Zwei Untersuchungen bei Sachverständigen wegen Erwerbsminderungsrente - was nun?

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3 Antworten

In meiner Sache ging es darum das ich seit langem Ärger mit der Rentenversicherung habe. Ich bin 90 % Schwerbehindert. Aus der Arbeitsvermittlung vollkommen ausgegliedert, da ich laut Gutachten der Bundesanstalt für Arbeit nicht vermittelbar bin. Aber die Rentenversicherung lehnt eine Rente wegen Erwerbsunfähigkeit bisher ab. Das ist ganz kurz die Ausgangssituation.

Mein Tip: Bitte dann nicht aufgeben !!!!!

Ich habe meine Sache (Antrag auf Rente wegen Erwerbsunfähigkeit) schon sehr lange am laufen. Und das Sozialgericht hat der RV ebenfalls Recht gegeben. Alle Klagewege habe ich durch. Und dann hat mir fast jede Stelle und jede Person gesagt das ich nichts mehr machen kann. Aber das stimmt nicht !!!

Unabhängig von allem was bei der RV läuft kann man eine Sache prüfen lassen. Und zwar beim

"Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages, Platz der Republik 1, 11011 Berlin".

Das Schreiben kann vollkommen formlos sein. Stell deine Situation dar. Lege, wenn du hast Nachweise bei.

Der Ausschuss prüft dann deine Sache und gibt dir Bescheid ob sie angenommen wird. Wenn sie angenommen wird, dann wird das

Bundesversicherungsamt, Friedrich-Ebert-Allee 38, 53113 Bonn,

eingeschaltet.

Dieses Amt prüft dann die Sache mit der Rentenversicherung zusätzlich. So hast du dann "mehrere Eisen im Feuer".

Die Rentenversicherung muss deinen Widerspruch bearbeiten. Der Petitionsausschuss prüft die Sache. Und das Bundesversicherungsamt auch. Ich habe es auf diesem Wege geschafft, das sich zusätzlich das Bundesarbeitsministerium (zuständig für die Rentenversicherung) und sogar der Bundespräsident eingeschaltet haben. Und alle Stellen haben der Rentenversicherung mitgeteilt das sie meiner Auffassung Recht geben, das die RV mir Rente geben müsste.

Das Ganze hat nur einen kleinen Haken. Diese Stellen können der RV keine Weisung erteilen. Sie können nur eine Empfehlung geben.

Aber dann steht die RV ganz schön unter Druck und kann die Sache nicht mit einer lapidaren Begründung ablehnen. Da muss sie schon bessere Argumente haben. Jeder wird dir auch sagen "Du musst allem nachkommen was die RV wünscht. Wenn die noch Gutachten wollen usw. musst du diese Gutachten machen lassen". Das stimmt so auch nicht.

Ich habe zum Schluss das letzte Gutachten abgelehnt, weil im Laufe der Zeit schon mehrere Gutachten erfolgt sind und nicht ersichtlich ist was ein weiteres Gutachten ergänzend bewirken kann / soll.

Ebenso habe ich Gutachter abgelehnt, die wer weis was für Ansprüche gestellt haben. Zum Beispiel war einer dabei, der ein psychologisches Gutachten machen sollte. Der wollte meine sämtlichen Arbeitgeber und viele andere Sachen wissen.

Mit der Begründung das dies für meinen psychologischen Zustand vollkommen unerheblich ist, habe ich das abgelehnt und Recht bekommen.

Ich hatte dann die Nase voll von dem ganzen Theater mit der RV.

Habe der RV mitgeteilt das ich keinerlei weitere Gutachten machen lasse. Und das auf Grundlage der bestehenden Gutachten nun die Entscheidung zu erfolgen hat. Und ich habe ihr eine Frist von 8 Wochen gesetzt, nach der ich Klage einreiche wegen Untätigkeit.

Und die RV hat sich nicht getraut mit etwa zu schreiben das dann keine Entscheidung erfolgen kann. Und ebenso sind sie nicht mit dem Blödsinn von "fehlender Mitwirkung" gekommen. Sondern sie bearbeiten die Sache jetzt abschließend.

Ich bin davon überzeugt das die RV auf Grund des Drucks es nicht wagt mit lapidaren Gründen abzulehnen. Sie muss ja auch dem Petitionsausschuss, dem Bundesversicherungsamt, dem Bundespräsidenten und dem Bundesarbeitsministerium für Arbeit entsprechend begründen warum sie welche Entscheidung getroffen hat. Und weil die alle auf meiner Seite stehen hat sie schlechte Karten.

Ich denke jeder kann sich jetzt ein Bild davon machen das es noch weitere Wege gibt, ausser der Klage vor einem Sozialgericht.

