Zur Auswahl guter Kopfhörer (sauberer, breiter Frequenzbereich)

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Der angeblich gehörte Bereich zw. 40 Hz und 10 kHz ist ein rein theoretischer Bereich und differiert von Mensch zu Mensch sehr stark.

Aber in der Tat hört man bei Kopfhörern nur wenige Unterschiede... aber wenige sind eben doch schon mal deutlich mehr als keine, oder?

Klar sollte Dein Gehör schon eine gewisse Erfahrung haben, differenziert zu hören (was bei den meisten Musik-Konsumenten - bösartig formuliert - meiner Erfahrung nach nicht gegeben ist). Generell sollte man Kopfhörer (egal welche Bauform) ohne 'Markenbezeichnungen' ausprobieren. Du würdest nicht für möglich halten, was unser Gehirn an Pseudo-Eindrücken alles erflunkert, wenn die Augen ihm bestimmte bekannte Namen zeigen... (das ist jetzt mein Ernst!).

Worin sich aber Kopfhörer doch immer wieder unterscheiden ist neben dem Tiefbass (dessen 'Tiefe' in erster Linie bei herkömmlichen Kopfhörern in 'MickyMaus-Form' von der akustischen Konstruktion abhängen - geschlossen: sehr tief - meist um die 10 Hz +3/-2, offene meist mit 20 Hz aufwärts) die Höhenwiedergabe. He höher dieser reicht, desto brillianter klingts... Unterschiedlich ist hierbei meist der Pegelverlauf in zu hohen Frequenzen. Steigt er mit der Frequenz halbwegs kontinuierlich, aber moderat an, hat man einen filigran wirkenden Hochtonbereich.

Ich habe bei meinen In-Ear von Sony festgestellt, dass ihr Hochtonbereich bei Weitem nicht mit den 'Großen' konkurrieren kann in puncto Brillianz. Hier aber sei ein deutlicher Hinweis angebracht auf die extrem verschiedenen Klangempfindungen ein und desselben Hörers in anderen Ohren. Es ist nämlich keineswegs so, dass bei gleicher Frequenzkurve auch 'Auf-Ohr'-Hörer mit gleicher Ähnlichkeit empunden werden als dem entsprechend 'In-Ohr'-Modelle. Die Akustik im Ohr unterscheidet sich schon etwas mehr als 'auf dem Ohr', was allein schon klar werden dürfte, sieht man sich einmal die verschieden großen Ohrstücke an und macht sich die daraus erkennbaren Größenverhältins-Unterschiede enmal deutlich. Außerdem muss ja in einem Ohr die Öffnung des Hörers nur minimal degen den Gehörgang geneigt sein, während im anderen die Ausrichtung exakt in den Schallgang gerichtet sit. Die Absorption hoher Frequenzen führte hier schon zu erkennbaren Veränderungen.

Streng genommen müsste man In-Ohr-Hörer ablehnen... und meine akustischen Erfahrungen belegen das auch. Künftig werde ich auch wieder die 'Großen' verwenden und die In-Ohr für einzelne Zwecke reservieren (unterwegs z.B.).

"Aber in der Tat hört man bei Kopfhörern nur wenige Unterschiede."

Da bin ich anderer Meinung. Der Frequenzgang enthält auch Angaben wie z.B. (-3 dB) Dieser kennzeichnet die Welligkeit.

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@Nowaja

Teil 1:

Welcher Kopfhörer ist so billig konstruiert (sorry), dass er eine deutliche Welligkeit aufweist (abgesehen von der schon genannten Tatsache, dass der In-Ohr-Frequenzgang durch die individuell sehr verschieden geformten Gehörgänge bei ein und demselbben Hörer differieren)?

Nächste Frage: Wie viele Menschen glaubst Du sind erfahren genug, zumindest eine 6 dB Welle zu hören?

