrigen Sonderung der Schüler nach den Besitzverhältnissen der Eltern abzulenken, leerstehende Plätze zu füllen und das ansonsten kümmerliche Leistungsniveau zu heben. Diese Aussage habe ich z.B. bei "schulradar" gefunden:

    "Daran [an der sozialen Exklusivität, Anm. d. Verf.] ändern auch die paar Alibi-Stipendiaten nichts, die vielleicht wenig Geld haben aber nach ihren bisherigen Noten ausgewählt werden und sich dann allerdings oft über das erbärmliche intellektuelle Niveau speziell in der Mittelstufe wundern. Diese nicht "auf Salemer Mist gewachsenen", in der 10. oder 11. Klasse meist von einer öffentlichen Schule nach Salem gekommenen Schüler heben dann die Abischnitte noch zusätzlich."

    Internate wie Salem braucht kein Mensch. Sie sind gesamtgesellschaftlich nicht nur unnütz, sondern sogar gefährlich, weil sie die Werte einer demokratischen Leistungsgesellschaft unterminieren. So schrieb die Neue Zürcher Zeitung:

    "Die Gefahr solcher deklarierten Eliteschulen ist, dass es nicht primär um Begabungen und Fähigkeiten geht, sondern um das Heranbilden eines elitären Selbstverständnisses. Sie sind darauf spezialisiert, durchschnittlich begabten Jugendlichen ein überhöhtes Selbstwertgefühl zu vermitteln. [...] Das Problem der Eliteschule ist, dass sie von einem Persönlichkeitsprofil ausgeht, das erst noch bewiesen werden muss. Wer nämlich Ausserordentliches leisten wird, kann nicht vorausgesagt werden. Überdurchschnittliche Leistungen hängen von vielen Faktoren ab, selbst brillante Schulkarrieren sind kein Garant für Elitetauglichkeit. Schulerfolg ist eine Anpassungsleistung in einem abgesonderten sozialen Umfeld. Erfolgreich sind jene Schüler, die auf Forderungen und unausgesprochene Erwartungen der Lehrpersonen eingehen können. [...] Eliten müssen sich auch in einem unübersichtlichen, chaotischen Umfeld profilieren. Solche Herausforderungen können in einer schulischen Situation nicht nachgestellt und entsprechende Fähigkeiten können vorher nicht erfasst werden. Für Menschen, die bereits als Kind in ein elitäres Milieu sozialisiert wurden, hat Bildung zudem eine andere Bedeutung. Sie ist kein Mittel des sozialen Aufstiegs, sondern höchstens eine Bestätigung des eigenen exklusiven Status. Durchschnittliche Fähigkeiten genügen, um im eigenen Stand zu bleiben. [...] Zur Elite sollte gehören, wer sich dazu eignet. Eliteschulen aber drohen diesen Gedanken zu pervertieren, da sie sich den Ausschlussmechanismen elitärer Kreise anschliessen. Sie geben der Elite einen Vorwand, nur jene zuzulassen, die genehm sind. [...] Studiert man die Biografien von Menschen, die sich wirklich durch spezielle Begabungen und Fähigkeiten auszeichnen, dann haben sie oft nicht eine Eliteschule besucht. Vielmehr handelt es sich um Persönlichkeiten, die ein antagonistisches Verhältnis zu etablierten Werten haben. Nicht die Anpassung steht im Vordergrund, sondern die Suche nach Alternativen. Viele mussten sich gegen Widerstände durchsetzen und entwickelten ihre Fähigkeiten in Auseinandersetzung mit widrigen Umständen. Sie gingen nicht vom Selbstverständnis einer Elite aus, sondern profilierten sich dank dem Kampf gegen Vorurteile und Irrtümer. Ein elitäres Selbstverständnis hätte sie womöglich behindert. Die Unabhängigkeit der Schule von den Ansprüchen einzelner Schichten ist eine der grossen Errungenschaften demokratischer Gesellschaften. In Schulen sollte sich kein heimlicher sozialer Filter etablieren, sie sollten möglichst allen offen sein. Auf diese Weise erhöht sich die Chance der Durchmischung der Schichten und wird echte Begabungsförderung betrieben."

    Salem kannst Du Dir und Deinen Eltern echt (er)sparen!

    Alle 3 Antworten
    Kommentar von ULange ,

    Hier noch ein schönes Beispiel zum Thema "Aschenputtel-Syndrom": http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=kuUg84JkErE#t=608s

    Kommentar von ULange ,

    Möchtest Du Deine Schulzeit wirklich mit solchen Mitschülern verbringen? Guckst Du das: http://www.youtube.com/watch?feature=player_detailpage&v=Faqqe2cSR00#t=984s

  • Schloss Salem - Gymnasium
    Antwort ·

    Hallo JuLiiah,

    Du kennst die Schule Schloss Salem gerade mal vom Hörensagen und bist schon überzeugt, das sei die "perfekte Schule" für Dich? Finde ich merkwürdig (wie so manche andere Frage zum Thema Salem auf diesem Portal auch). Klingt alles nach typischen Troll-Fragen oder bestellter Schleichwerbung. Sollen sich jetzt "begeisterte" Salemer über ihre tolle Schule verbreiten, damit auch andere dorthin gelockt werden?

    Die Schule Schloss Salem gehört zu den sog. "Deutschen Landerziehungsheimen", die sich auf die "reformpädagogische Tradition" einer "neuen Erziehung" berufen, die eine besonders verantwortungsvolle und lebenstüchtige gesellschaftliche Elite heranbilden sollten. Dies ist allerdings gründlich misslungen.

    So schreibt Prof. Jürgen Oelkers, Erziehungswissenschaftler an der Universität Zürich: "Keine einzige Schule der Reformpädagogik hat je den eigenen Ansprüchen genügen können, aber genau dieser Eindruck sollte entstehen und wird bis heute kolportiert. Es ist immer wieder von „pädagogischen Laboratorien“ die Rede, aus denen die „moderne Schule“ hervorgegangen sein soll, während es sich tatsächlich um wenige, hoch konflikthafte, innerlich zerstrittene und ganz kleine Schulen handelte, die nie die staatliche Schulentwicklung beeinflusst haben und das oft auch gar nicht wollten. Das Sendungsbewusstsein, eine „neue“ und „ganz andere“ Pädagogik der Nähe begründet zu haben, führte zu einer maßlosen Selbstüberschätzung. Die Landerziehungsheime wähnten sich an der Spitze des pädagogischen Fortschritts, obwohl ihre Zahl klein, ihre Mischung bunt, die Konflikte heftig und die Leistungsbilanz durchaus bescheiden war."

    Zum 90-jährigen Bestehen der Schule Schloss Salem im Jahr 2010 schrieb der heutige Vorstand des Schulträgervereins, Robert Leicht, in der Wochenzeitung "DIE ZEIT": "Die Geschichte dieser »Eliteschule« – was heißt hier übrigens im Ernst Elite? – könnte ansonsten nicht nur als Erfolgs-, sondern auch als Krisen-, in wesentlichen Phasen sogar als reine Überlebensgeschichte geschrieben werden: Anfang der siebziger Jahre eine drohende Insolvenz, Mitte der achtziger Jahre ein erbitterter Streit mit dem Markgrafen Max von Baden, der eine »reaktionäre« Gegengründung erwog... [...] Salem ist nie eine Eliteschule geworden wie in England Eton, Harrow oder Winchester, mit Weiterleitung der künftigen Spitzenkader nach Oxford oder Cambridge. Spötter sagen übrigens, Max von Baden habe seinen später für die Schule segensreichen Sohn Berthold nur nicht auf eine gewöhnliche öffentliche Schule schicken wollen. Und der 1999 verstorbene, durch seine erzwungene Emigration zum Amerikaner gewordene Historiker George L. Mosse, Nachkomme der großen Berliner Verlegerfamilie, erzählte einmal privatim und nicht ohne Ironie, im Salem der Gründungszeit hätten sich reiche jüdische und verarmte adlige Familien getroffen, die einen brachten das Geld, die anderen das gesellschaftliche Prestige mit..."