Und vor allem wird die Sache dann noch einmal von anderen unabhängigen Stellen geprüft.

Gruß Michael

Hallo,ich kenne das Problem.Ich habe 6 Jahre für die Erwerbsminderungsrente gekämpft und habe sie 2007 endich bekommen.auch wenn die Rente abgelehnt wird immer wieder nach 3-6Monaten neu beantragen.Gut man kann auch vor das Sozialgericht gehen aber die entscheiden meistens im Sinne der Rentenversicherung.Bei mir hatte ständig das 1Jobcenter bescheinigt das ich aus gesundheitlichen Gründen nicht vermittelbar bin genauso mein Internist und der Orthopäde.Immer wurde die Rente abgelehnt bis mir der Kragen geplatzt ist und ich in den Widerspruch geschrieben hatte das die Gutachter nur im Sinne der Rentenversicherung entscheiden um mehr Geld zu verdienen denn wenn sie im Sinne des Antragstellers entscheiden würden,würden sie von der Rentenversicherung keine Aufträge zur Begutachtung mehr bekommen.Am schlimmsten sind die sogenannten Sozialärzte bei den Medizinischen Diensten.Sie nehmen sich die Freiheit heraus Fachärzten zu widersprechen obwohl sie meistens von dem Fachgebiet null Ahnung haben.So hatte ich das geschrieben und habe innerhalb von 5 Wochen meine Rente auf Dauer bekommen.Da heist es nicht Aufgeben und immer weiter kämpfen.

Hallo cherusker18,

zunächst einmal mein aufrichtiges Mitgefühl für die gesundheitlichen Probleme Ihrer Frau.

***Gesundheit ist unser höchstes Gut!*******

Die Beiträge von Jupiter18 und MichaelSelm zeigen eindeutig auf, mit welchen Bandagen bei der deutschen Rentenversicherung gearbeitet wird.

Auch ich selbst könnte davon ein langes, leidvolles Lied singen.

Gerade vor ein paar Tagen hat eine Bekannte von mir, welcher ich nun schon seit 2004 bei Ihrem Rentenbegehren beistehe, endlich nach 7 Jahren die volle Erwerbsminderungsrente auf Zeit bewilligt bekommen.

In der Antragsphase des Rentenantragsverfahrens hatte Sie leider meine gutgemeinten Ratschläge nicht ernst genommen und zuwenig Fakten geschaffen.

Der Weg vom ursprünglichen Rentenantrag bis zum heutigen Tag war gepflastert von unzähligen REHA-Aufenthalten, Gutachterterminen, Ablehnungen, Vergleichen, Enttäuschungen, Gesundheitsverschlechterungen, Depressionen und sogar Selbstmordversuchen.

Meine Bekannte hatte bereits zu Anfang den Fehler gemacht, keinen Rechtsbeistand hinzuzuziehen, obwohl Sie Mitglied in einer Gewerkschaft war und Anspruch auf einen Rechtsbeistand hatte.

Sie wollte bereits aufgeben und die Flinte ins Korn werfen..

Schließlich ließ Sie sich sogar auf einen Vergleich mit der Rentenversicherung ein und landete wieder in einer REHA-Maßnahme.

Im Zusammenhang dieses Verfahrensablaufes wurde der ursprüngliche Rentenantrag seitens der Rentenversicherung als nicht mehr existent abgehakt und im Jahr 2009 begann dann ein neuer Rentenantrag zu laufen mit dem Resultat, daß die Rente nun rückwirkend bis 2009 zuerkannt wurde und die Jahre von 2004 bis 2009 verloren sind.

Fazit aus dieser ganzen Misere:

Machen Sie bitte keinen Schritt ohne einen kompetenten Rechtsbeistand!!!!!

Sammeln Sie all Ihre Unterlagen und Nachweise und legen Sie diese Ihrem Rechtsbeistand vor.

Ein kompetenter Rechtsbeistand wird bereits an Hand Ihrer Dokumente abschätzen können, wo da nachzubessern und wo ggf. der Hebel anzusetzen ist.

Eine Rechtsschutzversicherung würde Ihnen einen Fachanwalt für das gesamte Widerspruchsverfahren einschließlich ein fachübergreifendes Gesamtgutachten auf Antrag beim Sozialgericht finanzieren, sofern diese Rechtsschutzversicherung mindestens 3 Monate vor Verfahrensbeginn bereits in Kraft ist.

Als Mitglied im VDK z.B. erhalten Sie kompetenten Rechtsbeistand bereits ab Beginn der Mitgliedschaft (für 5 Euro pro Monat ohne Wartezeiten) bis zu den Instanzen der Sozialgerichte in allen Fragen der Sozialversicherung und das ist sehr wichtig, im Gegensatz zur Rechtsschutzversicherung, bereits außergerichtlich.

