Zu welcher Religionsgemeinschaft passe ich?

21 Antworten

Ich bezweifel das Du Dich jemals richtig mit dem christlichen Glauben auseinander gesetzt hast, was hier kein Vorwurf sein soll.

Der christliche Glaube entspringt dem Katholizismus des Mittelalters. Selbst die Absplitterungen aus der katholischen Kirche, sei es Protestanten oder andere Freikirchen, basieren mit ihren Glaubenpraktiken auf dem Katholizismus.

Zu der katholischen Kirche muss man ein wesentliches außerkirchliches Wissen zufügen.

Die Rechtssprechnung des Mittelalters sah vor, dass die Erbfolge bei Adligen immer nur den Erstgeborenen begünstigt. Daraus entstanden oft Erbstreitigkeiten, die bis zu einem Bruderkrieg führten. Aus diesem Grund kauften Adlige Kirchenämter, wie zum Beispie das Amt des Bischof oder des Kardinal, die dann an die nachfolgenden Kinder vererbt wurden. So wurde der Bruderkrieg vermieden.

Was dabei negativ war, dass die so begünstigten Erben oftmals keinerlei kirchlisches Wissen hatten, und ihre Ämter wie ein Adliger führte. Die berühmteste Familie, die es sogar in ein Papstamt schaffte, war die Familie der Borgia. Kennst Du sicherlich auch aus der Verfilmung.

Nun gut....dabei wurden Riten und Glaubenshandlungen entworfen und praktiziert, die nichts mit dem christlichen Glauben zu tun haben. Ein paar sind Dir vielleicht bekannt:

  • Hexenverbrennung
  • aggressive Missionierung, insbesondere in Südamerika
  • Beerdigungspratiken, ein ungetauftes Kind durfte/darf nicht in geweihter Erde begraben werden.
  • Durchsetzung vom Sündenfreikauf durch Spenden
  • Segnung von Kanonen
  • Zölibat

....nur um mal einige zu nennen.

Gleichsam wurden religöse Handlungen falsch weitergegeben und bis heute praktiziert. Dies kannst Du an ganz einfachen Gottesdienstordnungen überprüfen:

  1. Christen schlagen zum Gedenken an den Tod Jesus, sowie zur Erbittung von Schutz, ein Kreuzzeichen. Katholiken schlagen dieses Kreuz von der Stirn, zum Solarplexus, zum Herz und zur rechten Brustseite. Das ist Unsinn. der letzte Schlag muss immer auf dem Herzen enden, womit man seine Liebe zu Jesus bekundet.
  2. Jesus spendete als letztes Sakrament das "heilige Abendmahl" mit dem Brechen des Brotes und trinken des Weines. Dazu fügte er die Worte: "....und tuet dies zu meinem Gedenken...." . Dieses Sakrament verweigert die katholische Kirche den Gläubigen, indem lediglich der Priester den Wein trinkt, die Gläubigen nur das Brot erhalten. Was dann auch wieder falsch ist, da dieses Sakrament in jeder Bibel nachlesbar ist.
  3. Katholiken neigen dazu heilig gesprochene Personen anzubeten. Was ja nun eindeutig gegen Gottes Gebot verstößt. Heiligen wird unterstellt, dass sie aufgrund ihrer Taten eine besondere Nähe zu Gott haben, weshalb man die Heiligen allenfalls um Fürbitte bei Gott bittet. Ein Heiliger ist somit lediglich ein Katalisator.

Die Trinitätslehre, Gott, Sohn, heiliger Geist, wird ebenfalls falsch verstanden, und als jeweilige göttliche Quelle proklamiert.

Gegenstand der Trinitätslehre ist die einfache Feststellung, dass Gott in seiner Allmacht einen Sohn zeugen konnte, und den heiligen Geist als Gewährung göttlicher Inspiration versendet hat. Es geht folglich alles von Gott aus. Es gibt nur den einen Gott der dies geschaffen und ermöglicht hat.

Wenn nun die Kirchen der Welt im christlichen Glauben lehren und verbreiten, dann tun sie dies nicht in Anbetung des allmächtigen Gottes Jesus, sondern in Anbetung des allmächtigen Gottes, der durch seinen Sohn der Menschheit göttliche Lehren verbreitete. Dieser feine Unterschied wird oftmals nicht wahrgenommen.

Dazu begünstigt die Glaubensformel:

".....im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes...."

Letztendlich wäre die richtige Glaubensformel:

".....im Namen Gottes, der uns seinen Sohn schickte, und uns durch den heiligen Geist erleuchtet hat....."

All dies ist im katholisch geprägten Europa, welches sich dann in der westlichen Welt manifestierte, untergegangen.

Wo der Glaube noch gelebt und praktiziert wird, findet sich in der Ostkirche, auch als orthodoxe Kirche bekannt. Gleichsam findest Du die Glaubensbestandteile in der koptischen Kirche, sowie in der äthiopischen und eritreischen orthodoxen Kirche.

Solltest Du jetzt eine Glaubenskrise haben, dann findet sich die Lösung Deiner Probleme nicht darin, dass Du sämtliche Religionen der Welt studierst, sondern vielmehr in der Ergründung Deines christlichen Glaubens.

Es schrieb Dir ein orthodoxer Christ.

Schöne antwort in der mal zwischen kirchliche lehre und christentum unterschieden wird. Schöne ergänzung wären wichtige abrogierte verse wie zb bei johannes worauf sich die dreieinigkeit gestützt hat und somit eigentlich hinfällig ist...