    Die Schülerzahlen in Salem sind seit Jahren rückläufig. Laut dem Bericht einer Schülerzeitung wechselt pro Schuljahr etwa die Hälfte der Schüler in der Mittelstufe. Eine Leitungskrises reiht sich an die andere. Momentan ist man dabei, das erst im Jahr 2000 eröffnete Salem-College, das 70 Millionen Euro gekostet hat, in eine "Akademie" für Salem-Absolventen (und Abiturienten anderer Gymnasien) umzuwidmen, die trotz Hochschulreife noch nicht reif für die Hochschule sind. Denn die Schülernachfrage scheint nicht mehr auszureichen, um die Internatsplätze zu besetzen. Nun denkt man an eine "sinnvolle Verkleinerung" der Schülerzahlen. Mit 700 Internatsplätzen war Salem bisher das größte Internat der Bundesrepublik. Aus organisationstheoretischer und sozialpädagogischer Sicht eine institutionelle Missgeburt.

    Deshalb können Schülerberichte wie diese nicht wundern:

    "Ich war schon auf salem und mir hats da 0 gefallen! Weil wenn du da iwas trägst was nicht grad marke ist bist du out und da gibt es auch nur 2 gruppen die coolen und die outen und du kommst sofort in die eine odere andere gruppe ob man dich kennt oder nicht! Und iwie sind da alle so oberflächlich..."

    "Ich fand Salem schrecklich. Es war eine irgendwie hohle Disziplin. Der ganze Tag war strukturiert, aber der eigentliche Unterricht war chaotisch. Es gab wenig Hausaufgaben. Die Oberstufe gefiel mir besser, weil man näher an einer Stadt gewohnt hat und alles viel wohnlicher war. Aber dort haben viele Schule geschwänzt. [...] Die Lehrer waren eigentlich schon alle sehr engagiert, aber sie haben in Salem wohl so viel zu tun, dass sie den Unterricht nicht mehr richtig vorbereiten können. Es ging eigentlich die ganze Zeit nur um Party und saufen. Es gab nicht mal Klassenbücher, wie es sie an allen anderen Schulen gibt."

    Salem war nie eine gute Schule. Und wenn ich mich nicht sehr täusche, wird sich daran auch nie etwas ändern.

  • Schule Schloss Salem
    Antwort ·

    Hier hätte ich ein schönes Zitat einer Ehemaligen aus Salem:

    "Ich fand Salem schrecklich. Es war eine irgendwie hohle Disziplin. Der ganze Tag war strukturiert, aber der eigentliche Unterricht war chaotisch. Es gab wenig Hausaufgaben. Die Oberstufe gefiel mir besser, weil man näher an einer Stadt gewohnt hat und alles viel wohnlicher war. Aber dort haben viele Schule geschwänzt. Ich bin am Ende nur noch in jede zweite Stunde gegangen. Daran waren die Lehrer aber auch selbst Schuld. Oft wurde in den Stunden Kaffee getrunken oder man wurde in die Bibliothek geschickt. Die Lehrer waren eigentlich schon alle sehr engagiert, aber sie haben in Salem wohl so viel zu tun, dass sie den Unterricht nicht mehr richtig vorbereiten können. Es ging eigentlich die ganze Zeit nur um Party und saufen. Es gab nicht mal Klassenbücher, wie es sie an allen anderen Schulen gibt. Sie haben in der Oberstufe Leistungs- und Sozialrankings eingeführt. Bei den Sozialrankings werden Punkte auf jeden Schüler verteilt. Je nachdem wie viele Ämter derjenige hat. Es gab auch Schönes. z.B. das Spetzgarter Abendbrot. Mich hat geärgert, dass es so ein eingeschränktes Verständnis von "Sozial-Sein" war. Sozial ist wer gerne in einer Großgruppe mitmischt. Allerdings staune ich, wie viele von den anstrengendsten Schülern heute sehr karrierebewusst und fleißig studieren. Es war eigentlich nicht so, dass die Lehrer so streng waren. Weil in der Mittelstufe ein so strikter Tagesplan ist, wird man immer gehetzt und die Schüler treiben sich gegenseitig. Es ist dann auch oft wenig Verständnis da. Das liegt wohl daran, dass sie sich selbst auch an diese Regeln halten müssen." Leserkommentar zu dem Beitrag "Unser Lehrer Doktor Bueb" in "DIE ZEIT" Nr. 40 vom 28.09.2006

  • İnternat Schloss- Salem
    Antwort ·

    Hier hätte ich ein schönes Zitat einer Ehemaligen aus Salem:

    "Ich fand Salem schrecklich. Es war eine irgendwie hohle Disziplin. Der ganze Tag war strukturiert, aber der eigentliche Unterricht war chaotisch. Es gab wenig Hausaufgaben. Die Oberstufe gefiel mir besser, weil man näher an einer Stadt gewohnt hat und alles viel wohnlicher war. Aber dort haben viele Schule geschwänzt. Ich bin am Ende nur noch in jede zweite Stunde gegangen. Daran waren die Lehrer aber auch selbst Schuld. Oft wurde in den Stunden Kaffee getrunken oder man wurde in die Bibliothek geschickt. Die Lehrer waren eigentlich schon alle sehr engagiert, aber sie haben in Salem wohl so viel zu tun, dass sie den Unterricht nicht mehr richtig vorbereiten können. Es ging eigentlich die ganze Zeit nur um Party und saufen. Es gab nicht mal Klassenbücher, wie es sie an allen anderen Schulen gibt. Sie haben in der Oberstufe Leistungs- und Sozialrankings eingeführt. Bei den Sozialrankings werden Punkte auf jeden Schüler verteilt. Je nachdem wie viele Ämter derjenige hat. Es gab auch Schönes. z.B. das Spetzgarter Abendbrot. Mich hat geärgert, dass es so ein eingeschränktes Verständnis von "Sozial-Sein" war. Sozial ist wer gerne in einer Großgruppe mitmischt. Allerdings staune ich, wie viele von den anstrengendsten Schülern heute sehr karrierebewusst und fleißig studieren. Es war eigentlich nicht so, dass die Lehrer so streng waren. Weil in der Mittelstufe ein so strikter Tagesplan ist, wird man immer gehetzt und die Schüler treiben sich gegenseitig. Es ist dann auch oft wenig Verständnis da. Das liegt wohl daran, dass sie sich selbst auch an diese Regeln halten müssen." Leserkommentar zu dem Beitrag "Unser Lehrer Doktor Bueb" in "DIE ZEIT" Nr. 40 vom 28.09.2006

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    Kommentar von Traintraveller ,

    Also ich sehe das volkommen anders, Salem hat sich in den letzten Jahren extrem geändert und ich hab die Zeit da genossen, man hat viel Freizeit aber auch tolle Aktivitäten und die Regeln werden auch nur mehr oder weniger ernstgenommen und man findet schnell Wege sie zu umgehen;-)

  • Bekommen die Schüler auf Schloss Salem wirklich ihr Abitur "hinterhergeschmissen"?
    Antwort ·

    Wer sagt das denn? Gibt es da eine objektive Untersuchung? Leider ist man immer nur auf die Selbsteinschätzung der Schule oder der Salemer Schüler angewiesen. Aber welches Institut würde schon zugeben, Schülern das Abitur nachzuschmeißen? Und welcher Salem-Absolvent sagt schon: Ja, mir wurde das Abitur "nachgeschmissen"?. Salem leidet unter seinem monströsen Ruf als "Eliteinternat". Wäre es eine ganz normale Internatsschule, würde man einfach sagen: Schulprobleme sind das Hauptmotiv für den Besuch eines Internats. Also kann das Niveau nicht besonders hoch sein.

