Zahlt Zeitarbeitsfirma Adecco in Berlin tägliche Fahrtkosten, Essensgeld und das volle Gehalt?

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2 Antworten

Verabschiede dich mal von Fahr- und Essensgeld - das sind freiwillige Leitungen und wenn gibt es nur eins davon aber äußerst selten beides zusammen. 30 Cent / km wird es eh nicht geben

Zeitkonto? Es wird zwar eins geben, wenn sie über die "30" rauskommt, dann wandert das dahin - aber - das darf nicht für auftragsarme Zeiten genutzt werden (vgl §§ 615 BGB u. 11 Abs 4 ff AÜG), das geht zu Lasten des Arbeitgebers

Fahrtkosten ect. sind rein freiwillige Leistungen des Arbeitgebers. Ich weiss ja nicht, ob Du auch arbeitest. Wenn ja (und nicht bei einer Zeitarbeitsfirma angestellt bist), hast Du doch bestimmt bei Deiner Einstellung Deinen Arbeitgeber auch nicht gefragt, ob er Dir Fahrtkosten bezahlt. Wie kommst Du nur darauf, dass die Zeitarbeitsfirmen dies tun. Manchmal machen es einige. Dies ist aber immer ein Zeichen dafür, dass sie auch beim Lohn noch Spielraum wäre. Essengeldbezahlung durch Arbeitgeber??? Ist Deine Frau insgesamt mindestens 8 Stunden täglich unterwegs, kann sie sich einen Teil als Verpflegungsmehraufwand über den Lohnsteuerjahresausgleich zurückholen. Kosten für Friseur und Kleidung übernimmt der Arbeitgeber ebenfalls nicht :) :)

Kleintier 05.07.2011, 14:05

Fahrtkosten ect. sind rein freiwillige Leistungen des Arbeitgebers. Ich weiss ja nicht, ob Du auch arbeitest. Wenn ja (und nicht bei einer Zeitarbeitsfirma angestellt bist), hast Du doch bestimmt bei Deiner Einstellung Deinen Arbeitgeber auch nicht gefragt, ob er Dir Fahrtkosten bezahlt. Wie kommst Du nur darauf, dass die Zeitarbeitsfirmen dies tun.

Hier eine Textpassage, die so oder so ähnlich in den meisten Zeitarbeitsverträgen steht:

(...) Auf Anordnung des Arbeitgebers ist der Mitarbeiter verpflichtet, an verschiedenen Orten bei Kunden des Auftraggebers und zwar im gesamten Gebiet der Bundesrepublik Deutschland und im Gebiet der unmittelbar angrenzenden Nachbarstaaten der Bundesrepublik Deutschland tätig zu sein. Eine entsprechende Verpflichtung des Mitarbeiters besteht auch, wenn der Kunde, an den der Mitarbeiter überlassen wurde, diesen anweist, an einem Ort im gesamten Gebiet der Bundesrepublik Deutschland oder im Gebiet des angrenzenden Auslandes tätig zu werden. (...)

Lese Dir doch bitte mal die Erfahrungsberichte der Zeitarbeiter durch. Die werden nicht selten 40km und mehr zu den Einsätzen geschickt, manchmal so gar weit über 100km - und das alles ohne Fahrtkostenerstattung, teilweise mit Brutto-Tariflohn E1 (aktuell von 6,56€ bis 7,79€)

Nur mal zur Erinnerung: Die Zeitarbeiter, die von den Jobcenter zu diesen Zwangs-ZA-Vorstellungsgesprächen und ZA-Messen geschickt werden, haben keinen Verhandlungsspielraum. Sie stehen vor der Entscheidung: Unterschreiben oder ALG2-Sanktion!

Ein alltägliches Beispiel: Die Zeitarbeitsfirma/Niederlassung ist 5km entfernt, aber der Zeitarbeitnehmer soll 30km zum Kunden fahren. Die Entfernung zu den Arbeitsstellen erfährt der Zeitarbeiter übrigens i.d.R. nicht vor Arbeitsvertragsunterzeichnung. Wie auch? Zeitarbeit heißt doch flexibel sein und wechselnde Einsätze... bundesweit!

Wie kommst Du nur darauf, dass die Zeitarbeitsfirmen dies tun.

Sollte das nicht, aus sozialer Sicht, eine Selbstverständlichkeit sein? (Aber was ist schon sozial in der Zeitarbeit?)

Was mich ernsthaft interessiert: Würdest Du unter solchen alltäglichen Zeitarbeit-Bedingungen arbeiten?

