Zwei Auffahrunfälle innerhalb von 2 Wochen in der Probezeit, Aufbauseminar?

13 Antworten

Hallo EliteSoap,

Du schreibst:

Es ist wieder passiert, ich kann es nicht glauben.

Ich muss zugeben, dass ich es auch kaum glauben kann, dass Du anscheinend aus dem Umfall vor zwei Wochen nichts dazu gelernt hast.

Und es passiert auch wieder, dass ich die gleiche Antwort wie von vor zwei Wochen schreibe:

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was den Unfall angeht hast Du laut bundeseinheitlichen Tatbestandskatalog folgende Bußgeldbescheid zu erwarten

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Tatbestandsnummer : 104106

Tatvorwurf: Sie fuhren infolge zu geringen Abstands auf das abbremsende Fahrzeug auf. Es kam zum Unfall.

Ordnungswidrigkeit gem.: § 4 Abs. 1, § 1 Abs. 2, § 49 StVO; § 24 StVG; 12.3 BKat; § 19 OWiG

Verwarnungsgeld: 35,00 Euro

Punkte: Nein

Fahrverbot: Nein

Eintrag als A oder B - Verstoß: Nein

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Wenn die  andere Person durch den Unfall verletzt wurde, liegt zu der
Ordnungswidrigkeit noch der Straftatbestand der fahrlässigen
Köperverletzung vor.

Im Falle einer Verurteilung drohen neben der im § 229 StGB  (https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__229.html) angeführten Geld.- oder Freiheitsstrafe noch zusätzlich:

  • 2 Punkte
  • A - Verstoß
  • der wiederum für den Anfänger in der Probezeit zu einer Verlängerung der Probezeit um 2 Jahre und die Anordnung eines kostenpflichtigen Aufbauseminars zur Folge hat

Im Klartext. Egal, ob das Strafverfahren im Fall des ersten oder im Fall dieses Unfalles nicht eingestellt wird, sondern Du verurteilt wirst, erfolgt ein Eintrag als A Verstoß, der für Dich zur Folge hat,

  • dass sich die Probezeit um zwei Jahre verlängert und
  • dass ein kostenpflichtiges Aufbauseminar angeordnet wird

Nur wenn in beiden Fällen das Strafverfahren eingestellt wird, bleibt es bei der Ordnungswidrigkeit die mit 35,00 Euro aber keinen Punkten und nicht als A oder B-Verstoß eingetragen wird, so dass Deine Probezeit in kürze vorbei ist.

Schöne Grüße
TheGrow

Kleine Korrektur.

Wie crack richtig angeführt gibt es nicht einmal für die fahrlässige Körperverletzung

  • Punkte
  • Eintrag als A oder B - Verstoß

Punkte und Eintrag als A Verstoß erfolgen nur, wenn im Rahmen der Verurteilung ein Fahrverbot ausgesprochen wird oder die Fahrerlaubnis entzogen wird. Von beidem ist aber meines Erachtens nach nicht auszugehen

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Danke dir und ich weiß, nichts dazu gelernt, eigentlich schon. Seitdem fahre ich übervorsichtig und habe dabei auf die Straße geguckt, anscheinend sind meine Bremsen zu schwach, ich habe wirklich ziemlich weit vorher gebremst, als die Frau auf die Straße getreten ist.

Nun, es ist sicher, dass ich den gleichen Brief wie beim ersten mal erhalte. Jedoch waren es diesmal junge Menschen und sie waren nett uns einsichtig, denke ich. Die wollen mir nicht aufs Maul hauen, wie der erste.

Soll ich jetzt beides selbst regeln oder zumindest den ersten, wo ein Anwalt im Spiel ist, oder beide mit einem Anwalt gemeinsam regeln?

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@EliteSoap

Du musst hier zwei Sachen von einander Trennen.

Was den Schadensersatz und das Schmerzensgeld angeht brauchst Du keinen Anwalt, weil Du indirekt schon einen hast.

Die Haftpflichtversicherung Deines Fahrzeuges ist für die Regulierung von Schäden, wie Schadensersatzansprüchen und auch des Schmerzensgeldes zuständig.

