Zusammenhang von Siedetemperatur und Elektronegativität

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Hallo Keinath,

im Prinzip hast du natürlich recht mit deinen Überlegungen, aaaaaber:

die Siedetemperatur eines Stoffes ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Beim Sieden müssen ja die zwischenmolekularen Kräfte zwischen den Teilchen überwunden werden.

  • zum einen sind das natürlich die von dir beschriebenen Dipol-Wechselwirkungen und Wasserstoffbrücken. Diese hängen tatsächlich mit der Differenz der Elektronegativitäten zusammen.

  • zum anderen spielt aber natürlich auch die Masse der Teilchen eine Rolle, je größer diese ist, desto schwerer ist der Siedepunkt zu erreichen. Hier in deinem Beispiel hat ja Selen die größere Atommasse.

  • zum dritten spielt oft (in deinem Beispiel eher nicht) die Oberfläche der Moleküle eine Rolle, je größer die Oberfläche, desto mehr Wechselwirkungen z.B. sog. van der Waals Kräfte sind möglich und damit steigt der Siedepunkt.

Du siehst also, der tatsächliche Siedepunkt wird von einem Zusammenspiel mehrerer Faktoren bestimmt. Merke dir diese Zusammenhänge, die wirst du in deinem Chemieunterricht immer wieder brauchen können.

Alles klar? Viel Erfolg bei der Arbeit!

Vielen Dank - das hilft mir weiter!

Das heißt aber, dass ich als Schüler gar nicht genau sagen kann welche Siedetemperatur bzw. Schmelztemperatur höher/niedriger ist, da diese von extrem vielen Faktoren abhängig ist oder?

Die V-d-W-Kräfte haben wir auch, aber diese sind ja so gering, dass sie die Siedetemperatur nicht stark beeinflussen!?

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@Keinath

Naja, so sehr viele Faktoren sind es nicht, die wichtigsten stehen schon dort, als Schüler kannst du aber meist nicht so genau abschätzen, welcher Faktor sich stärker auswirkt, in deinem Beispiel ist die EN-Differenz nicht sehr unterschiedlich, die Atommasse von Selen ist aber deutlich höher.

Was die V-d-W-kräfte anbelangt, ist ihre Wirkung nicht zu unterschätzen, das stellt man dann in der organischen Chemie fest: wenn es da Isomere mit unterschiedlicher Oberfläche gibt, dann ist ja bei ihnen alles andere identisch (z.B. die Masse), trotzdem kommen große Unterschiede im Siedepunkt heraus, das bewirken dann die vdW-K.!

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Die Aussage von deinem Chemie-Lehrer ist pauschal richtig. Bei so kleinen Differenzunterschieden wie hier (0,38 - 0,35 = 0,03!) kommen aber noch andere Faktoren zum tragen. Ich denke, es liegt hier daran, dass das Selenatom größer ist und sich deswegen besser polarisieren lässt, als das Schwefelatom.

LG

MCX

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