Das darf auf keinen Fall unterschätzt werden, denn oft überschneiden sich Rentenversicherung, Krankenversicherung, Agentur für Arbeit, Versorgungsamt und der schwarze Peter wird von einem Schreibtsich zum anderen delegiert.

Das sogenannte Verwaltungskarussel!

Ohne Sozialgerichtsverfahren kommt es heutzutage in den allerwenigsten Fällen zu einem positiven Rentenbescheid.

Allerdings ist der Ausgang eines Sozialgerichtsverfahrens sehr oft von der personellen Besetzung der Richterpositionen abhängig.

Meist ist das ein hauptamtlicher Richter/Richterin, der/die den Vorsitz führt, und wenigstens zwei ehrenamtliche Richterinnen/Richter.

Viele Rentenantragsverfahren enden erfolglos, weil die Anträge nicht sorgfältig vorbereitet und zuwenig Fakten geschaffen werden.

Es ist nicht jedermanns Sache, zusätzlich zu seinem gesundheitlichen Handikap durch alle Gremien des Bundestages und was weiß ich noch alles zu gehen und dann immer noch ohne Rechtsentscheidung dazustehen.

In diesem Sinne,

sichern Sie sich in jedem Falle einen kompetenten Rechtsbeistand, schaffen Sie "Fakten", notfalls ein gerichtlich genehmigtes, fachübergreifendes Privatgutachten und besuchen Sie im Vorfeld bereits mehrere Sozialgerichtstermine!

So bekommen Sie einen glakslaren Überblick über die Argumentationsweisen vor dem Sozialgericht.

Die Sozialgerichts-Sitzungs-Termine der öffentlichen Sitzungen finden Sie in der Regel außen an den Sitzungszimmern im Sozialgerichstgebäude.

Sie werden sich wundern, welche Schicksale Sie dort vorfinden und wie die Vertreterinnen und Vertreter der Rentenversicherung dort argumentieren.

Sie werden dann auch in der Parxis feststellen, daß Richter und Richterinnen in Ihren Vorgehensweisen und Entscheidungen auf keinen Fall gleich sind.

Da hängt vieles von der speziellen Vorgehensweisen und persönlichen Einstellungen ab.

Oft werden in der ersten Instanz Absagen erteilt, welche dann vor den Landessozialgerichten wieder anders beschieden werden und umgekehrt.

Machen Sie sich vorab eine eigenes Bild und dann sind Sie vorbereitet.

Ihnen und Ihrer werten Frau alles Gute, gute Besserung und viel Erfolg bei Ihrem Vorhaben.

Unter

http://eu-rente-antrag-erfolgreich.de

finden Sie weitere, unabhängige Infos zu diesem Thema.

Beste Grüße

Konrad

Vielen Dank für die aufschlussreiche Beantwortung. Meine Frau ist Mitglied beim VdK und sie wird von dort in den rechtlichen Dingen betreut und begleitet. Komischer Weise erhielten wir den Tip vom VdK von einem sogenannten Versichertenältesten der RV (jemand der in Sachen Rentenversicherung berät). Das zweite Gutachten ist jetzt erst einmal auf dem Weg nach Berlin. Mal abwarten.

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@cherusker18

Hallo cherusker18,

mit dem VDK sollten Sie in guten Händen sein!

Versichertenälteste sind meist ehrenamtlich tätig und geben Ihre Erfahrungen an die Mitglieder weiter.

Für eine erste Bestandsaufnahme und groben Rat sicherlich eine gute Anlaufstelle.

Allerdings darf man nach meinem Kenntnisstand und Dafürhalten keinen rechtsverbindlichen Rat von diesen ehrenamtlich tätigen Mitgliedern erwarten, sondern eher eine erste Orientierung.

Wenn alle Stricke reißen, ist da noch die Möglichkeit mit dem gerichtlich zu genehmigenden Privatgutachten, welches jedoch selbst bezahlt und in Auftrag gegeben werden muß, wenn keine entsprechende Rechtsschutzversicherung besteht.

Da können schnell mal 1.000 Euro und mehr, je nach Sachlage und Umfang, zusammenkommen.

Den Gutachter dürfen Sie dann unter bestimmten Voraussetzungen selbst auswählen.

Das allerletzte Wort spricht jedoch der zuständige Richter am Sozialgericht, nachdem er sich mit seinen ehrenamtlichen Beisitzern (Kollegen) beraten hat.

Beste Grüße und viel Erfolg

Konrad

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Liebe/r hubkon,

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Herzliche Grüße

Oliver vom gutefrage.net-Support

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