Man spricht bei der Haftpflichtversicherung auch von einer indirekten Rechtsschutzversicherung, denn wenn wie in Deinem Fall die Verletzte Person Ansprüche stellt, prüft bereits die Rechtsabteilung der Haftpflichtversicherung, ob die Ansprüche überhaupt gerechtfertigt sind. In dieser Rechtsabteilung sind logischerweise auch Juristen beschäftigt, die bei der Prüfung der Ansprüche mitwirken.

Die Rechtsabteilung prüft nun, ob die Ansprüche gerechtfertigt sind oder nicht. Sind sie nicht gerechtfertigt weist die Versicherung die Forderung zurück, andernfalls zahlt die Haftpflichtversicherung den Schaden. Sie zahlt nicht nur die Schadensersatzansprüche und das Schmerzensgeld, sondern auch die Kosten die gegnerischen Anwaltes.

Im Klartext. Selbst wenn die Forderung zu recht besteht, zahlst nicht Du den geforderten Betrag, sondern Deine Haftpflichtversicherung zahlt alle mit dem Unfall verbundenen Kosten des Verletzten.

Insofern brauchst Du für die zivilrechtliche Forderung auch keinen Rechtsanwalt.

Was die Strafrechtliche Seite angeht, musst Du selber entscheiden, ob Du einen Rechtsanwalt einschaltest.

Kontra:

  • Ein Rechtsanwalt kostet Geld
  • ein Rechtsanwalt kann vorliegende Fakten auch nicht wegdiskutieren
  • Ein Rechtsanwalt wird vermutlich auch nur das schreiben, was Du auch selber schreiben würdest
  • Akteneinsicht kannst Du auch ohne Rechtsanwalt nehmen

Pro:

  • Ein Rechtsanwalt weiß, welche Beweise evtl. nicht als Beweismittel zulässig sind und dass kann in einigen Fällen hilfreich sein. Aber ein Richter erkennt in der Regel eh nur zulässige Beweismittel an
  • Ein Rechtsanwalt kennt die juristischen Fallstricke und wird zumindest in der Regel dafür sorgen, dass Du Dich mit einer unbedachten Äußerung nicht selbst belastest.

Wenn Du eine Rechtsschutzversicherung hast, würde ich auf jeden Fall einen Rechtsanwalt einschalten, denn schaden tut der auf keinen Fall.

Übernimmt keine Versicherung die Kosten, würde ich die Pro und Kontra Argumente abwägen und mich dann entscheiden ob Du einen Rechtsanwalt einschaltest.

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@EliteSoap

anscheinend sind meine Bremsen zu schwach, ich habe wirklich ziemlich weit vorher gebremst, als die Frau auf die Straße getreten ist.

Ein häufiger Anfängerfehler liegt darin, dass sie einfach nicht kräftig genug aufs Bremspedal treten. Die Bremsen müssen auf jeden Fall so stark sein, dass sie die Räder zum blockieren bringen (oder ABS aktivieren). Das passiert z.B., wenn man den Sitz zu weit zurückschiebt, sodass man gar nicht mehr genug Kraft aufs Pedal bringt. Vieleicht solltest du mal auf einem Parkplatz oder so Vollbremsungen üben.

Manchmal sind es auch einfach nur mentale Hemmungen, im Notfall voll aufs Pedal zu latschen oder das Lenkrad heftig rumzureißen. Genau um diese Probleme kümmert sich z.B, das Fahrsicherheitstraining beim ADAC. Da lernt man als allererstes, dass nichts kaputt geht, wenn man voll in die Eisen tritt.

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Interessante Diskussion hier...

Ein Auffahrunfall der auf Unaufmerksamkeit bzw. zu geringem Abstand beruht wird mit 35€ geahndet.
Dann würden auch keine Probezeitmaßnahmen folgen.

Sollte es zu einer Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung kommen gibt es auch dafür keine Punkte - also auch keine Probezeitmaßnahmen.

Insofern hast Du also für deine Probezeit nichts zu befürchten.
Einen Anwalt brauchst Du also nicht.

Noch was zu den Unfällen:
Du sagst Du hättest keine Schuld.
Wie aber sind dann die Unfälle geschehen? Das passiert nur wenn Abstand und Anhalteweg nicht zusammen passen.
Nach §4 StVO muss der Abstand zum Vorausfahrenden immer so groß sein, dass auch dann hinter diesem gehalten werden kann, wenn es plötzlich gebremst wird. Das war bei Dir nicht der Fall, sonst hättest Du ja anhalten können.