Noch einmal: Lass einfach mal Testpersonen antreten, die keine Marke zu sehen bekommen und lass alle Hörer einheitlich gefärbt sein. Ich bin bereit mit Dir zu wetten, dass mehr als 95% der Kandidaten nicht den kleinsten Unterschied hören zwischen einem 20€-Hörer und einem 120€-Hörer finden. Zwar werden alle von angeblichen Unterschieden sprechen, diese werden aber so sporadisch geäußert und bleiben klar erkennbar zusammenhanglos, dass man daraus statistisch keine Zusammenhänge ableiten kann. Daraus folgt, solche Äußerungen sind wohl subjektiv vorhanden, stehen aber in keinem kausalen Zusammenhang zur jeweiligen Frequenzkurve. Die Leute nehmen die Dinger in die Hand, „fühlt sich gut/hochwertig/nach gutem Material an/nicht an” - darauf beruhen überwiegend ihre Äußerungen.

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@Nowaja

Teil 2:

Um das mal zu verdeutlichen: Ich war mal vor vielen Jahren ein Besucher des WOM in Frankfurt am Main und habe mir bei der Gelegenheit im Hause mal ein Lautsprecherstudio angetan. Ich habe bei einem Paar Boxen spontan erkannt, dass die Anschlussdrähte einer Box vertauscht angeschlossen worden waren, also die Signale eines Kanals gegenphasig zum anderen abgestrahlt wurden. Selbst als ich das den Verkäufern mitteilte, zweifelte man meine Aussage spontan an... offensichtlich hatte bis dahin weder ein Mitarbeiter noch ein Kunde etwas von dem Fehler bemerkt.

Und das sind ja wohl ganz grobe Fehler, die üblicherweise selbst ungeübten Hörern spontan auffallen... sollten (und weit mehr Abweichungen in verschiedenen Bereichen der Frequenz- und Phasenkurve als 3 dB hervor rufen). Erwähnt werden sollte vielleicht noch, dass das Preisniveau in dem betreffenden Studio (eines von 2 im Geschäft) preislich bis zur gehobenen Mittelklasse reichte - also bis hin zu einigen Tausend DM pro Paar (!) - und auch die von mir beanstandeten deutlich mehr als 1000 kosteten (inkl. einer hochwertigen Accuphase-Endstufe, nur so am Rande bemerkt).

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@Nowaja

Außerdem eine Korrektur:

Mit der Angabe -3 dB werden die unteren und oberen Frequenzen bezeichnet, bei denen der Schalldruck um 3 dB zum Kennschalldruck abgefallen ist (mit weiter fallender Linie).

Welligkeit ist vollkommen anders definiert und wird auch bei keinem Kopfhörer angegeben. Außerdem zum letzten Mal: Der Frequenzgang von speziell Ohrhörern (ganz besonders In-Ohr-Hörern) ist individuell von Ohr zu Ohr verschieden. Das gibt zwar kein Verkäufer zu (natürlich, ist ja auch alles 'hochwertig' - und solch eine Eigenschaft wird - idiotischerweise - mit dem Wert gleichgesetzt, obwohl einfach physikalisch/anatomisch bedingt), lässt sich aber mit einfachen Anordnungen leicht nachvollziehen.

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@ExFrustUser

ging mir auch mal so. Kumpel hatte für richtig viel Geld hochwertige Boxen selbstgebaut. Bei einer Box war der Mitteltöner verkehrt angeschlossen. Ich glaube, es war die rechte.

Ihm war es auch nicht aufgefallen, zumal es ja keine Bassauslöschung gab. Auch die Höhen waren ok. Nur bei den Mitten ist es aufgefallen. Gesangsstimmen waren nicht lokalisierbar.

Nach meinen Einwand wollte er mir nicht glauben. Doch letztendlich brachte ich ihn dazu, die Box aufzuschrauben. Da war er Baff.

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@ExFrustUser

Deine antworten sind eine wahre Augen und Gehirn Weide. Wenn ich den sonst üblichen blabla lese fällt mir deine eloquenz extrem auf. Bitte weiter so. Sachverstand knn man halt nicht kaufen. Und das ist gut so!!!!

Alles gute Wissenwillwilli

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Danke sehr für die ausführliche Antwort und auch die nachfolgenden Kommentare der anderen!

