Zum Abgewöhnen - Hans Magnus Enzensberger BITTE ANTWORTEN

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Das Gedicht handelt auch vom ewigen Zwiespalt zwischen Vernunft und Gefühl. Das lyrische Ich repräsentiert den rationalen Teil, der über allem schweben will und sich durch keine Emotion aus der Bahn werfen lässt. Diese Rolle wird dem "Mann" zugeordnet, während die als "Frau" charakterisierte Psyche für die unberechenbaren Gefühle steht, die die kühle rationale Fassade des "Mannes" immer wieder stören und in Frage stellen. Am Ende des Gedichts erfährt der Leser dann, dass es sich um zwei Seiten einer Person handelt. Damit macht sich Enzensberger nicht nur über das Klischee Frau=Gefühl und Mann=Vernunft lustig. Er verwirft auch den alten Gegensatz von Gefühls- und Verstandesmensch über die Geschlechtergrenzen hinaus, weil jeder Mensch immer beides zugleich ist. Diese Ansicht teilt er mit vielen Hirnforschern der Gegenwart, die eine strenge Unterscheidung zwischen Körper und Geist, Psyche und Verstand, Gedanke und Gefühl, usw. auch nicht mehr akzeptieren.

eine fertige INterpretation habe ich nicht, aber einen kleinen Hinweis: Das ganze Gedicht spielt damit, den Leser auf eine falsche Fährte zu locken: Man meint die ganze Zeit, es spricht ein Mann über seine Frau, die das Zusammenleben schwierig gestaltet und allerhand Ausreden gegen Sex hat. Am Ebde dann die Auflösung: er spricht von sich selbst, von seiner Seele - oder ist seine bessere Hälfte im Grund mit seiner Seele identlisch? Das bleibt, glaube ich, offen. Kein Mensch kann sich selbst richtig verstehen.

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