    Auch in Salem kann ein guter Schüler, egal ob aus reichem Hause oder Stipendiat, ein gutes oder sogar sehr gutes Abitur ablegen. Warum denn nicht? Da hilft manchmal sogar der so genannte Fischteich-Effekt (wissenschaftlich: BFLP=Big-fish-little-pond-Effekt).

    Damit ist gemeint, dass eine weniger leistungsfähige Referenzgruppe (= Klassenkameraden) dem Leistungsfähigen zu einer Steigerung seines Selbstkonzepts verhilft, wodurch er hohes Selbstvertrauen aufbaut und seine Leistungen tatsächlich weiter steigert. Selbst Mittelmäßige können von diesem Effekt profitieren. So kann beispielsweise eine Schülerin/ein Schüler mit mittleren Fähigkeiten ein großer Fisch im kleinen Teich sein, wenn sie/er sich in einer Klasse mit relativ leistungsschwachen Schülerinnen und Schülern befindet. Umgekehrt würde sie/er ein kleiner Fisch im großen Teich sein, wenn die anderen Schülerinnen und Schüler in ihrer/seiner Klasse leistungsstark wären.

    Allerdings ist auch die umgekehrte Entwicklung möglich, d.h. eine "Anpassung nach unten", wenn in der Peergroup hohe Schulleistungen niedrig bewertet werden. Internate wie Salem haben gerade mit diesem Problem nach meiner Einschätzung sehr häufig zu tun.

    Einige interessante Anmerkungen hierzu fand ich neulich in der Neuen Zürcher Zeitung unter dem bezeichnenden Titel "Anspruch und Wirklichkeit": "Die Gefahr solcher deklarierten Eliteschulen ist", so heißt es da, "dass es nicht primär um Begabungen und Fähigkeiten geht, sondern um das Heranbilden eines elitären Selbstverständnisses. Sie sind darauf spezialisiert, durchschnittlich begabten Jugendlichen ein überhöhtes Selbstwertgefühl zu vermitteln. Wenn der Schulbesuch mit hohen Schulgeldern und speziellen Aufnahmebedingungen verbunden ist, dann wird der Elternschaft ausserdem Exklusivität kommuniziert. Für die Lehrpersonen wird es schwierig, wenn sie diesen Auftrag nicht annehmen und das Verhalten und das Leistungsprofil der Schüler zu sehr hinterfragen. Ihre Existenz wird bedroht, und sie verlieren vielleicht wegen eines kritischen Vaters und Sponsors ihre Stelle.

    [...] Das Problem der Eliteschule ist, dass sie von einem Persönlichkeitsprofil ausgeht, das erst noch bewiesen werden muss. Wer nämlich Ausserordentliches leisten wird, kann nicht vorausgesagt werden. Überdurchschnittliche Leistungen hängen von vielen Faktoren ab, selbst brillante Schulkarrieren sind kein Garant für Elitetauglichkeit. Schulerfolg ist eine Anpassungsleistung in einem abgesonderten sozialen Umfeld. Erfolgreich sind jene Schüler, die auf Forderungen und unausgesprochene Erwartungen der Lehrpersonen eingehen können. Eine Kernkompetenz der Elite hingegen ist, über eine aktuelle Situation hinwegsehen zu können, Bedingungen zu hinterfragen und neue Konstrukte zu wagen. Eliten müssen sich auch in einem unübersichtlichen, chaotischen Umfeld profilieren.

    Solche Herausforderungen können in einer schulischen Situation nicht nachgestellt und entsprechende Fähigkeiten können vorher nicht erfasst werden. Für Menschen, die bereits als Kind in ein elitäres Milieu sozialisiert wurden, hat Bildung zudem eine andere Bedeutung. Sie ist kein Mittel des sozialen Aufstiegs, sondern höchstens eine Bestätigung des eigenen exklusiven Status. Durchschnittliche Fähigkeiten genügen, um im eigenen Stand zu bleiben. Die Motivation, sich für die Bildung einzusetzen, ist oft nicht gross, da man sich nicht mehr grundsätzlich beweisen muss."

  • Beliebter im Internat werden
    Antwort ·

    Hallo moniqueally,

    früher schrieb man jungen Mädchen gern folgendes Gedicht ins Poesiealbum:

    Sei wie das Veilchen im Moose

    bescheiden, sittsam und rein

    nicht wie die stolze Rose

    die immer bewundert will sein

    Das scheint wohl selbst für die heutige „Generation Biedermeier“ zu biedermeierlich zu sein. Hier hätte ich gleich mal das richtige Programm zur Persönlichkeitsbildung für Dich unter dem bezeichnenden Titel:

    „Vom Veilchen im Moose zur Rose - Wie der christliche Glaube zu einem ausgewogenen Selbstbewusstsein helfen kann“.

    Du könntest aber auch den schönen Leitartikel von Katja Irle zur Generation Biedermeier bei FR-online lesen (http://www.fr-online.de/meinung/leitartikel-generation-biedermeier,1472602,31909...).

    Zumindest die erstgenannte Lektüre wäre ganz bestimmt im Sinne des ehemaligen Leiters Deines Internats, Dr. Bernhard Bueb. Gib’s einfach so bei Google ein. Der erbauliche Text kommt sofort auf den Schirm.

    Du bist doch „auf Salem“? (Das Schloss Gaienhofen muss ja demnächst schließen, da bleibt am Bodensee eigentlich nur diese Möglichkeit.) Irgendwie scheinst Du aber das Salemer Erziehungskonzept noch nicht so richtig verinnerlicht zu haben. Ich helfe Dir mal aufs Fahrrad:

    „Die Unterkünfte in Salem sind bescheiden. Dreibettzimmer sind in der Unter- und Mittelstufe die Regel,“ lese ich bei „privatschulen-vergleich.de“. „Gefragt sind Lebensstile, die eine Bereitschaft zur Bescheidenheit und Einfachheit beinhalten,“ heißt es in Maria Knörzers Buch „Schulentwicklung in Salem“(S. 178). Ja, so sind sie, die Salemer: Einfache, bescheidene Menschen in einfachsten Unterkünften. Und da kommst Du und fragst danach, wie Du Dir in diesem Eliteinternat „einen Namen machen“, einen guten Ruf erwerben und noch beliebter und bekannter werden kannst? Du geltungssüchtige kleine Ignorantin, Du!

    Haben Deine Elitepädagogen oder die Elite-Mitschüler mit Erfahrung Dir noch nicht die zwei Wege zum frühen Salemer Ruhm gewiesen? Ja, Du stehst am Scheidewege wie einst Herakles (nein, kein Altsalemer), denn es gibt zwei Möglichkeiten:

    1. Super-Salem-Streberin (Vorbild: Gabriele Inaara Begum Aga Khan) Rufe einfach immer „hier“ oder „ich“, wenn es irgendwelche Ämter und Aufgaben zu übernehmen gilt. Opfere Dich auf bei den sozialen Diensten. Gewinne Wettbewerbe bei „Jugend forscht“, „Jugend musiziert“, „Jugend spinnt“ usw.! Schreibe ein 0,01-Abitur und sei einfach immer und überall die Beste! Sollten mal wieder über Salem zwei Flugzeuge kollidieren, sieh einfach zu, dass Du nach dem Leichenteile-Aufsammeln (charakterbildend!) den größten Haufen hast!

