Zusammenfassung: Hand an sich legen von Jean Amery? Wie wird Suizid dargestellt?

2 Antworten

In "Hand an sich legen. Diskurs über den Freitod" führt Améry vor allem den Gedanken aus, dass der Mensch das Recht auf den Freitod hat, entgegen den Tabus der Religion und der Gesellschaft.

Einige Zitate:

Muss man leben? Muss man da sein, nur weil man einmal da ist? Im Moment vor dem Absprung zerreißt der Suizidant eine Vorschrift der Natur und wirft sie dem unsichtbar vorschreibenden vor die Füße wie ein Theater-Staatsmann einem anderen den Vertrag, der inskünftig nur noch ein Fetzen Papier ist. Noch ehe gefragt wurde, schreit der den Freitod Suchende gellend: Nein!

Oder er sagt dumpf: Man muss vielleicht, ich aber will nicht, und beuge mich nicht einem Zwange, der sich von außen als Gesetz der Gesellschaft und von innen als eine lex naturae drangvoll spürbar macht, die ich aber nicht länger anerkennen will.“

„Dem Suizidär ist bange. Ihm, der den Ekel mit mehr oder weniger Intensität stets verspürt hat, wird der échec im Leben und des Lebens zur vollkommenen Abscheulichkeit, die zurückzuweisen er gesonnen ist: in Stolz und Trauer. Er schlägt sich auf die Seite jener winzigen Minorität derer, die nicht mehr mitmachen wollen und die jeder Tropf feige nennt, als ob es höheren Mut geben könnte, als der es ist, der dem Ursprung jeglicher Angst, der Todesangst, die Stirn bietet.

Die Tapferkeit des Suizidärs ist nicht Hochmut, wohlverstanden. Stets wohnt ihr auch jene Spur von Scham inne, die als Derivat der Lebenslogik den Menschen vor dem Absprung fragen macht, warum gerade er nicht aushalten, durchhalten könne, wo doch die anderen…“

„Dem Suizidär ist bange, sage ich, bange vor dem Nichts, das er an sich ziehen will, das ihn aber nicht herzen wird, bange auch vor der Gesellschaft, die ihn verdammt (er ist teil einer Minderheit und also gleichsam der Kolonialsklave der Lebens) und die, er weiß es, alles ins Werk setzen wird, ihn zu retten, man kann auch zeitgemäß sagen: ihn wieder zu vereinnahmen. Warum macht man ihm noch schwerer, was schwer genug ist, da es doch als Nein zum Sein absurder Widersinn ist, mit dem er es aufnehmen muss in Dignität.“

„Wer abspringt, ist nicht notwendigerweise dem Wahnsinn verfallen, ist nicht einmal unter allen Umständen „gestört“ oder „verstört“. Der Hang zum Freitod ist keine Krankheit, von der man geheilt werden muss wie von den Masern.“

„Man stellt Homosexuelle, Frauen und Männer, nicht unter Quarantäne, bis sie ‚geheilt’ sind. Durchaus nicht einzusehen, warum der Suizidär der letzte große Außenseiter bleiben soll. Natürlich ist sein Akt der Gesellschaft gegenüber negativer als das homoerotische Verhalten: dieses lehnt nur die Logik der Prokreation ab, nicht die des Daseins. Dennoch ist es schlecht verträglich für das humane Gemüt, dass man den Suizidär, gelingt sein Vorhaben, schnöde verleugnet, gelingt es nicht, als einen Verrückten behandelt.“

„Die Forschungszweige meinen, sie wüssten manches über die für sie krankhaften Zustände von Weltekel und échec. In Wahrheit kennen sie nur Verhaltensweisen. Nicht mehr, als Konrad Lorenz von seinen lieben Graugänsen versteht, wissen sie vom Menschen. Da ist der Melancholiker. Seine Maske ist starr, ausdruckslos oder schmerzlich. Der ‚Patient’, denn geduldig muss er wohl auch sein angesichts der lächerlichen Wichtigtuerei, die um ihn herum veranstaltet wird, zieht sich aus der Welt zurück.“

‚Man muss doch leben’, heißt es, und ‚Man will leben’ ist die Tatsache, vor der wir stehen. Nur muss nicht jedermann ‚man’ sein.“

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