(natürlich ohne Fahrtkostenerstattung)

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Roeschen001 05.07.2011, 19:17
@Kleintier

Ich war über 10 Jahre intern bei einer ZA-Firma beschäftigt. (Davor arbeitete ich für das gleiche Unternehmen extern. Vielleicht habe ich durch meine ehemalige Tätigkeit eine andere Sichtweise. Ich wohne zwar in NRW, komme aber aus dem Berliner Raum. Zur Zeit des Umzugs hatte ich schon über 20 Jahre Berufstätigkeit in der DDR hinter mir. Immer Jobs mit einem 10-12-Stunden Tag, immer schlecht bezahlt, immer viel Verantwortung. Ein Zeitarbeitsunternehmen bekommt nur einen bestimmten Betrag vom Kunden, mit dem es auskommen muss, um Löhne zu zahlen, alle anderen Abgaben und noch Gewinn zu machen. Ich würde es immer vorziehen, den Mitarbeitern mehr Lohn zu zahlen. Die Fahrtkosten bzw. die gefahrenen würde ich auflisten und mir dann lieber über die Steuer zum Jahresende zurückholen. Schlechter Lohn und Fahrgeld machen nur die ZA-Firmen zusätzlich Gewinn. Glaub mir, ich kenne mehr als genau die Arbeit von ZA-Unternehmen. Wenn ein Mitarbeiter eine Tätigkeit bzw. einen Einsatz erhält, der 50 km oder weiter weg ist, muss er diesen natürlich nicht annehmen. Wird er aus diesem Grund gekündigt (was auch passieren kann), bekommt er auch keine Leistungssperre. Einsätze, die derart weit entfernt sind, rechnen sich in der Regel auf lange Sicht auch für das Zeitarbeitsunternehmen nicht. Ich kenne genügend Beispiele, wo auch feste Firmen Stundenlöhne von 7,50 Euro brutto für ihre festen Mitarbeiter zahlen. Deine Frau sollte mal mit dem Arbeitsamt sprechen, in der Regel zahlt dieses (zumindest für die ersten 6 Monate) die Fahrtkosten oder zumindest einen Zuschuss.

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Kleintier 05.07.2011, 23:03
@Roeschen001

Ein Zeitarbeitsunternehmen bekommt nur einen bestimmten Betrag vom Kunden, mit dem es auskommen muss, um Löhne zu zahlen, alle anderen Abgaben und noch Gewinn zu machen.

Ist das ein Grund Mitarbeiter in die Armut zu treiben? Es ist schlichtweg asozial, wenn eine Zeitarbeitsfirma verlangt, dass Mitarbeiter bei Tarif-Bruttolöhne ab 6,56€ (Ost) bzw. 7,79€ (West) durch die Gegend fahren - ohne Kostenerstattung! Entweder kann die Zeitarbeitsfirma nicht kalkulieren, bedient die falschen Kunden, ist eine Abzockerbude oder ist schlichtweg nicht marktreif.

Beliebte Telefonsprüche der Zeitarbeit-Disponenten:

  • "Ach Frau X, sie arbeiten z.Z. nur 6 Std. am Tag. Fahren Sie bitte nach Feierabend für 2-3 Std. zur Firma Y."

  • "Herr Z, bitte kommen Sie nach Feierabend bei uns im Büro vorbei."

FrankFrager*s Forderung nach 30 Cent/Kilometer ist mehr als berechtigt.

Die Fahrtkosten bzw. die gefahrenen würde ich auflisten und mir dann lieber über die Steuer zum Jahresende zurückholen...

Das ist ein beliebter Spruch der Disponenten. Rechne doch mal bitte aus, wie viel Steuer man max. bezahlt, bei der häufigst angewandten Entgeltgruppe E1 (6,56€ bis 7,79€). Da gibt es nicht mehr viel zurückholen.

Wenn ein Mitarbeiter eine Tätigkeit bzw. einen Einsatz erhält, der 50 km oder weiter weg ist, muss er diesen natürlich nicht annehmen.

Viele, die hier sehr gute Antworten geben, sehen das leider anders: http://www.gutefrage.net/frage/ist-das-rechtlich-und-kann-ich-was-dagegen-machen

"Vertragsstrafen (...) nimmt die Arbeit schuldhaft nicht oder nur verspätet auf, ohne das ihm ein Zurückbehaltungsrecht an seiner Arbeitsleistung zusteht, ist ZEITARBEIT berechtigt, eine Vertragsstrafe in Höhe des vertraglichen Bruttoentgelts, das dem Mitarbeiter ohne die Nichterbringung der Arbeitsleistung zugestanden hätte, geltend zu machen. (...)"