War mit meiner Antwort eine Minute schneller :-)

Aber Deine Antwort ist im Gegensatz zu den vorherigen 7 Antworten in allen Punkten richtig.

Aber ich hätte von Dir auch keine falsche Antwort erwartet :-)

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@TheGrow

Naja, etwas ungenau bzw. missverständlich ist sie aber leider... 😕

Sollte es zu einer Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung kommen gibt es auch dafür keine Punkte - also auch keine Probezeitmaßnahmen.

Das stimmt nur dann wenn es kein Fahrverbot gibt und es nicht zur Entziehung der FE kommt - was wohl dem Regelfall entspricht - aber auch erwähnt werden muss.

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@Crack

Ich weiß, das habe ich aber bereits schon in meinem Hauptthread korrigiert bzw. richtig angeführt.

Und im Fall der Fragestellung dürfte das zutreffen, was Du geschrieben hast, denn meines Erachtens nach wird nicht mit einem Fahrverbot oder Entzug der Fahrverbot zu rechnen sein.

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@TheGrow

Erstaunlich, euch beiden kann ich am meisten was abgewinnen, nicht weil ihr die positivsten seid, sondern weil ihr ausführlich argumentiert. Also soll ich bei beiden Fällen einfach den Bogen der Polizei ausfüllen? Im ersten Fall hat der Herr einen Anwalt hinzugezogen

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@EliteSoap

Also soll ich bei beiden Fällen einfach den Bogen der Polizei ausfüllen?

Was im Fall des ersten Unfalles gilt, habe ich ja bereits angeführt.

Im Fall des zweiten Unfalles würde ich an Deiner Stelle nur Angaben zu Deiner Person, aber nicht zum Sachverhalt machen. Du wirst zu Deiner Entlastung nichts beitragen können, insofern machen Angaben zur Sache keinen Sinn.

Und auf gar keinen Fall, würde ich angeben, dass Du nicht aufgrund des zu geringen Abstandes aufgefahren bist, sondern wegen der nicht richtig funktionierenden Bremsen, denn solche eine Aussage währe Kontraproduktiv.

In dem Fall würde dann zwar kein Bußgeldbescheid wegen des zu geringen Abstandes erfolgen, sonder der Bußgeldbescheid würde dann laut bundeseinheitlichen Tatbestandkataloges wie folgt aussehen.

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Tatbestandsnummer: 123601

Tatvorwurf: Sie führten das nicht vorschriftsmäßige *) Fahrzeug, wodurch die Verkehrssicherheit wesentlich beeinträchtigt war. Es kam zum Unfall.

Ordnungswidrigkeit gem. § 23 Abs. 1, § 1 Abs. 2, § 49 StVO; § 24 StVG; 108 BKat; § 3 Abs. 3 BKatV; § 19 OWiG

Bußgeld: 120,00 Euro plus 28,50 Euro an Verwaltungsgebühren

Punkte: 1

Fahrverbot: Nein

B-Verstoß

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Wird dir zur last gelegt, dass Du nicht nur fahrlässiger Weise, sondern vorsätzlicher Weise mit nicht ordnungsgemäß funktionierenden Bremsen gefahren bist, würde sich das Bußgeld sogar auf 240,00 Euro verdoppeln

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Aufbauseminar

Das dürfte bei der ganzen Sache dein geringstes Problem sein.

Meine Probezeit ist in genau 3 Wochen und 6 Tagen zu ende

Sicherlich nicht.

bei zwei leichten, welche wohl möglich Fallen gelassen werden

Fallen gelassen wird höchstens der Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung. Trotzdem bleibt (sogar zwei mal) ein A-Verstoß.

um eine Verlängerung bangen?

Du musst nicht drum bangen, die ist dir sicher.

Auf einen Anwalt solltest du keinesfalls verzichten.

zwei mal A verstoß? Seit wann denn das bitte, das ist sicherlich nicht richtig

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@Everklever

Der Tatvorwurf, der ihm gemacht werden kann, wird aber nur mit 35,00 Euro geahndet und es erfolgt KEIN Eintrag als A - Verstoß 

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