Zitat erklärung zum Thema Äesthetik?

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2 Antworten

Herbert Marcuse war ein marxistischer Vertreter der permanenten Revolution. Unter Revolution hat man es in den 68n nicht mehr getan. Das "panta rhei" (Alles ist ständiger Wandel) des Heraklit ca. 500 v.Chr. war ihnen zu schwach. Da war selbst der Kaffee in permanenter Revolution, das Waschpulver sowieso und wieso auch nicht die Ästhetik. Dass Ästhetik als Ausdruck einer gesellschaftlichen Wertung mit vielen Facetten wie die Gesellschaft selbst deren Prozessbedingungen unterworfen ist, kann man als nicht wirklich umstürzende Erkenntnis werten. Das gibt sogar schon der alte Heraklit her. Anders als Marxens "Das Sein bestimmt das Bewusstsein" ist hier eine Tendenz erkennbar, dass über die Kunst, sprich über Gestaltgebung des Bewusstseins, wohl doch auch das Sein getrimmt werden könnte. Für Marxisten ist ja Kunst nicht wertfrei sondern immer im Dienst einer Klasse. Und zu diesem Dienst gehört in Zeiten der permanenten Revolution (wo immer man die dingfest machen konnte) auch die Kunst als Wasserträgerin.

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Hallo Schueler077!

Ganz ohne Marxismus- und 68er-Bashing, das Berkersheim hier betreibt, ist diese Auffassung in der Kunst eine ganz selbstverständliche und in der drastischen Formulierung deswegen verständlich, da in unserer gesellschaftlichen Wirklichkeit die "klassische", die historische Ästhetik eine Gegenwärtigkeit gewonnen hat, dass die zeitgenössische Kunst auf allen Gebieten ins Hintertreffen geraten ist.

Damit gerät die Bedeutung der Kunst als etwas aus dem Blick, dass die Widersprüche der Gegenwart auf eine ästhetische Ebene hebt. Stattdessen wird Musik zur Entspannung, Bilder zur Beruhigung usw. gemacht, die keinerlei Relevanz für unsere gegenwärtige Welt mehr aufweisen kann.

Was Marcuse formuliert, ist die Forderung nach einer Kunst, die die Seh- und Hörgewohnheiten, die ästhetischen "Vorurteile" aufs Korn nimmt, und diese umstürzt. Wer sich ein wenig mit zeitgenössischer Kunst beschäftigt, wird feststellen, dass ein größerer Teil der ernstzunehmenden Künstler genau solchem Denken und Schaffen folgt.

Und weder Marcuse, noch 68er hat je geglaubt, man könne mit Kunst die Welt ändern! Und trotzdem kann man bei Althergebrachtem nicht stehen bleiben.

Gruß Friedemann

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