Zeit ist eine Illusion...?

27 Antworten

Alles, was wir Menschen und andere Lebewesen erleben, beziehen sie auf ihr eigenes Überleben. Dabei erfahren wir Vergänglichkeit im Sinne des altgriechischen Philosophen Heraklit (ca. 500 vChr): Alles fließt - oder modern - Alles ist Prozess. Viele übersehen bei diesem Zitat, dass in dieser Feststellung stetiger Veränderung kein Richtungspfeil enthalten ist und kein Ausgangspunkt. Sein ist ewig - so sagt es sein Zeitgenosse Parmenides und Epikur, der diese Weltsicht aufgreift, leitet daraus z.B. ab, dass es mehrere "Erden" geben könnte und die unsere und wir selbst uns schwerlich als Mittelpunkt betrachten können, dass man das auch auf die Zeit als Erfahrung der Veränderung beziehen kann. Wir selbst allerdings erfahren uns als Mittelpunkt und über die Entwicklung "Geburt - Tod" als im Fluss der Zeit gerichtet. Was wir als Zeit erfahren ist ein Zweifaches: Einmal das individuelle, emotional gedehnte oder gepresste Zeiterleben und zum Zweiten die zwischenindividuelle, gesellschaftliche Zeitstruktur als Orientierung für gemeinsam abgestimmtes Handeln. Letzteres ist eine von uns Menschen im Laufe der Jahrhunderte harmonisierte Zeitstruktur, die sich am mittleren Sonnentag orientiert. Um mit Einstein zu sprechen: Wir sitzen in einem "Sonnenzug" und erfahren im Verhältnis zum restlichen Universum Zeitabstände relativ zum Tempo des "Sonnenzugs".

Eine Illusion ist es, dass unser Lebensfluss ein Maßstab für eine Zeit des Seins sein könnte. In dessen Ewigkeit ist unser Lebensspanne nicht mal als Blitz wahrnehmbar. Mag sein, dass Buddha das gemeint hat. In Konflikt steht die vorplatonische, altgriechische Seinsauffassung mit allen Schöpfungsmythen, die einen Anfang des Seins setzen und nur einem göttlichen Übersein eine Ewigkeit zubilligen. Es besteht der Verdacht, dass dieses Gedankenkonstrukt lediglich dazu dienen soll, zu kaschieren, wie unbedeutend der einzelne Mensch im Lichte des Seins ist. Andererseits kann uns das ewige Sein egal sein, weil für uns selbst nur unsere Lebensspanne zählt, die wir möglichst günstig zu gestalten suchen sollten. Viele sehen in Epikurs Philosophie nur diesen Aspekt und lassen den Rahmen weg. Das verkürzt allerdings die Weite der epikureischen Philosophie.

Seit dem Beginn der modernen Wissenschaft, also seit 1600, versucht man das Phänomen "Zeit" zu fassen. Wer sich nicht mit diesem Thema beschäftigt, für den ist klar, was Zeit ist: Zeit ist das, was die Uhr anzeigt. Je intensiver man aber versucht, den wahren Charakter der Zeit zu erkennen, umso weniger versteht man. Daher gibt es auch viele verschiedenen Betrachtungen zum Thema Zeit. Das Ergebnis dieser Betrachtungen ist immer im kulturellen Kontext zu sehen, in dem diese Betrachtungen stattfanden. Da es verscheidene kulturelle Kontexte gibt, gibt es auch verschiedene Aussagen zur Zeit.

In der klassischen Physik spielt Zeit nur eine untergeordnete Rolle. Sie ist lediglich ein Faktor von vielen. Das liegt daran, dass die klassische Physik sich universell versteht und Zukunft und Vergangenheit keine Rolle spielen. Alle klassischen Gesetze, wie z.B. der Energieerhaltungssatz beschreiben nur Zustände, aber keine Prozesse. Diese Gesetze gelten vorwärts und Rückwärts. Das ist auch korrekt, solange sich Systeme im thermodynamischen Gleichgewichtszustand befinden.

Die einzige naturwissenschaftliche Disziplin, die davon abweicht, ist seit etwa 1850 die Thermodynamik. Sadi Carnot erkannte, dass es viele Vorgänge gibt, die nur in eine Richtung verlaufen können, das heißt, dass sie irreversibel, also nicht umkehrbar sind. Irrevesibilität könnte man populär auch so formulieren: "Was passiert ist, ist passiert und lässt sich nicht wieder rückgängig machen".

Dann kam in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts der Thermodynamiker und Philsoph Ilya Prigogine (sprich "Prigoschin), um sich diesem Problem intensiv zu widmen. Er erkannte, dass es stabile Strukturen gibt, die sich fernab des thermodynamischen Gleichgewichtes befinden. Die Prozesse in diesen Strukturen sind grundsätzlich irreversibel. Er nannte diese Strukturen dissipative Systeme. Um diese Theorie der dissipativen Strukturen theoretisch herzuleiten, wendete er den 2. und 3. Hauptsatz der Thermodynamik an, die grundelegende Aussagen zur Irreversibiltät machen. Damit begründete er auch einen ganz neuen Zeitbegriff. Für ihn ist Zeit Ausdruck dafür, dass Prozesse irreversibel ablaufen, also an das Fließen der Zeit gebunden sind. Seine Behauptung: wenn es keine irrevesiblen Prozesse gibt, gibt es auch keine Zeit.