    2. Salem-Subculture-Queen (Vorbild: Rapper Patrice, von der Schule geflogen, aber begnadigt und hat doch noch sein Abitur am Internat Schloss Salem gemacht)

    Schnall Dir die dickste Rolex um und mach auf breiteste Hose. Zünde Dein Bett an! Sammele die meisten Punkte beim Alk-Test, usw. Man wird Dir zujubeln.

    Am Ende gibt’s dann einen neuen Spruch ins Poesie-Album:

    Sei kein blödes Veilchen im Moose,

    bescheiden, sittsam und rein

    sondern eine stolze Salemer Rose

    und trink den Sekt nie aus der Dose,

    der Erfolg kommt dann ganz von allein!

    Alles Liebe!

    Alle 7 Antworten
    Kommentar von moniqueally ,

    wow.., danke für die ausfürliche antwort.. also wenn ich "weg 1" zu gehen versuche, dann werd ich auch beliebt und hab später höhere chancen auf ein erfolgreiches berufsleben?

    Kommentar von ULange ,

    Na, ja moniqueally, zumindest würde die Verkaufsabteilung Deines Internats das gern so darstellen. Die Wirklichkeit ist wohl etwas komplizierter.

    Einen sehr guten Beitrag über Eliteinternate fand ich neulich in der Neuen Zürcher Zeitung. Kleiner Auszug:

    "Die Gefahr solcher deklarierten Eliteschulen ist, dass es nicht primär um Begabungen und Fähigkeiten geht, sondern um das Heranbilden eines elitären Selbstverständnisses. Sie sind darauf spezialisiert, durchschnittlich begabten Jugendlichen ein überhöhtes Selbstwertgefühl zu vermitteln. Wenn der Schulbesuch mit hohen Schulgeldern und speziellen Aufnahmebedingungen verbunden ist, dann wird der Elternschaft ausserdem Exklusivität kommuniziert. Für die Lehrpersonen wird es schwierig, wenn sie diesen Auftrag nicht annehmen und das Verhalten und das Leistungsprofil der Schüler zu sehr hinterfragen. Ihre Existenz wird bedroht, und sie verlieren vielleicht wegen eines kritischen Vaters und Sponsors ihre Stelle. [...] Das Problem der Eliteschule ist, dass sie von einem Persönlichkeitsprofil ausgeht, das erst noch bewiesen werden muss. Wer nämlich Ausserordentliches leisten wird, kann nicht vorausgesagt werden. Überdurchschnittliche Leistungen hängen von vielen Faktoren ab, selbst brillante Schulkarrieren sind kein Garant für Elitetauglichkeit. Schulerfolg ist eine Anpassungsleistung in einem abgesonderten sozialen Umfeld. Erfolgreich sind jene Schüler, die auf Forderungen und unausgesprochene Erwartungen der Lehrpersonen eingehen können. Eine Kernkompetenz der Elite hingegen ist, über eine aktuelle Situation hinwegsehen zu können, Bedingungen zu hinterfragen und neue Konstrukte zu wagen. Eliten müssen sich auch in einem unübersichtlichen, chaotischen Umfeld profilieren. Solche Herausforderungen können in einer schulischen Situation nicht nachgestellt und entsprechende Fähigkeiten können vorher nicht erfasst werden. Für Menschen, die bereits als Kind in ein elitäres Milieu sozialisiert wurden, hat Bildung zudem eine andere Bedeutung. Sie ist kein Mittel des sozialen Aufstiegs, sondern höchstens eine Bestätigung des eigenen exklusiven Status. Durchschnittliche Fähigkeiten genügen, um im eigenen Stand zu bleiben. Die Motivation, sich für die Bildung einzusetzen, ist oft nicht gross, da man sich nicht mehr grundsätzlich beweisen muss.

    Zur Elite sollte gehören, wer sich dazu eignet. Eliteschulen aber drohen diesen Gedanken zu pervertieren, da sie sich den Ausschlussmechanismen elitärer Kreise anschliessen. Sie geben der Elite einen Vorwand, nur jene zuzulassen, die genehm sind. Man bleibt unter sich, schiebt jedoch vor, das Eliteprofil sei durch den Besuch einer der Grandes Ecoles abgesichert. Studiert man die Biografien von Menschen, die sich wirklich durch spezielle Begabungen und Fähigkeiten auszeichnen, dann haben sie oft nicht eine Eliteschule besucht. Vielmehr handelt es sich um Persönlichkeiten, die ein antagonistisches Verhältnis zu etablierten Werten haben. Nicht die Anpassung steht im Vordergrund, sondern die Suche nach Alternativen. Viele mussten sich gegen Widerstände durchsetzen und entwickelten ihre Fähigkeiten in Auseinandersetzung mit widrigen Umständen. Sie gingen nicht vom Selbstverständnis einer Elite aus, sondern profilierten sich dank dem Kampf gegen Vorurteile und Irrtümer. Ein elitäres Selbstverständnis hätte sie womöglich behindert."

    Ich fürchte, dass Dein Bemühen um optimale Anpassung an Dein Salemer Umfeld genau der falsche Weg ist, um berühmt und erfolgreich zu werden. Weg 1 ist also keine Garantie für den Erfolg im späteren Leben, sondern gilt nur für Salemer Ghetto-Bedingungen. Den Erfolg haben dann eher die Unangepassten, die den Weg 2 gehen. Siehe: http://www.schuledesjahres.de/gewinne-fuer-die-sieger-der-schule-des-jahres-2011... Der Tipp, Dein Bett anzuzünden, stammt aus diesem Interview mit dem Ex-Salemer Patrice. Aber wie im Fernsehen, wenn irgendwelche Moderatoren gefährliche Versuche machen, bei denen irgendwas in die Luft fliegt oder in Flammen aufgeht, muss man anschließend sagen: Hallo Kinder, bitte zu Hause nicht nachmachen. Alles nur Spaß!

    Kommentar von ULange ,

    Hier hätte ich noch ein schönes Beispiel für den Weg 2:

    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ritalin-missbrauch-kinder-koks-dealer-1185...

    Doch auch hier gilt: Liebe Kinder, bitte zu Hause nicht nachmachen! Macht das lieber in der Schule Schloss Salem!

    Kommentar von ULange ,

    Oh, it depends. Natürlich musst Du erst einen hässlichen Orientalen heiraten und Dich dann zu Premiumbedingungen scheiden lassen. Siehe: http://www.welt.de/vermischtes/prominente/article13636711/Aga-Khan-zahlt-Begum-6...

