Zusammenhang zwischen Methadon-Substitution und Alkoholismus

6 Antworten

Wir beobachten bei unserer Arbeit mit Betroffenen seit vielen Jahren das Phänomen, dass Patienten, die sich in Methadonsubstitution befinden, sehr häufig eine zusätzliche Alkoholerkrankung entwickeln. Hinsichtlich des Aspektes, dass Klienten, die vormals als Heroinkonsumenten keinen Tropfen Alkohol angerührt hatten, aber unter Methadonsubstitution ihr Verhalten derart stark verändern, kann man einen unmittelbaren Zusammenhang kaum leugnen. Denn auch während einer Codeinsubstitution, konnte man keinen relevanten Alkoholkonsum bei diesen Klienten beobachten.. Dies änderte sich fast schlagartig, sobald jemand auf Methadon eingestellt wurde. Nicht jeder, aber ein sehr hoher Prozentsatz der Substituierten, entwickelt eine zusätzliche Alkoholabhängigkeit, unter der die Betroffenen in der Regel sehr leiden. Im Grunde wäre den Meisten nur mit Diamorphin wirklich geholfen, da sie sich nur dann als normal und funktionstüchtig erleben. Ich finde, dies sollte jeder von uns respektieren. Von daher wäre es sehr zu begrüßen, wenn wir in Deutschland endlich mit dem Aufbau des Diamorphinprogramm voran kommen würden. Andere Staaten, wie die Schweiz oder auch die Niederlande, sind uns damit meilenweit voraus. Und auch die künstlich geschaffene Problematik, dass die Klienten sich mehrmals am Tag in der Abgabeambulanz einfinden müssen, haben zumindestens einige schweizer Kantone inzwischen halbwegs geregelt, indem stabile Klienten, die in Arbeit sind, zwei Tage Take Home erhalten. Immerhin ein weiterer Schritt in die richtige Richtung. Unabhängig von der Tatsache, dass es in allen Bereichen des Lebens ein gewisses Maß an Missbrauch gibt, sollte es uns wichtiger sein, den Betroffenen mit dem gleichen Respekt zu begegnen wie gegenüber jedem anderen Bürger auch, statt uns ständig neue Kontrollen und Fesseln auszudenken, die die Würde der Menschen verletzen. Real ist es so, dass der Bund, nach jahrelanger Verweigerung, im Juli, 2009 zwar ein entsprechendes Gesetz erließ, aber gleichzeitig durch den Gemeinsamen Bundesausschuss, die Zugangshürden so exorbitant hoch anglegte, dass es danach zu keinen weiteren Diamorphinambulanzen bundesweit kommen konnte. Derzeit bestehen nur die Ambulanzen, die während des 10jährigen Pilotprojektes entstanden sind. Lediglich in Stuttgart soll 2014 eine Vergabestelle eröffnet werden, die man seit fast zwei Jahren bereits versucht aufzubauen und für Berlin ist eine weitere neue Diamorphinvergabestelle angedacht. Auch die Grün-Rote Landesregierung Baden-Württemberg würde gerne mehrere Ambulanzen aufbauen, aber die aktuelle Gesetzeslage macht eine Umsetzung den Kommunen so gut wie unmöglich.Trotz vielfacher Kritik von den Kommunen und Verbänden über die zu hohen Anspruchskriterien, sieht das Bundesgesundheitsministerium keinerlei Handlungsbedarf. Handlungsbedarf sieht der Bund leider auch nicht bezgl. der immer prekärer werdenden Gesamtsituation in der Substitutionsbehandlung. Stattdessen versucht man der Öffentlichkeit ein Bild von einer guten Versorgungslage zu vermitteln, was nicht den Tatsachen entspricht. Mittlerweile brechen immer mehr Substitutionplätze weg, da einerseits viele substituierende Arzte inzwischen die Altersgrenze erreicht haben und in Pension gehen, andererseits aber kaum junge Mediziner bereit sind neue Plätze anzubieten. Ein zusätzlicher Grund dafür, dass es an Nachwuchs fehlt, ist die berechtigte Angst der Mediziner vor Strafverfolgung. Irrwitzigerweise ist das BTMG bis heute nicht an die Substitutionsbehandlung angepasst worden, was dazu geführt hat, dass es in den letzten Jahren vermehrt zur Strafverfolgung von Substitutionsärzten, durch idiologiebelastete, wie auch übereifrige Staatsanwälte kommt. Gleichzeitig finden Substitutionärzte wenig Unterstützung (bis hin zur Diskriminierung) innerhalb der Ärzteschaft, was das Problem weiter verschärft. Für Patienten bedeutet dies, dass es immer schwieriger wird einen Arzt zu finden, der ihnen ihre Medikation verschreibt. Gerade in den ländlichen Gebieten spitzt sich die Situation zu. Mancher Patient muss mittlerweile Anfahrten von 150 Km und mehr wöchentlich auf sich nehmen. Oder es findet sich gar kein Arzt mehr, was bedeutet, der Staat schickt diese Bürger in die Illegalität! Patienten, die jahrelang in Substitution sind/waren, stehen von einem Tag auf den anderen, ohne Arzt und Substitutionsplatz da und werden nicht weiter mit ihrem Medikament versorgt. Das stelle man sich mal bei einem anderen Patienten vor!

Nein, es gibt keinen ursächlichen Zusammenhang zwischen Methadon-Substitution und Alkoholismus. Ebenso wie es keinen ursächlichen Zusammenhang gibt zwischen einer Tranquilizer-Abhängigkeit und Cannabis-Gebrauch.

Suchtverhalten muss nicht auf eine Substanz begrenzt sein. Viele von intravenösem Drogenkonsum Abhängige mischen (wenn sie es sich leisten können) Heroin und Kokain. Manche misch(t)en Heroin und Rohypnol. Und selbst bei Codeingebrauch ist Beikonsum keine ausgesprochen seltene Sache gewesen.

Als Unbeteiligte(r) steht man solchen Phänomenen immer recht hilflos gegenüber. Auch die Bundesregierung ist mit der Einführung der bereits abgesegneten Diamorphin-Programme längst nicht so weit wie ursprünglich angedacht. Ausserdem sind die rigiden Teilnahme-Regeln und die begrenzte Teilnehmerzahl einfach nur lachhaft angesichts der enormen Größe des Problems. Man pulvert lieber noch ein paar Millionen jährlich in die Fortführung des "war on drugs". Das ist im Grunde nichts Anderes als ein gegen die Schwächsten gerichtetes Bevölkerungs-Regulativ.

Super antwort!

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Auslösen eigtl. nicht. Vermutlich lag vorher schon eine latente Sucht vor (weswegen ja auch eine Methadon Substitution durchgeführt wird), die durch die Substitution nicht mehr so stark "wirkt" wie vorher. Wenn man dann noch die allgemein legale und überall erhältliche Droge Alkohol auf die Methadon Dosis draufknallt, hast du einen Effekt, den du früher mit anderen Substanzen erreichen konntest und vllt. sogar noch "besser" und alles in allem sogar günstiger.

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