Zeit, Zeitgefühl, Zeitvolumen?

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6 Antworten

Ja, das kann ich leider so bestätigen. Ich bin jetzt 56 Jahre alt und ganz schnell ist mal eine Woche, ein Monat oder auch ein Jahr weg.

(Und das finde ich gar nicht gut. )

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Man sieht das sehr deutlich an Kindern. Für einen 5-Jährigen ist ein jahr 20 % seines Lebens. Für einen 80-Jährigen ist 1 Jahr = 1,25 % seines Lebens. Das Jahr kommt dem 5-Jährigen viel länger vor, als dem 80-Jährigen. Für den 80-Jährigen fliegt es nur so dahin.

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Zeit ist ein Maß, Veränderungen, Bewegung zu messen. Mit Uhren tun wir das interpersonell bezogen auf die mittlere Umlaufzeit der Sonne. Da ist Zeit für alle ein vergleichbares Maß, das uns z.B. Verabredungen ermöglicht oder Zeitvergleiche (z.B. im Sport). Es gibt aber auch in individuelles Zeitempfinden. Wenn man Schmerzen hat, dehnt sich das Empfinden der Zeit und sie will nicht rumgehen. Ist man mit einer geliebten Person zusammen, vergeht die Zeit wie im Flug. Auch für ältere Menschen vergeht die Zeit schneller, weil sie a) meist langsamer sind im Bewältigen ihrer Vorhaben und b) sie meist viel vorhaben, was sie noch alles erledigen wollen. Kinder z.B. leben stärker im Augenblick und empfinden nicht, wie die Zeit verstreicht. Darum finde ich, tut man Kindern nichts Gutes, wenn man sie allzufrüh schon mit Terminen vollstopft, damit sie möglichst früh einem BurnOut zum Opfer fallen. Kinderzeit sollte unbeschwerte Zeit sein.

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ich merke es zurzeit in meinen Praktikum für das Studium. Da arbeite ich ca 9h und bin 11h Unterwegs die Tage gehen einfach viel schneller rum. 

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Vorweg: Ich bin kein Philosoph, kein Wissenschaftler oder etwas in der Art. Ich verstehe auch nichts von Zeit als Gegenstand der Physik. Ich teile hier nur ein paar Gedanken, da sie zu der Frage passen. Es sind auch, wie beschrieben, Zwischenstände - keine fertigen Konzepte. Ich bitte dies beim lesen zu berücksichtigen.

Zeitgefühl - ein Gefühl, eine subjektive Erfahrung geprägt durch eben jene.

Wie wir Zeit empfinden ist von vielen Faktoren abhängig alle sind grundlegend subjektiv.

Zum einen ist unser Gefühl für Zeit abhängig von der generellen Zeit, die uns zur Verfügung steht - die Lebenserwartung ist hier das Stichwort. Das Zeitempfinden eines gesunden Menschen, mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung, ist ein anderes als das Zeitempfinden einer erkrankten Person, mit geminderter Lebenserwartung. 

An der Stelle verkommt die Bewertung als "lang", "kurz", "schnell" und "langsam" zur reinen Mathematik - Prozentrechnung. 

Angenommen ich brauche für ein Unterfangen einen Monat und ich bin 25 Jahre alt. Bei einer Lebenserwartung von 90 Jahren, hätte ich noch 65 Jahre zu leben - das wären dann ~0,1% meiner restlichen Lebenszeit, die ich aufwenden müsste. Bei einer Lebenserwartung von 35 Jahren, mir blieben noch 10, müsste ich für dasselbe Unterfangen bereits ~0,8% meiner restlichen Lebenszeit aufwenden.

Mein Verhältnis zu der Zeitspannen von einem Monat ist dementsprechend ein völlig anderes. Meine Gefühl für diese Zeitspanne ist ein anderes.

Zwischenstand I - Das Verhältnis zur Zeit und das empfinden dieser ist abhängig von der individuellen Verfügbarkeit.

Die Empfindung beziehungsweise Bewertung wird gleichermaßen auch beeinflusst von meiner Fokussierung. Als Mensch nimmt man nie alles wahr. Wir mögen zwar in der Lage sein viele Eindrücke aufnehmen zu können allerdings erreicht dies auch eine Grenze. Viele Eindrücke werden gefiltert und schlicht aus dem Wahrnehmungsfeld geschoben und damit auch "aus den Gedanken"

Arbeiten wir also beispielsweise sehr fokussiert, sind beschäftigt und vielleicht auch von vielen Eindrücken umgeben, dann ist es das Gefühl für die vergehende Zeit, welches dem Filter zum Opfer fällt - wir denken schlicht nicht daran. Damit vergeht sie zwar in derselben Geschwindigkeit aber sie vergeht ohne unsere Anteilnahme an diesem vergehen. 

Eben diese Beiläufigkeit des Vergehens von Zeit lässt sie uns schneller erscheinen. Sobald wir uns auf sie konzentrieren, eventuell auch Sekunden zählen, ist sie Teil unserer Gedankenwelt und wir nehmen bewusst ihre Geschwindigkeit wahr.

Selbiges trifft auch bei Erwartungen zu - wenn wir jemanden oder etwas dringlichst erwarten. Auch da richtet sich unsere Aufmerksamkeit auf die Zeit.