  • Internate. Habe ein paar Fragen!
    Antwort ·
    Internate sind schlechter

    Die Gegenüberstellung Internat versus "normale" Schule halte ich für unzulässig. Zum einen gibt es Internate mit (Internatsschulen) und ohne (Schülerheime, Wohnheime) eigenen Unterrichtseinrichtungen. Bei den Internatsschulen unterscheidet man zwischen Schulen mit angeschlossenem Internat (hier überwiegen die externen Schüler und Schülerinnen, die Schulen gleichen damit den Tagesschulen ohne Internat und sind von daher also ganz "normale" Schulen) und "Heimschulen" (hier besuchen alle internen Schüler und Schülerinnen die hauseigenen Unterrichtseinrichtungen). Hier wird offensichtlich nach der Alternative "Schule am Wohnort" oder "Besuch einer Internatsschule" gefragt. Bei der Formulierung "ob ein Internat w i r k l i c h besser ist als eine nornmale Schule" unterstelle ich, dass der Wunsch, ein Internat zu besuchen, auf der Annahme beruht, Internate (Internatsschulen) seien die "besseren" Schulen. Der unabhängige Internatsberater Peter Giersiepen hat hierzu einen recht informativen Aufsatz verfasst, auf den ich an dieser Stelle hinweisen möchte: http://www.peter-giersiepen.de/aktuelles_gute_schule.html

    Meine persönliche Meinung: Bei den Internaten überwiegen die Nachteile. Wer andere Möglichkeiten hat, sollte sich das Internat ersparen.

  • Erfahrungsberichte über Internate
    Antwort ·

    Antwort Teil 2

    Das eigentliche „Internatsleben“ ist daher häufig ein „Nachtleben“. Internate machen auch nicht „selbständiger“, da sie zumeist durchrationalisierte Versorgungsbetriebe Internate machen auch nicht „selbständiger“, da sie zumeist durchrationalisierte Versorgungsbetriebe sind, die den Schülern alles abnehmen und über Jahre eher lebensuntüchtig machen. Die so genannte „Charakterbildung“ im Internat ist eine Lachnummer. Das Internatsleben ist derartig doppelbödig, dass es den Charakter eher verbiegt. Internatsschüler lernen vor allem, zu bluffen, sich zu verstellen und die „soziale Anpassung“ lediglich vorzutäuschen. Echte persönliche Loyalität ist selten, dafür gibt es mafiöse Strukturen mit sehr hohem Gruppendruck.

    (7) Trotzdem ist im Internat nicht alles schlecht. Dies liegt daran, dass es immer wieder auch hervorragende Pädagogen, angenehme Mitschüler und „Hoch-Zeiten“ im Internat gibt, wo – allerdings nur bis zum nächsten Leiterwechsel, der nächsten Personalkrise oder dem nächsten Skandal, der auffliegt – einfach alles stimmt. Nach meiner Erfahrung berichten ca. 50% der Eltern oder Schüler mit Internatserfahrung in der Rückschau positiv und 50% negativ. Das ist nicht mehr als die Zufallswahrscheinlichkeit: Entweder es klappt oder es klappt nicht. Wer würde sich in ein Flugzeug setzen, wenn die Wahrscheinlichkeit, heil am Zielort anzukommen, nur bei 50% läge? Dass Eltern und Schüler sich darauf einlassen, liegt nicht nur an einer verlogenen Internatswerbung und idealisierenden Berichterstattung der Medien. Sie haben einfach oft keine Alternative zum Internat.

    Alle 9 Antworten
    Kommentar von fabspro ,

    Das ist eine sehr treffende Antwort. Ich bin selbst auf einem Internat, allerdings im Ausland, es gefällt mir, ich muss aber zugeben, dass es stimmt, was sie sagen.

  • Erfahrungsberichte über Internate
    Antwort ·

    Hallo!

    Für die Ratsuchende Beatrice kommt meine Antwort zwar zu spät, aber ähnliche Fragen nach Internatserfahrungen, guten Internaten usw. werden in regelmäßigen Abständen ja immer wieder neu gestellt.

    Ich war drei Jahre Lehrer und Freizeitpädagoge in einem „Deutschen Landerziehungsheim“ (Salem & Co.), 22 Jahre Internatsleiter und bin seit fast dreißig Jahren ehrenamtlicher Internatsberater bei einer gemeinnützigen Verbraucherberatungsstelle, die auf Privatschulen und Internate spezialisiert ist.

    In all den Jahren habe ich selbst sehr viele Erfahrungen gesammelt und Erfahrungsberichte von Dritten (incl. Presse usw.) erhalten und archiviert. Zusammengefasst komme ich zu folgendem Ergebnis:

    (1) Mit dem Wechsel ins Internat verschlechtert sich in aller Regel das soziale Umfeld eines Kindes oder Jugendlichen. Selbst Eliteinternate für Hochbegabte oder Spitzensportler mit angeblich handverlesener Schülerschaft machen hier keine Ausnahme. Nach einem „guten Internat“ zu fragen, ist unter diesem Gesichtspunkt etwa so sinnvoll wie die Frage nach einer guten Justizvollzugsanstalt oder Kinder- und Jugendpsychiatrie. Im Unterschied zu Jugendstrafanstalten und KJPs können die Gründe für den Internatsbesuch oft hinter irgendwelchen „Tarnmotiven“ versteckt werden, weil man dort nicht zwangsweise eingewiesen werden kann.

    (2) Ein Großteil der Eltern „wählt“ das Internat, weil das Kind in Schule und Familie auffällig geworden ist oder weil es die Leistungsanforderungen des Gymnasiums resp. der Realschule nicht erfüllt. Oft „stören“ Kinder auch (z.B. in neuen Partnerschaften und Patchwork-Familien, beim beruflichen Aufstieg usw.). Das alles kann man natürlich nicht offen zugeben. Also kritisiert man die „schlechte öffentliche Schule“ und begründet den Wechsel ins Internat mit der angeblich „besseren Bildung und (Talent-)Förderung“ im Internat. (3) In letzter Zeit streben verstärkt Geltungssüchtige aus der Mittelschicht in teure Luxusinternate der Oberschicht, die ihrer Vita wenigstens ein Jahr „Eliteinternat“ hinzufügen oder bei der späteren Karriere von den Altschüler-Netzwerken solcher sozial exklusiver Institute profitieren wollen. Die Internate heizen diese Nachfragemotive im eigenen Intersses künstlich an und versuchen zusätzlich, über Stipendien und Kostenermäßigungen begabte und sozial angepasste Bewerber(innen) anzulocken, um das soziale Klima im Internat und die Notendurchschnitte der Absolventen anzuheben.

    (4) Schüler(innen), die aus der Mittelschicht stammen, können aber von dem Besuch eines „Eliteinternats“ nicht profitieren. Sie werden missbraucht, um die „Schulen der Reichen“ mitzufinanzieren und ihren „Ruf“ zu verbessern. Wenn es aber um die spätere Karriere geht, schauen sie in den Mond, weil die „alten Eliten“ grundsätzlich die Tendenz haben, die Zahl der „Privilegierten“ möglichst gering zu halten.

    (5) Internate sind grundsätzlich Parallelwelten in einem doppelten Sinne. Sie grenzen sich einerseits gegen die „normale Gesellschaft (und leider oft auch die „Gesellschaft der Normalen“) ab und zerfallen intern in zwei Welten: Die sichtbare „Spitze des Eisbergs“, sozusagen das „offizielle“ Internatsleben, wie es im Prospekt steht, und die Internatssubkultur, die sich den Blicken der Erwachsenen weitgehend entzieht und - ähnlich wie beim sprichwörtlichen Eisberg - einen Anteil von sechs Siebteln des Internatslebens hat. In dieser Internatssubkultur gedeihen Drogenprobleme, Mobbing und sexueller Missbrauch, wobei die Täter heute überwiegend Mitschüler sind.