Verstehe ich das so nun richtig?

a) In-Ears (Ohrhörer) bringen Höhen wahrscheinlich generell nicht so gut rüber wie Kopfhörer.

b) Allerdings kommt es auf den jeweiligen Gehörgang und die benutzten Aufsätze an. Anatomie, Größenverhältnisse können individuell einen extremen Unterschied machen; vor allem, wenn die Verhältnisse zufälligerweise nicht ideal sind. Man kann demnach keine generelle Aussage treffen.

c) Außerdem kann man es nicht an der Marke festmachen.


zu a) - Wenn ja: Gut; ich kann eh nur versuchen, das Maximum bei der In-Ear-Familie herauszuholen. - Wie sieht das Ganze umgekehrt bei den Tiefen aus??

zu b) - Wenn ja: Ausprobieren ist halt auch schwierig. - Also einfach kaufen und hoffen??

zu c) - Joa, das hatte ich nicht vor. - Eigentlich wollte ich auf keinen Fall mehr als 50 Euro ausgeben.

Generell:

  • Kann man es aber nun wenigstens grob am Frequenzbereich festmachen? (Meine Vermutung im ursprünglichen Text war ja: Breiter Frequenzbereich = saubere Wiedergabe in den für mich wichtigen äußeren Grenzbereichen)
  • Eher nicht, hm?
  • Gibt es dann eigentlich irgendwelche konkreten Tipps?
  • Habe im Moment all das hier im Blick: Kurze Liste auf: http://pastebin.com/6DwCM6ue (Kann leider maximal einen Link pro Beitrag reinschreiben...)

Danke sehr bereits im Voraus =)

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@thisMyFirstTime

Man kann es am Frequenzgang festmachen, ja. Nur solltest Du damit rechnen, dass ein in-Ohr bei gleichem Frequenzgang nicht zwangsläufig so klingen muss wie ein 'großer' Kopfhörer.

Generell gilt natürlich auch hier zumindest die 'Charakteristik' (also z.B. ansteigender Schalldruck zu den Höhen hin wirkt 'filigran'), wenn auch Bauart- und anatomisch bedingt vielleicht weniger ausgeprägt.

Empfehlen ist schwierig - aus verschiedenen Gründen (u.a. sind Höreindrücke bekanntlich eine höchst subjektiv empfundene Angelegenheit. Welche Art von Musik z.B. wirst Du damit überwiegend hören?). Daher solltest Du u.U. nach Geschäften wenigstens in Deiner Nähe suchen, in denen ausprobieren möglich ist (laut Web gibt es diese).

Viel Glück wünsche ich Dir auf jeden Fall und sorry für den fehlenden konkreten Tipp... ;-)

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Alles Top-Beiträge, deshalb will ich mich kurzfassen. Ich bin sehr wohl der Meinung , dass man bei den Kopfhörern große Unterschiede hört. Ich habe bevor ich meinen Beyerdynamik DT800 gekauft habe mindestens 10-15 andere Kopfhörer getestet. "In Eár" Kopfhörer lehne ich prinzipiell ab. Ich habe auch hier einige testen können. Die befriedigen mich alle nicht mit ihrem Klang. Einzig allein soll es von Beyerdynamik "In Ear" -Hörer geben, die mittels eines Gutscheines von Beyerdynamik bei einem Hörgeräteakustiker dem jeweiligen Ohr angepasst werden und sollen toll Klingen, allerdings hatte ich noch keine Möglichkeit diese zu testen. Der Preis soll allerdings auch bei ca. 150€ /Ohr liegen. Ich persönlich verwende den Beyerdynamik DT800 und finde diesen spitzenmäßig, solwohl von der Brillanz und einem kräftigen druckvollen Bass. Ich höre damit einen sehr breiten Musikbereich von KLassik bis Jazz über Rock, Pop und Schlager. Außerdem setze ich ihn zum Mastern meiner CDs ein. Ist allerdings mit 280€ nicht ganz billig. Aber bei Beyerdynamik hat man halt den Vorteil eines vorbildlichen Service. Die haben mir zu Test zwecken 4 Kopfhörer übersandt , die ich erst einmal so 3- 4 Wochen testen konnte, ehe ich kaufen musste.

Der Akustik-Zusammenhang wurde ja bereits gut dargestellt. Daher beschränke ich mich auf Empfehlungen: Als guten inEar-Kopfhörer kann ich bedenkenlos den Shure E3 empfehlen. Als ohraufliegenden Kopfhörer verwende ich den geschlossenen Beyerdynamic DT770 (250Ohm) und bin damit sehr zufrieden. Klanglich wird er auch von vielen meiner Kollegen für seine frequenzielle Treue geschätzt. Schöne Grüße, icke.

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