Und ps. Das sind wesentliche, nicht feine unterschiede, da es dann ein komplett anderes verständnis von gott ist

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Ich kann mich als Unitarierin in einigem wiederfinden, aber: Der christliche Glaube entspringt nicht dem Katholizismus des Mittelalters, sondern Jesus Christus bzw. der Überlieferung an Jesus Christus, wie wir sie in der Bibel finden. Der Katholizismus hat sich erst später entwickelt. Im Frühchristentum gab es durchaus noch andere Richtungen. Auch meine ich, dass die auch die orthoxen Kirchen die Trinitätslehre lehren - und darum ging es der Fragestellerin ja.

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Hallo mxelii,

leider ist die Lehre der Dreieinigkeit innerhalb der Christenheit weit verbreitet. Untersucht man einmal die Aussagen der Bibel über Gott etwas genauer, erfährt man, dass darin eine Dreieinigkeit gar nicht gelehrt wird!

Die Aussage der Bibel im Hinblick auf Gott lautet: Es gibt nur einen einzigen allmächtigen Gott, den Schöpfer, der alle Dinge gemacht hat. Dieser hat einen Sohn, der jedoch nicht Teil dieses Gottes ist, auch wenn er an einigen Stellen in der Bibel als ein Gott (im Sinne von "Mächtiger") bezeichnet wird. Doch niemals ist von ihm als von Gott, dem Allmächtigen die Rede. Der Heilige Geist ist keine Person, sondern die unsichtbare Kraft, die von Gott ausgeht und somit ebenfalls kein Teil einer dreieinigen Gottheit.

In der New Encyclopædia Britannica heißt es: „Das trinitarische Glaubensbekenntnis der Christenheit . . . unterscheidet diese von den beiden anderen klassischen monotheistischen Religionen [Judentum und Islam].“ Die Kirche entwickelte die Trinität, obwohl „die Bibel der Christen keine ausdrücklich trinitarischen Erklärungen über Gott enthält“.

Interessant ist auch, was die New Catholic Encyclopedia dazu sagt: „Die Formulierung ,ein Gott in drei Personen‘ setzte sich erst gegen Ende des 4. Jahrhunderts richtig durch und war bis dahin noch nicht völlig in das christliche Leben und das christliche Glaubensbekenntnis aufgenommen worden. Aber erst diese Formulierung kann eigentlich Anspruch auf die Bezeichnung Dreieinigkeitsdogma erheben. Den apostolischen Vätern war eine solche Auffassung oder Vorstellung völlig fremd.“

Die Encyclopedia Americana drückt sich ähnlich aus: „Die Dreieinigkeitslehre des 4. Jahrhunderts war keineswegs ein Spiegelbild der frühchristlichen Lehre von der Natur Gottes; sie war eher eine Abweichung davon.“

Hier sind nur einige wenige Texte aus der Bibel, die deutlich machen, dass Jesus auf keinen Fall, wie das ja die Dreieinigkeitslehre besagt, Gott gleich oder ein Teil von ihm ist:

Matthäus 26:39: Und er ging ein wenig weiter, fiel auf sein Angesicht, betete und sprach: „Mein Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Becher an mir vorüber. Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst.“

Johannes 14:28: Ihr habt gehört, daß ich zu euch sagte: Ich gehe weg, und ich komme zu euch [zurück]. Wenn ihr mich liebtet, würdet ihr euch freuen, daß ich zum Vater hingehe, denn der Vater ist größer als ich.

1. Korinther 15:27,28: Denn [Gott] „hat alle Dinge seinen Füßen unterworfen“. Wenn er aber sagt, daß ‘alle Dinge unterworfen worden sind’, ist offenkundig der ausgenommen, der ihm alle Dinge unterworfen hat.  Wenn ihm aber alle Dinge unterworfen sein werden, dann wird sich auch der Sohn selbst dem unterwerfen, der ihm alle Dinge unterworfen hat, so daß Gott allen alles sei.

Kolosser 1:15:  Er [Jesus] ist das Bild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene aller Schöpfung".

Es gibt zahllose weitere Texte in der Bibel, aus denen hervorgeht, dass Gott und Jesus nicht Teil einer dreieinigen Gottheit sind .

Es geht also nicht darum, den christlichen Glauben als solchen abzulehnen, sondern sich von falschen Lehren zu distanzieren, die im Laufe der Jahrhunderte in den Kirchen entstanden sind. Dazu zählt, wie eingangs schon gesagt, eben auch die Lehre von der Dreieinigkeit.

LG Philipp

LG Philipp

Ich selbst glaube zwar an Gott, würde aber in Deiner Situation zunächst einmal darauf verzichten, auf Religions-Suche zu gehen. Ich würde Dir empfehlen, Dir ein solides naturwissenschaftliches Grundwissen anzueignen.

Ich stelle immer wieder fest, dass gerade Leute wie Du, die auf der Suche sind, sich leicht von religiösen Bauernfängern (oft aus dem Islam) vereinnahmen lassen. Es wird da mit allzu farbenprächtigen und schein-wissenschaftlichen Videos gekobert und mit höllischen Qualen gedroht.

Empfehlen würde ich wie immer Bücher von Wissenschaftlern, die mit Religionen wenig am Hut hatten, etwa Stephen Hawking, Richard Dawkins oder Carl Sagan.

Es gibt übrigens auch christliche Unitarier, die auf die Trinität verzichten.

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