    (6) Die viel gepriesenen Vorteile der Internatserziehung sind zumeist nicht existent. Kleine Klassen verbessern die Leistungsfähigkeit der Schüler nicht. Dass die Lehrkräfte an (privaten) Internatsschulen „engagierter“ seien als anderswo, ist eine reine Legende. Belegt sind dagegen eine extreme Personalfluktuation bei Lehrern und Erziehern sowie häufige Leitungs- und Personalkrisen. Die Betreuung der Schüler ist auch nicht „individueller“. Eltern machen dies ausschließlich an „besseren Noten“ fest. Die Internate wissen das und senken die Anforderungen. Zentrale gestellte Abituraufgaben führen nicht zu einem vergleichbaren Leistungsniveau, weil genügend Möglichkeiten verbleiben, schlechte Ergebnisse in den schriftlichen Prüfungen durch Vornoten und mündliche Prüfungen zu „korrigieren“. Die schulischen Erfolge stehen häufig auch deshalb nur auf dem Papier, weil die Hausaufgaben nur unzureichend betreut werden und nicht genügend Nachhilfeunterricht erteilt wird. Die tollen Freizeitangebote haben oft eine Kehrseite: Sie führen, zusammen mit dem „durchgetakteten“ Tagesplan der Internate, zu einer Totalverplanung der Zeit, die entwicklungspsychologisch schädlich ist. Außerdem holen sich die Internatsschüler die „Freiheiten“, die ihnen der vorgeschriebene Tagesablauf nimmt, zumeist in der Nacht wieder.

    Alle 9 Antworten
    Kommentar von kitaengel ,

    Danke! Auch meine Erfahrung! 

    Das richtige Internat zu finden ist immer schwierig! Die Gebäude sehen immer Prachtvoll aus, sogar romantische Schlösser sind im Angebot! Die Internetseiten sind voller Bilder glücklicher Kinder. Lasst euch von tollen Gebäuden nicht täuschen! Lieber kein Schloß für dein Kind - sondern genügend Erzieher und weit weg von Drogen!

    Natürlich kann ich nur aus meiner subjektiven Sicht als Mutter hier meine Meinung sagen. Jeder muss letztendlich selbst entscheiden.

    Internat ist immer eine schwierige Entscheidung. Aber die Standortwahl ist auch entscheidend.

    In Deutschland würde ich zur Zeit nur Internate in Baden Württemberg empfehlen!

    Da die "liebsten Kinder" weit von zu Hause weg sind, kommt der Auswahl eine besondere Bedeutung zu. Die offene Drogenpolitik in den Niederlanden führt dazu, das Drogen leichter verfügbar sind in Nordrhein- Westphalen und Niedersachsen. Gleiche Problem in Bayern und Sachsen wegen der Nähe zu Prag!

    Unsere Kinder werden in den Internaten am Wochenende nur von Studenten betreut, die kaum älter sind als unsere Kinder. Echte Aufsicht - wie wir Eltern sie verstehen - wird da klein geschrieben.

    Und das die jungen Männer und Mädchen die Chancen ihrer Jugend nutzen, wenn keine Aufsicht da ist, bzw. nur auf dem Papier... Die Mädchenhäuser und Jugendhäuser haben doch keine Funktion, wenn beide Geschlechter durch offene Türen ein und aus gehen, oder? Selbst die Aufsicht ist - um die Jugend nicht zu stören, nicht an den Türen, sondern schön weit weg. Motto: was wir nicht sehen, können wir nicht beurteilen. Die Schüler werden in den Internaten gehalten, indem fast alles erlaubt wird.

    Aus Münster, Oldenburg, Osnabrück, Emden, Aachen oder Mönchengladbach sind die Jugendlichen innerhalb von einer Stunde im gelobten "Drogenland" - nichts gegen unsere niederländischen Freunde - aber für die Jugendlichen ist es aber leider so. Billige Drogen sind ein ernsthaftes Problem, für uns Eltern. Politisch Korrekt ist das alles hier nicht - aber als Eltern haben wir den Schutz unserer Kinder im Focus!

    In Bayern und Sachsen sind 100.000 Menschen abhängig von Chrystal Meth, da es billig von Prag eingeführt wird! Dresden, Leipzig, Nürnberg und Regensburg in in diesem unheilvollem Umkreis.

    Und nicht zu vergessen - unsere Kinder entfernen sich von uns auch emotional. Leider ist den Erziehern in den Internaten dies nicht immer klar vor Augen. Wir verlieren auch immer ein wenig unsere Kinder an die Erzieher! Hier Grenzen zu setzen, ist wichtig. Sollten die Erzieher zu Nahe an eurem Kind sein, kündigt den Vertrag - sofort!

    http://kita-erzieherinnen.blogspot.de/2016/12/internat-suchen-und-finden-in.html

  • kann man sich in einem internat überhaupt wohlfühlen?
    Antwort ·

    Hallo Fachfrau1000,

    ein Engländer würde wohl antworten: Oh, it depends! Tatsächlich können Internatserfahrungen sehr unterschiedlich sein, wie eben auch Internate und Menschen ganz unterschiedliche Strukturen haben. Nicht alle Internate sind Massenbetriebe. Sportinternate großer Fußballvereine z.B. sind häufig als kleine Einheiten mit nur wenigen Belegplätzen organisiert. Jeder hat ein Einzelzimmer und es gibt ein Betreuerehepaar, das als Pflegeeltern fungiert und die nötige "Nestwärme" bietet. Ähnlich funktionieren die Internate, die den in den westlichen Bundesländern neu gegründeten Eliteschulen des Sports angegliedert sind. Hier ist die Grundidee, wirklich nur die Spitzentalente aufzunehmen. Die Sportler werden, wie in einer guten Familie, zudem an allen Aufgaben der Hauswirtschaft beteiligt und aufmerksam und persönlich betreut. Man hat hier aus negativen Erfahrungen vor allem im Osten Deutschlands gelernt, wo Sportinternate mit "DDR-Vergangenheit" oft mehrere Hundert Plätze haben. Da es nicht so viele Spitzentalente gibt, werden die Plätze mit allen möglichen Problemkindern aufgefüllte, denn viele Eltern meinen, dass Sport ein Allheilmittel ist für aggressive Verhaltensstörungen, ADHS und was auch immer. Diese Massenbetriebe werden oft von Betriebsgesellschaften geführt, die bestenfalls die Grundversorgung der Schüler sichern. Man spricht hier dementsprechend auch nur von "Wohnheimen". In solchen Kasernen herrschen eher die Bedingungen von Legebatterien, Mobbing ist an der Tagesordnung, zudem wird viel geklaut und gesoffen. Auch illegale Drogen sind sehr verbreitet. Aber selbst dort gibt es Schüler, die sich wohl fühlen. Es ist eben ein Unterschied, ob man innerhalb der Internatssubkultur zur "Ingroup" oder zu den "Opfern" zählt und nicht alle Kinder und Jugendliche sind zart besaitet.

    Ein großes Problem in den heutigen Internaten ist die hohe Zahl von Kindern und Jugendlichen mit gravierenden Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen. Wenn man liest, dass in der Schule Schloss Salem, die als "Eliteinternat" gehandelt wird, zum neuen Schuljahr 130 Bewerber abgelehnt wurden, obwohl 30 Plätze nicht besetzt werden konnten, dann weiß man, wer normalerweise bei den Internaten anklopft. Neuerdings gibt es viele Geltungssüchtige, die meinen, ihre Biografie durch den Besuch eines "Eliteinternats" aufwerten zu müssen. Nach einem Jahr Salemer Mittelstufe in engen Drei-Mann-Zimmern (ehemalige Mönchszellen) sind die aber schnell bedient. In dem Bericht einer bayrischen Schülerzeitung über das Salemer Internatsleben stand, dass in vielen Klassen jedes Jahr die Hälfte der Schüler "Neue" sind. Und nächtliche Einsätze als Bergungstrupp im Überlinger Wald nach einem Flugzeugabsturz (ein Lehrer: „Leichenteile Einsammeln ist was anderes als wenn ich das in der Zeitung lese und denke: Oh, ist das schlimm“) dürften kaum Internatsromantik aufkommen lassen. Es scheint aber so, dass man vielen nur einreden muss, durch den Internatsbesuch zur "Elite" zu gehören, und schon akzeptieren sie die übelsten Verhältnisse. Siehe http://zfi.beepworld.de/files/internateeliteschuledessportspotsdamjahrelangegewa...