Für diese Arbeit erhielt Prigogine 1977 den Nobelpreis. Er begründete damit ein völlig neues Weltbild, dass nicht mehr von quasistatischen Zuständen, also der Grundlage der klassischen Physik ausgeht, sondern von der zeitgebundenen Irrevesibiltät dissipativer Prozesse. Dissipativ bedeutet, es wird wertvolle Energie (Exergie) in wertlose Energie (Anergie oder Wärmeenergie) umgewandelt. Diese neue Weltbild revolutioniert zur Zeit den gesamten Wissenschaftsbetrieb. Plötzlich kann man Phänomene wie Leben, Evolution, gesellschaftliche Entwicklung etc. pp. auf Basis von Naturgesetzen verstehen und beschreiben. Während das alte klassische Weltbild ein Weltbild des Seins war (Zustandsbeschreibungen), ist das neue Weltbild ein Weltbild des Werdens (Prozessorientiert). In diesem neuen Weltbild nimmt der Begriff Zeit eine völlig neue dominierende Rolle ein. Ohne Zeit gäbe es keine irrevesiblen Prozesse und ohne irreversible Prozesse gäbe es kein Leben. So gesehen kann Leben als ein Phänomen der Zeit betrachtet werden. Ohne Zeit gäbe es kein Leben.

Wo kann man näheres über diese (angeblich erst durch die Entdeckung dissipativer Strukturen und Prozesse hervorgerufene) Revolution unseres Weltbildes nachlesen?

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@grtgrt

Hier z.B.:

http://www.schlaefendorf.de/literatur/prigogine/


Dass eine Veränderung des Weltbildes in der Physik stattgefunden hat, wurde sogar schon "offiziell bestätigt":

So gab 1986 einer der bedeutendsten Deterministen, der damalige Präsident der International Union of Theoretical and Applied Mechanics, Sir James Lighthill, zu Protokoll:


„Hier muss ich innehalten und im Namen der großen Bruderschaft der Praktiker der Mechanik sprechen. Wir sind uns heute sehr der Tatsache bewusst, dass die Begeisterung, die unsere Vorgänger für den phantastischen Erfolg der Newtonschen Mechanik empfanden, sie auf diesem Gebiet der Vorhersagbarkeit zu Verallgemeinerungen verleitet haben, an die wir vor 1960 möglicherweise allgemein geglaubt haben, die wir aber inzwischen als falsch erkannt haben. Wir möchten uns gemeinsam dafür entschuldigen, dass wir das gebildete Publikum in die Irre geführt haben, indem wir bezüglich des Determinismus von Systemen, die den Newtonschen Gesetzen genügen, Ideen verbreitet haben, die sich nach 1960 als inkorrekt erwiesen haben."
 

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Nun, niemand begreift das. Niemand begreift Dinge wie Anfang und Ende und Ursprung des Universums, Leben und Tod, die Größe des Universums etc. pp.

Unser Gehirn hat sich in Millionen Jahren dafür entwickelt, Früchte in Bäumen auf große Entfernung zu sehen, Spuren von Tieren am Boden zu erkennen und zu unterscheiden, Geräusche zu orten und einzuordnen, essbare Früchte von Giftigen zu unterscheiden, das Verhalten von anderen wahrzunehmen und zu interpretieren und für vieles mehr. Nicht aber um erste und letzte Fragen zu beantworten oder zu verstehen.

Mathematik und Physik mögen Hilfe geben, unsere Erkenntnisfähigkeit zu verbessern, so kennen wir heute auch die Rückseite des Mondes und den Boden es Ozeans, die Funktionsweise der DNA und den Mechanismus von Krankheiten. Das befähigt uns Raumschiffe zu bauen, Medikamente zu finden, aber nicht dazu, etwas wie die Zeit zu verstehen.

Zeit vergeht aus Sichtweise der Physik in verschiedenen Bezugssystemen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit, wir erleben sie auch völlig unterschiedlich, mit Schmerzen im Zahn kann eine Minute wie eine Ewigkeit sein, in anderen Momenten rast sie dahin. Es kommt sogar vor, dass beides gleichzeitig geschieht. Die Physik sagt, dass nichts dagegen spricht, dass Zeit auch rückwärts laufen kann, aber wir erleben sie immer nur in Richtung Zukunft gerichtet. Genaugenommen gibt es keinen Moment der Gegenwart, denn so wie wir über ihn nachdenken, ist er schon vorbei. Was gleichzeitig im Universum geschieht, kann man überhaupt nicht beantworten. Wenn man sich all diese Paradoxien und Rätsel vor Augen führt, dann wird klar, dass Zeit in erster Linie ein Konstrukt des Geistes ist, um sich in der Welt besser zurechtzufinden. Diese Zeit steht mit den pysikalischen Gegebenheiten in Verbindung, entspricht ihr aber nur grob. So wie es in der Welt ausserhalb unseres Kopfes kein Ding wie Rot gibt, gibt es auch kein Ding, das dem entspricht, was unser kindliches Gemüt als Zeit versteht.

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