Zusammenhang zwischen aristotelischer Seelenlehre und Nikomachischer Ethik?

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1 Antwort

Naja, in der Nikomaschichen Ethik (NE) wird die Seelenlehre im Grunde mitentworfen. Alle Lebewesen sind nach Aristoteles beseelt, die Pflanzen nur mit einer vegetativen Seele für Wachstum und Fortpflanzung, die Tiere haben dazu noch einen emotiven Seelenteil, die Menschen als einzige darüber hinaus noch einen vernünftigen Seelenteil.

Das Strebevermögen, also das Vermögen, das menschliche Handlungen zur Folge hat, wird durch die gesamte Seele angetrieben. In einer Ethik steht aber die vernünftige Erkenntnis im Vordergrund, also eine Antwort darauf, wie man sich vernünftiger Weise verhalten soll. Dies wird bereits am Beginn der NE deutlich. Denn dort definiert Aristoteles das letzte Ziel allen Strebens als das Streben nach Glückseligkeit, also das Streben nach etwas, dass um seiner selbst Willen angestrebt wird und nicht wieder Mittel zu etwas anderem ist. Von dort aus wird das Gute an sich definiert als das, was um seiner Selbst willen angestrebt wird. Um diesen Sachverhalt und um alle dem zu Grunde liegenden Zweck-Mittel-Beziehungen aber richtig zu erkennen, muss Vernunft als Erkenntniskraft vorausgesetzt werden und diese spricht Aristoteles letztlich nur der Menschenseele zu.

Schau doch mal unter diesem Gesichtspunkt nur in die ersten beiden Kapitel des ersten Buches. Dort ist neben dem Anstreben des Guten immer auch die Rede von der Erkenntnis des Guten, die dem Anstreben in logischer Ordnung vorhergehen muss.

Im weiteren Verlauf entwickelt Aristoteles seine Tugendethik immer in Referenz auf die vernünftige Erkenntnis. Die Tugend der Mäßigung kann hier ein Beispiel sein: So mag mein emotiver Seelenteil -stets auf Genuss bedacht- auf ein zuviel hinstreben (zu viele Chips, zu viel Bier, zu viel Fernsehen, etc...) und muss erst von dem vernünftigen Teil gemäßigt werden, der mir sagt, ich müsse, um tugendhaft zu sein, die als recht erkannte Mitte anstreben. Außerdem klärt er mich über die etwaigen Folgen auf (zu viel Chips, Bier und Fernsehen macht fett und krank). So entstammen menschliche Tugenden am Ende stets dem vernünftigen Seelenteil.

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Kommentar von AnonymusAnswer
09.10.2016, 20:39

Vielen Dank für deine hochqualifizierte Antwort, und die Mühe, die du dir dabei gegeben hast, du konntest mir sehr helfen :)

Grüße, AnonymusAnswer

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