  • Mein Sohn ist seit 2 Wochen im Internat, mit einer Probezeit bis Februar 2013, nun möchte ich den
    Antwort ·

    Hallo Rommmy,

    es geht also um eine außerordentliche Kündigung. Dabei kommt es auf den Kündigungsgrund an. Es muss sich um einen sog. "wichtigen Grund" handeln, der die Fortsetzung des Vertrags als unzumutbar erscheinen lässt. Die Gerichte legen dabei strenge Maßstäbe an. "Heimweh" gilt nicht als wichtiger Grund. Dasselbe gilt für schlechte Verpflegung, unzureichende Raumtemperatur u.a.m. Bei Nichterbringung zugesicherter oder unter normalen Umständen zu erwartender Leistungen muss dem Internat die Möglichkeit zur Nachbesserung gegeben werden, bevor eine Kündigung ausgesprochen werden kann. Es muss also zuvor eine Abmahnung mit Fristsetzung erfolgen.

    Als wichtige Gründe kommen nur schwere Verfehlungen seitens des Internats bzw. seiner Mitarbeiter, der Mitschüler usw. in Betracht (z.B. sexuelle Übergriffe, körperliche Züchtigung, demütigende Erziehungsmaßnahmen, Bullying o.ä.). Sie müssen aber wissen, dass Sie die Beweislast tragen. Das bedeutet vor allem, Beweise zu sichern, bevor man die fristlose Kündigung ausspricht. Wenn Sie sich auf Aussagen von Mitschülern berufen wollen, müssen Sie wissen, dass Kinder und Jugendliche unsichere Zeugen sind. Sie stehen im Internat u.U. unter starkem Druck, Mitschüler nicht zu verpetzen oder den "guten Ruf" des Internats nicht zu schädigen. Es kann Ihnen also passieren, das solche Zeugen zunächst zu Ihren Gunsten aussagen, wenn es hart auf hart geht, aber "umfallen" oder ihre Aussagen abschwächen.

    Sehr vorsichtig müssen Sie sein bei Gründen, die in der Persönlichkeit ihres Kindes liegen. "Mangelnde Internatseignung" ist kein Grund für eine außerordentliche Kündigung. Hier hat der Bundesgerichtshof entschieden, dass das Risiko einer fehlenden Fähigkeit oder Bereitschaft des Kindes, sich in die neue Umgebung einzufügen, einseitig auf Seiten der Eltern liegt, weil sie ihr Kind in jedem Fall besser einschätzen können als dies dem Internat möglich ist.

    Gleichgültig wie die Dinge liegen, kann man immer versuchen, sich mit dem Internat gütlich zu einigen. Hierbei sollte man möglichst diplomatisch vorgehen und nicht mit einseitigen Schuldzuweisungen arbeiten.

  • Was muss ein gutes Internat kosten?
    Antwort ·

    Was kostet ein gutes Buch mindestens? Blöde Frage, oder?
    "Oh, it depends" (kommt ganz drauf an), würde der Engländer antworten. Auch auf die Frage nach einem "guten Internat". Wobei es in England sog. Rankings (also Bestenlisten) gibt, an der sich zumindest diejenigen orientieren, die dem naiven Glauben anhängen, dass die Maßstäbe, die da von irgendwelchen Ranking-Kommissionen an Institutionen angelegt werden, auch für den eigenen Nachwuchs von Bedeutung sind. Wobei das dann schon äußerst stromlinienförmige Kinder sein müssten.

    Und genau da liegt des Hasen Kern in des Pudels Pfeffer. Ob ein Internat "gut" ist, bemisst sich einzig und allein daran, ob es den Wünschen, Erwartungen und Bedürfnissen des "Kunden" gerecht werden kann und nicht daran, wieviel es pro Monat/Jahr kostet. Das schönste und teuerste Luxusinternat mit den kleinsten Klassen und der genialsten technischen Ausstattung wird zur Fehlinvestition, wenn das Kind keinen Anschluss findet und sich nicht wohl fühlt.

    Wer ein gesundes, seelisch stabiles, leistungsstarkes und anpassungsfähiges Kind hat, das sich auch von schlechten Einflüssen nicht vom rechten Weg abbringen lässt, hat eine Riesenauswahl. Vor allem staatliche Träger bieten beste Unterbringung an den attraktivsten Standorten in Deutschland, und das zu Preisen, zu denen man das eigene Kind zu Hause kaum satt bekommt. Um mal Zahlen zu nennen: Mehr als 250 bis 500 Euro muss man in diesem Fall nicht ausgeben.

    Wer ein "Sorgenkind" hat, muss oft ein Mehrfaches aufwenden und wird auch dann noch feststellen, dass die Leistungen des Internats nicht ausreichen. Auch Geltungssüchtige werden mit hohen Preisaufschlägen bestraft. Wer sich ein privates Luxusinternat der 2000+Klasse in den Kopf gesetzt hat, weil er das für "Elite" hält und den Unfug von der "besseren Bildung" glaubt, kann ja dann die halbe Million für drei Kinder (siehe die Antwort "vons Oliver") raushauen.

    Die Klugen kaufen davon lieber eine schöne Immobilie oder ein Appartement in der Seniorenresidenz, von der sie selbst bzw. ihre Kinder auch dann noch was haben, wenn die Arche Noah sich als Titanic erweist und das Volk der Lemminge aus seinen eskapistischen Träumen von der schönen neuen Privatschulwelt und der Karriere in den Netzwerken der Reichen und Einflussreichen unsanft erwachen.

    Also, liebe jennifer8: Wenn da jemand mit Neusprech und Doppeldenk auf Sie einredet, um Ihnen für teures Geld ein "Abi de luxe" aufzuschwätzen, das es an der öffentlichen Schule für "umme" und an staatlichen Internaten (ja, auch da kann man das "Schloss am See mit Alpenpanorama" finden) für kleines Geld gibt, wissen Sie hoffentlich, was zu tun ist. Und wenn nicht, zahlen Sie eben Lehrgeld wie diese Mutter, die mir folgendes schreibt: From: ***@t-online.de> To: AVIB_Ulrichstein@t-online.de