Und wer muss seinen Rechtsanwalt fürs Arbeitsgericht 1. Instanz bezahlen - auch wenn er Recht bekommt? Der Arbeitnehmer! Das hemmt viele Zeitarbeiter ihre Rechte einzufordern. Und das wissen auch die Zeitarbeitsfirmen.

Ich kenne genügend Beispiele, wo auch feste Firmen Stundenlöhne von 7,50 Euro brutto für ihre festen Mitarbeiter zahlen.

Ja, leider gibt es das. Aber werden diese Mitarbeiter auf ihre Kosten durch die Gegend geschickt? Müssen diese Mitarbeiter flexibel sein und erfahren ihre Arbeitsorte und -zeiten kurzfristig? Ich denke eher nicht...

Deine Frau sollte mal mit dem Arbeitsamt sprechen, in der Regel zahlt dieses (zumindest für die ersten 6 Monate) die Fahrtkosten oder zumindest einen Zuschuss.

Die Zeitarbeitsfirmen machen Gewinn, zahlen Hungerlöhne, schicken die Mitarbeiter durch die Gegend... und die Sozialgemeinschaft darf dafür bezahlen - durch Lohn- und Fahrtkostenzuschüsse. Es ist durchaus berechtigt zu verallgemeinern und zu sagen: Die Zeitarbeitsbranche ist a-szozial.

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Roeschen001 06.07.2011, 08:15
@Kleintier

Nein, nicht die Zeitarbeit an sich ist asozial, sondern zum Teil die internen Mitarbeiter, die dort arbeiten. Vielleicht hatte ich das Glück, während meiner langjährigen Tätigkeit nur an solche zu geraten, die auch vernünftig bezahlen. Es ist ein weites Feld, dafür oder dagegen zu sein. Man kann sich natürlich über viele Dinge aufregen, die in der Zeitarbeitsbranche passieren. Das hat aber weniger mit der Zeitarbeit an sich zu tun, sondern immer mit den Menschen, die in den einzelnen Niederlassungen arbeiten. Viele von denen haben Angst um ihre eigenen Arbeitsplätze und vergessen dabei, dass die Menschen, die bei den Kunden beschäftigt sind, denen ihr Geld mit verdienen. Die Zeitarbeit ist nun mal aus den USA herübergeschwappt und wir müssen damit alle leben - ob wir wollen oder nicht. Wenn Du oder Deine Frau so einen Horror vor der Zeitarbeit haben, würde ich auch dieses Stellenangebot für Deine Frau nicht annehmen. Das bringt keinem was. Bei der geringsten gefühlten Verfehlung des Zeitarbeitsunternehmens (wohl gemerkt "gefühlten" Verfehlung) würdet Ihr protestieren und damit wäre sie sofort wieder raus. Ich finde Zeitarbeit auch nicht so toll, aber keiner wird sie wegzaubern. Ausserdem: Ich habe vor Jahren als externe Mitarbeiterin im Büro auch nur 15 DM verdient (das sind eben nun mal 7,50 Euro). Und das als Sachbearbeiterin. 25 km eine Tour musste ich auch noch fahren. Ich fand das trotzdem besser, als nach einer eventuellen Arbeitslosigkeit vielleicht in Hartz-4 zu geraten, zumal ich wusste, das es nur vorübergehend sein würde. Zeitarbeit an sich treibt auch niemand in die Armut. Einen Job bei der ZA nehme ich doch nur an, wenn ich selber keinen anderen finde. Wenn dies der Fall ist, gerate ich sowieso irgend wann in die Armut. Fakt ist auch, dass die Unternehmen die wenigsten Stellen sozialversicherungspflichtig besetzen würden, gäbe es die Zeitarbeit nicht mehr. Es wäre eher so, dass in vielen Firmen die Mitarbeiter, die dort fest angestellt sind, dann länger arbeiten würden (sprich Überstunden machen würden) bzw. es noch mehr 400-Euro-Jobs geben würde oder noch mehr Firmen ihre Betriebsstätten ins Ausland verlagern würden. Und: Geh von dem Gedanken weg, dass Zeitarbeitsfirmen rieeeeesige Gewinne einfahren. Das war vor Jahren so und mag auch wieder (seit diesem Jahr) bei bei einigen der Fall sein. Oft liegt der Gewinn bei 20-30 Cent/Std. und Mitarbeiter. So etwas kann ich aber nur beurteilen, wenn ich selbst direkt in einem ZA-Unternehmen arbeite oder gearbeitet habe.

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