Zenlehre?

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3 Antworten

Ich bin Zen-Buddhist der Soto-Tradition und helfe dir gerne weiter.

Motivation

Zunächst einmal sollte man sich natürlich darüber im klaren sein, weshalb man sich ausgerechnet für diese Form des Buddhismus interessiert.

Dann sollte man schon einmal entsprechende Grundkenntnisse haben, damit man weiß, worauf man sich da eigentlich einlässt.

Praxis

Die wesentliche Praxis der drei großen Schulen innerhalb des Zen ist die regelmäßige Praxis des Zazen, eine Form der stillen Sitzmeditation.

Dabei gibt es im Soto-Zen keinerlei Ziel, man sitzt um des Sitzens willen. Im Rinzai und Obaku-Zen soll ein spontanes Erwachen (Kensho) geschehen.

Letztlich umfasst die Zen-Praxis aber das gesamte Leben und jede alltägliche Handlung kann im Geiste des Zen ausgeführt werden.

Zazen

Zazen wird zunächst unter Aufsicht durch einen Lehrer und innerhalb einer Gemeinschaft erlernt und gemeinsam geübt.

Dadurch kann der Lehrer die Haltung korrigieren, Fragen beantworten und die regelmäßigen Termine fördern die Disziplin des Einzelnen.

Wenn die Praxis des Zazen verinnerlicht ist, kann man anschließend auch alleine üben - doch kein Video ersetzt die Anleitung durch einen Lehrer.

Zufluchtnahme

Aus Sicht des Zen kann jeder Mensch, unabhängig von Herkunft, Religion, oder Weltanschauung die Praxis des Zazen üben.

Es ist also nicht notwendig, Buddhist zu werden, wenn es nur darum geht, Zazen üben zu wollen. Auch die Sitzgruppen in den Dojo sind für jeden offen.

Wer jedoch Buddhist werden will, muss dafür unter einem Lehrer lernen, der dazu autorisiert ist, die so genannte "Zufluchtnahme" (Jukai) zu vollziehen.

Jukai

Dabei gelobt man, die fünf Sittlichkeitsgelübde einzuhalten und legt meist auch gleich die so genannten Bodhisattva-Gelübde ab.

Vor dieser Zeremonie lernt man mindestens zwei Jahre bei seinem Lehrer und näht eine Art Latz (Rakusu), der das Gewand Buddhas symbolisiert.

Im Rahmen der Jukai-Zeremonie kriegt man dann das selbst genähte Rakusu vom Lehrer verliehen, sowie einen buddhistischen Dharma-Namen.

Kontakte

Die Praxis des Zazen kann man bei Sitzgruppen in Dojo bzw. Zendo, also Orten, an denen man den "Weg" des Zen übt, erlernen.

Abhängig davon, ob man Zen durch einen Lehrer der Soto-, Rinzai-, oder Obaku-Linie, bzw. eine der modernen Stile lernen will, googelt man einfach mal.

Für Soto-Zen gibt es beispielsweise Dojo in der Tradition von Meister Taisen Deshimaru, der die Praxis dauerhaft in Europa etablierte.

Andere Soto-Gruppen folgen dagegen beispielsweise der Linie von Shunryu Suzuki, oder der Antaiji-Linie von Kosho Uchiyama.

Beispielsweise nach "Zen Dojo Berlin" zu suchen, dürfte den meisten Interessierten durchaus leicht fallen.

Klöster

Es gibt in Europa einige Zentren, die als Ausbildungsstätten im Sinne eines Klosters in Japan akzeptiert sind und gewissermaßen "Zweigtempel" darstellen.

Dazu gehören zB das Zen-Zentrum Eisenbuch (Daihizan Fumonji) bei München, das Dojo der Zen-Vereinigung Berlin (Shogozan Zenkoji Ho Un Do) oder der Tempel La Gendronniere (Zendonien Tai Sei Bukkyo Dai Ichi) in Frankreich.

Es ist jedoch sinnvoll, erst einmal Zazen in einer Sitzgruppe zu erlernen, bevor man sich ohne jede Erfahrung in klösterliche Routine stürzt - das ist hart und kann einen leicht überfordern.

Ich hoffe, die Antwort war hilfreich.

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Kommentar von Enzylexikon
07.03.2017, 21:56

Da du nach dem Alter fragtest:

Zazen können theoretisch bereits Kinder lernen, sofern sie still sitzen können. Man sollte ihnen diese Praxis jedoch niemals aufzwingen.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kinder bei Interesse ganz von selbst fragen, was Mama, Papa, oder der "Onkel" da machen.

Ansonsten lässt man Kinder eben Kinder sein. Man gibt ihnen einen Keks und etwas zu spielen. Es geht nicht um Missionierung.

Da Sinnfragen meist in der Pubertät erstmals aufkommen, kann man auch als Jugendlicher mit der Zen-Praxis beginnen.

Wenn man sich langfristig mit dem Thema beschäftigt, sollte man aber auch kritische Literatur lesen.

So gibt es Zen-Lehrer ohne offizielle Lehrbefugnis, oder Traditionslinien mit eher zweifelhaftem Ruf bzw. umstrittene Lehrer.

Auch gibt es Zen-Lehrer die Ausbeutung, Machtmissbrauch, sexuelle Nötigung oder Drogenkonsum begangen haben.

Buddhist zu sein, bedeutet nicht, "heilig" zu werden und auch ein Lehrer ist  nicht "unfehlbar", man sollte als Augen und Ohren offen halten.

Es macht also Sinn, das Thema "Zen" in einem Alter anzugehen, indem man schon komplexer Denken kann und sich nicht von romantischen Vorstellungen asiatischer Exotik blenden lässt.

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Kommentar von Enzylexikon
15.03.2017, 14:24

Vielen Dank für den Stern. :-)

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Interessant, dass du dich überhaupt für Zen interessierst. Ist ja nun bei Jugendlichen sicher nicht gerade das Top-Thema bei Gesprächen - oder gibt es irgendeine TV-Serie, die Zen plötzlich attraktiv macht?

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Kommentar von LeeRay02
08.03.2017, 18:35

nein das nicht aber ich bin auf dem Weg hackerin zu werden und will meine Konzentration üben. Mir wurde das und/oder Kampfsportarten von anderen empfohlen.

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Als Motarradfahrer "stolperte" ich einmal über folgenden Buchtitel: Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten. Zu Motorrädern hatte ich ein gutes Verhältnis, zu irgendwelchen Geistes-oder Glaubenslehren NICHT.

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