    Sehr geehrter Herr Lange,

    seit Tagen lese ich nun schon Artikel von Ihnen - und immer wieder könnten Sie (wenn es denn möglich wäre) mich enttäuscht mit dem Kopf nicken sehen! Sie haben ja so Recht! Wir sind als Eltern eines 17-jährigen Sohnes mitten in das zum Himmel stinkende Häufchen getappt, das da heißt "Elite-Internat". Eines unterscheidet uns von vielen anderen Eltern, die ihr Kind auf ein Internat gegeben haben: Wir wollten unseren Sohn niemals abschieben! Wir kommen selbst aus ganz normalen Verhältnissen und wollten unserem Sohn eine erstklassige Schulbildung ermöglichen. Wir nehmen die 30.000 €/Jahr NICHT aus der Kaffeekasse. Mehr als die 70 €/Monat Taschengeld übers Internat bekommt er auch nicht. Sehr im Gegensatz zu vielen seiner Mitschüler, freuen wir uns darauf, dass er alle 2 Wochenenden nach hause kommt - und er tut das auch. [...] Mittlerweile hat unser Sohn so einiges erzählt über den unglaublichen Sumpf, der auf "Schloss XY" brodelt, dass ich es mit meinem Gewissen nicht vereinbaren kann, ihn wieder dort hin zu schicken. In Teilen dieses Sumpfes steckt auch er mit einem Fuß: Es wird gesoffen, bis zum Abwinken! Leider sind wir zu 100 Prozent auf die PR-Masche der Internate reingefallen. Es ist genauso, wie Sie es in so vielen Berichten und Interviews beschreiben. Ich erkenne so vieles wieder: Gruppenzwang, Mobbing, Drogen, Alkoholexzesse, nichts ahnende Schulleitungen, hohe Schülerfluktuationen, regelmäßige Kündigungen von Schülern (um sich die Hände in Unschuld zu waschen und die Elternschaft zu beruhigen), gut manipulierbare Urintests (um damit zu prahlen "Wir tun etwas", beim Pinkeln dreht sich das Personal allerdings schön um, damit man das Fremdurin ja nicht findet) ... ich könnte eine endlose Liste schreiben. [...] Mein Sohn ist ein schlaues Kerlchen, dem ich trotz allem vertraue! [...] Seine schulischen Leistungen sind hervorragend. Er hat die 10. Klasse als Jahrgangsbester abgeschlossen und ist direkt in die 12. Klasse (Q1/Q2) gegangen. Nun steht nur noch Q3 und Q4 an ... Wo, das wissen wir noch nicht! [...] Wichtiger ist für mich jetzt allerdings, wie ich anderen Eltern von unseren Erfahrungen berichten kann.

  • Was ist besser und warum? Privatschule II Internat (wo man Tag und Nacht bleibt)
    Antwort ·

    Hallo

    Die Alternativen erscheinen mir nicht zwingend. Was heißt „normale Privatschule“? Auch ein Internat kann einen freien Träger und eigene Unterrichtseinrichtungen haben, wäre dann also ebenfalls eine Privatschule. Niemand muss zu einer Privatschule oder in ein Internat wechseln, sofern am Wohnort eine geeignete öffentliche Schule zur Verfügung steht, deren Aufnahmevoraussetzungen er erfüllt. Zunächst müsste also begründet werden, warum man nicht normale staatliche Bildungsstätten am Wohnort besuchen kann oder will. Hieraus ergeben sich dann unter Umständen bereits Anhaltspunkte, welche der nachfolgenden Alternativen am ehesten in Frage kommt.

    1. Private Tages- oder Ganztagsschule in der Nähe des Wohnortes

    2. staatliches oder privates Internat mit externem Besuch einer öffentlichen oder privaten Schule

    3. private Internatsschule (Wohnbetreuung und Schule „unter einem Dach“).

    Hier einige wichtige Entscheidungskriterien: Wie sind die örtlichen Schulverhältnisse? Gibt es gute öffentliche Schulen? Gibt es gleichwertige oder sogar bessere Schulen nichtstaatlicher Träger? Welche weltanschauliche Ausrichtung haben diese Privatschulen (z.B. katholisch/evangelisch/freikirchlich) und stimmt man mit dieser überein? Wird eine Nachmittagsbetreuung angeboten? Benötigt man mehr als das, also eine Betreuung „rund um die Uhr“? Wie ist die familiäre Situation? Ist das Familienleben harmonisch? Gibt es Erziehungsschwierigkeiten? Braucht das Kind intensive Betreuung bei den Hausaufgaben? Welche Geldmittel stehen zur Verfügung? Kann man die Mittel für die benötigten Betreuungsleistungen aufbringen oder müssen hier Kompromisse gemacht werden?

    Gut geführte Einrichtungen gibt es sowohl im staatlichen als auch im privaten Sektor. Privatschulen sind nicht automatisch besser als öffentliche. Das gilt auch für Internate. Es ist aber wesentlich schwieriger, die Qualität eines Internats zu beurteilen, weil es hier nicht nur um die Unterrichtsqualität geht, sondern um sehr komplexe Leistungen von der hauswirtschaftlichen Versorgung und erzieherischen Betreuung bis zum Erziehungsstil, der „Atmosphäre“ der Einrichtung oder dem Gruppenklima.

    Weil das so ist, ist das Risiko einer Fehlentscheidung beim Wechsel in ein Internat wesentlich höher als beim Wechsel von der staatlichen zur privaten Tages- oder Ganztagsschule. Auch die wirtschaftlichen Risiken eines Misserfolgs sind größer, weil die Kosten einer Internatsunterbringung höher sind (gilt vor allem für private Anbieter) und man sich in aller Regel mindestens ein halbes Jahr vertraglich binden muss.

    Grundsätzlich sollte eine rationale Entscheidung auf der Minimierung des Misserfolgsrisikos beruhen. Demnach wäre der Wechsel zu einer privaten Tages- oder Ganztagsschule vorzuziehen.

    Wer mit dem Begriff „Internat“ mehr verbindet als nur die Sicherung familienähnlicher Betreuungsleistungen und einen geordneten Tagesablauf (Es soll ja Menschen geben, die sich von einer „Internatserziehung“ besondere erzieherische Wirkungen oder Karrierechancen versprechen), hat natürlich ganz andere Abwägungen vorzunehmen. Für „Internatsfans“ hat ein Internatsaufenthalt einen – allerdings häufig nur gefühlten – Mehrwert, den keine andere Erziehungs- oder Bildungsstätte vorzuweisen hat. Allerdings bewegt man sich hier auf äußerst unsicherem Terrain. Verlässliche Untersuchungen über die Wirkungen von Internatserziehung gibt es bislang nicht. Einzelne Studien und eine Vielzahl von Erfahrungsberichten legen aber den Schluss nahe, dass es mindestens ebenso viele Nachteile wie Vorteile des Internatslebens gibt. So macht ein Internatsaufenthalt nicht automatisch selbständiger oder lebenstüchtiger. Oft werden die Begriffe Selbständigkeit und Lebenstüchtigkeit mit „Auf-sich-allein-gestellt-Sein“ verwechselt. Natürlich kann derjenige, der sich im „Wolfsrudel“ einer Gleichaltrigengruppe behaupten muss, hierdurch in seiner Persönlichkeit gestärkt werden. Trotzdem wird er am Ende nicht selbständiger oder lebenstüchtiger. Dem steht nämlich u.U. das für viele Internate typische Modell der „Versorgungseinrichtung“ entgegen, die den Schüler zu einer Art Hotelgast macht, der sich weder um die Reinigung seines Wohnbereichs noch um die tägliche Ernährung kümmern muss und aufgrund eines vorgegebenen und immer gleichen Tagesplans fremdbestimmt durch den Alltag geschoben wird. Internatskritiker sprechen von „Kasernierung“ oder „Käfighaltung“. Solche Lebensformen wirken hospitalisierend und machen eher lebensuntüchtig. Häufig führen sie zum sog. „Internatskoller“, also einer psychischen Gegenreaktion gegen die totale Verplanung und das Fehlen privater Rückzugsmöglichkeiten. Nicht zu unterschätzen sind auch die negativen Wirkungen der so genannten Internatssubkultur. Ein krasses Beispiel von „Erziehung zur Lebenstüchtigkeit“ beschreibt dieser Bericht aus der FAZ: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/ritalin-missbrauch-kinder-koks-dealer-1185...

    Viele Grüße