Zwischenstand II - die Zeit vergeht dann gefühlt am schnellsten, wenn man nicht auf sie achtet und sie vergisst. Sie ist damit nicht mehr teil der Wahrnehmung.

Unterschieden werden muss auch noch, in welchen "Zeitkontext" ich mich bewege, also inwiefern Erwartung und Realität übereinstimmen. Angenommen ich erwarte, vielleicht mit absoluter Überzeugung, für etwas 4 Minuten zu benötigen und stelle fest, dass ich nach 3 Minuten noch nicht einmal annähend fertig bin, dann stellt sich das Gefühl ein "die Zeit würde rennen". Erwartung und Realität stimmen nicht überein und das hat einen entscheidenden Einfluss auf das empfinden der "Geschwindigkeit der fortschreitenden Zeit".

Weiterhin betrifft das auch zum Beispiel Wartezeiten. Wenn ich erwarte 10 Minuten zu warten und nach dem vergehen dieser 10 Minuten nicht das gewünschte Ergebnis kommt, dann rutscht zum einen die Aufmerksamkeit (ZS II) wieder auf die Zeit, im Zweifel kollidiert mehr Wartezeit mit meiner Verfügbarkeit (ZS I) und gleichzeitig stimmt Erwartung nicht mit der Realität überein - die Zeit vergeht dann gefühlt mit veränderter Geschwindigkeit weil sie außerhalb meiner Erwartung liegt.

Zwischenstand III - Das Zeitempfinden ist abhängig von der meiner Erwartung und der eintreffenden Realität.

Zu guter Letzt gibt es noch verschiedene Besetzungen von Zeit. Ich kann Zeit als positiv besetzen oder negativ - neutral wäre hier die "nicht Wahrnehmung" der Zeit (ZS II). 

Positive Erlebnisse vergehen gefühlt schneller, negative nur sehr schleppend. Das hängt zum einen mit der Aufmerksamkeit zusammen, bei positiven Erlebnissen so eingebunden, dass die Zeit kaum beachtet wird - bei negativen schenken wir der Zeit eine höhere Aufmerksamkeit (z.B. beim Warten).

Das Warten wäre hier der entscheidende Faktor. Angenommen wir erwarten in einer Stunde ein Ereignissen. Ist es positiv, dann ist die Zeit bis dorthin negativ besetzt, sie vergeht dementsprechend - wie erklärt - langsamer aufgrund der Aufmerksamkeit. Ist es negativ, dann ist die Zeit bis dorthin [als Puffer beispielsweise] positiv besetzt [, um es zum Beispiel noch abzuwenden]. Die Zeit vergeht dann schneller, da die Aufmerksamkeit versucht wird wegzulenken von dem nahenden negativen Erlebnis - zum Beispiel auf eine Lösungsfindung zur Vermeidung.

Zwischenstand IV - Positive Erlebnisse erzeugen eine negative Wartezeit und damit das Gefühl die Zeit verginge langsamer. Negative Erlebnisse erzeugen eine positive Wartezeit und damit das Gefühl die Zeit verginge schneller.

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Erprobung an einer Frage von dir: 

"Stimmt es das desto älter man ist desto schneller vergeht die Zeit?"

Ja, denn die noch folgende Lebenserfahrung wird immer geringer, kleinere Zeitaufwendungen nehmen somit einen größeren Prozentsatz ein (ZS I), dass führt zu einer intensiveren Beschäftigung mit der Zeit und einer erhöhten Aufmerksamkeit die dieser Geschenkt wird (ZS II). Mir zunehmenden Alter gehen viele Dinge auch nicht mehr in der gewohnten Geschwindigkeit, Erwartung und Realität klaffen öfter auseinander - ein Gefühl die Zeit verginge schneller schleicht sich ein.

Der letzte Punkt ist an der Stelle zu variabel.

Rein aus Erzählungen, also purer Empirie, würde ich diese Aussage auch vorerst für richtig erachten.

Wie gesagt. Es sind nur ein paar Gedanken dazu.

Liebe Grüße.

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Ja, ich bin jetzt jetzt 62 und kann das bestätigen: Die Zeit rast nur noch so dahin. Kaum habe ich das Frühstück hinter mir, schon ist wieder Mittag und danach ist der Tag dann schon fast wieder um.

Ich habe kein Problem damit, da ich keine Angst vor dem Tod habe, der ja nur meinen Körper betrifft. Ich bin stattdessen ziemlich gespannt und freue mich auf das, was danach sein wird.

Es gibt verschiedene Theorien darüber, warum wir Zeit unterschiedlich empfinden. 

Interessant finde ich die vedischen Informationen über die verschiedenen Zeitebenen im Universum und dass auch jede Lebensform Zeit anderes wahrnimmt.

Dort wird z.B. gesagt, dass jedes Lebewesen eine durchschnittliche Lebensdauer von 100 Jahren hat, sein Leben also so empfindet. Dennoch sind die 100 Jahre einer Ameise viel kürzer als die 100 Jahre eines Menschen.

Hier ein interessanter philosophischer Artikel über das Thema: 

 http://armin-risi.ch/Artikel/Philosophie/Zeit_und_Ewigkeit.html

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