Zeitzeugeninterview Mauerfall?

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1 Antwort

Ich gebe Dir mein Interview gleich hier.

Ich besaß einen Computerladen in Kreuzberg. Zum Freitag, den 10. November wollte ich einen Relaunch unseres Ladens machen, also arbeiten wir am 9. bis spät in die Nacht, um Regale aufzubauen, Verkaufsware einzuräumen etc. Die Eingangstür zur Straße war offen, damit wir nicht zum Rauchen nicht immer durch alle Hinterräume gehen mussten.

Um kurz nach zehn kam ein Stammkunde rein und rief: "Die Mauer ist offen!"
 In Kreuzberg lebten damals viele "Unikümer", deshalb nahmen wir seine Aussage nicht für voll.

Um kurz nach elf kam ein ein Mann, der für Kreuzberger Verhältnisse ziemlich uncool gekleidet war, zur Tür rein und fragte im breitesten Sächsisch "Wo gehts denn hier zum Kudamm?" Wir sahen ihn an, als würde Ellen Louise Ripley zum ersten Mal ein Alien sehen und gingen schließlich mit ihm vor die Tür, um ihm den Weg zu erklären. Und tatsächlich - ein grauer Trabant 601 stand auf der gegenüberliegenden Straßenseite. "links in die Yorckstaße, die Bülowstraße rechts rein, Kurve folgen, immer geradeaus...

Wir haben nie erfahren, ob der Mann sein Ziel erreicht hat. Wir allerdings mussten weiterarbeiten...

Am 10.11. zur Eröffnung war es rappelvoll, ein paar Besucher waren aus Ostberlin und der DDR, die meisten allerdings Computerjunkies aus Kreuzberg und Schöneberg. Abends zur Eröffnungsparty ab 18.00 Uhr waren unter den Gästen eine mittelalte Lady aus Potsdam und ein junger Mann aus Magdeburg. Magdeburg - kannte ich von der A2 nach Helmstedt. Erst kam Burg, dann Magdeburg, mehr wusste ich nicht. West und Ost haben bei der Party festgestellt, dass sie gar nicht so verschieden waren, sie, die Potsdamer Lady berlinerte haargenauso wie ich, was ich ja schon befremdlich fand.

Ich glaube, mir dämmerte schon am 10.11. dass DDR und Bundesrepublik irgendwie in Zukunft verschmelzen würden, aber dass die Bundesrepublik die DDR einfach schlucken würde, hätte ich mir bis Juni 1990 niemals vorstellen können, ich dachte, es entsteht etwas Neues, aber ich war wohl damals ein Phantast.

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lindchenyo 15.03.2016, 14:51

Erstmal danke für ihre Antwort :)

Ich schreibe einfach mal die Fragen auf, die ich mir sowieso von Anfang an aufgeschrieben habe. 


1. Wo haben Sie damals gewohnt?

2. Hatten Sie Verwandte im Osten? 

3. Waren Sie bei dem Mauerfall dabei?

4. Wie haben Sie sich gefühlt?

5. Was ging in den weiteren Tagen so vor?

6. Was hatten Sie für Vorstellungen wie es in den nächsten Monaten weiter geht ? Wurden diese erfüllt?

7. Wünschen Sie sich die Mauer zurück?


MfG

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dataways 15.03.2016, 15:24
@lindchenyo
2. Hatten Sie Verwandte im Osten? 

ja.

7. Wünschen Sie sich die Mauer zurück?

Nein.

Alles Andere ergibt sich aus meinem Text

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dataways 15.03.2016, 15:28
@dataways

ach, nochwas zu 4.

Ich war aufgeregt und glücklich

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lindchenyo 19.03.2016, 13:30

Wenn ich fragen darf.. Wie alt waren sie zur Zeit des Mauerfalls? 

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lindchenyo 21.03.2016, 20:09

Hallo, ich nochmal. ;)

Was soll ein Unikümer sein? Und würdest du mir deinen ganzen Namen verraten, damit ich ihn in meine Facharbeit schreiben kann? 

MfG

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dataways 21.03.2016, 20:29
@lindchenyo

Unikümer ist die Mehrzahl von Unikum. Ein Unikum ist ein einzigartiger Mensch, in meinem Verständnis ein Individuum mit einer Attitüde, die nur in Kreuzberg toleriert wurde. Die einzig normalen Menschen waren für mich die Mittelklasse-Türken, die dort lebten.

Wenn Du Deine Facharbeit nicht ins Netz stellst, kannst Du meinen vollen Namen haben. Ich bin bei einigen Deppen, die sich hier und in anderen Foren rumtreiben, nicht gerade wohlgelitten.

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lindchenyo 21.03.2016, 21:24

Danke für die schelle Anwtort. 

Nein, ich stelle die Facharbeit nicht ins Netz. Ich gebe sie nur meinem Fachlehrer und sonst wird die niemand bekommen. 

MfG

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